Abdullah al-Rozzi: Kunst aus Gaza, aus dem Uterus des Leidens

23.12.2015 - Leverkusen - Milena Rampoldi

Abdullah al-Rozzi: Kunst aus Gaza, aus dem Uterus des Leidens
Abdullah al-Rozzi

Vor einiger Zeit haben wir auf promosaik.blogspot das künstlerische Werk von Abdullah al-Rozzi als Kunst unter Besatzung vorgestellt. Es geht um eine Kunst, die aus dem Leid, aus dem Uterus des Leids entspringt. Wir sind der Überzeugung, dass die Kunst unter Besatzung eine erhabene Kunst ist, die wir respektieren und bewundern sollten. Und Abdullah al-Rozzi ist ein Beispiel dieser Art von Kunst. Wir danken Herrn al-Rozzi sehr für die Beantwortung unserer Fragen. Wir hoffen, dass Gaza bald frei sein wird und dass alle Künstler aus Gaza neue Horizonte für ihre Kunst entdecken werden, die sich jenseits der fürchterlichen Realität des zionistischen Kolonialismus befinden.

Milena Rampoldi: Was bedeutet palästinensische Kunst für dich?

Abdullah al-Rozzi: Die palästinensische Kunst ist gleichbedeutend mit Identität, Erbe und Kultur der Palästinenser und ist zu einem Mittel der Verteidigung eines einheimischen, aber machtlosen Volkes geworden, das verzweifelt versucht, am eigenen Land, an dessen Traditionen und dessen Werten festzuhalten. Die Kunst ist in der Lage, die Barrieren des Schweigens zu überschreiten, und die künstlerische Imagination ermöglicht den Ausdruck von Ideen und Meinungen, die jenseits der akzeptierten Standards und der politischen Korrektheit liegen.

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Wie wichtig ist es, das palästinensische Leid in der Kunst zum Ausdruck zu bringen?

Wir Palästinenser, die unter einer dauerhaften und brutalen Besatzung leben, belagert, verfolgt, bestohlen, verhaftet, gefoltert und getötet werden, besitzen keinerlei militärische Macht oder andere Verteidigungsmittel, um die Existenz unseres Volkes zu verteidigen. Demzufolge bleibt uns als einzige Alternative, uns auf die Stärke und Kraft unserer Kultur und Kunst zu beziehen, um unser Bestreben nach Freiheit und Gerechtigkeit zum Ausdruck zu bringen. Eine solche kulturelle Kunstrichtung durch künstlerische Tätigkeiten und nationale Veranstaltungen gefördert, die von Palästinensern verschiedener Lebenserfahrungen, einschließlich der Häftlinge und Flüchtlinge, unterstützt werden und diese einbeziehen.

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Du sagst, dass die Kunst aus dem Uterus des Leids kommt. Kannst du das bitte unseren LeserInnen näher erklären?

Trotz der Feindseligkeit gegen sie, trotz der Ungerechtigkeit und des Drucks der militärischen Besatzung; die dauernde Bedrohung durch Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Folter und Inhaftierungen; trotz der regelmäßigen militärischen Invasionen mit unerbitterlichen Bombenangriffe, die Tod und Zerstörung mit sich bringen; und trotz der Tolerierung der israelischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Rest der Welt, sind die palästinensischen Künstler immer noch in der Lage, Materialien, Raum und Zeit zu finden, um ausdrucksvolle Kunstwerke hervorzubringen.

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Was bedeutet die Besatzung für die palästinensischen Künstler? Welche sind die härtesten Aspekte der zionistischen Besatzung?

Der Albtraum der Besatzung mit ihrer andauernden Verfolgung untergräbt nicht nur jeglichen Sinn von Normalität, indem er die Bewegungs-, Meinungs-, Arbeits- Aufbau- und Wiederaufbaufreiheit einer zerstörten Infrastruktur oder die Religionsfreiheit zerstört. Eine solche Verweigerung der Menschenrechte wird illegal verstärkt durch gesetzeswidrige und erniedrigende militärische Kontrollpunkte, durch Apartheid umzäunt und schließt uns in Mauern mit Wachtürmen ein, die das palästinensische Land rauben und palästinensische Familien teilen; dazu kommt die bewusste israelische Vertreibung palästinensischer Familien.

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Wie können Künstler politische Ideen zum Ausdruck bringen?

Palästinensische Künstler – die Vorlieben haben wie alle anderen Menschen — wünschen sich, die Humanität und die Gerechtigkeit deren Gemeinschaften auszudrücken. Aber sie werden davon abgehalten, weil es so viele Einschränkungen seitens der Besatzungsmacht und ihrer politischen Verzweigungen gibt. Ihre Ausdrucksfreiheit wird durch eine Bedrohung jeglicher Möglichkeiten von Freiheitsverlust und vom Verlust des Lebens eingeschränkt.

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Für mich ist die Kunst eine universale Sprache, um den Frieden zu fördern. Was denkst du darüber?

Ich hoffe, dass eine solche ausdrucksvolle Kunst helfen wird, Brücken zwischen verschiedenen Völkern zu bauen und die Chancen auf eine friedliche und sichere Welt zu verbessern.

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Kategorien: Frieden und Abrüstung, Indigene Völker, Interviews, Kultur und Medien
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