Good bye links vs. rechts; Willkommen Humanismus vs. Anti-Humanismus!

16.10.2017 - Tony Robinson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch, Ungarisch verfügbar.

Good bye links vs. rechts; Willkommen Humanismus vs. Anti-Humanismus!
Protest gegen Korruption - Bukarest 2017 (Bild von Mihai Petre on wikimedia commons)

Die politische Landschaft heutzutage ist gelinde gesagt verwirrend. Der alte Rahmen von links und rechts scheint vor unseren Augen zu zerbröseln. In den USA stimmte die leidende Arbeiterklasse überwältigend für einen Multimilliardär, der sich für Steuersenkungen für die Reichen und Einschnitte in die medizinische Versorgung für die Armen aussprach. In Großbritannien arbeitete die extreme Rechte Hand in Hand mit der extremen Linke, um den Brexit auf der Basis von Fremdenfeindlichkeit in einer schlecht informierten Öffentlichkeit zu erzwingen. In Griechenland setzten die Menschen auf die „extremen“ Linken, nur um von ihren, scheinbar hilflosen, Anführern betrogen und zu einer noch gemeineren und erniedrigenden fiskalischen Züchtigung an die Ketten gelegt zu werden. Das Panorama ist in jedem Land anders, aber die Verwirrung von links und rechts ist überall gegenwärtig.

Was also ist die Charakteristik von links und rechts?

Das ist der Punkt: Es gibt keine wirklich solide Definition, da die Prioritäten und politischen Bedingungen an jedem Ort unterschiedlich sind. Für manche ist die Rechte durch den Glauben an das ökonomische Dogma der „freien Märkte“, den Wettbewerb als ökonomische Triebfeder, die Erkenntnis der Bedeutung des Kapitals als Erzeuger von sozialem Fortschritt, die unbegrenzte persönliche Freiheit, den unvergänglichen Patriotismus etc. gekennzeichnet. Der linke Rahmen ist der Glaube an die staatliche Regulierung der Wirtschaft, die Zusammenarbeit als ökonomische Triebfeder, die Anerkennung der Bedeutung der Arbeit als Quelle des sozialen Fortschritts, der sozialen Verantwortung und der Solidarität mit den Schwächsten, die Menschenrechten usw.

Es gibt viele weitere Themen; Einwanderung, Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe, Atomwaffen, Umwelt, die alle sowohl von links wie von rechts gesehen werden können. Letzten Endes geht es in der Politik, um die Schaffung eines Programms, in dem das, was eine Partei denkt in einer Reihe von Vorschlägen gebündelt wird, die durch den Filter der Medien hindurch die stärkste Resonanz bei den Wählern hervorruft. So kann eine Partei ein Manifest präsentieren, das mit einigen linken Vorschlägen, ein paar rechtsgerichteten Vorschlägen und einige von einer eher „zentristischen“ Ansicht daherkommt. Das Ergebnis ist, dass es fast keine rein Linke und keine rein Rechte mehr gibt und in der Tat, wie beim Brexit, beim extrem rechten Flügel extrem linke Ansichten mitschwingen.

Die soziale, kulturelle und historische Landschaft

Es muss verstanden werden, dass sich die Politik in einer sozialen, kulturellen und historischen Landschaft entwickelt, in der bestimmte Überzeugungen und Paradigmen unbestritten sind, weil sie als offensichtlich und unbeweglich gelten. In früheren Epochen waren solche unbestrittenen Überzeugungen: das göttliche Recht der Könige, die Flachheit der Erde, der blinde Glaube an Gott und der Glaube, dass Frauen dem Manne unterlegen seien. Im Laufe der Zeit wurde das meiste revidiert, und neue Landschaften haben ihren Platz eingenommen.

Ein Teil unserer Landschaft, die im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen hat, da die Finanzkraft unser Leben immer mehr kontrolliert, ist der Glaube an das Geld als eine Entität, die die „natürliche“ Fähigkeit hat, über Nacht zu wachsen, wenn es bei einer Bank hinterlegt wird; der Zinswucher. Dies wird von der heutigen Politik nicht in Frage gestellt. Es ist ein Teil der Landschaft, die wir kaum sehen, wie das Blau des Himmels. Es ist da, aber wir stellen es nicht in Frage.

Geld ist in jeder Hinsicht der wichtigste Wert unserer Gesellschaft geworden. Wenn wir andere Werte wie Wissen, Gesundheit, Sicherheit, Familie oder Freiheit berücksichtigen, ist klar, dass Geld der wichtigste Wert ist, denn wenn man Geld hat, kann man auf alle anderen zugreifen. Ungeachtet dessen, was unsere persönlichen Werte sein mögen, ist der höchste Wert der Gesellschaft Geld und die Menschheit in allen Breitengraden befindet sich nun in der permanenten Suche nach ihm.

Aber dieses Wertesystem, ist wie die Kleidung, die wir als Teenager trugen, es passt uns nicht mehr. Es quillt aus allen Nähten und ist für unsere Zwecke als Menschheit nicht mehr geeignet.

Und um es klarzustellen, das Problem ist nicht das Geld an sich, denn eine Währung wurde für den Austausch von Gütern und Dienstleistungen fast seit Anbeginn der Menschheit benötigt, um sich als Spezies weiter zu entwickeln. Dieses System erlaubt es einigen, ihre Zeit mit Leidenschaft dem Anbau von Lebensmitteln zu widmen, während andere in der Lage sind, ihre Zeit und Leidenschaft zur Durchführung von Herzoperationen einzusetzen. Weder der Chirurg ohne Nahrung noch der Bauer mit Herzkrankheit würden ohne den anderen lange überleben. Nein, das Problem ist nicht das Geld, es sind die magisch anziehenden Zinsen, das unsere gegenwärtige Landschaft zu zerstören drohen.

Zusätzlich zu dieser mythischen Eigenschaft des Geldes, sich spontan über Nacht zu vermehren, wurde das Konzept des „Marktes“ hinzugefügt, das auch magische Eigenschaften besitzt. Der „Markt“ entscheidet, dass Griechenland z.B. zehn Mal mehr Zinsen zahlt als Deutschland. Es ist so, als ob es keine Menschen gibt, die Entscheidungen darüber treffen, was ein Land zahlen sollte oder nicht! Gerade in dem Moment, in dem Hilfe bei den Rückzahlungen für ein persönliches Darlehen oder einer Kreditkartenabrechnung benötigt wird oder ein Land bei der Staatsverschuldung Unterstützung braucht, kommt die Bank mit noch höheren Zinssätzen daher, weil sie von einem „Markt“ angetrieben wird.

Aber die Macht dieser beiden scheinbar feststehenden Bestandteile unserer Landschaft, die bis jetzt für die Entwicklung der westlichen Gesellschaft so hilfreich gewesen zu sein scheinen, nämlich die Märkte und der Zinswucher, geraten jetzt außer Kontrolle und zerstören uns.

Eine neue politische Achse kann keimen

In diesem Kontext und in diesem Moment der globalen Krise, in dem wichtige Komponenten unserer sozialen, kulturellen und historischen Landschaft zu zerfallen beginnen und sich als überholt erweisen, sollten wir uns einen Moment Zeit nehmen, um die politische Achse, die versucht hat, uns ordentlich in links und rechts zu teilen, neu zu bewerten und uns fragen, ob sie wirklich unsere solide gehaltenen Werte widerspiegelt.

Wenn ein Teil der Gesellschaft, der de facto Erbe der Gutsbesitzer, Könige und Bankiers vergangener Zeiten ist, ihre Märkte und ihren Zinswucher in der menschlichen Gesellschaft so auf dem Punkt gebracht hat, dass die menschliche Gesellschaft sie für ein Teil der Natur hält – etwas unveränderliches – dann haben politische Bewegungen wie DiEM25 die Gelegenheit, das Natürliche zu hinterfragen und zusammen mit anderen daran zu arbeiten, eine neue Landschaft mit einem neuen Wertesystem zu entwickeln.

Humanismus gegen Anti-Humanismus

Wenn links und rechts nicht mehr als Konzepte in einem politischen System funktionieren, weil sich die Linie so weit zurückgebogen hat, dass sich extrem links und extrem rechts die Hände reichen und so zusammenarbeiten, dass eine Kreisebene mit x und y-Achse entsteht, auf der links und rechts verschiedene Motive erkennbar sind, dann können sich heute fortschrittliche Bewegungen entlang einer dritten Achse bewegen: der z-Achse.

Und was ist das Merkmal dieser z-Achse? Wir können sie an dem einem Ende mit Humanismus und am anderen Seite mit Anti-Humanismus beschriften. Was ist der Humanismus? Ziele ist es, das menschliche Leben zum zentralen Wert zu erklären; alles Leben, überall, nicht nur westliche Leben, alles Leben.

Diese zukünftige Landschaft wird nicht nur durch ein gerechtes Wirtschaftssystem geprägt werden, dass es erlaubt, Güter und Dienstleistungen weltweit fair auszutauschen. Sie wird sich durch die Achtung der Umwelt und der Erkenntnis auszeichnen, dass wir nur einen Planeten haben, der noch viele Millionen Generationen reichen muss. Sie wird von noch weitergehenden Menschenrechten geprägt, sein als die in der Erklärung der Menschenrechte von 1948. Sie wird sich durch qualitative und kostenfreie Bildung, wie auch Gesundheitsversorgung auszeichnen. Sie wird sich dadurch auszeichnen, dass jeder in der Arbeitswelt mit gleichen Rechten, Verantwortungen und Chancen teilnehmen kann und eine angemessene Entschädigung für die Anstrengungen erhält, die ihm die Verbesserung des Lebensstandards ermöglicht. Sie wird sich durch die Freiheit auszeichnen, das eigene Glück zu verfolgen, wo immer es liegt und ohne einen Pass zu benötigen. Sie wird durch die Zusammenarbeit und nicht durch die Konkurrenz ums Überleben gekennzeichnet sein. Letztendlich wird das als Demokratie bezeichnet werden, wo die Menschen an wirklichen demokratischen Prozessen teilnehmen und nicht nur an den formalen demokratischen Prozessen, mit denen wir heutzutage hinters Licht geführt werden.

Aber mehr als alle diese Ziele des Humanismus, wird das wachsende Verständnis kennzeichnend sein, dass Gewalt menschliches Leid und Schmerzen verursacht und seine Auswirkungen nicht nur physisch, sondern auch wirtschaftlich, psychologisch, sexuell, moralisch usw. sind. Dies ist eine Sensibilität, die in neuen Generationen zunehmend präsent ist. Neue Bewegungen, ob sie es erkennen oder nicht, sind Teil einer neuen gewaltlosen Sensibilität, die sich abzeichnet. Sie lehnen Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten ab.

Auf diese Weise können alle ihre politischen Vorschläge in einem neuen Licht betrachtet werden.

Warum fördern sie ein neues Wirtschaftsmodell? Weil das derzeitige Wirtschaftssystem von Gewalt geprägt ist. Es erzeugt menschliches Leid.

Warum kümmern sie sich um echte Demokratie? Weil der großen Mehrheit den Willen einer Minderheit aufzuzwingen, Gewalt ist. Es verursacht menschliches Leid.

Warum kümmern sie sich um die Umwelt? Weil wir nur einen Planeten haben, auf dem wir leben können, und ihn lebenswert halten müssen. Ihn zu zerstören, verursacht menschliches Leid usw.

Auf diese Weise können wir unsere Vision gar erweitern; Menschenrechte, Bildung, Gesundheitswesen, Verteidigung und Sicherheit und vieles mehr, das erforderlich sein wird, wenn diese Bewegungen beginnen, auf eine universelle menschliche Nation zu zustreben. Wenn wir alles entlang dieser neuen z-Achse betrachten, auf der menschliches Leben geschätzt wird, wird es zu einer klareren Charakterisierung in der Politik kommen, in der wir jede Politik der Gewalt sofort verwerfen werden, die Menschen an Menschen verüben. Notwendigerweise bedeutet es auch, dass wir über unsere eigenen Grenzen hinausschauen und nicht nur sehen, wie beispielsweise die Demokratie in Europa funktioniert, sondern weltweit eine Demokratie fördern, in der alle anderen Völker der Welt mit gleichen humanistischen Werte betrachtet werden.

So können wir erleben, dass sich neue politische Bewegungen mit vielen anderen Organisationen aus verschiedenen Bereichen in der z-Achse bewegen: Umweltkampagnen, Antikriegskampagnen, Kampagnen zur Unterstützung von Flüchtlingen, Kampagnen zur Bekämpfung der Armut und vieles mehr. Alle bewegen sich auf dieser neuen z-Achse, weil sie alle das Gefühl haben, dass Menschen schlecht behandelt werden und die Auswirkungen von Gewalt in ihren verschiedenen Formen in einem System erleiden, das sie nicht wertschätzt.

All das sind Bekundungen des Humanismus und die Essenz der goldenen Regel, wie sie in unzähligen Kulturen, Religionen und historischen Momenten erschienen ist, als das menschliche Leben neu geschätzt wurde: „Behandle andere Menschen, wie du behandelt werden möchtest.“

So taucht eine neue Empfindsamkeit auf und beginnt, die Landschaft in mehreren interessanten Bereichen neu zu gestaltet. Wenn es darum geht, die politische Landschaft wirklich umzugestalten, müssen sich Ein-Themen-Bewegungen mit anderen Bewegungen aus anderen Themenfeldern zusammentun, die sich in die gleiche Richtung bewegen.

In dieser Kooperation und der gemeinsamen Arbeit beim Zusammenströmen der Vielfalt wird die Frage aufhören, ob sie links oder rechts sind, die Frage wird dann sein, bist du Humanist oder Anti-Humanist?

Übersetzung aus dem Englischen von Valentin Grünn

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, International, Meinungen
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