Der Iran-Krieg droht in vielen Ländern Asiens zu akutem wirtschaftlichen Stillstand zu führen und einen Rekordanstieg der Zahl der Menschen auszulösen, die Hunger leiden. Berlin, mit den Aggressoren verbündet, ignoriert die Notlage.
Der von den USA und Israel, zwei engen Verbündeten der Bundesrepublik, losgetretene Angriffskrieg gegen Iran belastet zahlreiche Länder Asiens wegen der weitgehenden Unterbrechung der Treibstofflieferungen durch die Straße von Hormus schwer. Zu den am stärksten betroffenen Ländern gehört Indien, das in hohem Maße von Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion abhängig ist. Dort sind – von kleinen Restaurants bis hin zu Betrieben des größten Metallkonzerns im Land – Unternehmen aller Art von Betriebsstillständen bedroht. In Pakistan und Bangladesch mussten Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs angekündigt werden, darunter die Schließung von Präsenzschulen und Universitäten. Auch Indonesien hat Sparmaßnahmen in allen Regierungsbehörden bekanntgegeben. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt vor einer sich verschärfenden Hungerkrise, durch die die Zahl der Hungerleidenden weltweit um 45 Millionen steigen könnte. Aktuell zeichnet sich aufgrund der Genehmigung Irans für Schiffe nicht feindlicher Länder zur Durchfahrt durch die Straße von Hormuz ein wenig Erleichterung ab. Berlin, mit den Aggressoren verbündet, kümmert sich nicht um die Notlage in Süd- und Südostasien.
Firmen dichtgemacht
In Indien stehen Betriebe in verschiedenen Branchen vor der Schließung, da das Land in puncto Energiebedarf stark von Öl- und Gaslieferungen von der Arabischen Halbinsel abhängig ist. Es importierte vor dem Beginn des Iran-Kriegs etwa 40 bis 50 Prozent seines Rohöls, 50 bis 60 Prozent seines Flüssiggases (Liquefied Natural Gas, LNG) und etwa 80 bis 85 Prozent seines Brenngases durch die Straße von Hormuz. Nun drohen zum Beispiel Restaurants in ganz Indien dichtzumachen, da die meisten nur noch Gasvorräte zum Kochen für maximal zwei Tage vorrätig haben. Die Lagerbestände der Raffinerien und Händler reichen Schätzungen zufolge lediglich für etwa zwei bis drei Wochen aus.[1] Laut dem Präsidenten der Indian Hotels and Restaurants Association, Vijay Shetty, haben rund 20 Prozent aller Restaurants und Hotels in Mumbai bereits in den ersten zwei Wochen des Iran-Kriegs vorübergehend ihre Tätigkeit gestoppt. Im Distrikt Mobi in Gujarat haben wiederum rund 100 Keramikfabriken schon in den ersten Kriegstagen aufgrund des Mangels an Propangas den Betrieb eingestellt, während weitere 400 das gleiche Schicksal erwartet.[2] Die zunehmende Gasknappheit beeinträchtigt auch den Betrieb des führenden indischen Metallkonzerns JSW Group; einem seiner Stahlwerke droht in den kommenden Tagen die Schließung.[3]
Schulen geschlossen
Auch Pakistan wird aufgrund steigender Energiepreise und aufgrund von Energieknappheit hart von wirtschaftlichen Einschränkungen getroffen. Schon am 9. März kündigte Premierminister Shehbaz Sharif in einer Fernsehansprache drastische Sparmaßnahmen an. Dazu gehörte die Schließung aller Schulen und die Umstellung auf Fernunterricht bis Ende März.[4] Sharif bezeichnete die Maßnahmen als „schwierige Entscheidungen für die Wirtschaft des Landes“ und kündigte zudem an, es sollten 50 Prozent der Beschäftigten sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor von zu Hause aus arbeiten. Ähnlich wie Indien ist auch Pakistan bei seinem Energiebedarf stark von den Golfstaaten abhängig. Auch in Bangladesch wurden Universitäten geschlossen – nicht zuletzt, weil sich die Inflation dort durch den Krieg verschärft hat.[5] Das Land, in dem die Verbraucherpreise bereits im Februar um 9,1 Prozent auf einen Zehn-Monats-Höchststand gestiegen waren, wird aufgrund höherer Energiekosten voraussichtlich mit einer langfristig anhaltenden Inflation konfrontiert sein. Es sieht sich zudem mit einem Rückgang der Überweisungen von im arabischen Ausland lebenden Wanderarbeitern aus Bangladesch konfrontiert, da diese – eine wichtige Stütze seiner Wirtschaft – aufgrund des Krieges ihren Arbeitsplatz zu verlieren drohen.
Drastische Sparmaßnahmen
Auch in Indonesien werden längst drastische Schritte eingeleitet. So hat die Regierung in Jakarta inmitten der steigenden Ölpreise am vergangenen Donnerstag angekündigt, in allen Ministerien und staatlichen Behörden Sparmaßnahmen zu ergreifen, um das Haushaltsdefizit unter der gesetzlich festgelegten Obergrenze von drei Prozent zu halten.[6] Der Koordinierungsminister für Wirtschaftsfragen, Airlangga Hartarto, erklärte vergangene Woche, die Regierung habe es bei der Bewältigung der Krise „mit Szenarien eines langwierigen Krieges“ zu tun, „der fünf, sechs oder zehn Monate dauern könnte“.[7] Nur Vorzeigeprogramme von Präsident Prabowo Subianto, etwa kostenlose Mahlzeiten für Kinder und 80.000 Dorfgenossenschaften, sind von den Haushaltskürzungen nicht betroffen. In Thailand wiederum gefährdet die sich verschärfende Kraftstoffknappheit traditionelle Bestattungszeremonien, da buddhistische Tempel Schwierigkeiten haben, Diesel für Feuerbestattungen zu beschaffen.[8] Mehrere Tempel warnen bereits, eine Aussetzung der Bestattungsdienste sei durchaus denkbar, da Tankstellen, denen der Treibstoff ausgeht, den Verkauf nur noch an Fahrzeugbetreiber gestatten.
Vor der Hungerkrise
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnte unterdessen in der vergangenen Woche, die Gesamtzahl der Menschen weltweit, die unter akutem Hunger leiden, könne um fast 45 Millionen steigen, falls der Krieg gegen Iran bis zum Jahresende andauere oder die Ölpreise über 100 US-Dollar pro Barrel blieben.[9] Diese Zahl würde zu den 318 Millionen Menschen weltweit hinzukommen, die bereits unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden. Dadurch würde ein Rekordhoch erreicht, das noch über dem vorherigen Höchstwert läge, der nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 erreicht wurde. Damals waren laut Prognosen des WFP insgesamt 349 Millionen Menschen von der Nahrungsmittelkrise betroffen. Der Grund für die sich aktuell anbahnende Krise liegt vor allem darin, dass der Krieg gegen Iran den Transport von Düngemitteln durch die Straße von Hormuz beeinträchtigt, was sich negativ auf die Ernteerträge in zahlreichen Ländern weltweit auswirkt. Nach Angaben des maritimen Informationsdienstes Signal Group entfallen 20 Prozent des weltweiten Handels mit wichtigen Düngemitteln wie Ammoniak, Phosphaten und Schwefel auf die arabischen Golfstaaten. Das bedeutet, dass die weitgehende Sperrung der Straße von Hormuz Risiken für stickstoffabhängige Kulturen wie Mais, Weizen und Reis mit sich bringt.[10]
Ein wenig Erleichterung
Mittlerweile zeichnet sich zumindest ein wenig Erleichterung ab. Jüngsten Berichten zufolge passieren derzeit zwei weitere unter indischer Flagge fahrende Schiffe mit jeweils einer Ladung Flüssiggas die Straße von Hormuz auf dem Weg nach Indien. Damit würde sich die Zahl der Schiffe unter indischer Flagge, die diesen Monat die Meerenge durchquert haben, auf insgesamt vier erhöhen. Einem Bericht von Bloomberg zufolge haben die beiden Tanker mit ihren Transpondern ihre Zugehörigkeit zu Indien anstelle ihres Zielortes signalisiert; Iran hat mehrfach bestätigt, Schiffe, die nicht seinen Kriegsgegnern oder deren Verbündeten gehören, die Straße von Hormuz durchqueren zu lassen.[11] Die jüngste Durchfahrt erfolgt, nachdem der indische Premierminister Narendra Modi am Wochenende mit Irans Präsident Massud Peseschkian gesprochen und die Notwendigkeit betont hatte, die Schifffahrtswege freizuhalten. Freilich führen die insgesamt vier Schiffe nur genug Flüssiggas mit sich, um den indischen Verbrauch für zwei bis drei Tage zu decken. In ähnlicher Weise dürften laut einem Bericht von Nikkei Asia in den kommenden Tagen weitere Öltanker auf dem Weg nach Pakistan die Straße von Hormuz passieren.[12] Einem pakistanischen Regierungsbeamten zufolge haben bereits mehrere Schiffe mit Ziel Pakistan die Meerenge durchquert, was den engeren Beziehungen zwischen Iran und Pakistan zu verdanken ist.
Wettlauf um russisches Öl
Angesichts steigender Rohölpreise und zunehmender Knappheit bemühen sich asiatische Länder darüber hinaus, sich Lieferungen russischen Öls zu sichern. Dies begann, nachdem die USA am 13. März eine 30-tägige Ausnahmeregelung verkündet hatten; sie erlaubt den Handel mit eigentlich sanktioniertem russischem Öl und Erdölprodukten, die derzeit auf See festsitzen. Laut Kpler, einem Marktforschungsunternehmen für Rohstoffe, befanden sich am 6. März schätzungsweise 130 Millionen Barrel russisches Rohöl auf See.[13] Indien, das im Rahmen seines Handelsabkommens mit den USA begonnen hatte, die Käufe russischen Öls zu reduzieren, hat sie laut Kpler nun auf 1,8 Millionen Barrel pro Tag etwa verdoppelt. Darüber hinaus haben die Philippinen und Thailand, beides Verbündete der USA, sowie Indonesien entweder Kontakt zu Russland aufgenommen oder ihre Bereitschaft signalisiert, russisches Öl zu kaufen. China hingegen verzeichnet aktuell beim Kauf russischen Öls keinen nennenswerten Anstieg mehr: Chinesische Raffinerien hatten bereits begonnen, die russischen Vorräte aufzukaufen, als Indiens Bestellungen wegen des Handelsabkommens mit den USA zurückgingen.
[1] Abhishek Dey: Indian firms feel the squeeze as Iran war disrupts gas supplies. bbc.com 10.03.2026.
[2] HT News Desk: 100 ceramic units closed in Gujarat amid US-Iran conflict, 400 more likely to shut down. hindustantimes.com 06.03.2026.
[3] Neha Arora: Mounting gas shortages disrupt some steel plants at India’s JSW, one unit may face shutdown. reuters.com 16.03.3026.
[4] MEE Staff: Iran war fuel crisis forces Pakistan to close schools, take austerity measures. middleeasteye.net 09.03.3026.
[5] Masum Billah: Bangladesh’s inflation woes heightened by Iran war fallout. nikkei.com 13.03.2026.
[6] Fathur Rochman: Indonesia turns to efficiency to keep budget deficit below 3 percent. antaranews.com 19.03.2026.
[7] Ismi Damayanti, Rezha Hadyan: Indonesia to cut ministries‘ budgets over oil prices and fiscal concerns. nikkei.com 16.03.2026.
[8] Even the dead in Thailand cannot escape Iran war fuel shortages. scmp.com 17.03.2026.
[9] News Releases: WFP projects food insecurity could reach record levels as a result of Middle East escalation. wfp.org 17.03.2026.
[10] Nik Martin: Iran war: Strait of Hormuz shutdown could spark food crisis. dw.com 13.03.2026.
[11] Weilun Soon: Two More Indian LPG Ships Transit Hormuz Along Iran Coast. bloomberg.com 23.03.2026.
[12] Adnan Aamir: More Pakistan-bound oil tankers to arrive via Hormuz, officials say. nikkei.com 21.03.2026.
[13] Joseph Rachman, Soumyajit Saha, Wataru Suzuki: Asian governments scramble to secure Russian oil. nikkei.com 18.03.2026.










