Ein der größten Literaturkritiker der Deutschen Literatur, Hellmut Karasek, ist am Dienstag, den 29. September, im Alter von 81 Jahren in Hamburg gestorben. Er war ein unverkennbarer Intellektueller, nicht gerade vom „linken“ Flügel, aber er scheute sich nicht vor dem Populären und der Öffentlichkeit, seine Meinung und Kritik zu äußern.

Karasek leitete 12 Jahre neben Marcel Reich-Ranicki „Das literarische Quartett“ und war so der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Über mehrere Jahrzehnte hatte er beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als Journalist sich kritisch mit der Deutschen Literatur, aber auch mit dem Theater und Filmkunst in Deutschland öffentlich auseinandergesetzt.

Die Familie Karasek floh 1944 während des II. Weltkriegs aus den schlesischen Gebieten nach Sachsen-Anhalt und gelangte nach Bernburg an der Saale. Zuvor war Hellmuth Karasek Mitglied der Hitlerjugend sowie einige Monate Schüler der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt „Napola“ gewesen.

Seiner Zeit von 1948 bis 1952 an der Oberschule in Bernburg hatte er in seinem Buch „Auf der Flucht“ als Zeitdokument ein literarisches Denkmal gesetzt. Hierin schildert er insbesondere zeittypische Erlebnisse in der politisch schwierigen Zeit des Stalinismus mit seinen Lehrern und Mitschülern. Nach dem Abiturabschluss 1952 als bester Schüler siedelte er aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland über. Sein Studium der Germanistik und Anglistik absolvierte er an der Universität Tübingen mit einer anschließenden Promotion.

Seine journalistische Karriere begann Karasek 1960 bei der „Stuttgarter Zeitung“ als Redakteur und wurde wenig später zum Chefredakteur des Feuilletons ernannt. Nach einigen Unterbrechungen wechselte er 1968 als Kritiker und Redakteur zur Wochenzeitung „Die Zeit“. Danach begann seine Karriere beim „Spiegel“, den er von 1974 bis 1991 im Kulturressort leitete. Im Jahr 1996 kam es zum vorläufigen Bruch mit dem Magazin. Nach vierjähriger Pause schrieb Karasek im Jahr 2000 wieder eine Titelgeschichte für das Heft über die Schauspielerin Marlene Dietrich.

Sein Romandebüt gab Karasek 1998 mit „Das Magazin“ über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins, was ihm viele übel nahmen. Bis 2004 war er Mitherausgeber des Berliner „Tagesspiegel“. Neben zahlreichen Büchern wie „Süßer Vogel Jugend“, „Soll das ein Witz sein?“ schrieb Karasek auch für Zeitungen wie „Die Welt“ und das „Hamburger Abendblatt“, wo auch regelmäßig seine Glossen veröffentlicht wurden.

Daneben arbeitete er als Dramaturg, Moderator, Biograf etwa des Filmemachers Billy Wilder oder unter dem Pseudonym Daniel Doppler als satirischer Theaterautor „Die Wachtel“. „Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert“, sagte er über seine Zeit beim „Literarischen Quartett“ einmal. Seitdem kannten die Menschen sein Gesicht, auch wenn sie ihn manchmal mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass verwechselten, wie er berichtete.

Karasek selbst ging bis ins hohe Alter auf Lesereise und schrieb weiter. Erst 2013 waren wieder zwei Bücher „Auf Reisen. Wie ich mir Deutschland erlesen habe“, „Frauen sind auch nur Männer“ von ihm veröffentlicht worden.

An diesem Freitag (2. Oktober) will das ZDF eine Neuauflage der Sendung starten.