1. September ist Weltfriedenstag – Überfall auf Sender Gleiwitz

01.09.2015 - Sabine Bock

1. September ist Weltfriedenstag – Überfall auf Sender Gleiwitz
1. September 1939 Sender Gleiwitz (Bild von http://www.spd-landkreis-rostock.de/vor-70-jahren-begann-der-2-weltkrieg.htm, Bundesarchiv)

Um eine Invasion Polens zu rechtfertigen, fingierte Deutschland mehrere Vorfälle. Der bekannteste ist der vorgetäuschte Überfall von als polnische Widerstandskämpfer verkleideten SS-Angehörigen auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939.

Am 1. September wird international der „Weltfriedenstag“ gefeiert. Dieser Gedenktag erinnert an den Angriff der Wehrmacht am 1. September 1939 auf Polen und später auf die Sowjetunion. Der Überfall auf den Sender Gleiwitz war eine fingierte Propaganda der SS den Beginn des II. Weltkrieges, zu rechtfertigen. Zum heutigen Weltfriedenstag fordern wir „Nie wieder Krieg!“, da es wieder einmal „5 vor 12“ ist.

Seit Beginn der 1950er Jahre wurde der 1. September als „Tag des Friedens“ bzw. als „Weltfriedenstag“ bezeichnet, an dem die Öffentlichkeit in Versammlungen und Kundgebungen zum Eintreten für den Weltfrieden aufgerufen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland wird dieser Tag alljährlich als „Antikriegstag“ begangen. Die Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg!“ zu Aktionen aufrief. Jedes Jahr ruft der DGB am 1. September zu Kundgebungen und Veranstaltungen anlässlich des Weltfriedenstages auf und organisiert dazu bundesweite Veranstaltungen.

Erinnerung an den 1. September 1939 und dem Beginn des II. Weltkrieges

Am 1. September 1939 begann um 4.45 Uhr mit dem Beschuss der Westerplatte bei Danzig durch das deutsche Marine-Schulschiff Schleswig-Holstein und dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen auf Hitlers Befehl. Der Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939 war eine von der SS fingierte Aktion mit dem Tarnnamen „Unternehmen Tannenberg“. Dieser bekannteste einer Reihe von Vorfällen wurden als propagandistischer Vorwand für den Polenfeldzug und den Beginn des II. Weltkrieges benutzt.

In einer Ansprache vor den Oberfehlshabern der Wehrmacht äußerte Hitler bereits am 22. August 1939: „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht.“

Im August 1939 hatte der Chef des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich dem SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks befohlen, einen Anschlag auf die Radiostation bei Gleiwtz in der Nähe der polnischen Grenze vorzutäuschen. Dieses Vorhaben sollte den Anschein zulassen, als seien polnische Widerstandskämpfer die Angreifer auf den Sender gewesen. Laut Naujocks hatte Heydrich gesagt: „Ein tatsächlicher Beweis für polnische Übergriffe ist für die Auslandspresse und für die deutsche Propaganda nötig.“

Was geschah im Sender Gleitwitz?

Der SS-Sturmbannführer Naujocks befand sich seit Mitte August 1939 in Gleiwitz und wartete auf seine Instruktionen. Am Nachmittag des 31. August 1939 gegen 16 Uhr erhielt er einen Anruf mit seinem Einsatzbefehl. Gegen 20 Uhr drang Naujocks mit fünf oder sechs SS-Leuten mit Maschinenpistolen und in Kleidung, die polnische Freischärler darstellten, in das Gelände des Sender Gleiwitz ein. Weitere Polizisten an der Pforte waren in die Aktion eingeweiht, der Pförtner hatte seinen Posten verlassen. Im Betriebsraum des Senders überwältigten die Männer vier Personen und brachten sie gefesselt in einen Kellerraum. Der Sender Gleiwitz strahlte kein eigenes Programm aus, sondern übernahm das Programm des Reichssenders Breslau. Daher musste das SS-Kommando sich ein eigenes Mikrofon anbringen, um nach dem Zugriff auf den Sender auch eine Radioausstrahlung zu senden. Über den Sender wurde schließlich in deutscher und polnischer Sprache ein „angeblicher“ Aufstand der polnischen Minderheit ausgerufen: „Achtung! Achtung! Hier ist Gleiwitz. Der Sender befindet sich in polnischer Hand … Die Stunde der Freiheit ist gekommen!“ Die Sendung endete mit dem Aufruf: „Hoch lebe Polen!“ Die Aktion dauerte nur wenige Minuten, dann verschwanden Naujocks und seine Männer wieder. Zurück blieb ein Toter. Es handelte sich um den 41-jährigen Oberschlesier Franz Honiok. Seine Leiche sollte später als Beweis für einen angeblichen polnischen Überfall in der Sendeanlage dienen.

Am nächsten Tag erschien in der gesamten deutschen Presse die Meldung vom angeblichen Überfall. Das Propagandablatt der Nazis der „Völkischer Beobachter“ schrieb unter der Überschrift „Der unerhörte Bandenüberfall auf den Sender Gleiwitz“, dass sich „die polnische Meute“ dazu habe „hinreißen lassen, die Reichsgrenze zu überschreiten, einen deutschen Sender zu überfallen, und die Kriegsfackel an ein Pulverfass zu legen, dessen Existenz vor der Geschichte die Polen einmal zu verantworten haben werden.“

Die häufig zu lesende Angabe, die beteiligten SS-Angehörigen hätten polnische Uniformen getragen, ist nicht belegt. Neben einem weiteren „Überfall“ am späten Abend auf ein Forsthaus im Grenzland einer Kleinstadt durch „polnische Freischärler“ wurde gegen 4 Uhr morgens ein Feuergefecht vorgetäuscht. Laut Aussage des US-amerikanischen Hilfsanklägers Major Warren F. Farr am 20. Dezember 1945 trugen die SS-Angehörigen polnische Uniformen. Dabei stützt er sich auf die Aussagen des Leiters der deutschen Sabotageabteilung des Amtes Ausland/Abwehr Erwin von Lahousen.

Aufarbeitung des Überfalls auf den Sender Gleiwitz

Das Ereignis wurde 1961 Gegenstand des Dokumentarspielfilms der DEFA Der Fall Gleiwitz. Nach der Aufführung des Films im Hamburger Filmclub wurde erst gegen Naujocks Anzeige erstattet und ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Naujocks wies die Schuld am Tode von Franz Honiok zurück. Es was schwierig, Naujocks eine Mitschuld an der Tötung des Franz Honiok nachzuweisen, da noch andere SS-Einheiten bei dem Überfall zugegen waren. Naujocks starb während der Ermittlungen, sodass das Verfahren 1966 und damit auch die Aufarbeitung der Sender Gleiwitz eingestellt wurde.

Der II. Weltkrieg, den Hitlerdeutschland begann, verbreitete sich in über 60 Staaten und töte über 60 Millionen Menschen.

Nie wieder Krieg

„Nie wieder Krieg!“ , Bild von Kollwitz / Schwarfel

70 Jahre nach Beendigung des II. Weltkrieges gibt es wieder viele Kriege auf der Welt. Eine ähnliche Situation findet mitten in Europa im Donbass der Ostukraine statt. Es wird wieder die gleiche Propaganda durch faschistische Kräfte und deren Medien benutzt, um die Menschen zu beeinflussen und eine Rechtfertigung für einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung im Donbass zuzulassen. Die Propagandamaschinerie richtet sich wieder einmal gegen Russland.

Wir fordern „Nie wieder Krieg“!

Kategorien: Europa, Frieden und Abrüstung
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