Vermutlich 300 Menschen sind innert zweier Tage vor Lampedusa ertrunken und somit sind die schlimmsten Befürchtungen nach dem Ende von Mare Nostrum Realität geworden. Triton genügt nicht, Europa darf nicht länger den Kopf in den Sand stecken.

John Dalhuisen, Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International, ist erschüttert: Die schlimmsten Prophezeiungen im Zusammenhang mit dem Ende der Operation «Mare Nostrum» und der fehlenden Bereitschaft Europas, für einen adäquaten Ersatz zu sorgen, seien mit dieser jüngsten Tragödie in Erfüllung gegangen.

«Die humanitäre Krise, auf die Italien mit Mare Nostrum antwortet, ist nicht vorbei. Die Menschen fliehen weiterhin vor Krieg und Verfolgung. Die europäischen Länder dürfen nicht länger den Kopf in den Sand stecken und zuschauen, wie Hunderte Menschen im Meer sterben.»

Die Konsequenzen nach dem Ende von Mare Nostrum waren voraussehbar, kritisiert Amnesty International. Die als deren Ersatz verkündete Operation Triton ist nicht auf Suche und Rettung ausgerichtet, ist nicht routinemässig auf internationalen Gewässern unterwegs, und hat deutlich geringere Ausmasse.

«Es ist eine simple Gleichung», sagt John Dalhuisen von Amnesty International: «Wenn immer mehr Leute die gefährliche Mittelmeerroute wählen, während gleichzeitig weniger Ressourcen für die Such- und Rettungsaktionen aufgewendet werden, steigt die Zahl der Toten und wird weiter steigen.»

Amnesty International fordert von den europäischen Staaten und der Schweiz seit langem, sich an wirkungsvollen Massnahmen für die Rettung von Menschen, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten, zu beteiligen. Auch müssen endlich sichere und legale Zugangswege nach Europa geschaffen werden, damit Flüchtlinge und Migrantinnen nicht gezwungen werden, auf gefährlichen Routen zu reisen.

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