Polizei löst Protestcamp der Fahrenden in der Schweiz auf

25.04.2014 - Reto Thumiger

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Polizei löst Protestcamp der Fahrenden in der Schweiz auf
(Bild von La policía desaloja con ayuda de la grúa un pequeño terreno comunal de Berna ocupado por los itinerantes. Keystone.)

Die Jenischen wollten mit dem Protestcamp auf der kleinen Allmend östlich der Schweizer Hauptstadt Bern auf ihre Forderungen nach mehr Plätzen und Lebensraum aufmerksam machen. Verhandlungen zwischen den Behörden und Vertretern der Jenischen blieben ergebnislos. Mit der Begründung, die Wiese werde für die Frühjahrsausstellung BEA benötigt, wurde das Gelände geräumt. Die Fahrenden leisteten passiven Widerstand und wurden polizeilich registriert, Fahrzeuge und Wohnwagen abgeschleppt.

Gerard Mülhauser von der Bewegung Schweizer Reisende kommentiert die Aktion im Gespräch mit SRF folgendermaßen: „Während der Räumung wurde gezeigt wie es ist, wenn man Kinder selektiert, wenn Männer und Frauen in eine Turnhalle abgeführt werden. So wie man vor 100 Jahren mit den Jenischen umgegangen ist“. Auf den Vorwurf, ein vermietetes Areal besetzt zu haben, entgegnete er, die Polizei habe sie auf der Autobahn gestoppt und angewiesen hierherzukommen. Alternativen wurden keine angeboten.

Wer sind die Jenischen?

Zu den Fahrenden werden weltweit mehrere Bevölkerungsgruppen gezählt, darunter sind die Roma und Sinti die bekanntesten. Die Jenischen gehören ebenfalls dazu und bilden mit ca. 35‘000 Mitgliedern die größte fahrende Bevölkerungsgruppe in der Schweiz. Anders als die aus Nordost-Indien und Persien stammenden Romas und Sinti haben die Jenischen ihre Wurzeln in Europa und gingen im Mittelalter aus Religionsflüchtlingen, Marktfahrern und Schaustellern hervor. Sie leben vorwiegend in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich. In der Schweiz sind sie eine anerkannte kulturelle Minderheit.

Verdingkinder

Zwischen 1926 und 1973 wurden vom „Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“ mehrere Hundert Kinder den Eltern weggenommen und umplatziert, um sie zu „brauchbaren“ Menschen umzuerziehen. Viele von ihnen wurden als Verdingkinder zur Arbeit gezwungen oder ohne Gerichtsbeschluss weggesperrt. Es kam zu Zwangssteriliserung, Behördenwillkür, Missbrauch und einer lebenslangen Stigmatisierung.

Verdingkinder

Zahnkontrolle bei einem Verdingmädchen durch den Armeninspektor Kanton Bern, 1940 (Foto: Paul Senn, FFV, Kunstmuseum Bern, Dep. GKS. © GKS). 0 1 2 3 Zahnkontrolle bei einem Verdingmädchen durch den Armeninspektor Kanton Bern, 1940 (Foto: Paul Senn, FFV, Kunstmuseum Bern, Dep. GKS. © GKS).ZurückNextStop Diashow Ausstellung «Verdingkinder reden»

Kategorien: International, Menschenrechte, Vielfalt
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