Hier kommen zwei Videos, die das Weiße Haus veröffentlicht hat. Wenn Sie US-Bürger sind, haben Sie mit Ihren Steuerdollars dafür bezahlt.

https://x.com/whitehouse/status/2029657893155311927

https://x.com/WhiteHouse/status/2029741548791853331

Ich werde Ihnen erzählen, was darin zu sehen ist, falls Sie den Link nicht anklicken möchten. Das erste zeigt abwechselnd kurze Clips von Explosionen im Iran und SpongeBob, wie er sagt: »Soll ich’s nochmal tun?« Das zweite trägt den Titel »Gerechtigkeit auf Amerikanisch« und zeigt Filmausschnitte, die Gewalt, Herrschaft und Machismus verherrlichen sowie wiederum echte Bombenexplosionen im Iran und dann eine tiefe Stimme, die »Einwandfreier Sieg!« intoniert.

Sie wurden produziert, kurz nachdem 160 Schülerinnen im Iran von einer US-Rakete abgeschlachtet wurden.

Diese Videos als kindisch zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für echte Kinder. Ihre Stimmung als „Frat-Boy“ zu beschreiben, wäre eine Beleidigung für echte Burschenschafter. Ein Kommentar auf X sagte: „Beavis und Butthead haben den X-Account des Weißen Hauses gehackt.“

Aber die Lesenden brauchen sich nicht von mir erklären lassen, wie verkommen diese Videos sind. Es gibt noch mehr zu sagen.

Die Beiträge zeigen den Krieg, als ob er ein Film oder Videospiel wäre. Für diejenigen, die den Krieg führen, ist es tatsächlich so, in dem Sinne, dass sie keine echten Konsequenzen zu fürchten haben. Ihre Lageberichte, ihre Geheimdienstbesprechungen, ihre Strategiemitteilungen, ihre Zielelisten, ihr Militärjargon mit Begriffen wie »Theater« und »Aktivposten« isolieren sie garantiert gegen die Wirklichkeit weinender Eltern, schreiender Kinder, abgetrennter Gliedmaßen, entstellter Leben und zerstörter Familien.

Direkt nach den Epstein-Akten lässt sich der rote Faden der Verkommenheit nur schwer übersehen. In den Akten wurden Menschen, besonders Frauen und Kinder genauso entmenschlicht und zum reinen Werkzeug für Macht, Profit und Vergnügen degradiert. Ihr Leiden wurde zum folgenlosen »Kollateralschaden«. Und schlimmer als das: Es wurde zur Quelle von Ausgelassenheit, Spott und Jubel – derselben triumphierenden Stimmung wie in den Videos des Weißen Hauses.

Das Gegengift zu Entmenschlichung ist Rehumanisierung. Das bedeutet, die Wahrheit des Menschlichen als wertvoll und heilig anzuerkennen, anzuerkennen, dass niemand von uns aus besserem Stoff besteht als die anderen, und aus diesem Wissen heraus zu handeln. Vermutlich glauben Sie, dass Sie das schon wissen und danach handeln. Aber sind Sie sich sicher? Ich bin es nicht. Die schleichenden Gewohnheiten des Urteilens, der Instrumentalisierung, der Entmenschlichung sind in den meisten von uns am Werk, nur eben nicht in dem extremen Ausmaß, wie sie es bei Menschenhändlern oder Kriegstreibern sind.

Ich merkte, wie sich diese Gewohnheiten in mir regten, als ich Folgendes von Minister Pete Hegseth las: »Im Flugzeug über ihrer Hauptstadt. Den ganzen Tag lang Tod und Zerstörung aus dem Himmel. Wir spielen um alles oder nichts … Dies sollte nie ein fairer Kampf sein, und es ist auch kein fairer Kampf. Wir schlagen auf sie ein, wenn sie am Boden liegen, und genau so sollte es sein.« Das ist dieselbe Haltung, die auch die Videos des Weißen Hauses darstellen. Mir wurde übel vor Abscheu, nicht nur gegenüber den Worten, sondern gegenüber der Person.

Dieser Hass reduziert ein menschliches Wesen auf einen Platzhalter, eine Witzfigur. Er hebt die Neugier auf, die wir brauchen, um Bedingungen zu schaffen, unter denen ein Donald Trump oder Pete Hegseth oder Linsdey Graham oder Marco Rubio nicht weiter an die Macht kommen können. Wie fühlt es sich an, die zu sein? Was macht sie zu denen, die sie sind? Selbst wenn manche vielleicht schon als Psychopathen auf die Welt gekommen sind, so sind ihre Unterstützer und Wegbereiter das nicht. Abgesehen davon reduzieren Etikettierungen wie »Narzisst« und »Soziopath« ein vielfältiges Individuum auf eine schlichte Kategorie und unterbinden damit die Möglichkeit, sie zu verstehen. Und verstehen müssen wir sie.

Verstehen bedeutet nicht billigen. Diese Leute müssen aus der Macht entfernt werden. Eine gesellschaftliche Massenbewegung gärt schon aus der weit verbreiteten Empörung über die Rhetorik und Handlungsweise der Trump-Regierung und ihrer Wegbereiter im Kongress und in den Leitmedien, die im Allgemeinen den Mann verachten, aber die ideologische Infrastruktur des Imperialismus beibehalten. Die Bewegung hat tatsächlich schon Schwung bekommen von den Epstein-Akten und deren schleppender Aufarbeitung durch die Trump-Regierung. Sie hat sich seit vielen Jahren gesammelt.

»Gegen Trump« ist ein viel zu kleines Gefäß für diese Bewegung. Schließlich ist der Irankrieg nur die schamloseste, nackteste und unverstellteste Episode in einer Reihe von imperialistischen Kriegen, die bis zum Vietnamkrieg zurückreichen, der von Demokraten und Republikanern gleichermaßen geführt wurde. Frühere Kriege – Vietnam, Jugoslawien, Irak, Libyen, Syrien, Ukraine – trugen das Feigenblatt »die Demokratie verteidigen«. Der Irankrieg ist nur die nackte Machtdemonstration. Er zeigt deutlich, was wir ändern wollen. Er zeigt deutlich die Verkommenheit, die schon immer hinter unseren herrschenden Institutionen verborgen war. Daher wird diese Bewegung sich nicht damit zufrieden geben, Trump zu entmachten und ihn durch einen Demokraten zu ersetzen, der das Feigenblatt wieder am Körper des tobenden Ungeheuers anbringt, zu dem unser Land geworden ist. Die Haltungen, die in destillierter Form in den Videos vom Weißen Haus gezeigt werden, durchdringen unser ganzes System. Das ganze System instrumentalisiert Menschen und setzt sie herab.

Was ist die höhere Vision, auf die sich eine authentische Friedensbewegung stützen könnte? Sie kommt aus der Erkenntnis der jedem Menschen innewohnenden Würde und Kostbarkeit. Sei dieser Mensch nun amerikanisch oder iranisch, Bürgerin oder Flüchtling, muslimisch oder hinduistisch, christlich oder jüdisch, schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, schwul, straight oder etwas anderes, alle sind des Lebens, der Freiheit und des Strebens nach Glück würdig. Eine Gesellschaft, die auf diesem Verständnis aufbaut, widmet ihre Ressourcen dem Heilen: Körper, Gemeinschaften, Orte, Boden, Ökosysteme, Wasser, die Süchtigen und die Notleidenden, die Hoffnungslosen. Dieses Ziel ist absolut unvereinbar mit dem Erhalt eines Billionen-Dollar-Militärapparats. Die anwachsende Friedensbewegung wird sich nicht damit zufrieden geben, nur den Irankrieg zu beenden. Wir werden nicht ruhen, bis die gesamte Militärmaschinerie abgebaut ist und bis die Menschen auf der ganzen Welt sich einig sind, dass sie nicht gebraucht wird.

Manche nennen mich unpatriotisch, wenn ich nicht will, dass Amerika diesen Krieg gewinnt. Aber was bedeutet Patriotismus eigentlich? Wahre Vaterlandsliebe strebt nicht nach Sieg auf Kosten anderer, nach der Zwangsherrschaft über andere Länder. Was ist liebenswert an einem Land, das so etwas tut? Nein, wahre Vaterlandsliebe strebt danach, die Bestimmung des Landes im Dienst an der Menschheit zu erfüllen. Die Menschen in unserem Land verspüren in sich keinerlei Widerhall der Kriegslust und Kaltschnäuzigkeit dieser Videos und Äußerungen und des Kriegs gegen den Iran. Damit sind wir durch. Alle, die sich Patrioten nennen, mögen sich vereinigen, um eine neue Version von Amerika zu schaffen!


Übersetzt von Ingrid Suprayan und Bobby Langer. Die englische Originalfassung dieses Essays ist hier zu finden.

Der Originalartikel kann hier besucht werden