Agrargipfel: Protestaktion gegen illegale Kastenstandhaltung von Muttersauen vor dem Bundeskanzleramt – #LasstDieSauRaus

02.12.2019 - Vier Pfoten Stiftung für Tierschutz - Pressenza Muenchen

Agrargipfel: Protestaktion gegen illegale Kastenstandhaltung von Muttersauen vor dem Bundeskanzleramt – #LasstDieSauRaus
(Bild von VIER PFOTEN / Christopher Koch)

Im Zuge des von Bundeskanzlerin Merkel einberufenen Agrargipfels protestierte VIER PFOTEN heute gemeinsam mit 7 weiteren Tierschutzverbänden (*) vor dem Bundeskanzleramt gegen die rechtswidrige Kastenstandhaltung von Sauen und die geplante Neuregelung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

„Es ist schlicht Tierquälerei, Sauen in körperenge Metallgestelle zu sperren. Die Tiere haben keine Möglichkeit sich zu bewegen, zu ruhen oder sich um ihre Ferkel zu kümmern. Ministerin Klöckners Pläne, die zu engen illegalen Kastenstände durch einen perfiden Trick zu legalisieren, müssen gestoppt werden. Es ist doch unglaublich, dass der entscheidende Passus, dass sich die Sauen ungehindert ausstrecken können müssen, einfach gestrichen werden soll. Hier wird gegen das Tierschutzgesetz und die Verfassung verstoßen. Es ist erschreckend, dass wir die Bundeskanzlerin und die zuständige Ministerin daran erinnern müssen, dass der Tierschutz im Grundgesetz verankert und Staatsziel ist.“ – Martin Rittershofen, Kampagnenverantwortlicher für Nutztiere bei VIER PFOTEN

Hintergrund

Bereits vorletzte Woche hatten die internationale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN und über 20 Tier- und Umweltschutzverbände mit einem offenen Brief gegen die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner geplante Neuregelung der Sauenhaltung protestiert. Gemeinsam fordern die Tierschutzverbände die Bundesministerin dazu auf, ihren Entwurf vollständig zu überarbeiten. Dieser sei verfassungswidrig, verstoße gegen das Tierschutzrecht und missachte mehrere Gerichtsentscheidungen.

Die Bundesländer haben noch die Möglichkeit, Einfluss auf den Inhalt des Verordnungsentwurfs zu nehmen. Im Bundesrats-Agrarausschuss sollte ursprünglich am 02. Dezember darüber beraten werden. Dieser wird voraussichtlich jedoch aufgrund vieler Änderungsanträge der Länder verschoben. Ebenso die damit verbundene Abstimmung im Bundesrat, die für den 20. Dezember angesetzt war.

Das Problem

Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung, so dass eine Sau zwei bis drei Mal im Jahr Ferkel bekommt.

Mit 7 Monaten fruchtbar gemacht

Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Kastenstand gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt. So kann die Sau künstlich besamt werden. Danach bleibt sie für mindestens vier Wochen im Kastenstand. Die Industrie argumentiert, dass es so wahrscheinlicher sei, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt.

Gebären und Säugen in großer Enge

Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht. Dort wird sie erneut für etwa 5 Wochen in einen Metallkäfig (Kastenstand in der „Abferkelbucht“) eingepfercht in dem sie etwa zehn bis 20 Ferkel zur Welt bringen muss, die sie dort rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln.

Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Schweinekäfig gebracht. Nur während ihrer Trächtigkeit muss sie für einige Wochen in der Gruppe gehalten werden.

Ferkel gebären bis zum Tod

Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von durchschnittlich etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt. Danach wird sie geschlachtet.

Die meisten Sauen überleben diesen Zyklus nur wenige Jahre. Dabei würde die natürliche Lebenserwartung von Schweinen sehr viel höher liegen.

Rechtliche Situation

Ein Urteil aus dem Jahr 2015 stellt fest, dass die bestehenden Kastenstände viel zu eng sind. Sie entsprechen bereits seit 1992 nicht den Anforderungen der Haltungsverordnung und sind deshalb illegal. Die Haltungsverordnung besagt, dass „Schweine in Seitenlage ihre Gliedmaßen ungestört ausstrecken können müssen.“

Keine Umsetzung in Sicht

Statt endlich für die Umsetzung dieser Vorgabe zu sorgen, will die Bundesregierung die illegalen Kastenstände für weitere 17 Jahre bestehen lassen. Auch danach soll diese tierquälerische Haltungsform erlaubt bleiben. Lediglich die Zeit in der die Sauen fixiert werden dürfen soll verkürzt werden.

Stattdessen Legalisierung des Kastenstands

Um den illegalen Zustand legal zu machen, ist geplant, den entscheidenden Satz „dass die Schweine ihre Gliedmaßen in Seitenlage ungehindert ausstrecken können müssen“ einfach aus der Verordnung herauszustreichen. So wird ein gesprochenes Gerichtsurteil einfach außer Kraft gesetzt.

 

Bild von VIER PFOTEN / Christopher Koch

Renate Künast, Sprecherin für Ernährungs- und Tierschutzpolitik der Grünen im Bundestag, unterstützte den Protest und hielt eine Rede. Bild von VIER PFOTEN / Christopher Koch

Bild von VIER PFOTEN / Christopher Koch

Im Zeitraum von zwei Wochen unterstützten bereits über 83.000 Menschen den Online-Aufruf von VIER PFOTEN an die Bundesländer. Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Mitzeichnung: www.vier-pfoten.de/kastenstand

* Gemeinsame Protestaktion von:

Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt
bmt – Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Bundesverband Tierschutz e. V.
Compassion in World Farming Deutschland
Deutscher Tierschutzbund e. V.
End The Cage Age Netzwerk
PROVIEH
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz

Kategorien: Europa, Ökologie und Umwelt, Politik, Pressemitteilungen
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