Die Kündigung des Sozialvertrages

24.05.2019 - Valentin Grünn

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Die Kündigung des Sozialvertrages
(Bild von pixabay | CC0 creative commons)

Was fasziniert die Menschen an Populisten wie Boris Johnson oder Donald Trump oder Matteo Salvini? Es nur auf deren Gepolter zu schieben, wäre etwas zu kurz gesprungen. Es kann nicht nur an ihren großen, oft nichtssagenden, Reden liegen, schreibt der französische Ökonom Jean Pisani-Ferry.

Das Problem liegt tiefer: Die Menschen haben den Glauben an den Fortschritt verloren. Sie sehen keine gute Zukunft mehr und sie glauben dem Wohlstandsversprechen nicht mehr. Sie glauben nicht mehr, dass es ihren Kindern einmal besser gehen werde und sie haben selbst die gleiche Erfahrung gemacht.

Er geht aber weiter und verlangt: „Wir brauchen einen neuen Sozialvertrag“

What advanced societies need now are social compacts that are resilient to demographic shifts, technological disruptions, and economic shocks.

Das Problem ist, dass Johnson, Trump und deren Populismuskollegen diesen neuen Sozialvertrag bestimmt nicht erfinden werden – im Gegenteil: Sie wollen zurück in die „angeblich“ gute alte Zeit…

Ronald Reagen und Margaret Thatcher gewannen ihre Wahlen mit dem Versprechen, dass der freie Markt im Kapitalismus Wachstum und somit Wohlstand schaffen werden. Sie hatten eine Zukunftsvision von einer besseren Welt, sie konnten diese Visionen transportieren und wurden dafür vom Wähler in ihre Ämter gehievt.

Nun kämpfte Nigel Farrage und Donald Trump mit genau dem entgegengesetzten Versprechen: Sie wollten die Kontrollen wiedererlangen bzw. Amerika wieder groß machen. Sie versprachen alte Zeiten zurück. Auch in Frankreich versprach Le Pen wieder die Kontrolle über die Grenzen, eine gesteuerte und abgeschottete Industrie und eine eigene Währung. Lösungen der 60er Jahre, die beim Wähler zogen.

Warum aber?

Der Hauptgrund ist, dass viele Menschen den Glauben an den Fortschritt verloren haben. Sie sehen die Zukunft nicht mehr mit materieller Verbesserung; sie glauben nicht mehr, dass ihre Kinder es besser haben werden und schauen deshalb zurück in eine Zeit die sie kennen. Sie haben Angst nach vorne zu schauen.

Die Kündigung des Sozialvertrages.

(Bild von pixabay | CC0)

Fortschritt zieht nicht mehr. Seit über einem Jahrzehnt gibt es fast keinen mehr. Die Millennials kennen nur noch Krise, Rezession, Stillstand; sie sind die Generation Praktikum mit wenig Aussicht auf feste gut bezahlte Stellen. Die Finanz-“Krise“ dringt in alle Lebensbereiche vor. Der Fortschritt ist in den Leben der jungen Menschen in vielen Staaten nicht mehr zu sehen. Fortschritt gibt es höchstens noch in der Automatisation, einen Bereich der explizit die Menschen außen vor lässt. Einkommenszugewinne fallen höchstens noch den Älteren zu.

Bislang hat der technologische Fortschritt die Arbeitsplätze ungelernter Menschen überflüssig gemacht. Die Schicht, die sich weniger um die politischen Themen kümmerte. Durch die Digitalisierung fallen mehr und mehr Arbeitsplätze der Mittelschicht weg. Die Angst vor dem sozialen Abstieg macht sich in nun dort auch breit.

In den nationalen Einkommen herrscht ein Ungleichgewicht. Während in den 40er-Jahren in den USA 90% der Kinder mehr verdienten als ihre Eltern, so waren es in den 80ern nur noch 50%, heute sind es noch weniger. Dieses Ungleichgewicht weicht die Grundlage des gesellschaftlichen Generationsvertrages auf, er wird immer schwerer zu erfüllen.

Dazu kommt die Angst vor der Globalisierung, wachsende ethische Zweifel an der Technisierung, wie der Gentechnik und die Angst vor den ökologischen Folgen, die ob der ungeheuren Dimension oft auch negiert werden.

Wollen wir, dass die richtungweisenden Gesellschaften im 21. Jahrhundert weiterhin Fortschritt und Wachstum kennzeichnen, ist es notwendig den Sozialvertrag neu zu definieren.

Die Lösungen von Gestern sind Vergangenheit, der technologische Fortschritt lässt sich nicht zurückdrehen und auf die Digitalisierung wird keiner mehr verzichten. Der neue Sozialvertrag muss den Wohlstand wieder breiter verteilen. Konzepte die weder Trump noch Farage noch andere rechte Bewegungen anbieten. Nur die Teilhabe aller und nicht die Ausgrenzung einzelner Gruppen erlaubt eine faire und konfliktarme Zukunft.

Quellen:
http://www.nytimes.com/2016/11/07/opinion/our-reactionary-age.html?_r=1
https://www.project-syndicate.org/commentary/populism-and-abandonment-of-progress-by-jean-pisani-ferry-2017-01?barrier=accessreg

Kategorien: Jugend, Meinungen

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