Krim: Aus wirtschaftlichen Gründen zurück zur Ukraine?

20.07.2020 - INFOsperber

Krim: Aus wirtschaftlichen Gründen zurück zur Ukraine?
(Bild von © cm Die neue Strassen- und Eisenbahnbrücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet)

Andreas Umland, ein bekannter «Ukraine-Kenner», prophezeit ein vom Westen erhofftes Wunder. Seine Argumentation ist bemerkenswert.

Christian Müller für die Online-Zeitung INFOsperber

«Russlands militärische Eroberung der ukrainischen Halbinsel Krim …» So beginnt schon der dritte Satz des jüngsten Artikels von Andreas Umland, erschienen im deutschen Nachrichten-Magazin «Focus» und übernommen von der deutschen Online-Plattform «Ukraine-Nachrichten».

Militärische Eroberung der Krim? Es fiel kein einziger Schuss. Es gab eine Volksabstimmung, das Referendum vom 16. März 2014, mit dem klaren Resultat, dass die Krimeer lieber zu Russland gehören als zur Ukraine. Und eben jetzt im Juli 2020 hat auch das Referendum zur neuen Verfassung der Russischen Föderation wieder gezeigt, mit wem sich die Krimeer historisch und kulturell verbunden fühlen: mit Russland. Über 90 Prozent der Krimeer nahmen am Referendum zur neuen russischen Verfassung teil und über 80 Prozent der Teilnehmer stimmten für die neue Verfassung, in der die heutigen Grenzen der Russischen Föderation – also inklusive Krim – als unantastbar erklärt werden.

Andreas Umland, Senior Research Fellow des «Institute for Euro-Atlantic Cooperation», gehört zu jenen nordatlantisch interessierten und bezahlten Kommentatoren, die auf eine vielfach beobachtete Erfahrung setzen: Wird etwas oft genug gesagt, wird’s irgendeinmal wahr – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Deshalb immer wieder die Aussage: Russland hat die Krim militärisch annektiert.

Andreas Umland bestreitet auch die Verwurzelung der Krim in der russischen Nationalgeschichte. Kein Wort zum Fakt, dass erst 1954 Nikita Chruschtschow die Krim – notabene ohne jede Mitsprache der Krimeer und sogar ohne Absprache innerhalb der sowjetischen Führungsriege – an die ukrainische Sowjetrepublik «verschenkt» hat. Nicht zufällig wurde anlässlich der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine 1991 der Krim Autonomie zugestanden.

Wer die Krim selber kennt und mit der dortigen Bevölkerung Kontakt hat, kennt die Realität: Das Referendum im Jahr 2014 war von der ukrainischen Regierung trotz der 1991 abstimmungsgerecht zugestandenen Autonomie zwar nicht genehmigt, aber das klare Resultat war weder auf militärischen Druck noch auf russische «Manipulationen» zurückzuführen, sondern Ausdruck eines echten Willens zur staatlichen Selbstbestimmung.

Umlands Prognose: indirekt eine Empfehlung

Jetzt stellt Andreas Umland eine Prognose: Russland werde die Krim dereinst freiwillig an die Ukraine zurückgeben – aus wirtschaftlichen Gründen! Russland könne sich, insbesondere jetzt nach der Covid-19-Krise, die Entwicklung der Krim auf das Niveau von Russland gar nicht leisten.

Andreas Umland ist selber 1967 in der damaligen DDR geboren. Er weiss, was die Wiedervereinigung der DDR mit der Bundesrepublik Deutschland die Westdeutschen bisher gekostet hat: 1600 Milliarden Euro. Die Ursache der hohen Kosten nennt Umland allerdings nicht: die Ansprüche der wiedervereinigten DDR-Bürgerinnen und -Bürger – die Ansprüche auf Löhne, Renten, auf die ganze staatliche Infrastruktur –, diese Ansprüche stiegen nach der Wiedervereinigung, psychologisch nachvollziehbar, schneller als die wirtschaftliche Fähigkeit, das selbst zu leisten. Jetzt aber prophezeit Umland der Wiedervereinigung der Krim mit Russland ein ähnliches wirtschaftliches Abenteuer – auf Kosten Russlands.

Was Umland in seinem «Focus»-Artikel allerdings erst ganz am Schluss und gewissermassen nebenbei erwähnt: die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen die Krim. Er empfiehlt mit seiner Prognose der nordatlantischen Welt, ohne dies selber klar auszusprechen, diese Sanktionen möglichst lange durchzuhalten, um die Entwicklungskosten der Krim hochzutreiben – mit dem vom Westen erhofften Resultat der «Rückgabe».

Die Leidtragenden sind die Krimeer

Als einen der Gründe für die hohen Entwicklungskosten der Krim erwähnt Andreas Umland den Nord-Krim-Kanal, der Wasser aus dem Dnepr in die nördliche Krim bringt. Der Kanal wurde in den 1970er Jahren, also zu Sowjetzeiten, erbaut. Nachdem die Krimeer in ihrem Referendum von 2014 ihre Wiedervereinigung mit Russland beschlossen hatten, stoppte die Ukraine mit einem Dammbau die Wasserzufuhr auf die Krim über diesen Kanal. Damit verursacht sie die Austrocknung von gegen 3000 Quadratkilometern landwirtschaftlich nutzbarem Land – mit dramatischen Auswirkungen und programmiertem Hunger. Dass die Ukraine ihrerseits Russland bezichtigt, die Ukraine im Jahr 1933, dem sogenannten Holodomor, absichtlich in eine Hungersnot gebracht und damit Genozid verübt zu haben, erwähnt Umland natürlich nicht. Passt eben nicht so gut zusammen, einem heutigen politischen Gegner etwas aus der Vergangenheit vorzuwerfen, was man gerade jetzt selbst tut: Tausende Menschen absichtlich dem Hunger aussetzen.

Wirtschaftliche Anpassung an die Ukraine?

Wo Andreas Umland, der bekennende Nordatlantiker, natürlich recht hat: Eine Anpassung der Krim an das wirtschaftliche Niveau der Ukraine wäre einfacher. Die Ukraine ist nach ihrem verhängnisvollen Entscheid, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland, mit dem sie mit 72 Prozent ihrer Landesgrenzen verbunden ist, zu blockieren und ausschliesslich auf die Multimilliarden-Hilfe aus den USA und aus der EU zu setzen, zum ärmsten Land Europas abgesunken. Es gibt Schätzungen von Wirtschaftsexperten, dass es 40 Jahre brauche, um die Ukraine auch nur auf das wirtschaftliche Niveau des heutigen Polen zu bringen: zwei Generationen Aufbauarbeit. Sich an dieses ausserordentlich tiefe Wirtschaftsniveau der Ukraine anzupassen kostete die Krim tatsächlich nicht so viel, denn es wäre schon heute eher ein wirtschaftlicher Abstieg. Die Krim, ein für den internationalen Tourismus geographisch und klimatisch prädestiniertes Land, leidet zwar massiv unter den Wirtschaftssanktionen des Westens – an denen sich leider auch die sogenannt neutrale Schweiz beteiligt –, weil die Touristen aus dem Westen ausbleiben müssen, aber durch den neuen Flughafen in Simferopol, die neu gebaute Strassen- und Eisenbahnbrücke zum russischen Festland (siehe das Bild oben) und durch die schon bald fertiggestellte Autobahn von Kertsch im Osten bis Sewastopol im Westen der Krim sind die wichtigsten Meilensteine einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung immerhin schon mal gesetzt.

Positive Informationen über die Krim unerwünscht

Infosperber hat den deutschen «Ukraine-Nachrichten» angeboten, alle auf Infosperber erschienenen und auf Recherchen vor Ort basierenden Berichte über die Krim inkl. Fotos unentgeltlich zu übernehmen. Die «Ukraine-Nachrichten» haben auf eine Antwort verzichtet. Sie übernehmen offensichtlich lieber Artikel des deutschen Nachrichtenmagazins «Focus» von Andreas Umland, der seinerseits am «Institute for Euro-Atlantic Cooperation» in Kiev arbeitet – und ohne diese seine politische Abhängigkeit zu erwähnen.

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Politik, Wirtschaft
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