Whistleblowerin Chelsea Manning ist frei

18.05.2017 - Sabine Bock

Whistleblowerin Chelsea Manning ist frei
Chelsea Manning: Erste Schritte in Freiheit

Die Whistleblowerin Chelsea Manning ist am 17. Mai 2017 aus der Haft des US-Militärgefängnisses Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, auf Erlass der Begnadigung durch den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, freigelassen worden.

Über sieben Jahre saß die ehemalige US-Armeeangehörige und IT-Computer-Spezialistin im Gefängnis. Grund für die Haftstrafe war, dass Chelsea Manning, damals noch Bradley Manning, Hunderttausende sensible, militärische und diplomatische Informationen geleakt und der Internetplattform Wikileaks zugespielt hatte. Die Verurteilung zu 35 Jahren Haft erfolgte in insgesamt 19 Punkten, darunter „Spionage“ und „Unterstützung des Feindes“.

Obama gewährte der Whistleblowerin Chelsea Manning ihren Antrag auf Begnadigung an seinem letzten Amtstag im Januar 2017. Bei voller Haftzeit wäre sie erst im Jahre 2045 frei gekommen.

Der Antrag auf Begnadigung oder Haftzeitverkürzung wurde durch die Rechtsanwälte im vergangenen Jahr an den US-Präsidenten und das Verteidigungsministerium gestellt, um nach mehreren Selbstmordversuchen das Leben von Chelsea Manning zu retten.

In der Erklärung auf Begnadigung durch ihre Anwälte wurde erklärt, dass Frau Manning die „volle und uneingeschränkte Verantwortung“ für ihre Handlungen übernimmt und sie diese inzwischen als Fehler beurteilt.

Manning beschrieb in einem ausführlichen Brief ihr schwieriges Leben, einschließlich der Turbulenzen, mit denen sie zum Zeitpunkt ihrer Handlungen konfrontiert wurde. Hinzu kam, dass sie während ihres Militäreinsatzes im Irak versuchte, ihre Geschlechtsdysphorie in den Griff zu bekommen. Wegen der Untersuchungszeit und der Behandlungen im Gefängnis kam es zu mehreren Selbstmordversuchen.

Neben 250.000 diplomatischen Telegrammen und 500.000 Armee-Reporten, den so genannten “Iraq war logs” sowie den “Afghan war logs”, sorgten vor allem von Manning geleakte Videoaufnahmen weltweit für Aufsehen. In den Dokumenten finden sich allein 303 Fälle von Folter durch ausländische Einheiten im Irak im Jahre 2010.

Unter dem Titel „Collateral Murder“ veröffentliche die Internetplattform WikiLeaks schließlich die von Manning zugespielten Video-Aufzeichnungen, welche die Erschießung von irakischen Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch die US-Armee zeigen. In den Aufnahmen ist zu hören, wie die Piloten des angreifenden US-Kampfhubschraubers die Erschießung kommentierten. Die Aufnahmen sorgten weltweit für große Empörung.

Chelsea Manning begründete damals ihren Schritt mit der Weitergabe dieser geheimen Informationen damit, dass sie diese Daten für einige der wichtigsten Dokumente unserer Zeit halte, über die die Öffentlichkeit informiert werden müsse. Sie glaubte, dies würde nicht einen Schaden darstellen, sondern peinlich für die amerikanische Öffentlichkeit sein und zu einer allgemeinen Debatte über das US-Militär und die Außenpolitik im Irak und in Afghanistan führen.

Nach ihrer Verhaftung im März 2010 wurde sie demnächst im Camp Arifjan in Kuwait festgehalten und Ende Juli 2010 in ein Militärgefängnis nach Quantico verlegt. Dort war sie unter sehr scharfen Haftbedingungen in Isolationshaft.

Sie musste sich 23 Stunden am Tag in ihrer Zelle aufhalten und hatte auch in der restlichen Stunde keinen Zugang zu Nachrichten oder aktuellen Informationen. Bettlaken und Kissen wurden ihr verwehrt. Die Bedingungen entsprachen denen eines Gefängnisses mit Isolationshaft, die zu psychischen, kognitiven und körperlichen Schäden führen können.

Im März 2011 wurde über ihren Verteidiger bekannt, dass man Manning ohne Erklärung ihre Kleidung abgenommen habe und sie gezwungen worden war, nachts sieben Stunden lang nackt in ihrer Zelle auszuharren. Ein Sprecher des Gefängnispersonals bestätigte ihre Haftbedingungen. Eine schriftliche Beschwerde Mannings über ihre Haftbedingungen wurde sechs Monate später abgelehnt. Im April 2011 teilte das amerikanische Verteidigungsministerium mit, Manning in Hinblick auf einen kommenden Prozess auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen, und verlegte sie in ein Militärgefängnis in Fort Leavenworth in Kansas. Dort verbesserten sich ihre Haftbedingungen, sie durfte Besuch empfangen und Kontakt zu anderen Gefangenen haben. Zwei renommierten Juristen der Yale Law School veröffentlichten einen offenen Brief an den US-Präsidenten, in welchem sie Mannings Haftbedingungen als erniedrigend, unmenschlich, illegal und unmoralisch bezeichneten.

Am 17. Mai 2017 war nun der Tag der Freiheit für Chelsea Manning gekommen und sie wurde aus der Haft entlassen und lebt jetzt bei ihrer Familie. Sie wird von der Öffentlichkeit und Presse abgeschirmt.

Weltweit freuten und bedankten sich die Unterstützer von Chelsea Manning. Besonders der Gründer und Chefredakteur von WikiLeaks Julian Assange freut sich über ihre Freilassung und twitterte:

„Chelsea Manning ist jetzt frei. Ein epischer Sieg für den sich viele gute Menschen eingesetzt haben – inklusive Chelsea Manning selbst. Ich kann es kaum erwarten, sie zu treffen.“

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Menschenrechte, Nordamerika, Politik
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