Kriegsspiele um Venezuela

25.08.2017 - ProMosaik

Kriegsspiele um Venezuela
Seeblockade zwischen Dezember 1902 und Februar 1903, die Großbritannien, das Deutsche Reich und das Königreich Italien gegen Venezuela verhängten, weil sich der venezuelanische Präsident Cipriano Castro geweigert hatte, die Auslandsschulden zu bezahlen.

Die politisch-mediatischen Scheinwerfer zeigen hauptsächlich auf die internen Ereignisse in Venezuela und blenden die Ereignisse um Venezuela aus.

In der Geographie des Pentagons fällt Venezuela in den Bereich U.S. Southern Command (Southcom), einem der sechs „vereinten Kommandos“, in die die USA die Welt einteilen. Southcom umfasst 31 Länder und 16 Territorien in Lateinamerika und der Karibik und verfügt über Land-, See-, Luft- und Marineskräfte, zu denen die Spezialkräfte und drei besondere Task Force hinzukommen: die Joint Task Force Bravo, die im Luftstückpunkt von Soto Cano in Honduras stationiert ist und multilaterale Übungen und andere Operationen organisiert; die Joint Task Force Guantanamo, die in der gleichnamigen Schiffsbasis in Kuba stationiert ist und „Verhaftungs- und Verhöroperationen im Rahmen des Krieges gegen den Teror“ durchführt; die Joint Interagency Task Force South, stationiert in Key West in Florida, mit der offiziellen Aufgabe der Koordinierung der „Drogenbekämpfung“ in der gesamten Region.

Die Seeblockade zwischen Dezember 1902 und Februar 1903, die Großbritannien, das Deutsche Reich und das Königreich Italien Venezuela aufdrängten, weil sich der venezuelanische Präsident Cipriano Castro geweigert hatte, die Auslandsschulden zu bezahlen

Die wachsende Tätigkeit von Southcom zeigt, wie die Erklärung von Präsident Trump vom 11. August – „Im Falle Venezuelas stehen uns verschiedene Optionen bereit, und darunter auch eine militärische Option“ – nicht nur eine verbale Drohung ist. Eine Spezialeinheit der Marines, die mit Kriegshubschraubern ausgestattet ist, wurde in diesem Juni nach Honduras verlegt, um voraussichtlich in den nächsten sechs Monaten regionale Operationen durchzuführen. Und immer im Rahmen von Southcom wurde im Juni in Trinidad e Tobago die Tradewinds-Übung durchgeführt, an der auch Kräfte aus 20 Staaten Lateinamerikas und der Karibik teilnahmen. Im Juli fand in Perú die Seeübung Unitas statt, an der 18 Länder teilnahmen und in Paraguay die Wettkampfübung der Spezialeinheiten aus 20 Ländern.

Vom 25. Juli bis zum 4. August nahmen Hunderte von Beamten aus 20 Ländern an der Panamax-Übung teil, die offiziell dem „Schutz des Panamakanals“ diente. Vom 31. Juli bis zum 12. August fand bei der Joint Base Lewis–McChord (Washington) die Mobility Guardian Übung, „die größte und realistischste Übung der Mobilität in der Luft“, statt, an der 3000 Männer und 25 internationale Partner teilnahmen. Dazu zählten vor allem die kolombianischen und brasilianischen Luftstreitkräfte, die gemeinsam mit den Streitkräften der USA, Frankreich und Großbritannien tägliche und nächtliche Missionen übten.

Das „realistischste Szenario“ ist das einer großen Operation in der Luft, um Streitkräfte und Waffen sehr schnell in den Interventionsbereich zu bringen. In anderen Worten: es geht um die Übung der militärischen Intervention in Venezuela, mit der Trump droht. Die Hauptbasis wird das angrenzende Kolumbien sein, das seit 2013 eine NATO-Partnerschaft hat. „Das kolumbianische Militärpersonal – dokumentiert die Nato – hat an zahlreichen Kursen der Militärakademie von Oberammergau (Deutschland) und beim Nato Defense College in Rom teilgenommen und so auch an vielen militärischen Konferenzen auf hohem Niveau“.

Dass es schon einen militärischen Interventionsplan für Venezuela gibt, wird von Admiral Kurt Tidd, dem Komandanten von Southcom, bestätigt: in einer Anhörung des Senats erklärte er am 6. April 2017, dass „die wachsende humanitäre Krise in Venezuela eine regionale Antwort erforderlich machen könnte.“

Um die von Trump angedrohte „militärischer Option“ umzusetzen, wird, wenn auch in einem anderen Kontext, ein und dieselbe Strategie wie in Libyen und Syrien angewendet: Infiltrierungen von Spezialkräften und Söldnern, die Benzin aufs die internen Spannungsherde gießen, indem sie bewaffnete Konflikte verursachen; dann wird die Regierung bezichtigt, ihr eigenes Volk niederzumetzeln und es folgt eine „humanitäre Intervention“ einer Koalition unter US-Führung.

von Manlio Dinucci, Il Manifesto, 22. August 2017
Übersetzung aus dem Italienischen von Milena Rampoldi, ProMosaik.

Kategorien: Politik, Südamerika
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