Sexualisierte Gewalt ist tief verankert in Kreisen ökonomischer und politischer Macht. Im Kleinen schaffen wir Räume, die zeigen, dass Alternativen möglich sind. Unser Editorial zum feministischen Kampftag!

Die Redaktion

Sexualisierte Gewalt ist tief verankert in Kreisen ökonomischer und politischer Macht. Wer das bis vor Kurzem noch nicht glaubte, sollte allerspätestens nach dem Fall Epstein überzeugt sein. Sein Netzwerk von Kindesmissbrauch, Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt erstreckt sich über einflussreiche Intellektuelle und die Wirtschaftselite bis hinein in die Regierungskreise verschiedener Länder in Europa, Lateinamerika und natürlich den USA. Der Fall Epstein ist Ausdruck eines patriarchalen Machtgefüges, das Körper hierarchisiert, zu verfügbaren Objekten macht und Straflosigkeit fördert.

Dabei ist es kein Zufall, dass die Täter reich und mächtig sind – auch wenn ansonsten immer wieder versucht wird, Sexismus und Patriarchat zu kulturalisieren und den vermeintlich Anderen, Marginalisierten zuzuschreiben. Das patriarchale System dient dem Kapitalismus: Es sorgt dafür, dass bestimmte Arbeit gratis oder billiger ist, weil sie zu weiblicher Arbeit und somit für weniger wert erklärt wird. Ob Hausarbeit, Erziehung oder Pflege, bis heute sind feminisierte Arbeitsbereiche die prekarisiertesten. In letzter Konsequenz werden feminisierte Körper als verwertbar, aber auch austauschbar behandelt. Derzeit erleben wir eine neue Eskalationsstufe der kruden Unmenschlichkeit, repräsentiert unter anderem von frauen- und queerfeindlichen Politikern, die provokativ und aggressiv auftreten und ein überhöhtes Selbstverständnis ihrer Macht demonstrieren, wie Trump und Milei.

Ihr entfesselter Kettensägen-Hyperkapitalismus, der nur noch den Markt kennt und jegliches soziale Sicherungsnetz für überflüssig erklärt, passt perfekt zu patriarchalen Männerfantasien, die Stärke (und das „starke Geschlecht“) verherrlichen. Milei, Trump und andere sind dabei nur die sichtbarste Spitze eines Eisbergs patriarchaler und rechter Netzwerke, die einerseits unter Zugriff auf Geld reicher Unternehmer weltweit Deregulierungsmaßnahmen fördern und gleichzeitig brachial sexistische Aussagen absondern. Hier wie dort passen die Fantasien von Hyperkapitalismus, männlicher Stärke und sexueller Ausbeutung wie die Faust aufs Auge.

Die gute Nachricht: Wir setzen diesen Netzwerken unsere eigenen entgegen! Netzwerke, die auf Fürsorge und Gemeinschaft als Stärke setzen. Diese Ausgabe der LN zeigt, dass wir nicht von vorn anfangen, sondern auf einer Tradition der Kämpfe aufbauen: Ni Una Menos in Argentinien gibt es mehr als zehn Jahre (Seite 10), das Plurinationale Treffen von Frauen und Queers sogar schon 40 Jahre (Seite 6). Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen (FLINTA) kommen überall zusammen und bauen alternative Räume voller Fürsorge auf, sowohl in Lateinamerika selbst (siehe Buchrezension S. 46) als auch in vielen migrantischen Gruppen in Deutschland. Im gemeinsamen Singen (Seite 26) werden Freiräume geschaffen und über soziale Medien werden Netzwerke gebildet, die konkret bei Gewalt helfen (Seite 29). Und so wird die Ausgabe von Linoldrucken begleitet, die von der migrantischen Gruppe Frauen machen Druck gestaltet wurden. Ihre Kunst dient dazu, sich zu treffen und den Austausch zwischen migrantischen Frauen zu fördern (Seite 29).

Im Kleinen schaffen wir Räume, die zeigen, dass Alternativen möglich sind. Dass die stärkste Art, rechte Netzwerke und patriarchale Strukturen zu bekämpfen, in solidarischen Beziehungen liegt. Es lohnt sich also, weiter Kampagnen zu organisieren, Gegenräume und Netzwerke aufzubauen. Letztendlich sind feministische Bewegungen eines der schönsten Beispiele für transnationale Bewegungen und Begegnung.

Der Originalartikel kann hier besucht werden