Manipulation der Ware und Täuschung der Kunden – Ein Beitrag zur Aufklärung

19.12.2017 - Günter Buhlke

Manipulation der Ware und Täuschung der Kunden – Ein Beitrag zur Aufklärung
Mall of Berlin (Bild von pixabay | CC0 Creative Commons)

Feiertage sind Höhepunkte des Verkaufs von Konsumgütern, Spielsachen und Leckereien aller Art. Wünsche und Bedürfnisse der Kunden und Kinder wollen erfüllt werden. Zugleich bildet der Verkauf und Absatz die letzte Phase des Kapitalkreislaufes für die Unternehmen. Er ist quasi die Ernte des vorgestreckten Kapitals und der verbrauchten Arbeitszeit. Die Unternehmer und Aktienbesitzer wollen den Zielabschnitt reichlich und gewinnbringend ausfallen lassen.

Mit der Unterstützung von Psychologen bereiten sich Marketingexperten auf Verkaufshöhepunkte gründlich vor. Es gilt Ansatzpunkte für Einkaufswünsche der potentiellen Kunden zu erkennen, wie auch die Höhe der möglichen Preisforderungen auszuloten. Erfahrungen aus vorangegangen Verkaufshöhepunkten erleichtern Erkenntnisse, welche Methode den Umsatz erhöht und wo die Moralgrenzen der Werbung verlaufen. Verkaufsstrategien sind immer Akte der Manipulation der Preise und der Produkte. Der Kostendeckungspunkt in der Preisbildung (Break-Even-Point) wird bewusst überschritten, einmal um das eigene Betriebsrisiko zu verringern, vor allem aber, um den Gewinntrieb der Kapitaleigener gemäß der Kapitalverwertungslogik zu befriedigen. Das belegen Skandale der Autobranche, der Zuckerindustrie, die ihren Umsatz im Blick haben. Der Lego-Konzern nutzt seine Monopolstellung für Wucherpreise, wie auch die Kosmetikbranche, die hier einen Tummelplatz für Höchstpreise sieht. Dass Moralgrenze mit der Höhe der erzielbaren Gewinnmarge zusammenhängt, hat schon der bärtige Wirtschaftsanalytiker Marx im 19. Jahrhundert analysiert. Die Wirklichkeit hat ihn vielfach bestätigt.

Alle Facetten der Manipulation sind kaum zu überschauen. In den Produkten steckt oftmals nicht alles drin, was in den Katalogen oder auf der Verpackung versprochen wird. Die Kauflust wird mit der Verführungskraft des Wortes angereizt. Bioprodukte stehen am Rand von Betrugsabsichten. Fair ist keine Vokabel der Wirtschaft, die auf jeder Stufe die Kosten bei Strafe ihres Ruins abdecken muss. Fair ist der Kunde, der bereit ist die höheren Preise zu zahlen. Verführerische Fotos und hypnotische Werbeworte ziehen die potentiellen Kunden an. In der Wein- und Lebensmittelbranche hat das Wort „schönen“ einen historischen Platz. Auffällig ist, dass bei Gesundheitsprodukten oder bei erklärungsbedürftigen Konsumgüter häufig Akademiker und Experten den Kauf empfehlen oder für unbedenklich einstufen.

Die suggestive Macht der Werbung mit ihren multiplen Möglichkeiten und ihrem finanziellen Potential steht an vorderer Stellen der Manipulationskraft. Eine jeweilige Monopolstellung kommt unmittelbar danach. Die Abhängigkeit der Kunden vom Kauf bietet Handlungsräume zur Preiserhöhung.

Einschränkende Gesetzesregelungen werden vom unseligen Lobbyismus in den Parlamenten, den Kartellbehörden auf Sparflamme gehalten. Der Kunde hat mit den Warenprüfbehörden eine Stütze, deren Stärke jedoch eingeschränkt ist.

Bei der Urteilsbildung über die bedenklichen Zustände sollte nicht vergessen werden, dass die Wirtschaft originär von der Gesellschaft den Auftrag hat, die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu decken, nicht den Auftrag Geld anzuhäufen oder Unsinniges zu produzieren, was Naturressourcen und Energie verbraucht. Schließlich erlauben die Moralnormen nicht alles, was nicht verboten ist.

Eine Renaissance der humanistischen Werte ist lange überfällig. Ein notwendiger Schritt ist die Aufklärung über die wirtschaftlichen Zusammenhänge.

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