Gedenken an den 70. Jahrestag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

31.01.2015 - Sabine Bock

Gedenken an den 70. Jahrestag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz
Denkmal Köpenicker Blutwoche Platz des 23 April (Bild von Sabine Bock)

„Der heutige Gedenktag [27.1.2015] ist nicht irgendeiner. Dieser Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter Gedenktag. 2005 wurde dieser Tag zudem von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erklärt, oft verkürzt zum Holocaust-Gedenken. Erinnert wird aber nicht nur an Juden, sondern auch an Christen, Katholiken, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, Frauen und Männer des Widerstandes, Kriegsgefangene, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Deserteure, Zwangsarbeiter, an all jene also, die unter der unmenschlichen Nazi-Gewalt entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden und das in bis dato nie dagewesener Größenordnung.“ waren die Eröffnungsworte des Bezirksverordneten Hans Erxleben (Die Linke) aus Berlin Treptow-Köpenick.

Der von unserer Bezirksverordnetenversammlung bereits im Dezember 2014 interfraktionell beschlossene Aufruf aller demokratischen Parteien zu einer Schweigeminute und dem Gedenken an den 70. Jahrestag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar, stellt eine neue Form des Gedenkens dar, um durch ein kurzes Innehalten Mitgefühl mit den Opfern, aber auch den Überlebenden und ihren Nachkommen zu signalisieren. Die Zustimmung zu diesem Antrag war bereits ein Bekenntnis und Ausdruck unserer aller Empathie in der Volksvertretung.

„Lassen Sie uns auch hier eine Minute schweigen. Auschwitz macht immer noch sprachlos, aber wir müssen auch immer wieder darüber reden, erinnern und mahnen.“ sagte Hans Erxleben am Denkmal zur „Köpenicker Blutwoche am Platz des 23. April“ im Beisein unseres Bezirksbürgermeisters Oliver Igels (SPD), des Bezirksvorstehers Peter Groos (B’90 Grüne), den Vertretern der Vereinigung Verfolgter des Naziregimes (VVN), zahlreichen Bezirksverordneten alle demokratischen Parteien sowie Bürgerinnen und Bürgern aus Berlin.

Als am 27. Januar 1945 Soldaten der Roten Armee die wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz befreiten, waren die Krematorien des größten Vernichtungslagers der Nazis noch warm, die Massengräber noch offen. Bis zuletzt hatte die Vernichtungsmaschinerie der Nazis auf Hochtouren gearbeitet, die Sprengungen zur Beseitigung der Spuren waren in letzter Minute angebrochen worden. In einer der Gaskammern hatte die SS noch schnell einen Luftschutzbunker eingerichtet – für sich selbst. Dieser Lagerkomplex war die größte Gaskammer der Welt. Die Befreiung von Auschwitz war der Anfang der Befreiung vom Nationalsozialismus, der Europa mit einem Angriffskrieg, mit Raub und Vernichtung überzogen hatte. Auschwitz ist mit denen dort über eine Million Ermordeten zu einem weltweiten Symbol für den Holocaust, die Shoah, den Genozid, industrialisierten Völkermord geworden. Das war die Hölle auf Erden. Der Eingang war die Rampe, der Ausgang der Schornstein. KL, die Nazi-Abkürzung für KZ hieß in Auschwitz „Kein Leben“.

Die nachfolgenden Generationen sowie einige zahlreiche Zuhörer wissen sehr genau, aus eigener Betroffenheit, wovon bei dieser Todesfabrik die Rede ist, denn für viele verbinden sich damit persönliche Schicksale aus eigenen Familien, d.h. hinter den unfassbaren Zahlen stehen konkrete Namen und Gesichter. „Wie die in Auschwitz vergasten Großeltern meiner Ehefrau“ sagte Hans Erxleben „Jacob und Rosalia Rubinstein, völlig unpolitische Menschen, aber schon an ihrem Namen als Juden erkennbar. Das war ihr Makel, das war ihr Todesurteil.“

Sein Vater, von 1928 bis 1933 war Abgeordneter im Preußischen Landtag und ab 1933 in antifaschistischen Widerstandsgruppen aktiv, wurde 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt und konnte erst in den Wirren des April 1945 aus dem Zuchthaus Nürnberg entkommen.

Gemeinsam kämpfte Roman Rubinstein u.a. mit meinem Großvater Walter Zwirner in der „Résistance“ der antifaschistischen Widerstandsbewegung in Frankreich gegen die Nazis im 2. Weltkrieg.

Wer glaubt, das Auschwitz und die Arbeitslager der Nazis, seien sehr lange her und weit weg, den müssen wir eines Besseren belehren, denn wie aktuell das alles ist, zeigt u.a. auch ein unsäglich zynischer Kommentar auf der rechten Facebook-Seite von „Nein zum Heim in Köpenick“, also aus unserem Bezirk, vom 19.September 2014, in dem es heißt: “Alle ausländischen Bürger bitte einsteigen in den Zug Nr.88 Richtung Auschwitz über Dachau, bitte anschnallen, viel Spaß mit diesem Sonderzug.“ Gegen diesen mordhetzerischen Aufruf zur Deportation wurde Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Das Ergebnis – unbekannt.

Am 29. Januar 2015 wurde eine Resolution zum Brandanschlag auf das Auto des Vorsitzenden des Integrationsausschusses der BVV und Sprechers des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Hans Erxleben, verabschiedet, dass diesen Brandanschlag verurteilt. Dies stellt ein Angriff auf einen in der Demokratie- und Menschenrechtsarbeit aktiven Menschen und uns alle Demokratinnen und Demokraten dar. Die Bezirksverordneten aller demokratischen Parteien stellen sich solidarisch hinter den Kollegen und ermuntern alle Bürgerinnen und Bürger, Gesicht zu zeigen und sich für ein tolerantes und friedliches Miteinander und gegen alle Ideologien der Ungleichwertigkeiten der Menschen einzusetzen.

Sabine Bock / Hans Erxleben
Bezirksverordnete der BVV Treptow-Köpenick von Berlin

Kategorien: Europa, Frieden und Abrüstung
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