SPAC – der große Anlegerbluff

18.04.2021 - Günter Buhlke

SPAC – der große Anlegerbluff
(Bild von ArtTower via pixabay | CC0)

Die vier unschuldigen Buchstaben stehen für Special Purpose Acquisition Companies, kurz spezielle Gewinnerwerbsunternehmen. Es sind zunächst halbtote Firmenhüllen, Holdings, schreibt die Berliner Zeitung vom 3. April 2021, die von Investoren aus dem Umfeld der Hedge-Familien für das Börsengeschäft zum Leben erweckt wurden.

Im Jahr 2020 waren sie der Renner an beiden New-Yorker Börsen mit einem Umsatz von 83 Milliarden US-Dollar. Aktiviert wurden 267 Firmenhüllen. Die Hedge-Leute hatten ohne einen größeren Investitionsaufwand die am unteren Level notierten Firmen übernommen. Das komplizierte Prozedere zur Börsenzulassung brauchte ebenfalls nicht vollzogen werden.

Die Übernahmezahl der SPAC Holdings hätte sich seit 2016 mehr als verzehnfach, berichtet das Blatt weiter. Die Hedge-Fonds haben mit Leerverkäufen den Übernahmeprozess aktiv und kostengünstig betrieben. Das Manager Magazin vom 26. Juni 2020 schreibt zum gleichen Vorgang, dass Hedge-Fonds aus den USA und Großbritannien mit Leerverkäufen in kurzer Frist 1 Milliarde Euro eingenommen hätten.

Nutznießer des Bluffs sind liquide Großinvestoren aus dem Hedge-Umfeld. Sie halten nunmehr Mehrheitsanteile und sind in der finanziellen Lage, den Kursverlauf spekulativ zu steuern. Nach oben und kurzzeitig in Kleinschritten auch nach unten. Der Mechanismus der Kurssteigerung wird durch manipulierte Gewinnaussichten befördert. Kurze Verkäufe zur Gewinnmitnahme, in der Börsensprache als technische Bereinigung benannt, füllen ihre Kassen auf.

Das gegenwärtige Leben ist nicht mehr denkbar, ohne tägliche Informationen über die Börsenentwicklung. Die Null-Zinspolitik hat die Sparer zur Geldanlage in Fonds getrieben.

Alle großen TV-Stationen beglücken die Bevölkerung täglich bei den Nachrichtensendungen mit Börsenkommentaren im Stile: „Ihr Kleinanleger habt keine Sorge, alles ist gut. Kleine Kursrutsche werden sofort wieder ausgeglichen. Last Eure Anlagen im Depot der Banken. Habt Vertrauen zum Börsenhandel“. So oder so ähnlich vorgetragen von attraktiven Damen oder Vertrauen erweckenden Herren.

Fragezeichen rufen dagegen hervor, weshalb in der Corona-Krise der DAX Rekordhöhen erreicht, obwohl die Indizes der Volkswirtschaft negative Tendenzen anzeigen. Dieses Phänomen war auch vor Ausbruch der Strukturkrise 2008 zu beobachten.

Viel Glück ist den Kleinanlegern aus Mittelstand und Unterschicht zu wünschen, die Papiere in der Hoffnung kauften, um ihre spätere Rente aufbessern zu können. Sie sind nicht generell vor Verlusten durch Börsenabstürze geschützt. Der Rechtsstaat garantiert die Gleichheit vor Gericht, nicht aber die Gleichheit der Gesetze. Die Großen überleben: Too big to fail.

Wirtschaftswissenschaftlich bedenklich ist erstens der Umstand, dass Wertpapiere der SPAC`s zur Gruppe der Derivate mit hohen Risikopotenzial gehören. Ihr Scheinwert hat keine materiellen Grundlagen, wie etwa Firmenaktien, die auf Produktionsanlagen, Verwaltungsbauten und materiellen Produkten der Firma beruhen. Das ist auch den Anlageberatern bewusst. Sie geben daher immer die Empfehlung, Geldanlagen auf mehreren Wertpapierarten zu streuen.
Zweitens werden SPAC`s nicht von staatlichen Aufsichtsbehörden kontrolliert.
Drittens ist das gesetzliche Regelwerk gegenüber der Großwirtschaft und Fonds generell lückenhaft. Das zeigt sich u.a. daran, dass Amazon, Google u.a. keine Einkommenssteuern zahlen, gewerkschaftlichen Schutz verweigern können. Im Übrigen hat das deutsche Wirtschaftsrecht nur 15 gültige Paragrafen im Gegensatz zum allgemeinen Strafgesetzbuch mit 319 geltenden Vorschriften.

Etwa ab Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Gewinnlogik der Marktwirtschaft in ihrer neoliberalen Phase neue Geschäftsmodelle entwickelt und sich teilweise von den Prinzipien des Rechtsstaates verabschiedet. Wie fein Betrugskonstruktionen verästelt sein können, belegen nicht nur die Fälle WIRECARD oder VOLKSWAGEN mit ihren Betrugsformen. Die jahrelangen Verhandlungsfristen sind weitere Indizien. Mit Spannung kann das Urteil zum CumEx-Skandal in Wiesbaden noch 2021 erwartet werden. Rechtsanwälte hatten 2015 eine scheinbare Gesetzeslücke gefunden, um eine Rückerstattung nicht gezahlter Steuern zu fordern, was auch geschah. Die fragliche Geldsumme betrug 113 Millionen Euro laut Berliner Zeitung vom 25.3.2021. Zur Zeit des Vorganges war Finanzminister Olaf Scholz regierender Bürgermeister in Hamburg.

Die amtierende Politik hat nach der Krise 2008 weder ein Verbot des Investmentbanking noch der Leerverkäufe durchgesetzt. Die Besteuerung der Börsengewinne wird immer noch diskutiert. Der Schutz der Gemeinschaft vor betrügerischer Werbung in ihrer ganzen Breite steht nicht auf der Tagesordnung des Parlaments. Die Abgeordneten der Großen Koalition beruhigen ihr Gewissen mit der Einführung der Emissionszertifikate, Aufstellung von einigen CO2-Messstationen und der zugesagten E-Autos und entziehen sich der vollen Verantwortung, für den Fortbestand der Welt sorgen zu müssen.

Das eigentliche Anliegen Geld zu sammeln, um größere Investitionen in der Wirtschaft zu realisieren oder Vorhaben der Gemeinschaft in Bildung, Gesundheit, Kultur, Verkehrswege, Wohnungen zu finanzieren, sind in den Hintergrund getreten. Der Kapitalmarkt strebt mit hoher Geschwindigkeit egoistische Ziele an. Das Unwesen der Lobby macht es möglich.

Der Kapitalmarkt eilt so an den humanen Erfordernissen der Gesellschaft vorbei, ohne Rücksicht auf die Natur oder der sozialen Lage zu nehmen.


Der Autor beschreibt in seinem neuen Buch „Hat die Welt eine Zukunft?“ Verlag am Park, ISBN 978-3-947094-79-0, Alternativen der Planung, in einer humanen Welt.

Kategorien: International, Wirtschaft
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