Das beginnende Jahr 2026 fällt in eine Zeit zunehmender globaler Destruktion. Die weltgesellschaftlichen Institutionen, wie die Vereinten Nationen oder die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), werden systematisch zerstört. Staaten wie die USA und Russland ziehen sich aus diesen Institutionen zurück bzw. versuchen sie durch blockierendes Verhalten zu behindern. Der US-Präsident Trump eskaliert dies sogar derzeit, indem er eine mit der UNO konkurrierende Organisation gründet, einen sogenannten ‚Friedensrat‘. Dies ist ein direkter Angriff auf die ohnehin schon geschwächten Vereinten Nationen und auf das Völkerrecht.

Von Klaus Moegling

Reiche und undemokratische ‚Eliten‘ eignen sich den Staat an

Trump, Putin, Erdogan u.a., so unterschiedlich sie im Einzelnen auch sein mögen, sind politische Führer, die in ihren Staaten die Reste von Demokratie abbauen bzw. zerstören, den repressiven Druck auf ihre Bevölkerung erhöhen und nach außen aggressiv agieren. Ihnen ist das Völkerrecht eher lästig, sie beachten es nicht und entwickeln einen rechten und autoritären Nationalismus, im Rahmen dessen die herrschenden Kreise sich maßlos bereichern und sich über alles hinwegsetzen, was Anstand und Gerechtigkeit verlangen. Belege hierfür sind u.a. der Angriff Russlands auf die Ukraine, der Angriff der USA auf Venezuela sowie die in Teilen militärische Besetzung der nordostsyrischen, durch die Kurden bislang noch selbst verwalteten Provinz Rojava.
Einher geht die öffentlich deklarierte Verschiebung des Terrorismusbegriffs. Menschen, die mit friedlichen Mitteln gegen die Auswüchse des Systems und die Politik der korrumpierten und sich bereichernden Klasse demonstrieren, werden nicht als Oppositionelle mit einem legitimen Anspruch gesehen, sondern zunehmend als Terroristen und kriminell eingestuft. Dies ist beispielsweise in den USA, in Russland oder in der Türkei der Fall. Hierdurch sollen die Menschen eingeschüchtert und auch, wenn man ihnen habhaft wird, weggesperrt werden, ohne dass es zu einem fairen Verfahren kommt.
Die Selbstbereicherung von ohnehin bereits reichen Menschen, Multimillionären und Milliardären, geht einher mit dem Auseinanderdriften der sozialen Schere in den betroffenen Staaten. Den unteren Gesellschaftsschichten wird das weggenommen, was sich die Superreichen aneignen. Die USA ist hier ein Beispiel unter vielen: Für die reiche Schicht der Gesellschaft wurden die Steuern drastisch gesenkt, gleichzeitig versucht die Regierung Millionen Menschen die Unterstützung bei der Gesundheitsversorgung zu entziehen.
Das am schnellsten wachsende Vermögen ist weltweit das Vermögen der Multimillionäre und Milliardäre.

Die Welt besteht nicht nur aus dem Westen

Sicherlich können hier nur einige ausgewählte Aspekte angesprochen werden.
Der globale Süden versucht sich zu organisieren und drängt auf Mitspracherechte und die Beendigung der ungerechten ökonomischen Tauschbeziehungen. Doch riesige westliche Konzerne suchen weiterhin Kontakt zu regionalen Despoten und korrupten afrikanischen Führern, um an die Bodenschätze Afrikas heranzukommen. Südamerika ist des Weiteren von den ökoimperialistischen Zugriffen der USA betroffen. Für die völkerrechtswidrige US-amerikanische Aggression beispielsweise in Venezuela wird von der US-Regierung sogar offen zugegeben, dass sie sich die dortigen großen Ölvorkommen sichern und ausbeuten wolle.
Chinas Rolle in der Welt dürfte bislang noch nicht eindeutig analysierbar sein. Die VR China versucht den ökonomischen Zugriff auf die globale Ökonomie und hat hier insbesondere das eigene Interesse im Blick. Innergesellschaftlich wird der Überwachungsstaat systematisch ausgebaut und werden die Freiheiten der Bürger immer mehr beschnitten. Noch hat China seit Jahrzehnten keinen großen Krieg mehr geführt. Globale Handelsinteressen hatten Vorrang. Letztendlich wird sich die Beurteilung Chinas mit der Entwicklung der Taiwan-Frage und des chinesischen Verhaltens in Südostasien, insbesondere auch hinsichtlich territorialer Fragen im südchinesischen Meer, in Auseinandersetzung mit den anderen südostasiatischen Anrainerstaaten entscheiden.
Die in Teilen rechtsextreme Regierung Israels hat auf den schrecklichen Überfall der Hamas völlig unverhältnismäßig reagiert. Es wurden ca. 60.000 Palästinenser, über die Hälfte Frauen und Kinder, getötet und der Gaza-Streifen fast vollständig zerstört. Es wird Generationen brauchen, um den Hass, der aus diesen Morden und Tötungen resultiert, zu überwinden.
Im Sudan tobt ein – durch ausländische Mächte unterstützter – Bürgerkrieg mit Massenvergewaltigungen und -tötungen. Über 10 Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht.
Im Iran werden die Menschen von ihrer eigenen Regierung massenhaft erschossen oder schwer verletzt, wenn sie für mehr Freiheit und ökonomische Sicherheit demonstrieren. 20.000 Menschen sind in den letzten Wochen zudem inhaftiert worden und niemand weiß, was aus ihnen werden wird. Das Mullah-Regime zeigt, dass es für seinen Machterhalt bereit ist, seine Bevölkerung zu ermorden.
Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es über den von externen Kräften unterstützen Krieg in der Demokratischen Republik Kongo weitere zahlreiche gewalttätig ausgetragene Konflikte, insbesondere durch dschihadistische Gruppen, die eine regionale Dominanz in der Sahel-Zone versuchen durchzusetzen.
Zwischen Indien und Pakistan sowie zwischen Vietnam und Thailand gibt es z.T. aufflammende militärische Auseinandersetzungen und latente Spannungen.
Das gesellschaftliche Experiment Rojava der Kurden in Nordostsyrien wird nicht nur durch die Türkei, sondern vor allem von einer Allianz aus syrischen und jihadistischen Truppen angegriffen. Es droht die brutale Zerstörung eines wichtigen Versuchs, in der Umgebung autoritärer und islamistischer Staaten eine direktdemokratische Gesellschaft mit einer Gleichberechtigung von Mann und Frau zu installieren.
Die Liste ließe sich ausufernd fortsetzen. Die Welt ist noch mehr in Unordnung geraten, als sie es ohnehin vorher schon war.
Gleichzeitig fehlen der Welt die Ressourcen, um der herannahenden Klimakatastrophe präventiv zu begegnen oder sie sogar einzudämmen. Die hierfür notwendigen Finanzmittel werden für die Waffenproduktion, für Kriegsführung oder für den Wiederaufbau zerbombter Regionen verwendet. Darüber hinaus zerstören Kriege die Umwelt und das Militär trägt im Normalbetrieb und insbesondere im Kriegsfall auch erheblich zu den globalen CO2-Emissionen bei.

Massive Aufrüstungsprogramme versprechen eine trügerische Sicherheit

Die von den rechtsnationalistischen Regierungen angezettelten ökoimperialistischen und geostrategischen Kriege kommen auch der Mitte Europas immer näher. Die Sorge, in einen Krieg hineingezogen zu werden, breitet sich z.B. auch in Deutschland aus. Gleichzeitig rüsten fast alle europäischen Staaten militärisch auf, verschulden sich massiv und vergeuden die Ressourcen der kommenden Generationen durch die destruktive Produktion immer gefährlicherer Waffen.
Dies führt zu erheblichen Renditen für die Eigentümer und Anteilseigner der Rüstungsindustrie. Der politisch-militärisch-industrielle Komplex funktioniert und wird zunehmend durch mediale Beeinflussung, Kriegsangst und entstehende Arbeitsplätze gesellschaftlich akzeptiert.
Die neuen Waffensysteme unterhalb der nuklearen Schwelle werden immer gefährlicher. Insbesondere Hyperschallraketen stellen eine große Gefährdung dar, da sie in der Lage sind, ‚Enthauptungsschläge‘ durchzuführen, die nur schwierig aufgrund von deren hoher Geschwindigkeit und Lenkbarkeit abgefangen werden können.
Auch die immer weiter entwickelten Drohnen mit zunehmend gefährlicheren Sprengköpfen verändern die Kriegssituation nicht nur an den Fronten, sondern auch für die Zivilgesellschaften im Inland. Niemand ist mehr sicher vor den lauernden Drohnen. Drohnenkämpfer, die im Hinterland versteckt die Drohnen bedienen, können mit einem relativ geringen Risiko töten und zerstören.
Die Atomwaffensysteme werden derzeit in allen Atomstaaten mit riesigen Investitionen modernisiert und immer gefährlicher weiterentwickelt. Diese Staaten versprechen sich vom Abschreckungseffekt Sicherheit und auch die Durchsetzung ihrer geostrategischer Interessen mittels konventioneller Waffensysteme, gestützt auf die nukleare Bewaffnung.
Es werden inzwischen auch Rufe nach einem nuklearen Schutzschirm für Europa laut. Doch das Sicherheitsversprechen eines atomaren Schutzschirms ist eine Illusion. Kein Land der Welt ist in der Lage, angreifende hybride Waffensysteme, die auch Hyperschallraketen mit nuklearen Sprengköpfen beinhalten können, abzuwehren.
Auch ohne den Einsatz von Nuklearwaffen ist eine moderne Gesellschaft ausgesprochen verletzlich. Drohnen- und Hackerangriffe auf die kritische Infrastruktur können in ihrer Gesamtheit nicht abgewehrt werden. Sie können zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Organisation des Lebens und zu einem verheerenden gesellschaftlichen Chaos führen.
Letztendlich können die Gesellschaften vor diesen Gefahren nur durch eine Reorganisation und Neuordnung ihrer multilateralen Beziehungen in eine kooperative Richtung hin bewahrt werden. Auch wenn das Pendel derzeit in die andere Richtung schwingt: Nur die schrittweise und international abgestimmte Abrüstung könnte eine wirkungsvolle Friedensdividende ermöglichen, mit denen der Welthunger und die Klimakatastrophe bekämpft werden könnten. Dies wird vor allem über eine entscheidende Reform der Vereinten Nationen gelingen können. Insbesondere ist hier das Recht zur Blockade in den höchsten Gremien der UN, insbesondere im UN-Sicherheitsrat, durch aggressive Staaten, wie Russland und die USA, abzuschaffen. Insgesamt sind eine Stärkung und eine Demokratisierung der Vereinten Nationen notwendig.
Jedoch wird ein Trump-dominierter sogenannter ‚Friedensrat‘ zu einer Schwächung multilateraler Verständigung und zum Versuch führen, US-Interessen einseitig und z.T. auch völkerrechtswidrig durchzusetzen.

KI kann sich positiv, aber auch gefährlich auswirken 

Die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz im Zusammenhang mit neueren Waffensystemen führt dazu, dass den Menschen die Kontrolle über ihre Waffensysteme zunehmend entgleitet. Informationen der KI lassen sich kaum überprüfen, wenn innerhalb weniger Minuten entschieden werden muss, ob ein nuklearer Angriff vorliegt und ein Gegenangriff erfolgen soll. Hier sind die Entscheider letztlich der KI ausgeliefert, die auf der Grundlage von Informationen von hunderten Sensoren eine Nachricht übermittelt. Fehlinformationen können somit nicht aufgeklärt werden. Ein Nuklearkrieg aus Versehen droht.
Hierbei muss auch noch vor der Gefahr einer sich im Internet entwickelnden Superintelligenz, einer sich verselbstständigen KI, sehr deutlich gewarnt werden. Eine mögliche Superintelligenz kann kognitive Leistungen erzielen, die über das menschliche Leistungsvermögen und die menschliche Intelligenz weit hinausgehen. Eine derartige KI könnte auf die kritische Infrastruktur störend oder sogar zerstörend einwirken und im schlimmsten Fall einen unkontrollierbaren Zugriff auf nukleare Waffensysteme nehmen.
KI kann in vielerlei Hinsicht positiv eingesetzt werden, z.B. bei Übersetzungen oder beim Haut-Screening. Allerdings darf es keine ungehemmte KI-Entwicklung in der Hand großer Tech-Konzerne geben, sondern die Entwicklung muss durch internationale Regeln kontrolliert und im Falle des Verstoßes strengstens sanktioniert werden.

Die Welt ist zunehmend auf der Flucht 

Millionen Menschen, insbesondere des globalen Südens, sind derzeit auf der Flucht vor den Folgen der Klimakrise und vor ihre Existenz zerstörenden Kriegen. Gleichzeitig versuchen sich die Staaten des globalen Nordens gegen diese Fluchtbewegungen abzuschirmen. Dies geschieht auch bei der Abwehr rechtsextremer politischer Bewegungen und Parteien, welche die Flucht dieser Menschen abwertend für ihre politische Propaganda ausnutzen. Dennoch sind auch diese Staaten, in denen noch ernsthaft demokratische Ziele verfolgt werden, von der Übernahme der Regierungen durch rechtsextreme Kräfte bedroht. Die Entwicklung in den USA ist hier ein negatives Beispiel, von Russland erst gar nicht zu sprechen.

Trumps ‚Friedensrat‘ als unseriöse Konkurrenz zur UNO

US-Präsident Donald Trump benutzte das Wirtschaftsforum in Davos im Januar 2026, um einen sogenannten ‚Friedensrat‘ zu inszenieren. Er holte einige illustre Staatenführer auf das Podium, die neben ihm auf der Bühne saßen, während er seine Konzeption vortrug. Anschließend wurden sie jeweils zu zweit an einen Tisch auf der Bühne gebeten, um ein Dokument zu unterzeichnen, Shake-Hands mit Trump zu machen und ein paar Sekunden die Weltöffentlichkeit zu genießen.
Dieser sogenannte ‚Friedensrat‘ hat Trump zum lebenslangen Vorsitzenden gemacht, umrahmt von Mitgliedern seiner Familie und von ihm nahestehenden Mitarbeiter. Selbst wenn er also nicht mehr US-Präsident ist, soll er den Vorsitz in diesem internationalen Gremium behalten. Im Board selbst sitzen dann staatliche Repräsentanten anderer Länder, die von ihm persönlich eingeladen werden. Er hat bisher Einladungen an 60 Staaten ausgesprochen. Wer längerfristig Board-Mitglied sein will, muss eine Milliarde US-Dollar an den von Trump geleiteten ‚Friedensrat‘ zahlen.
Hier wird also versucht eine Konkurrenzsituation zu den Vereinten Nationen aufzubauen – unter der Verfügungsgewalt des gegenwärtigen US-Präsidenten, dem das Völkerrecht bisher kein Anliegen, im Gegenteil ein zu überwindendes Hindernis, war.
Jeffrey D. Sachs und Sybil Fares (2026) fordern daher:
„The so-called “Board of Peace” being created by President Donald Trump is profoundly degrading to the pursuit of peace and to any nation that would lend it legitimacy. This is a trojan horse to dismantle the United Nations. It should be refused outright by every nation invited to join.“ („Das sogenannte „Board of Peace“, das von Präsident Donald Trump geschaffen wird, ist zutiefst erniedrigend für das Streben nach Frieden und für jede Nation, die ihm Legitimität verleiht. Das ist ein trojanisches Pferd, um die Vereinten Nationen zu zerschlagen. Es sollte von jeder eingeladenen Nation entschieden abgelehnt werden.“)

Und dennoch: Perspektiven positiver Entwicklungen 

So sieht es derzeit aus. Es wäre falsch, wegzuschauen oder die Situation zu beschönigen.
In dieser Zusammenschau ist es aber dennoch notwendig, gesellschaftliche Gegenentwicklungen und gelungene Beispiele gesellschaftlicher Organisation zu zeigen.
Das Pendel kann durchaus zurückschwingen, wenn die Zivilbevölkerung und auch Teile der herrschenden Schichten merken, dass Krieg keine Lösung globaler Probleme darstellt, sondern nur Existenzen, Menschenleben, finanzielle Ressourcen und zerstörte (Mit)Welt kosten.
Auch die von Millionen US-Amerikanern getragenen „No-Kings“-Proteste sowie der USA-weite Widerstand gegen die illegalen Verhaftungen und Entführungen der Trump-Miliz ICE sind Ausdruck dieser Gegenbewegungen.
Allein bereits die riesige Friedensdividende, die bei einem Zurückfahren der Aufrüstung und der militärisch ausgetragenen Konflikte entsteht, spricht für eine Umkehr in den internationalen Beziehungen zugunsten einer intensivierten multilateralen Verständigung.
Nicht unterschätzen sollte man den Einfluss der mit dem politisch-militärisch-industriellen Komplex konkurrierenden Teilen der Ökonomie, die auf Frieden und den ungestörten globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen angewiesen sind. Sie werden versuchen ihren Einfluss geltend zu machen.
Auch werden die aufzubringenden Billionen-Beträge für zukünftige Maßnahmen zur Prävention und zur Eindämmung der herannahenden Klimakatastrophe weiten Teilen der Gesellschaften zu denken geben. Wie bereits angesprochen: Wenn die gesellschaftlichen Ressourcen in Kriege investiert werden, sich Staaten hierfür verschulden, werden ihnen die Finanzmittel und die gesellschaftliche Energie fehlen, um den von uns Menschen gemachten klimatischen Veränderungen auch nur in Ansätzen begegnen zu können. Doch die hierdurch ausgelösten ökologischen Probleme werden immer umfassender und werden natürlich immense Kosten erzeugen.
Auch wenn die größten Fossildealer der Welt ihr Interesse mit militärischen Mitteln durchzusetzen versuchen, ist mittelfristig ihre Zeit abgelaufen. Die auf regenerativer Energieerzeugung beruhende Technikentwicklung ist global nicht mehr aufzuhalten.
Auch werden sich Menschen in einer Gesellschaft nicht Jahrzehnte lang Unterdrückung und Ausbeutung gefallen lassen. Sie werden sich wieder organisieren und beginnen, sich gemeinsam auch gegen den staatlichen Druck autoritärer Gesellschaften für Veränderungen zu engagieren.
Staaten, die für sich einen demokratischen Anspruch besitzen und weiterhin die Notwendigkeit demokratisierter und gestärkter Vereinter Nationen sehen, haben die Möglichkeit, sich neue Bündnisse und Kooperationspartner zu suchen. Eine Neuordnung auf der Ebene der internationalen Beziehungen, die durch die wachsende Unzuverlässigkeit der USA mit einem irrlichternden Präsidenten immer notwendiger wird, wird sicherlich bedeuten, dass Staaten des westlichen Lagers verstärkt auf einzelne BRICS-Staaten zugehen werden. So hat Kanada soeben ein strategisches Abkommen mit China verabredet, Deutschland wird die Zusammenarbeit mit Indien stärken und die EU wird – auch wenn es hier gerade durch den Einspruch des EU-Parlaments zu Verzögerungen kommt – im Rahmen eines eventuell nachgebesserten Mercosur-Abkommens auf die südamerikanischen Staaten zugehen.
Der kanadische Premierminister Mark Carney formulierte diese positive Perspektive mit seinen Worten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos „Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zurückkommt. Wir sollten ihr nicht nachtrauern. Nostalgie ist keine Strategie. Aber wir glauben, dass wir aus dem Bruch etwas Besseres, Stärkeres, Gerechteres aufbauen können.“
Neben diesen ökonomischen, gesellschaftspolitischen und friedensökologischen Perspektiven finden sich weitere durchaus positive Entwicklungen, bei denen bereits jetzt Neues ausprobiert, gemeinschaftliche Lebens- und Arbeitsformen entstehen sowie zivilgesellschaftliche Protestbewegungen sich weiterentwickeln.
Dies sind einige gewichtige Argumente, warum sich die gegenwärtige Destruktion auch wieder in eine konstruktivere Richtung neu ordnend entwickeln und das Pendel zurückschwingen kann.
Es geht in diesen unruhigen und auch psychisch belastenden Zeiten auch darum, mehr das Positive und bereits Gelungene zu sehen und sich genau analysierend die Geburt des systemisch Neuen im Alten bewusst zu machen. Das Neue hierbei kann nur eine solidarische, kooperative und ökologisch ausgerichtete Weltgesellschaft sein.
Auch wenn sich derzeit Vieles in die falsche Richtung bewegt, es gibt also auch durchaus Anlässe für Hoffnungen und Perspektiven auf positive Entwicklungen. Aber alle, die dies ebenfalls sehen und sich dies wünschen, sind darauf angewiesen, ihre Anstrengungen miteinander zu intensivieren und auszuweiten. Eine gesellschaftliche Neuordnung auf den verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher Organisation entsteht nur, wenn entsprechende Visionen durchdacht und dann umsetzbar entwickelt, miteinander durchgesetzt und auch gelebt werden.


Klaus Moegling, Prof. Dr. habil., Politikwissenschaftler und Soziologe, er lehrte an verschiedenen Universitäten und Institutionen der Lehrerbildung, zuletzt an der Universität Kassel als apl. Professor im Fb Gesellschaftswissenschaften, er engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen (Webseite). Er ist Autor des im open Access veröffentlichten Buches „Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) möglich“.

 

Eine kürzere Fassung ist in der US-amerikanischen Alternativzeitschrift ‚Common Dreams‘ erschienen:

Common Dreams,
https://www.commondreams.org/opinion/2026-war-authoritarianism, 12.1.2026.