Indigener Junge protestiert mitten in WM-Eröffnungsfeier

18.06.2014 - Pressenza Berlin

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Indigener Junge protestiert mitten in WM-Eröffnungsfeier
(Bild von Ein Guarani-Junge protestierte bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM mit einem Banner, auf dem zu lesen war: 'Demarkierung jetzt!' © Luiz Pires/CGY)

Nachricht von Survival International

Eines der drei brasilianischen Kinder, die bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM weiße Friedenstauben fliegen ließen, nahm die Gelegenheit war, um die Anerkennung indigener Landrechte zu fordern. Sein Protest wurde von der FIFA allerdings zensiert.

Gleich nachdem er eine weiße Taube losließ, hielt Jeguaká Mirim, ein indigener Junge des Guarani-Volkes, ein rotes Banner hoch, auf dem zu lesen war: “Demarkierung jetzt!”. Dennoch wurde sein mutiger Protest nicht im Fernsehen übertragen, da die Kameras schnell eine andere Perspektive zeigten.

Jeguakás Vater, der Guarani-Autor Olívio Jekupe, sagte, dass dies Aktion “der Welt gezeigt hat, dass [sie sich] nicht einfach so behandeln lassen. (…) [Sein] Sohn hat der Welt gezeigt, was [sie] am dringendsten benötigen: die Demarkierung [ihrer] Gebiete”.

Die Guarani, das größte indigene Volk Brasiliens, leben in fünf Bundesstaaten. Ein Großteil ihres Landes wurde ihnen gestohlen und wird zur Viehzucht und zum Zuckerrohr-Anbau benutzt, während viele Guarani gezwungen sind in überfüllten Reservaten oder in Straßenrand-Lagern zu leben, wo Unterernährung und Krankheiten zum Alltag gehören. Einige, wie Jeguakás Gemeinde (Krukutu) leben in der Nähe von Städten wie São Paulo, wo ihnen fast gar kein Land zur Verfügung steht.

Als Folge des Verlustes ihres Landes leiden die Guarani unter der weltweit höchsten Selbstmordrate. Ihre Anführer sind Opfer gezielter Angriffe und werden umgebracht, wenn sie versuchen Teile ihres angestammten Land wiederzubesetzen.

Die Guarani, Survival International und weitere Organisationen appellieren an Brasiliens Regierung, sich an ihre eigene Verfassung sowie an internationales Recht zu halten und das Land der Guarani zu deren exklusiven Nutzung zu demarkieren.

Coca-Cola, einer der Hauptsponsoren der WM, ist derzeit in einen Skandal um das Land der Guarani verwickelt: Das Unternehmen erwirbt Zucker vom US-amerikanischen Lebensmittel-Riesen Bunge, der Zuckerrohr vom angestammten Land der Guarani bezieht. Die Guarani fordern, dass Coca-Cola ihre Rechte respektiert und solches Zuckerrohr ab sofort nicht mehr einkauft.

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Der Werbung von Coca-Cola und der FIFA wurde das Bild eines Indianers gegenübergestellt, der fordert: Lasst die Guarani leben! ©Survival International

Ironischerweise bewerben Coca-Cola und die FIFA die Weltmeisterschaft mit dem Bild eines glücklichen Indigenen und den Worten “Willkommen zur WM für jeden”. Als Reaktion darauf hat Survival International eine Parodie der Coca-Cola-Anzeige gestaltet, die den Yawanawá-Indianer Nixiwaka zeigt, der den Betrachter mit “Willkommen zur dunklen Seite Brasiliens” willkommen heißt und “Lasst die Guarani leben!” fordert.

 

Kategorien: Gewaltfreiheit, Indigene Völker, International, Menschenrechte, Südamerika
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