Zerschlagung des Faschismus vor 70 Jahren

27.04.2015 - Sabine Bock

Zerschlagung des Faschismus vor 70 Jahren
THANK YOU, MERCI, СПАСИБО, DANKE - den Alliierten für die Zerschlagung des Faschismus und Nazideutschlands, am Platz des 23. April.

Der II. Weltkrieg ist vom faschistischen Hitler Deutschland ausgegangen und forderte viele Millionen Todesopfer. In den Konzentrationslagern der Nazis wurden Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zwangsarbeiter, politische Gegner, Widerstandskämpfer sowie Soldaten der Anti-Hitler-Koalition und unzählige andere Menschen ermordet.

Vor 70 Jahren, am 23. April 1945, befreiten Einheiten der Roten Armee, der 8. Gardearmee und der 1. Gardepanzerarmee unter W.I. Tschuikows den Bezirk Köpenick von Berlin von der faschistischen Wehrmacht. Am 8. Mai 1945 wurde die Kapitulation Hitler-Deutschlands in Berlin-Karlshorst unterschrieben. Dafür danken wir allen Alliierten – bestehend aus der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und Frankreichs.

Wir danken aber vor allem auch den Köpenickerinnen und Köpenickern, die den allgemeinen Wunsch verwirklichen halfen: „Lieber Trockenbrot essen, aber der verfluchte Krieg soll zu Ende sein.“

Die Pfarrersfrau Alida Ratsch verhinderte die Aufstellung einer Volkssturmkanone auf der Dammbrücke und so den Beschuss der Altstadt von Köpenick. Ähnliches erreichten auch viele Frauen aus Uhlenhorst. Andere, wie Karl Henkner, Herr Zoelisch und das Ehepaar Grubitz retteten die Lange Brücke in Köpenick- eines der wichtigsten Verbindungswege sowie den Spreetunnel und die Wernsdorfer Schleuse. Der Gastwirt des Müggelturms Wichelhaus verteidigte sein Restaurant gegen die SS-Zerstörungswurt, da die Bismarck-Sternwarte schon bereits zerstört wurde. Der Arzt, Dr.Stössel, eine Friedrichshagner Krankenschwester, Emil Kirchner aus Oberschöneweide und andere konnten mit weißen Fahnen Kämpfe und Zerstörungen verhindern und medizinische Hilfe leisten.

In Köpenick waren zum Kriegsende von 12.500 Häusern 3500 zerstört. Über 100.000 Menschen waren mit Nahrung zu versorgen. Das erste Friedensbrot – 500g pro Kopf – wurde aus russischem Mehl gebacken. Wir danken denen, die sich im Auftrag der Sieger für das Überleben der Besiegten sorgten, wie z.B. die vor 1933 demokratisch gewählten Bezirks- und Stadtverordneten Max Tolksdorf (SPD) und Gustav Klein (KPD).

Nicht alle empfanden damals Dank oder fühlten sich befreit. Gewiss aber diejenigen, die gegen Faschismus und Krieg Widerstand geleistet und die Köpenicker Blutwoche, Konzentrationslager, Verfolgungen, Misshandlungen überstanden hatten wie die Sozialdemokraten Maria Jankowski, Erwin Mante, Otto Linke von der SAP, die Kommunisten Ernst Oschmann und Heinz Hentschke, der Arbeitersportler Erich Lerche und er Zentrumspolitiker Dr. Heinrich Krone. Die meisten Köpenicker hatten wie die Mehrheit im „Dritten Reich“ mitgemacht, sich angepasst, geduckt und resigniert. Schwer wog für viele der Verlust von Angehörigen, von Hab und Gut. Für die einen war es das Ende, für die Anderen begann die Hoffnung auf einen Neuanfang.

In Erinnerung für die Köpenicker/innen ist die sofortige Hilfe der Alliierten bei der Versorgung der Bevölkerung, ihre Kinderfreundlichkeit, ihr Drängen auf schnellstmöglichen Schulbeginn und eines kulturellen Lebens, aber auch ihre Konsequenz bei der juristischen Verfolgung faschistischen Verbrechen geblieben. Allerdings vergessen viele auch nicht die Schrecken, die Entgleisungen, Gewaltverbrechen und Willkürakte der Besatzungsmächte in der ersten Zeit.

Für viele Köpenicker/innen brachte erst ein langer Prozess des Nachdenkens die Erkenntnis, dass der Frühjahr 1945 die Befreiung von einem verbrecherischem System war, das sie 1933 zugelassen und zwölf Jahre geduldet oder gar unterstützt hatten. In dieser Zeit demokratischen Umdenkens hätte wohl niemand geglaubt, dass 55 Jahre später die Zentrale der NPD in Köpenick errichtet werden würde.

Konflikte dürfen nicht mit Waffengewalt gelöst werden, wie es wieder weltweit geschieht. Damit aber der Ruf nach „Nie wieder Krieg“ nicht in Vergessenheit gerät, haben sich am 23. April 2015 viele Menschen, darunter der Bezirksbürgermeister Oliver Igel, der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi sowie mehrere Bezirksverordnete am Platz des 23. April, zur Gedenkkundgebung getroffen und gefordert:

„Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus! Gegen rassistische Parolen und Aufmärsche!“.

Kategorien: Europa, Frieden und Abrüstung
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