Die ökologische Zerstörung und die Vergiftung der Menschen wird mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran und auch mit den iranischen Angriffen auf die Golfstaaten fortgesetzt.
Von Klaus Moegling
Die gegenwärtige Situation
Das iranische Mullah-Regime ist menschenfeindlich gegenüber der eigenen Bevölkerung und besessen von dem Gedanken, Israel als Staat zu zerstören.
Doch es liefen Verhandlungen, die zur Entschärfung des Atom- und Raketenprogramms geeignet waren. Trotz dieser als möglich und realistisch gehaltenen Verhandlungslösung wurde am 28. Februar 2026 angegriffen. Wieder einmal destabilisiert eine US-Regierung den Nahen Osten. Die in Teilen rechtsextremistische israelische Regierung ist an ihrer Seite.
Beide Staaten verursachen unermessliches Leid und verschlimmern die Lage der ohnehin schon geschundenen Menschen im Iran. Die militärische Eskalation zwischen Israel und dem Iran sowie den vom Iran unterstützten militanten Verbündeten, Hamas, Hisbollah, Huthis, reißt den Nahen Osten in eine weitere menschliche und ökologische Katastrophe. Das auf israelische und US-amerikanische Angriffe vorbereitete und entsprechend organisierte iranische Regime startet Gegenangriffe gegen die Infrastruktur von mehr als einem Dutzend Ölstaaten. Ölraffinerien und Ölfelder gehen in Flammen auf und verpesten die Luft, bewirken sauren Regen und die Vergiftung des Grundwassers.
Wieder sterben Tausende Menschen durch direkte Einwirkung von Raketen, Drohnen, Streumunition und Granaten. Eine ganze Region muß beständig in Bunker und Keller flüchten oder ist auf der Flucht aus den Städten. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Krise durch die – schon vorher voraussehbare – Sperrung der Straße von Hormus für Öltransporte. Die Gas-, Öl- und Benzinpreise schießen in die Höhe, die meisten Börsenwerte stürzen ab.
Und das alles, weil ein US-Präsident keine Geduld mehr hatte, das bereits weitgehend vorhandene Verhandlungsergebnis abzuwarten?
Sicherlich war dies nicht nur eine Frage der fehlenden Geduld von Donald Trump, sondern hierhinter standen geostrategische und ökonomische Interessen der USA und auch eine Mischung aus imperialistischen und sicherheitspolitischen Beweggründen Israels.
Auch die US-amerikanischen und russischen Ölkonzerne sowie die internationale Rüstungsindustrie erzielen derzeit überdurchschnittliche Renditen und sind die Gewinner dieser Zerstörung.
Der Wahnsinn der ökologischen Zerstörung im Iran, den Golfstaaten, im Gaza-Streifen und in der Ukraine
Die Journalistin Angelique Chrisafis berichtet in der Zeitschrift The Guardian aufgrund der Angriffe auf iranische Öllager von apokalyptischen Zuständen im Iran und insbesondere in Teheran:
„Die staatliche Umweltbehörde rät den Menschen, in ihren Häusern zu bleiben. Der iranische Rote Halbmond warnt vor möglichem sauren Regen, ausgelöst durch giftige Chemikalien, und empfiehlt, Klimaanlagen nicht einzuschalten. Außerdem sollten Lebensmittel besonders geschützt werden. Der Gouverneur fordert seit Tagen zum Tragen von Masken auf, sobald man ins Freie tritt.“
Die Menschen würden sich selbst überlassen. Es gäbe kaum Masken und Inhalationsgeräte.
Aber auch dem iranischen Regime sind die ökologische Zerstörung und die damit verbundenen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerungen egal und es lässt gezielt Öllager und Öltanker der Golfstaaten angreifen.
Die Journalistin Susanne Aigner schreibt in ‚Telepolis‘:
„Das toxische Erbe der brennenden Öltanks ist bereits jetzt eine Warnung an die Welt, dass der Preis des Krieges auch die Zerstörung unserer gemeinsamen Zukunft sein könnte. Die Folgen der Umweltkatastrophe in Teheran werden wohl erst in den nächsten Jahren vollständig sichtbar sein. Denn wenn der Rauch sich verzogen haben wird, bleibt das Gift in Boden und Gewässern und in den Körpern der Menschen zurück.“
Auch wissen wir nicht, was noch aufgrund der anhaltenden Angriffe auf die Atomanlagen des Irans noch zu erwarten ist und wie viel radioaktive Strahlung hierdurch auftreten wird.
Auf den brutalen Überfall der Hamas in Israel erfolgte eine völlig unverhältnismäßige Reaktion der israelischen Regierung. Die militärische Vergeltung im Gaza-Streifen forderte ca. 70.000 Tote – über die Hälfte davon waren Frauen und Kinder. Neben dem entsetzlichen Leiden der überlebenden Palästinenser bewirkte diese Vergeltung auch eine katastrophale Umweltzerstörung.
Die deutsche Journalistin Marisa Becker (2026) spricht von einem Ökozid in Gaza, also dem Versuch, systematisch die natürlichen Lebensvoraussetzungen einer Bevölkerung zu vernichten, um deren Existenz zu zerstören.
Hierbei bezieht sie sich auf das Umweltprogramm der UN (UNEP), das den Trümmerhaufen bis September 2025 auf ca. 61 Millionen Tonnen schätzt. Hierbei sei der Schutt mit Blindgängern, Asbest und Chemikalien durchsetzt. Ungeklärtes Abwasser fließt in das Erdreich und ungefiltert in das Meer. Des Weiteren bezieht sich Becker auf die Dokumentationen der NGO ‚Forensic Architecture‘: Ungefähr die Hälfte der Brunnen seien in Gaza zerstört. Zwei Drittel der Wassertanks könnten nicht mehr genutzt werden. 83% der Pflanzenwelt seien ebenfalls zerstört. 70% der landwirtschaftlichen Flächen seien nicht mehr nutzbar. Knapp die Hälfte der Gewächshäuser sei zerstört worden.
Olena Melnyk und Sera Koulabdara (2024) gehen davon aus, dass ca. ein Drittel des ukrainischen Bodens durch den Krieg mit giftigen Stoffen wie Blei, Kadmium, Arsen und Quecksilber kontaminiert ist. Böden und ihr fruchtbarer Anteil würden über Tausenden von Jahren gebildet und nun innerhalb weniger Jahre im Krieg vergiftet und unbrauchbar für die Landwirtschaft gemacht.
Der Krieg in der Ukraine hinterlässt eine zerstörte Mitwelt, für welche die völkerrechtswidrig angreifende Russische Föderation Milliarden Euro Reparationen zu zahlen hätte, wobei dann letztlich hier nur der oberflächliche Schaden reparierbar wäre. Die tiefen Eingriffe in die menschliche Gesundheit aufgrund der eingeatmeten Emissionen, des Trinkens belasteten Wassers und der zu ertragenden Strahlung sind nicht mit Geld bezahlbar.
Der ungarische Klimaforscher Bálint Rosz (2025) faßt die durch den Krieg in der Ukraine verursachten CO2-Emissionen der ersten zwei Jahre des Ukraine-Kriegs bis zum Februar 2024 zusammen und vergleicht dies mit jährlichen Emissionen von 90 Millionen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor:
„As more and more experts are trying to point out, the Russia-Ukraine war is also causing significant environmental and climate damage. The latter could be a particularly worrying development, as human civilisation itself is fighting its own war on climate change. According to preliminary estimates by De Klerk and colleagues, during the first 24 months of the war (from 24 February 2022 to 23 February 2024), military activities and the destruction of related infrastructure resulted in significant excess greenhouse gas (GHG) emissions, further exacerbating global climate change. Cumulative emissions over this period are estimated to be around 175 million tonnes of carbon dioxide equivalent (tCO2e), equivalent to the annual emissions of an advanced industrialised country.“
Der Straftatbestand des Ökozids, der in allen drei Fällen (Iran, Gaza, Ukraine) erfüllt sein dürfte, meint die systematische und bewusste Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen als Bestandteil der Kriegsführung. Sicherlich könnten die beteiligten Staaten – neben anderen Kriegsverbrechen – vor der internationalen Gerichtsbarkeit wegen Ökozids angeklagt werden. Doch die beteiligten Staaten erkennen diese Gerichtsbarkeit nicht an, weil sie wohl wissen, dass sie gegen die ökologische Unversehrtheit des Planeten, gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte systematisch verstoßen werden.
Hinzu kommt, dass das Militär nicht nur im militärischen Einsatzfall, also im Krieg, sondern auch im militärischen Alltagsbetrieb, d.h. in noch kriegsfreien Regionen, einer der größten globalen Umweltverschmutzer ist. Das weltweite Militär kann als einer der gefährlichsten institutionellen Klimaschädiger angesehen werden, welches bereits im Normalbetrieb massive Schäden verursacht. Man kann davon ausgehen, daß die Klimaschädigung verursacht durch den weltweiten Normalbetrieb des US-Militärs vergleichbar mit den Klimagas-Emissionen von drei mittelgroßen Staaten ist. Es wird geschätzt, dass allein der militärische Alltagsbetrieb bereits 5,5% der weltweiten Klima relevanten Emissionen beträgt. Hierbei sind die ökologischen Schäden der Kriege noch nicht mitberechnet.
Fazit: Fossile Rohstoffe sind kriegstreibend
Die natürliche (Mit)welt kommt auf der Prioritätsskala derjenigen, welche die Entscheidungen über Krieg und Frieden zu fällen haben, ganz weit hinten. Erstens ist diesen Kriegsherren die natürliche Mitwelt egal und zweitens ist ihnen auch egal, dass durch die zerstörte Natur Menschen (und auch Tiere) leiden.
Diese Kriegsentscheider sind völlig getrennt von der Ökologie dieses Planeten, haben ein instrumentelles Denken und im Vordergrund stehen Macht, Unterdrückung, Öl, seltene Erden und Geld.
Vielleicht schaffen die Menschen es nicht, sich dieser besessenen Machthaber zu erwehren, der Planet wird dies aber mittelfristig gründlich tun – und Leidtragende sind dann alle diejenigen, die dies nicht zu verantworten haben.
Dennoch gilt es, nicht aufzugeben und alles dafür zu tun, dass es anders kommt. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (immer noch) möglich.
Die durch Kriege ausgelöste Krise der globalen Versorgung mit fossilen Brennstoffen birgt – neben den hierdurch verursachten negativen Folgen – auch Chancen für eine ökologische Umsteuerung hin zum vermehrten Einsatz regenerativer Energien. Der friedensökologisch orientierte Journalist und Autor Franz Alt schreibt daher in seinem Artikel „Sonne und Wind brauchen nicht die Meerenge von Hormus“:
„Eine der entscheidendsten Zukunftsfragen heißt: Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne? Der Irak-Krieg, der Afghanistan-Krieg, der Krieg um Venezuela und jetzt der Iran-Krieg: All diese Kriege waren oder sind Kriege um die fossilen Rohstoffe. Sonne und Wind jedoch sind Geschenke des Himmels. Sie sind Friedensenergien.“
Dieser Artikel wurde zuerst hier veröffentlicht: https://www.sonnenseite.com/de/politik/menschliches-und-oekologisches-desaster-im-arabischen-raum/
Klaus Moegling ist habilitierter Politikwissenschaftler und Hochschullehrer, er lehrte an verschiedenen Universitäten und Institutionen der Lehrerbildung, an den Universitäten Hamburg und Marburg, zuletzt an der Universität Kassel, und engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen. Er ist Autor des im open Access veröffentlichten Buches „Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) möglich.“










