Über „Silo Spricht“ Teil I.

28.05.2014 - Ernesto H. De Casas

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Italienisch, Portugiesisch verfügbar.

Über „Silo Spricht“ Teil I.
(Bild von Foto: Miguel Ángel Invarato)

Mendoza, April 2014 – Anlässlich der neuen, soeben vom Leon Alado Verlag in Spanien herausgegeben Auflage von Silo Spricht, dachte ich an die Möglichkeit dieses Buch in Form von Artikeln vorzustellen. Dadurch könnte man auch den Autor näher kennenlernen. Hier treffen wir auf Silo in all seinen Facetten, als Schriftsteller und Redner,  hier vermittelt er direkt was er gedacht und gefühlt hat, er teilt seine Reflexionen mit und gibt seinen Vorschlägen  eine solide Grundlage.

Wir treffen ihn an verschiedenen Orten an, in den Bergen, in Konferenzsälen, im Theater, in einem Stadion und auch am Strand. Mit und ohne Mikrophon oder Lautsprecher. Er bereiste viele Städte, in dem  Bestreben gehört zu werden, die Anderen zu erreichen, immer und immer wieder. Seine Bereitschaft sich in verschiedensten Formen auszudrücken ist offenkundig, und hing davon ab, welches Publikum er erreichen wollte. Verschiedenste Empfindungen werden durch ihn angesprochen, er wirkt ernst, nah, technisch, gelehrt, oder er wirkt als vermittle er simpel und einfach die Wahrheit. Er tut dies, damit das Publikum, wer immer das sei, ihn verstehen kann, egal wie komplex die Thematik auch ist. Damit schaffte er eine gute Autor-Leser Beziehung. Wer ihm zuhörte, konnte mit ihm übereinstimmen oder auch nicht, seinen Geist für andere Gesichtspunkte oder andere, weitere und tiefere Blicke öffnen oder auch nicht, aber mit Sicherheit fand er eine Nuance, einen Blickwinkel oder eine Facette, die ihn anzog.

Er war ohne Zweifel ein brillanter Redner, dessen größtes Interesse darin lag, die anderen zu erreichen und ihnen zu ermöglichen ihm ohne größere Ablenkungen zu folgen. Seine Stimme war fest und freundlich, durch verschiedene Tonfälle ermöglichte er eine emotionale Öffnung und ein intellektuelles Verständnis seiner Kenntnisse.

Vielleicht wird man auf ihn aufmerksam, weil er sich im allgemeinen nie auf sich selbst bezieht, er zieht es unzweifelhaft vor sich mit dem jeweiligen Thema von Interesse zu befassen und dieses darzulegen. Er zitiert gemeinhin auch keine anderen Referenzen (Autoren, Texte, Veröffentlichungen), sondern  konzentriert sich auf seine eigenen Reflexionen. Diese entwickelt er, erweitert sie oder fasst sie zusammen und legt sie dar. Er befasst sich mit jedem dieser Themen auf eine fundamentale Art zu Denken und vermittelt dies dann weiter. Das hat ihn am meisten interessiert.

Er ist also ein grundlegender Denker, der uns gütig all seine Entdeckungen vermittelt. Er tut dies mit Bestimmtheit, ohne zu zögern. Das stört manchmal ein eher relativistisches Publikum, das eher Verzögerungen, die Flucht oder Ungenauigkeiten vorzieht. Er gewöhnt uns daran auf das hauptsächliche zu achten, es zu spezifizieren, immer auf der Grundlage des wesentlichen, nie auf Grundlage entfernterer oder auffälligerer Themen, oder auf der Grundlage von Moden oder entbehrlichen Dingen. Er widmet sich den großen Themen, die das Leben der Menschen angehen und er teilt sie mit uns.

Wir, die wir das Privileg hatten ihn bei verschiedenen Gelegenheiten reden zu hören, haben dies genossen und waren berührt von der Tatsache einem außergewöhnlichen Mann begegnet zu sein, der anderen Menschen Wahrheiten mitteilt. Jede Veranstaltung war ein wahrhaftiges Ereignis. Kurz oder lang, immer intensiv. Er teilte seine Dinge aus dem einfachen Interesse  mit, dies tun zu wollen, ohne etwas dafür zu erwarten, weder eine Anerkennung, noch Ablehnung, Applaus oder Kritik. Jeder Augenblick war tief gehend, bedeutend, bemerkenswert und transzendent. Ich würde sagen, wenn es erlaubt ist, es waren magische, inspirierende Momente.

Seine Reden zeugen auch von einer einzigartigen Ästhetik. Die Prosa, die linguistischen Wendungen, die Metaphern und die Poesie verschmelzen im Essay und in der eingehenden Beschreibung. Sie werden in einem Gewebe von Gewissheiten miteinander verknüpft, die das Publikum erkennt, miteinander verbindet und denen es als eigene Erfahrung und Beobachtung beistimmt.

Der Stil ist ebenfalls sehr vielfältig und deckt eine breite Skala ab, von der kurzen Ansprache über Einleitungen, Erzählungen oder Geschichten, zur informativen Anmerkung und kategorischen Meinung. Ein Mensch, der viel zu Themen von Bedeutung zu sagen hat.

Sein hauptsächliches Interesse liegt nicht nur im Vermitteln von Ideen, sondern auch von Gefühlen und er ermutigt uns interessante Erfahrungen zu machen. Bei vielen Gelegenheiten lädt er uns dazu ein eine innere Erfahrung zu erleben. Nicht nur um uns selbst und unsere Lebensbedingungen besser zu verstehen, sondern damit wir, aus eigener Erfahrung, einen erhabeneren Sinn oder einen inspirierten Geisteszustand erahnen können, damit wir ungünstige Bedingungen verändern und einfach positive Erlebnisse haben können.

In allen Fällen vermittelt er uns etwas seiner selbst: Innere Einheit und persönliche Kohärenz. Dies tut er, weil es das Beste ist, was er für andere tun kann und er lädt uns dazu ein, dies zu vertiefen. Er schafft eine ermutigende Atmosphäre, die die wichtigsten Bestrebungen der Menschen betont, im Bewusstsein, dass wir in einer Zeit leben, die voller Widrigkeiten ist.

Die Situationen wählt er aus für ein großes oder eher kleineres  Publikum, Freunde, Gäste oder eine Reihe von Experten, Religionsanhänger, Gelehrte oder allgemein für alle, die seine Reden verfolgen.

Im Allgemeinen richtet er sich an ein breites Publikum, an den gewöhnlichen Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung: Freunde, Familienangehörige, Kollegen. Dort wo jeder einzelne seine Tage mit seinen Bestrebungen erlebt.

Er spricht frei heraus zu uns, weil er sich dazu entschieden hat, in dem Wissen einen nützlichen Beitrag für andere zu leisten, ohne irgendeine Bedingung. So behandelt er die Anderen, ohne Abhängigkeiten, ohne etwas zu fordern, er tut alles um zu helfen, zu unterstützen..

Er tut dies als ein normaler Mensch, ohne mit Titeln oder Rängen, bekannten Institutionen oder mit ungeheuren Mitteln zu protzen. Nichts davon, er hat eine offene Art und er richtet sich an jeden, der es hören möchte, ohne Formalitäten. Er sagt das Beste sei es seine Vorschläge anzuschauen und jeder wird sehen was er damit macht. In seinen eigenen Worten: “…Ich spreche von dem was den Menschen frei und glücklich macht”.

Die Titel, über die wir hier sprechen sind: Die Heilung vom Leiden, Die gültige Handlung, Über das Rätsel der Wahrnehmung. Der Freiwillige, Öffentliche Rede in Madrid. Andere werden in weiteren Artikeln folgen.

Ein schneller Blick auf all seine R eden und Veröffentlichungen vermittelt uns das klare Gefühl, dass es sich um einen unschätzbaren Inhalt von vitaler Bedeutung handelt. Deshalb lohnt es sich diesen Autor genau zu studieren, der immer wenn möglich die direkte Kommunikation benutzt hat.

1. Die Heilung vom Leiden. Hier tritt er zum ersten Mal auf. Die Person, die Silo vorher war, tritt in den Hintergrund und er beginnt sein öffentliches Leben. Es ist einem Vorschlag gewidmet, der auch eine Botschaft, eine Lehre ist. Er sagt uns “sucht keine falschen Lösungen”, er zeigt uns, wie man den Wunsch beiseite lässt und auf das Bedürfnis achtet und erinnert uns daran, dass “es notwendig ist vorwärts zu gehen”. Er erfüllt uns mit Hoffnung auf die Möglichkeit den Geist, das Herz und den Körper zu erheben. Mit dieser Rede zeichnet er den Rahmen, für alles was in den weiteren dreißig Jahren folgt.

2. Die gültige Handlung. Er verlässt Südamerika und wir treffen ihn auf den Kanarischen Inseln, dort spricht er acht Jahre später zu uns über die Bedeutung des Verhaltens. Er führt einen ausgedehnten ethischen Diskurs, und hebt die Handlungen hervor, die wirklich gültig sind, innere Einheit geben, die man wiederholen möchte und die den anderen helfen. Er entwickelt seinen leitenden Grundsatz: “Behandele die anderen, wie du selbst behandelt werden möchtest”. Dies bestätigt, dass seine größte Sorge nicht darin liegt isolierte Wahrheiten zu vermitteln, sondern ihm liegt an der Beziehung mit dem Anderen. Der Mensch ist für Silo ein Sein in Beziehungen, ein Sein in der Gemeinschaft.

3. Über das Rätsel der Wahrnehmung. Danach wurden wir zu einem weiteren Vortrag eingeladen, der spezifischer angelegt war, als ein Studium seiner Vorschläge. Er beginnt den indischen Buddha zu zitieren, in einem seiner denkwürdigen Dialoge über das was in der Wahrnehmung geschieht. In einer gelehrten Rede  führt er uns durch diese subtilen Aspekte des Blicks und der Vorstellung, die uns zur Beobachtung führen, uns zeigen wie wir wahrnehmen und uns die Welt formen. Er bespricht 14 Themen und lädt uns eine unsere eigenen Schlüsse zu ziehen.

4. Der Freiwillige: Wir sind in den 80er Jahren in Nordamerika, Mexiko, dorthin wurde er eingeladen seine Gedanken über Mitglieder unserer Bewegung[1], über aktive Menschen, über die Freiwilligen darzulegen. Davon gibt es immer mehr in der heutigen Gesellschaft, die Leute öffnen sich mehr zur Umgebung, in der sie leben. Diese Freiwilligkeit wird von der “Bereitschaft Dinge in Gang zu setzen” begleitet, nicht still zu bleiben, sprachlos, konformistisch, angesichts einer absurden Welt, für die wir nicht verantwortlich sind.

5. Öffentliche Veranstaltung im Sportstadion Pabellon in Madrid. Jetzt nicht mehr in den Bergen oder im Konferenzsaal findet diese Veranstaltung in einem großen Sportstadion statt. Dorthin wurde er von der Gemeinschaft eingeladen, eine Gruppe, die sich auf der Grundlage seiner Ideen gegründet hat. Es ist sogar der erste einer Reihe von Auftritten, die in verschiedenen Städten stattfinden werden. Er wird von Rednern begleitet, die den Diskurs noch vielseitiger machen. Er hat damals alleine angefangen und hat jetzt schon ein Team und wurde eingeladen von Menschen, die sein Werk kennen. Bei dieser Gelegenheit redet er darüber die Schuld abzulegen. Dies ist entscheidend für die aktuelle Gesellschaft, die so sehr eine Versöhnung braucht und sich für die Zukunft öffnen muss. Er sagt kategorisch: “Sucht keine Schuldigen”!, und er zeigt eine Erfahrung auf, die das Leben verändern kann, in aufrichtiger Kommunikation mit anderen Menschen. Etwas Wunderbares!

Vom Spanischen übersetzt von Marita Simon


[1] Die Bewegung im Allgemeinen und die Humanistische Bewegung im Besonderen beginnen in den 60er Jahren mit den Vorschlägen und Initiativen, die uns Silo darlegt und in denen er die damalige Zeit erklärt. Durch das Lösen von Schwierigkeiten und das Nutzen von Gelegenheiten kamen wir mit dem Projekt voran und konnten unseren Aktionsradius erweitern, während andere Bewegungen wieder verschwanden… In der Zeit entstanden auch „Die Gemeinschaft für menschliche Entwicklung“, die „Humanistische Partei“, „Welt ohne Kriege“, „Begegnung der Kulturen“, „Humanistisches Weltstudienzentrum“ und verschiedene andere Initiitativen, die sich mit der Erziehung zur Gewaltfreiheit und anderen Themen befassen. Sie alle finden in seinen vielfältigen und ausgedehnten Beiträgen eine Referenz. Wir machen mit voller Kraft und mit einer Vielfalt weiter, die den Menschen heute ausmacht und die unser Zeitalter fordert.

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Südamerika
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