Wie in vielen anderen Städten ist auch in Winterthur der bezahlbare Wohn- und Kulturraum unter starkem Druck. Aus jedem Haus und Stück Boden soll möglichst viel Profit gepresst werden.

Die Gisi, seit 1997 besetzt, ist akut räumungsbedroht. Die Räumung soll im Frühjahr 2026 erfolgen. Alle Versuche mit der SKKG in einen ernsthaften Dialog zu treten, sind gescheitert. Die Wagenplätze «Frostschutz» und «Mumpitz» sind ebenfalls räumungsbedroht. Während die Bewohner:innen versuchen, mit der Stadt über einen langfristigen Verbleib zu sprechen, verweigert die Stadt den Dialog und geht gegen die Bewohner:innen mit Gerichtsverfahren vor.

Die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze sind Teil eines vielfältigen Netzwerks selbstorganisierter Räume und Betriebe. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Sie sind dringend benötigter, günstiger Wohn- und Kulturraum für viele. Sie sind für uns aus der Stadt nicht wegzudenken.
In Zeiten der akuten Wohnungsnot, in der viele Lohnabhängige Mühe haben, die steigenden Mieten zu bezahlen, dürfen wir der Zerstörung von günstigem Wohnraum nicht tatenlos zusehen.

Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben wir Unterschriften gesammelt. Gemeinsam übergeben wir die gesammelten Unterschriften der Gisi-bleibt-Petition sowie einen offenen Brief an die SKKG und die Stadtverwaltung. Konkret fordern wir sie dazu auf, mit den Bewohner:innen der selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze in einen ernsthaften Dialog zu treten, statt auf Räumung, Gewalt und Zerstörung zu setzen.

Seit einiger Zeit versuchen wir, die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur vor der Räumung und Zerstörung zu bewahren. Diese Häuser und Plätze sind seit Jahrzehnten Wohn- und Kulturraum für viele Leute.

Wie in vielen anderen Städten sind auch in Winterthur der bezahlbare Wohnraum und unkommerzielle Kulturräume unter starkem Druck. Aus jedem Haus und Stück Boden soll möglichst viel Profit gepresst werden. Um das zu erreichen, werden Leerkündigungen, Abriss und lukrative Neubauten vorangetrieben. Die Stadt Winterthur betreibt seit Jahrzehnten eine neoliberale Standortpolitik, die Reiche anziehen und Arme vertreiben soll. Die Immobilienwirtschaft macht Kasse.

Vor ein paar Jahren hat die Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG – eine der größten Eigentümerinnen von günstigem, aber schlecht unterhaltenem Wohnraum in Winterthur – ihre so genannten «Sanierungsoffensive» angekündigt. Die SKKG besitzt über 1300 Wohnungen in Winterthur und über 2200 Wohnungen in der gesamten Schweiz. Die Stiftung hat in der Zwischenzeit mehrere Altstadthäuser totalsaniert und danach die Mieten deutlich erhöht. Neben der Sanierung ihrer Altstadthäuser plant die SKKG auch die Sanierung oder den Abriss aller großen Blocksiedlungen in den Außenquartieren. Ihr erklärtes Ziel ist, die Rendite deutlich zu erhöhen. Sie nimmt dabei die Verdrängung der bisherigen Bewohner:innen in Kauf.

Auch drei der sieben selbstverwalteten Stefanini-Häuser und zwei Wagenplätze (auf städtischem Boden) sind akut von einer Räumung und Zerstörung bedroht. Trotz mehrerer Versuche der Bewohner:innen, mit der SKKG und der Stadt über einen langfristigen Verbleib zu verhandeln, setzen beide auf Vertreibung.
Wir haben uns 2020 als Häuservernetzung Winterthur zusammengeschlossen, um den selbstverwalteten Wohn- und Kulturraum zu erhalten.

Wir haben der SKKG ernst gemeinte Vorschläge zum sozial und ökologisch nachhaltigen Erhalt des Wohn- und Kulturraums an der General-Guisan-Straße 31, an der Zürcherstraße 117 und an der Schaffhauserstraße 62 vorgelegt. Wir haben einen realistischen Renovationsplan ausgearbeitet und eine Übernahme der Häuser im Baurecht vorgeschlagen. Die SKKG hat Verhandlungen kategorisch abgelehnt und stattdessen die Räumung der Häuser angekündigt.

Die Räumung des ältesten selbstverwalteten Hauses der Stadt, der General-Guisan-Straße 31, soll im Frühjahr 2026 erfolgen, obwohl ein Rechtsstreit vor dem Obergericht hängig ist und noch keine Baubewilligung vorliegt. Die Räumung der Zürcherstraße 117 und der Schaffhauserstraße 62 wurde angekündigt und soll 2027 erfolgen. Und das in Zeiten der akuten Wohnungsnot.

Die Bewohner:innen der Wagenplätze «Frostschutz» und «Mumpitz „versuchen ihrerseits seit langem, mit der Stadt über einen langfristigen Verbleib zu sprechen. Die Stadt verweigert den Dialog und geht gegen die Bewohner:innen mit Gerichtsverfahren vor. Dem Wagenplatz «Frostschutz» wurde die Räumung im September 2026 angedroht, weil die Stadt das Gebiet um den Schützenweiher aufwerten möchte. Dabei verlieren auch die rund 50 Dauercamper:innen auf dem Campingplatz ihr Zuhause (dieser soll in ein TCS-Vierstern-Glamping umgewandelt werden). Gegen diesen unsozialen Plan der Stadt wurde das Referendum ergriffen.

Wir sind auf bezahlbaren Wohnraum und unkommerziellen Kulturraum dringend angewiesen. Es gibt kaum noch günstige Wohnungen in der Stadt. Die selbstverwalteten Häuser und Plätze werden seit Jahrzehnten von vielen Leuten genutzt, bewohnt und geliebt. Wir können sie nicht einfach kampflos aufgeben. Denn wir haben keine Anschlusslösung und können uns keine der vielleicht 100 noch nicht vermieteten, da zu teuren Wohnungen in Winterthur (0,17 % Leerstand) leisten.

pm

 

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