Die Refuzniks – eine kleine Hoffnung auf den Frieden in Nahost?

04.12.2017 - Milena Rampoldi - ProMosaik

Dieser Artikel ist auch auf Französisch verfügbar.

Die Refuzniks – eine kleine Hoffnung auf den Frieden in Nahost?

Im Interview spricht die pro-palästinensische Aktivistin Olivia Zemor von Europalestine wie die israelische Refuznik versuchen eine Veränderung im militaristischen und kolonialistischen System in Israel zu erreichen.  

Wer sind die Refuzniks und woher stammt dieser Begriff ?

Heute versteht man unter den Refuzniks die jungen Israelis, die den Wehrdienst in der Besatzungsarmee verweigern und diese Verweigerung auch offen bekennen (viele andere hingegen machen sich aus dem Staub, um dem Wehrdienst zu entkommen, ohne ihre Verweigerung öffentlich bekanntzugeben).

Der Begriff stammt aus dem Russischen (Otkaznik: „отказник“; dieser stammt wiederum vom Substantiv „отказ“ Verweigerung, Widerspruch, ab). So nannte man die Menschen, denen die Behörden der Sowjetunion ein Visa verweigerten. Es handelt es sich in diesem Falle im Besonderen (wenn auch nicht nur) um sowjetische Juden.

Warum sind die Refuzniks wichtig für einen Wandel in der israelischen Gesellschaft?

Die israelischen Refuznik sind sehr wenige und wissen, dass ihre Zahl nicht ausreicht, um in der israelischen Gesellschaft etwas zu ändern. Aber sie bleiben mutige Oppositionelle, die lieber einige Wochen oder Monate in Haft sitzen anstatt etwas zu tun, was ihr Gewissen nicht zulässt.

Es gibt auch so wenig Refuzniks, weil nur wenige Israelis, die seit ihrer Kindheit die patriotische und Opferpropaganda („entweder wir oder sie“) über sich ergehen lassen, auch wirklich in der Lage sind, davon Abstand zu nehmen und sich der Hetze gegen die Araber zu entziehen.

Welche sind die Schritte, die ein(e) Refuznik in ihrem/seinem Leben durchläuft?

Ein(e) Refuznik gibt zum Datum ihrer/seiner Einberufung zum Wehrdienst bekannt, dass sie/er den Wehrdienst nicht antreten möchte. Sie/er beantragt, als Wehrdienstverweigerer(in) in Israel anerkannt zu werden, wo es diesen Status aber nicht gibt.

Die Refuzniks werden dann zu einer ersten Haftstrafe verurteilt, die normalerweise drei Wochen dauert. Dann werden sie hochrangigen Militärs vorgeführt, die sie auffordern, das Ganze zu begründen. Die Begründungen werden im Allgemeinen nicht akzeptiert, und die Refuzniks wandern erneut über mehrere Wochen in Haft. Dieser Haftzeitraum kann mehrmals wiederholt werden.

Wie viele Refuzniks gibt es und wer unterstützt sie?

Die Refuzniks sind vielleicht 1 bis 3 Jugendliche pro Jahr, die gleichzeitig in Haft kommen. Wir kennen einige Dutzende.

Sie werden vom israelischen Verein Masarvot unterstützt.

Die Mehrzahl der Refuzniks sind seit einigen Jahren Frauen. Warum?

Vielleicht befürchten die Männer immer noch mehr als die Frauen, als schwach und als Vaterlandsverräter denunziert zu werden. Vielleicht sind die Frauen auch sensibler gegenüber jeglicher Form von Gewalt, die in der israelischen Gesellschaft vor sich geht und Folge der Besatzung, ihrer Brutalität und ihrer entmenschlichenden Beschaffenheit ist.

Wie kann man die Bewegung der Refuzniks aus dem Ausland unterstützen ?

Es ist wichtig, die Refuzniks zu unterstützen, um aufzuzeigen, dass alle Juden und alle Israelis nicht automatisch die Politik des israelischen Staates unterstützen.

Man muss über sie sprechen, ihre Fotos veröffentlichen, ihnen schreiben, um ihnen Komplimente zu machen und sie zu ermutigen. Man kann sie auch finanziell unterstützen, denn sie bringen ein wesentliches, finanzielles Opfer, indem sie auf alle Vorteile verzichten, die mit dem Militärdienst zusammenhängen (Studienstipendien, kostenlose Studentenunterkünfte…)

Zahlreiche Refuzniks fordern zum Boykott gegen Israel auf. Sie zu unterstützen bedeutet auch, die internationale BDS-Kampagne zu erweitern.

Kategorien: Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Mittlerer Osten
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