(Mexiko-Stadt, 10. März 2026, Cimac Noticias).- Bundesstaatliche Richtlinien und ein Urteil des Obersten Gerichtshofs haben die Kriminalisierung von Abtreibungen in Mexiko für verfassungswidrig erklärt. Fälle in Tabasco, Tlaxcala und Mexiko-Stadt zeigen, dass öffentliche Krankenhäuser den legalen Schwangerschaftsabbruch trotzdem immer noch verweigern oder verzögern. Der Zugang zum legalen Schwangerschaftsabbruch ist selbst in den Bundesstaaten noch nicht gewährleistet, die bereits lokale Gesetze haben, um Abbrüche bis zur 12. Schwangerschaftswoche entkriminalisieren. Zwar brachte das Gesundheitsministerium 2022 eine technische Richtlinie zur Gewährleistung einer sicheren Abtreibung heraus, doch in der Praxis wird die medizinische Dienstleistung oft verweigert, so die zivilgesellschaftliche Organisation Telefem, die Frauen* begleitet und geschulte Ärzte vermittelt.
Das medizinische Personal sitzt am längeren Hebel
In Tabasco verweigerten Mitarbeitende eines öffentlichen Krankenhauses einer 19-jährigen die Behandlung, weil sie „keine gerichtliche Genehmigung“ hatte, obwohl diese Anforderung gesetzlich gar nicht existiert. Deshalb suchen die Frauen* privat nach Lösungen, erzählt Telefem-Geschäftsführerin Paula Rivera. Die junge Frau aus Tabasco suchte drei Wochen lang, bis sie anderswo Informationen und Hilfe fand. „Ich hatte das Gefühl, das System war darauf ausgelegt, mich von meiner Entscheidung abzubringen.“ Dabei hatte der Oberste Gerichtshof Mexikos im September 2021 die Bestrafung von Abtreibungswünschen für verfassungswidrig erklärt und aus dem Bundesstrafgesetzbuch gestrichen. Seitdem haben die Parlamente von 24 Bundesstaaten ihre lokalen Gesetze geändert, um sicherzustellen, dass Menschen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, nicht strafrechtlich verfolgt werden können. Dennoch können Frauen ihr Recht nach wie vor nicht uneingeschränkt ausüben könnten, so die Expertin, auch nicht in Fällen sexueller Gewalt. Sie berichtete vom Fall einer 15-Jährigen aus Tlaxcala, die nach einer Vergewaltigung Anzeige erstattete und medizinische Hilfe beantragte, um eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. Die Mutter der Jugendlichen berichtete von einer Reihe unverständlicher Auflagen und kritisierte, dass sie ihre Geschichte mehrmals wiederholen musste. Ihre Tochter sei „erneut zum Opfer gemacht worden“. In Tabasco und Tlaxcala sei die Gesetzeslage dem Urteil des Gerichts angepasst worden, betonte Rivera, doch in der Praxis scheitern die Hilfesuchenden daran, dass die zuständigen Stellen entweder schlecht informiert sind oder nicht helfen wollen. Für die Betroffenen, die in Unsicherheit leben, Verzögerungen hinnehmen müssen und Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, habe das schlimme Konsequenzen. Selbst in Mexiko-Stadt gebe es Unregelmäßigkeiten bei der Erbringung öffentlicher Gesundheitsdienstleistungen, obwohl sich der Kampf für den legalen Schwangerschaftsabbruch hier am stärksten formiert habe.
Verweigerung gefährdet das Leben von Frauen*
Die Verweigerung der medizinischen Dienstleistung gefährdet das Leben von Frauen*. Kürzlich wurde einer 24-Jährigen die Behandlung verweigert, nachdem sie ein Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht hatte. Sie war im zweiten Monat schwanger und klagte über starke Blutungen und heftige Schmerzen. Die Ärzt*innen vermuteten eine Abtreibung und weigerten sich, ihr zu helfen, denn Abtreibungen seien dort nicht erlaubt. Der Partner der jungen Frau musste erneut den Krankenwagen rufen und die mittlerweile bewusstlose Frau in eine Privatklinik bringen.










