Zum gestrigen Weltwassertag am 22. März 2021 erinnert der Berliner Wassertisch: Weltweit leiden unzählige Menschen unter Wasserknappheit und mangelnder Sanitärversorgung.

Doch der Verteilungskampf könnte sich in naher Zukunft noch verschärfen. Die CME Group (Chicago Mercantile Exchange), eine der weltgrößten Optionsbörsen, machte Ende 2020 vor, was auf uns zukommt. Sie eröffnete die Spekulation auf Wasser. Wie bei Gold oder Öl können Anleger nun mit sogenannten „Futures“ (Terminabsprachen für Verkäufe an einem bestimmten Tag zu einem festgelegten Preis) auf das Wasser wetten.

Die Ökonomin und MdL a.D. Gerlinde Schermer positioniert sich für den Berliner Wassertisch: „Die weltweit erste Terminbörse für Wasser lädt stellt Wasser als fundamentales Menschenrechte in Frage. Die dem Wassertisch verbundenen Wasseraktivistinnen Maude Barlow und Vandana Shiva forderten in einer gemeinsamen Pressemitteilung schon im Januar 2020, die Vermarktung von Wasser und seinen Verkauf auf dem freien Markt abzulehnen und Wasser als ein öffentliches Gut und Menschenrecht anzuerkennen. Private Unternehmen und Investoren haben Wasser bereits durch die Privatisierung von Wasserdienstleistungen, die Mineralwasserindustrie, Land- und Wasserraub und Wasserrechte für die Rohstoffindustrien zur Ware gemacht. Mit dem Berliner Wasserrat, mit der Blue Community Berlin und multimedialen Ausstellungskonzepten der jungen Berliner Grafikdesignerin Caroline Breidenbach werden wir weiter über Wasserkrise und Privatisierung aufklären und Bewegung initiieren.“

Pressesprecherin Ulrike von Wiesenau schreibt in einer Stellungnahme zum Weltwassertag: „Dass Anleger an der Terminbörse in Chicago neuerdings mit Wasser spekulieren können überrascht als Entwicklung nicht. Der Handel mit Wasser wird zu Spekulationen einladen, wie wir sie bereits mit anderen Rohstoffen wie Weizen, Soja und Öl kennen. Da Wasser in Zeiten der Klimakrise immer kostbarer wird, investieren auch Privatanleger seit Jahren in Infrastrukturunternehmen und private Wasserversorger. Nach der Wasserversorgung soll nun auch der Rohstoff selbst zum Spekulationsobjekt werden, das ist die konsequente Ratio eines ungezügelten Neoliberalismus. Nach dem erfolgreichen Berliner Wasser-Volksentscheid und der ersten Europäischen Bürgerinitiative Right2Water wird sich der Berliner Wassertisch gemeinsam mit dem European Water Movement (EWM) nun dafür aufstellen, den Wasserhandel an der Wall Street anzuprangern und auf seine Aussetzung hinzuwirken.“

Hier die Pressemitteilung von EWM (Bündnispartner des Berliner Wassertisches) zum Weltwassertag 2021: http://europeanwater.org/news/press-releases/1003-we-say-no-to-the-trading-of-water-futures-on-the-stock-market