Moderne Sklaverei in Ecuador: Der Fall Furukawa geht weiter

10.10.2019 - Mishell Monar - Redacción Ecuador

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Moderne Sklaverei in Ecuador: Der Fall Furukawa geht weiter

Seit mehr als fünfzig Jahren ist das japanische Unternehmen Furukawa in Ecuador tätig, wo es die Fasern der Abacá-Planze säht und exportiert. Fasern, die für den Schifsbau verwendet werden. Im Februar dieses Jahrs enthüllte eine journalistische Investigativrecherche allerdings die prekären Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Und noch immer ist der Fall nicht gelöst.

Pressenza ist gemeinsam mit einer Gruppe Journalisten in die betroffene Region gefahren, um dem Thema auf den Grund zu gehen.

Freitag, 06. September. Die Mitarbeiter einer Behörde der ecuadorianischen Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas wollen einigen Camps von Furukawa einen Besuch abstatten. Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Eines der Gelände des Unternehmens liegt auf der Küstenstrecke zwischen Santo Domingo und Quevedo, auf Kilometer 42. Und obwohl der Behörde vor Ort der Zutritt nicht gewährt wird, beschließt sie, das Grundstück trotz des Verbotes zu Fuß zu betreten.

Fibra de abacá

Abaca-Fasern

Während wir in Richtung des Lagers laufen, kann ich mit Manuel sprechen, der über zwanzig Jahren für das japanische Unternehmen arbeitete. Der 57-Jährige erzählt, dass er in all der Zeit nicht gut behandelt worden sei. Auf die Grundversorgung von Wasser und Strom habe er verzichten müssen und sei, um an Wasser zu kommen, bis zu dem nächstgelegenen Fluss gelaufen. Hinzu kommt, dass Manuel, der zusammen mit seinem Schwager und Bruder für Furukawa gearbeitet hat, selbst bei Arbeitsunfällen nicht angemessenen medizinisch versorgt worden sei.

Ähnlich erging es dem 48–jährigen José Uribe, ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens. Er betont die Ausbeutung, die er während seiner Zeit auf der Plantage erlebte. Vor allem Arbeitsrechte, wie die Bezahlung von Überstunden, wurden nicht eingehalten. Und auch die ärztliche Versorgung blieb aus. Daran erinnert ihn eine Narbe an seiner Hand. Außerdem erzählt er mir, dass die Beschäftigung von Minderjährigen mittlerweile zwar abgeschafft sei, zu seiner Zeit jedoch selbst seine 10- und 11-jährigen Kinder an seiner Seite arbeiteten.

Die prekäre Lebenslage auf dem Camp ist nicht zu übersehen. Weder die Grundversorgung, noch der Zugang zu Lebensmitteln oder medizinischer Hilfe sind sichergestellt. Einigen Mitarbeitern fehlen sogar Ausweisdokumente. Die mehrfache Verletzung der Rechte der Mitarbeiter, die auf den Plantagen arbeiten, wird deutlich. Mittlerweile haben sie sich für den Widerstand entschieden, um von der Firma Anerkennung für ihre geleistete Arbeit der letzten Jahre zu erhalten.

 

Jaime Olivos, der Präsident der Comisión de Derechos Colectivos de la Asamblea Nacional (Kommision der gemeinen Rechte der Nationalversammlung), gehört zu der Gruppe, welche das Camp besuchte. Er bestätigt, dass die Menschenrechte dort missachtet werden. Deshalb werde die Behörde einen Bericht verfassen, damit der ecuadorianische Staat antworte und die Mitarbeiter des Unternehmens in Schutz nehme.

„Ihr seid nicht allein, haltet zusammen. Wir werden darauf achten, dass eine Lösung gefunden wird, die euch entgegen kommt“, fasst Olivos zusammen.

Artikel Mishell Monar, Fotos von Carlos Noriega und übersetzt aus dem Spanischen von Wiebke Scheffler aus dem ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam.
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Kategorien: Menschenrechte, Politik, Südamerika, Wirtschaft
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