Ein Aufruf am 50. Jahrestag des Sechstagekrieges, die Besetzung Palästinas zu beenden

01.06.2017 - Brüssel, Belgien - PAX

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Französisch verfügbar.

Ein Aufruf am 50. Jahrestag des Sechstagekrieges, die Besetzung Palästinas zu beenden

Diesen Monat jährt sich die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete zum 50. Mal. Aus diesem Anlass ruft Pax Christi International gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen die internationale Gemeinschaft auf, für die sofortige Beendigung der 50jährigen israelischen Besatzung einzutreten und die Wiederaufnahme des Friedensprozesses durch alle Beteiligte im Einklang mit dem Völkerrecht zu fordern.

Seit Beginn des Sechs-Tage-Kriegs (5. bis 10. Juni 1967) haben fünf Jahrzehnte militärischer Besatzung unter Missachtung von Völkerrecht und UN-Resolutionen sowie die vorsätzliche Ausdehnung der Siedlungen zu katastrophalen Lebensbedingungen für die Menschen in der Region geführt; die Menschenrechte der palästinensischen Bevölkerung werden systematisch verletzt.
„Es ist nun wirklich an der Zeit zu sagen: Es reicht!“, erklärt Pax Christi International vor dem Hintergrund des 50. Jahrestags der Besatzung in diesem Monat.

Dieser Appell erfolgt zu einem Zeitpunkt, da mit Gedenkveranstaltungen weltweit das Bewusstsein für die Auswirkungen der fünf Jahrzehnte andauernden Besatzung auf das Leben der Palästinenser geschärft werden soll. In diesem symbolträchtigen Monat ruft Pax Christi International die Regierungen, die Zivilgesellschaft und alle Menschen guten Willens auf, ihren Einfluss geltend zu machen und sich mit geeigneten Mitteln – sei es durch politisches, öffentliches oder privates Engagement – für eine Beendigung der Besatzung einzusetzen.

50 Jahre hat die internationale Gemeinschaft zugesehen, wie Menschenrechte mit Füssen getreten wurden und sich die Lebensbedingungen in den besetzten palästinensischen Gebieten verschlechtert haben. Ganz allmählich ist die Hoffnung gesunken, denn diese Besatzungspolitik zerstört Menschenleben, indem sie:

  • Bewegungsfreiheit verwehrt;
  • den Zugang zu wichtigen Dienstleistungen, wie der Gesundheitsversorgung, einschränkt;
  • elementare Notwendigkeiten, wie die Wasser- und Stromversorgung, überwacht und verknappt;
  • ein normales Familienleben sowie Religionsausübung erschwert;
  • die palästinensische Wirtschaftsinfrastruktur, insbesondere im Agrarsektor, beeinträchtigt;
  • legitime, gewaltfreie Ausdruckformen des Widerstands und des Protests ahndet;
  • Vorschriften erlässt, die zu Segregation und Ungleichheit führen.

Kürzlich hat der Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrats für die israelisch besetzten palästinensischen Gebiete, Michael Lynk, seine tiefe Sorge über die immer akuter werdende Lage
zum Ausdruck gebracht: „Die systembedingten Menschenrechtsverletzungen, die mit dieser Besatzung einhergehen – darunter Kollektivstrafen, Beschlagnahmung von Eigentum, exzessive Gewaltanwendung und illegale Tötungen, Mangel an Bewegungsfreiheit und stetige Ausweitung der Siedlungen – tragen dazu bei, die bereits bedrohliche Situation noch zu verschärfen.”

Rania Giacaman Murra, Direktorin des Arab Educational Institute in Bethlehem, erläutert: „Am gravierendsten wirkt sich die Besatzung auf die palästinensischen Jugendlichen und Frauen aus. Die palästinensischen Kinder und Jugendlichen wissen nicht, wie es vor der Besatzung war, wie ein Leben ohne Mauern aussieht, wie es sich anfühlt, die Meeresluft zu atmen, was es bedeutet, als Muslime und Christen beten zu können, ohne an Checkpoints kontrolliert und bloßgestellt zu werden. Mütter haben oft Angst, dass ihre Kinder nicht unversehrt heimkommen, dass sie getötet oder verletzt oder gedemütigt werden.“

Die gegenwärtige Situation ist unerträglich. Nur eine politische Lösung wird zum Frieden führen. Daher ruft Pax Christi International alle Konfliktparteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, mit dem Ziel der Vereinbarung eines Friedensabkommens, das die Menschenwürde und -rechte für die Palästinenser und das israelische Volk gleichermaßen garantiert und schützt. Wir meinen, dass ein unerschütterliches Bekenntnis zum Völkerrecht und zu den UN-Resolutionen Grundvoraussetzung für die Wiederbelebung des Friedensprozesses ist.
Zur Förderung und Unterstützung dieser Friedensbemühungen appelliert Pax Christi International, ein Verkaufs- und Lieferverbot von Waffen nach Israel und Palästina zu verhängen und jegliche Form militärischer Zusammenarbeit, die zu den gewaltsamen Konflikten beiträgt, einzustellen.

Marie Dennis, Ko-Präsidentin von Pax Christi International, erläutert: „Diesen Monat gedenken wir eines düsteren Meilensteins – fünfzig Jahre dauert die zerstörerische Besatzung nun an. Es muss dringend eine Lösung gefunden werden, da die Zukunft und Hoffnung der Palästinenser und Israelis davon abhängt. Es ist nun der Zeitpunkt für ein verstärktes Engagement gekommen, damit eine gerechte und nachhaltige Lösung im Einklang mit dem Völkerrecht gefunden werden kann.“

In Anbetracht dieses ernsten Anlasses und um die Auswirkungen dieser 50 Jahre Besatzung zu beleuchten, wird Pax Christi International in einer groβen Anzahl von Aktivitäten und Veranstaltungen involviert sein. Ein Überblick ist hier zu finden: http://www.paxchristi.net/news/pax-christi-international-together-members-and-partners-commemorates-50-years-occupation#sthash.gn2e4eSc.dpbs

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Mittlerer Osten, Pressemitteilungen
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