Seawatch rettet weitere Flüchtlingsboote

10.07.2015 - Marita Simon

Seawatch rettet weitere Flüchtlingsboote

Seawatch rettet drei Flüchtlingsboote aus Seenot und fordert eine politische Lösung für die desolate Situation auf dem Mittelmeer, ein weiterer Rettungseinsatz läuft. Hier ein Bericht.

Unser Schiff, das sich seit dem 05.07. auf seiner zweiten Einsatzfahrt vor der Libyschen Küste befindet, hat in den letzten Tagen drei Boote, in teils desolatem Zustand, mit insgesamt mehr als 250 Personen an Bord aus Seenot gerettet. Die Geflüchteten hatten teilweise keine Satellitentelefone an Bord und konnten keinen Notruf absetzen, obwohl sie sich in akuter Seenot befanden. Die Sea-Watch ist derzeit das einzige zivile Hilfs-Schiff in dem betreffenden Seegebiet und hat alle drei Rettungseinsätze koordiniert. Ein weiterer Einsatz läuft.

Gegen 9:00 Uhr des 08.07. hatte die Crew der Sea-Watch das erste Boot gesichtet, das mit einem Maschinenschaden ca. 30 Seemeilen vor der Libyschen Küste unterwegs war. Das Boot, das sich in akuter Seenot befand, hatte kein Satellitentelefon an Bord und konnte daher keinen Notruf absetzen. Die Sea-Watch verständigte daraufhin das MRCC Rom, sowie das Schiff „Bourbon Argos“, von Ärzte ohne Grenzen, das sich sofort auf den Weg machte, um die Sea-Watch zu unterstützten. Gemeinsam mit der Bourbon Argos konnten alle Geflüchteten gerettet und an Bord der Argos gebracht werden. Die medizinische Crew der Sea-Watch, unterstütze abschließend die Erstversorgung der Geflüchteten an Bord der Argos.
Unter den knapp 100 Geflüchteten an Bord des Bootes, befanden sich unter anderem ein Schwerverletzter, der sich vermutlich beim Einstieg auf das Boot sein Bein gebrochen hatte, sowie zwei Schwangere Frauen.

Das zweite Boot, das ebenfalls nur entdeckt wurde, weil die Sea-Watch im betreffenden Seegebiet patrouillierte, hatte 105 Personen an Bord. Diese Menschen kamen aus Tripolis und berichteten von desolaten Zuständen dort. Von den 105 Menschen hatten gerade mal zwei eine Schwimmweste an, über den Heckspiegel des Bootes drang bereits Wasser ein. Auch dieses Boot hatte kein Satellitentelefon dabei und konnte keine Hilfe rufen. Unser Schnellboot versorgte die Geflüchteten mit Schwimmwesten, die Sea-Watch brachte für den Notfall eine Rettungsinsel in Stellung. Anschliessend wurde durch die Crew des Schnellbootes beruhigend auf die nun mit Schwimmwesten ausgestatteten Menschen eingewirkt, bis die Küstenwache zur Verstärkung eintraf.

Boot

In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages, erhielt die Sea-Watch dann einen Anruf aus der Rettungsleitstelle in Rom, dass sich mehrere Boote in Seenot, 13 Meilen von der Position der Sea-Watch befinden. Die Sea-Watch schickte sofort ihr Schnellboot voraus, welches auch schnell auf eines der Boote in Seenot stieß. Sea-Watch übernahm die Einsatzleitung vor Ort, das Schnellboot der Sea-Watch schleppte das in Seenot geratene Flüchtlingsboot mit 52 Personen an Bord, die sich bereits über zwei Tage auf See befanden zu einem Tanker, der die Menschen aufnehmen konnte.

Sea-Watch Arzt Frank Dörner, ehemals Generaldirektor von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland leitete die medizinische Versorgung der Menschen an Bord des Tankers, durch die medizinische Crew der Sea-Watch, mittlerweile befindet sich die Sea-Watch im Auftrag der Rettungsleitstelle (MRCC) in Rom allerdings bereits in einem weiteren Search and Rescue (SAR) Einsatz.

„Es ist bedrückend, nach einem Rettungsmanöver Badelatschen und persönliche Dinge aus dem Wasser zu fischen. Symbole schlimmster Bedingungen für wartende Flüchtlinge in Libyen – Menschen, denen die Chance von 50 zu 50 auf der Reise über das Mittelmeer zu überleben, mehr wert ist als die Situation im heimatlichen Land. Wie groß muss die Not dieser Menschen sein? Die von uns angetroffenen Menschen haben noch im Boot laut gerufen, dass sie lieber im Meer sterben wollten, als nach Libyen zurückgebracht zu werden.“ sagt Sea-Watch Skipper Ingo Werth.

Die Sea-Watch ist im Moment das einzige zivile Hilfsschiff im betreffenden Seegebiet, da andere Schiffe, wie zum Beispiel die Phoenix, der Organisation MOAS auf dem Weg sind, aufgenommene Geflüchtete an Land zu bringen. „Es ist so gesehen auch ein Vorteil, dass unser Schiff mit 21 Metern länge recht klein ist und wir die Geflüchteten nicht selbst abtransportieren können“ erläutert Johannes Bayer, Crewmitglied der Sea-Watch: „Wäre unser Schiff größer, hätte uns die Rettungsleitstelle wahrscheinlich damit beauftragt, gleich nach dem ersten Einsatz, die Menschen an Land zu bringen, dann wäre allerdings niemand mehr hier vor Ort und wir wissen von den Geflüchteten, dass hier noch weitere Boote in Seenot unterwegs sind. Wir versuchen sie zu finden.“

„Wir sind froh, dass wir in dieser Woche bereits mehr als 250 Menschen retten konnten, dies macht jedoch ein weiteres Mal die desolate Situation auf dem Mittelmeer deutlich. Für diese Menschen müssen endlich legale Wege in die EU geschaffen werden, alles andere wird die Situation hier vor Ort nicht lösen können. Solange diese Menschen weiter auf die Boote gezwungen werden, wird es immer wieder zu Tragödien kommen. Hätten wir diese Boote nicht gefunden, wer weiß was dann passiert wäre!“ sagt Projektinitiator Harald Höppner. „Es kann doch nicht sein, dass die Seenotrettung hier von Privatleuten organisiert werden muss, während beispielsweise Schiffe der Bundeswehr in Catania im Hafen liegen und nichts tun“ so Höppner weiter, „Ohnehin zeigt der Zustand der Boote die wir gefunden haben, wie gefährlich die Überfahrt über das Mittelmeer nach wie vor ist – trotz Seenotrettung! In der 24 Meilenzone Libyiens können wir nicht patrouillieren, was, wenn dort etwas geschieht? Ich frage mich, warum diese Menschen sich nicht einfach ein Fährticket kaufen können, für eine sichere Überfahrt, es liegt in der Hand der Europäischen Union, die katastrophale Situation hier auf dem Mittelmeer von heute auf morgen zu beenden, das ist eine politische Entscheidung! Solange hier jedoch nichts passiert, werden wir vor Ort bleiben und weiter im Rahmen unserer Möglichkeiten Menschen retten.“

Kategorien: Europa, Menschenrechte, Politik, Wirtschaft

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