Am Samstag, dem 28. März, strahlt eine klare, majestätische Sonne über Südkalifornien. Ihr gewohnt friedliches Licht blickt von oben auf Tausende ausgelassene Menschen herab, die in festlicher Stimmung Strände, Parks und Straßen bevölkern, um den „No Kings Day“ zu feiern – einen Tag, der sich in den vergangenen Jahren zu einem symbolischen Datum für die Verteidigung der Demokratie im Land entwickelt hat.

Mit jeder neuen Durchführung entwickeln sich diese Veranstaltungen: Mehr als 3.000 Demonstrationen sind für heute geplant, rund 9 Millionen Teilnehmer:innen werden erwartet. Allein in dieser Region stehen etwa siebzig Termine auf dem Kalender: einige an ikonischen Orten wie Santa Monica, Beverly Hills, Venice und Hollywood; selbst Malibu und Newport Beach sind vertreten. Zahlreiche kleinere Städte, verstreut in den Hügeln, beteiligen sich ebenfalls – darunter Filipinotown, Santa Clarita, Santa Ana, Anaheim (Heimat von Disneyland), Orange, Aliso Viejo und viele weitere. Auch Orte am Rande der Wüste wie Victorville oder in den Bergen versteckte Städte wie San Bernardino stehen auf der Liste. Ich habe die Qual der Wahl.

Ich entscheide mich, in Richtung Ozean nach Laguna Beach zu fahren. In den Küstenorten am Pazifik dienen Strand und Pier als unsere öffentlichen Plätze. Ich bin nicht zu spät, und doch ist die Reihe der Demonstrierenden bereits lang und formiert. Zum Glück finde ich einen Parkplatz nicht allzu weit entfernt und mische mich unter die Menge, um zu fotografieren. Ein Marsch ist nicht vorgesehen, sondern eher eine stehende Kundgebung, bei der Plakate und Fahnen am Straßenrand aufgestellt sind. Vorbeifahrende sind ausdrücklich aufgefordert, zu hupen und aus den Fenstern zu rufen. Wir befinden uns auf dem Pacific Coast Highway, und hier bewegt sich der Verkehr ohnehin fast täglich im Schritttempo – es ist eine andere Art des Flanierens.

Die meisten haben ihre eigenen Schilder angefertigt, aber falls man keines hat, gibt es ein paar „Jungs“ auf dem Rasen, die dir spontan eines basteln.

Die Gegend um Laguna ist bei Künstler:innen beliebt, die sie oft als ruhigen Rückzugsort wählen. Entsprechend ist mir eine raffinierte und verspielte Kreativität aufgefallen. Ein Herr etwa hat einen Monarchfalter gemalt – Kaliforniens ikonischen Schmetterling –, und darunter geschrieben: „Das ist der einzige orangefarbene Monarch, den ich sehen will!“ In den 1980er-Jahren war diese Art durch Pestizide und Umweltverschmutzung nahezu ausgestorben. In den letzten Jahren aber feiern die Kalifornier:innen endlich seine Rückkehr. Erstaunlich ist: Es handelt sich um einen Wanderfalter, der bei Wintereinbruch die Rocky Mountains verlässt; doch jene Exemplare, die nach Südkalifornien gelangen, bleiben dort dauerhaft und ziehen nicht weiter. Seit Jahren setzt sich der Bundesstaat für seine Rettung ein, und nahezu jede/r in Kalifornien hat in seinem Garten ein kleines Refugium für ihn geschaffen. Die Strategie scheint aufzugehen – auch wenn sich die Frage aufdrängt, warum wir oft erst das Schlimmste erleben müssen, um das Beste hervorzubringen. Der „No Kings Day“ bildet da keine Ausnahme.

Als ich zum Auto zurückgehe und nach Long Beach fliege, hängen vor einer Bar drei Schilder, und auf einem davon, direkt neben Trumps Gesicht, steht ein Wortspiel, das die Stimmung aller perfekt auf den Punkt bringt: „I RAN from the EPSTEIN FILES.“

Die Demonstration in Long Beach findet fast ausschließlich im Park oberhalb der Klippen statt und ist – vielleicht als Hommage an den tosenden Ozean – eindrucksvoll. Wieder einmal bemerke ich das verschwörerische Geflüster zwischen den Menschen am Straßenrand und denen in den Autos. Hier scheint es fast so, als hätten sie sich abgesprochen: Viele haben Strandstühle mitgebracht und sitzen entspannt mit Schildern auf dem Schoß, während Autofahrer nicht nur hupen, sondern ebenfalls Plakate aus den Fenstern halten oder an ihre Motorhauben geklebt haben. Hinter ihnen, auf dem makellosen Rasen des Parks, entfaltet sich ein wahres Fest, ganz wie ein Dorffest: eine lange Reihe von Ständen und Buden, an denen keine Churros und Süßigkeiten verkauft werden, sondern Slogans und Informationen darüber, wie man sich an der Bewegung beteiligen kann. Einige sammeln Unterschriften.

Die Menschen in Long Beach sind bunt, jeden Alters, und sie zeigen eine frische, respektlose und ungezügelte Kreativität. Einige sind in Drag gekleidet: Da schlendert ein Paar gekrönter Frösche Hand in Hand, eine Freiheitsstatue hat – ihrer Misshandlung überdrüssig – dem „Rothaarigen“ den Kopf abgeschlagen, während eine andere, weniger blutrünstige, Anti-ICE-Trillerpfeifen verteilt. Manche singen alte, zeitlose Hippie-Lieder zur Gitarre, andere schlendern umher oder ruhen sich im Schatten hoher Bäume aus. Seit fast einer Stunde bin ich unterwegs und sehe noch immer nicht, wo die Fiesta endet – und werde es auch nicht. Ich habe Aki, einer japanischen Freundin, die Capoeira praktiziert, versprochen, vor Ort zu sein. Ihre Gruppe wird gemeinsam mit einem indigenen Duo den Tag des Feierns und des bürgerschaftlichen Engagements ausklingen lassen. Ich steige wieder ins Auto, um den Platz vor dem Rathaus zu erreichen, wo ein Umzug eintreffen soll – er ist irgendwo, doch ich weiß nicht genau wo – und auch nicht wo Freiheitslieder gesungen werden sollen. Im chaotischen Verkehr des „No Kings Day“– gerade, als ich die Hoffnung aufgebe, zeitgerecht anzukommen – entdecke ich die kleine Gruppe der Capoeiristas, die sich bereitmacht. Ich komme gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie der Zug die Stufen des Platzes hinaufzieht und skandiert: „So sieht Demokratie aus!“

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!