Oxfam: 1% der Weltbevölkerung immer reicher

23.01.2015 - Dario Lo Scalzo

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Italienisch verfügbar.

Oxfam: 1% der Weltbevölkerung immer reicher
(Bild von Dario Lo Scalzo)

Der Reichtum dieser Welt konzentriert sich immer mehr in den Händen einer kleinen Elite von unersättlichen Individuen. Soziale, finanzielle und ökonomische Ungleichheiten werden immer augenscheinlicher und so kommt es, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer sind. Das ist nicht nur ein dummer Spruch, noch gedankenloser Tratsch, sondern das mit Zahlen unterlegte Ergebnis eines Berichts von Oxfam, der am 19. Januar 2015 erschien und am Vorabend des Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde.

Als wenn dies noch nicht genug wäre, wird laut der in der Studie aufgezeigten Tendenzen dieses 1% der Weltbevölkerung 2016 einen größeren Reichtum besitzen als der gesamte Rest der 99%. Glaubt man den aktualisierten Zahlen von Oxfam, so besitzen 80 Individuen genau so viel Reichtum wie die Hälfte der weniger betuchten Weltbevölkerung. Mit anderen Worten teilen sich 3,5 Milliarden Menschen denselben Reichtum wie diese 80 glücklichen Individuen. Von der anderen Hälfte des Reichtums dieser Welt, der nicht dem 1% gehört, entfallen 46% auf 20% der Bevölkerung und für den Rest bleiben buchstäblich nur ein paar Krumen übrig. Eine erschreckende Konzentration von Reichtum, die inakzeptabel und zudem gefährlich ist.

Diese Dagobert Ducks des Planeten haben ihr Imperium und ihr Vermögen hauptsächlich aufgrund von Beteiligungen in den Bereichen Finanzen, Versicherung, Pharmaindustrie und Luxusgüter aufbauen können. 20% der Milliardäre auf der Forbes-Liste haben ihr Vermögen im Bereich Finanzen und Versicherungen aufgebaut, während seit 2013 der größte Zuwachs an Vermögen von Milliardären verzeichnet wurde, die im Bereich Pharmaindustrie, Luxusgüter und Gesundheitswesen tätig sind. Laut Forbes sind ca. 30% der Reichsten der Welt amerikanische Staatsbürger.

Aber der Bericht geht noch darüber hinaus und zeigt, wie die erfolgreichsten multinationalen Unternehmen der bereits genannten Bereiche, nämlich Finanzen, Versicherungen, Pharmazeutika, Luxusgüter und Gesundheit, angesichts der enormen Gewinne, die sie erzielen, mehrere Milliarden von Dollar für Lobby-Aktivitäten ausgeben (oder vielleicht wäre es passender zu sagen investieren). Im Jahre 2013 haben Unternehmen, die im Bereich Finanzen und Pharmaindustrie tätig sind, 550 Millionen Dollar ausgegeben, um Druck auf politische Entscheidungsträger sowohl in Washington als auch in Brüssel auszuüben. In den Vereinigten Staaten hat der Finanzsektor in 2013 über 400 Millionen Dollar für Lobby-Aktivitäten ausgegeben, während im Jahr zuvor während der Präsidentschaftswahlen die Unternehmen des gleichen Sektors mit 571 Millionen Dollar Wahlkampagnen finanziert haben. In Europa fließen seitens des Finanzsektors jährlich circa 150 Millionen Dollar in Institutionen der Europäischen Union.

Dem stehen die Unternehmen der Bereiche Pharmaindustrie, Luxusgüter und Gesundheit in nichts nach, sie haben im Jahr 2013 über 487 Millionen Dollar für Lobbyismus in den USA ausgegeben und mit 260 Millionen Dollar Wahlkampagnen im Jahr 2012 finanziert. Gleichzeitig haben sie 50 Millionen Dollar jährlich für Lobby-Aktivitäten im Bezug auf die EU aufgewendet. Ohne Zweifel fließen diese Beträge sowohl in den USA als auch in der EU hauptsächlich in die Schaffung von Lobbys, um durch günstige Beeinflussung von Steuer- und Handelspolitik im Sinne der Auftraggeber immense Gewinne erzielen zu können.

Diese ungerechte Realität wird immer offensichtlicher und die Ungleichheit der weltweiten Verteilung von Reichtum immer größer. Die Austeritätspolitik wird für Bürger und einfach Leute immer härter, die Mittellosen (die offiziell unterhalb der Armutsgrenze liegen) werden immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt und entfernen sich mehr und mehr von einem Minimum an Wohlstand und der Möglichkeit, für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können. Die Welt wird immer mehr zu einem Ort der Privilegien und der Privilegierten. Die Institutionen, die sich scheinheilig blind und taub stellen, ziehen es vor, den circa achtzig unersättlichen unmenschlichen Blutsaugern hinterherzukriechen, von denen im Übrigen die Namen bekannt sind und die es geschafft haben, die existierenden Reichtümer auf sich zu konzentrieren und im Zuge dessen, so geben sie selber mehr oder weniger zu, die verbleibenden 99% der Bevölkerung in die Röhre schauen zu lassen, von denen ein Großteil sich der materiellen und psychologischen Sklaverei, der sie unterliegen, gar nicht bewusst ist.

Wir leben in Zeiten, in denen man in erhitzten Diskussionen über heilige Kriege debattiert, über Kriege zwischen Okzident und Orient, über Hass zwischen Völkern, über Terrorismus und Fanatismus, über Gute und Böse, aber kein Politiker, geschweige denn die großen Medien, denkt auch nur ansatzweise daran, die Wurzel des Problems zu nennen und gewisse Realitäten anzugehen, die der Diskriminierung und der daraus entstehenden Gewalt zu Grunde liegen und die Wut, Armut und Verzweiflung schüren.

Wenn wir nur rechtzeitig begonnen hätten, minimale Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben auf diesem Planeten zu schaffen, im Sinne einer gerechteren Verteilung von Wohlstand anstatt von Anhäufung von Reichtum und Macht durch einige Wenige, dann hätten wir wahrscheinlich bereits jetzt das Paradies auf Erden und müssten uns nicht mit Gewalt, Gier und der Entmenschlichung des menschlichen Wesens auseinandersetzen.

Auf dass die 99% bald friedlich und gewaltfrei erwachen.

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Europa, International, Kultur und Medien, Wirtschaft
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