Hong Kong’s Regenschirm Revolution

02.10.2014 - Tony Henderson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch verfügbar.

Hong Kong’s Regenschirm Revolution
(Bild von Foto: Leung Kwok-hung)

Die Strassen und Echos, die in diesem Moment in Hong Kong widerhallen, sind energetisiert von einem lebendigem Getümmel. Es ist, als ob die sonst versteckte Urbanität sich geschüttelt hat und aufgewacht ist. Menschen finden sich wieder, Schulter an Schulter, geworfen in eine neue Form von Solidarität. Die jungen Leute sind natürlich am Ruder, die glühenden Ströme des Stadtlebens beruhigend, die normalerweise vom „Ich Zuerst“-Geschäftsinteresse regiert werden.

Es begann mit einem Ruf nach einem schnelleren Tempo für das Voranbringen der Ein-Mensch-Eine-Stimme Regelung für die Wahl des Regierungschefs, in den Britischen Tagen war dies der Governor. Ich frage mich, warum die Briten dieses System nicht einführten, obwohl sie den politisch konservativen Chris Patten in der letzten Minute in den Ring warfen, mit seinen politischen Sackgassen-Ideen.

Es ist interessant, dass die Studenten zuerst kamen – wie die schottischen Truppen an die Front – und so den Hauptstoß abbekamen. Jedoch, als die Mittelklasse-Geschäftstypen und Akademiker sich endlich bewegten, wurde dies von den Studenten, die bereits die Show machten, abgewiesen. Sie sagten ihnen sehr höflich: Nein, danke!

Die Polizei reagierte über, ohne Zweifel auf Befehl ihrer Chefs (nicht der aus Beijing, sondern die lokalen Kerle) und CS Gas und Pfefferspray wurden eingesetzt, aber, wie gut von den Medien berichtet wurde, waren die Provokateure eine sehr kleine Minderheit inmitten der Menge friedlich demonstrierender Bürger. Ein teures Mißgeschick der sonst insgesamt gut disziplinierten Polizei.

Es war zu dieser Zeit, dass der Wert der Schirme entdeckt wurde und die bis dahin wenig beachteten Hilfsmittel gegen Gas. Nun haben sich die Studenten bewaffnet mit Schutzbrillen, Plastikfolie und Schirmen…neben Wasser.

Die Regierung verteidigte die Polizeiaktion – natürlich, denn es ist ihre Polizei. Die Polizei sagte, die Offiziere seien aus der Fassung geraten beim Anblick der Schirm-Bewaffnung Folien-umwickelter Humanoider. Sie agierten anscheinend in Schock-Selbstverteidigung. Sorry, das ist keine Entschuldigung. Persönlich denke ich, ihnen wurde gesagt, sie sollten hart durchgreifen und die Strassen räumen und dieses Ding beenden, bevor es ausser Kontrolle gerät – Falsch! Das Gegenteil passierte!

Gut wiedergegeben in den Medien – Hong Kong hat alle üblichen Freiheiten – bewirkte der Anblick einen Aufschrei, es brachte die Menschen aus den Betten und auf die Strassen. Die 30 000 wurden 60 000. Mütter wurden begleitet von Schüler-Kindern – einige von ihnen waren Sekundarschul-Ebene. Die Uneingeweihten wurden wachgerüttelt, Spiesser wurden cool. Alte Knacker wurden zu größeren Problemen als junge Studenten und mussten von der Polizeifront weg getragen werden, weil sie vor Aufregung ausser Kontrolle gerieten.

Die Studenten fingen an, die Absetzung des Regierungschefs, Leung Chun-ying, zu verlangen, was mir etwas übertrieben vorkam, denn statt seiner würde ein anderer Gleichgesinnter von Beijing eingesetzt werden. Nun, sie sind jung und es ist eine konkrete Forderung, daher Okay!

Die andere Sache, mehr auf den Punkt gebracht, ist die Forderung nach Ein-Mensch-Eine-Stimme für die Wahl des Regierungschefs. Meiner Meinung nach würde ich eher mit demjenigen Vorlieb nehmen, wen auch immer Beijing billigt, weil ich keine andere Möglichkeit sehe, wie es sonst funktionieren könnte, aber – das mag sich verändert haben – Beijing mag jemand sicheren einsetzen, jemand, der nicht für Aufruhr sorgt, der das Boot schaukelt – es ist ihr Boot, also unseres, aber es ist unser Rettungsboot, für China ist es Das Boot.

Ich werde meinen Hong Konger Freund und Nachbarn Mui Wo Edith zitieren – obwohl wir nicht immer einer Meinung sind, was Chinathemen betrifft:

“Diese Revolution hat die Art und das Muster sozialer Bewegungen in Hong Kong komplett verändert. In dem Moment als Studenten den Civic Square zurück erobert hatten, wurde das neue Modell geboren. Anders als in früheren Bewegungen agierten die Bürger aus eigener Initiative heraus, keine „Anführer“ „führten“ die Bewegung, nicht die Politiker, nicht die Arbeiter der sozialen Bewegung. Sie konnten also auch nicht durch irgendjemand „nach Hause geschickt werden“ oder ähnliches. Am Sonntag den 28. September wollte die Polizei die Gegend um die zentrale Regierungsbehörde absperren; sie verweigerten den Demonstranten das Mitbringen jeglicher Lautsprecherhilfe; sie verhafteten sogar mehrere Abgeordnete. Die Polizei dachte, sie könne drinnen die Menschen auch verhaften. Aber die Bürger schlüpften hinter der Polizei raus und die Polizei wurde vom Raubtier zur Beute.“

Ich würde eine größere ökonomische und Regierungs-Integration zwischen der Sonderverwaltungszone Hong Kong und der Volksrepublik China fordern, wobei die zerbrochene Demokratiebewegung in Hong Kong allergisch dagegen ist – in einer Art Verleugnung der Realität der Mentalität in dieser Situation.

Es ist wahr, dass die im politischen Sinne derzeit weitestgehend apathische Bevölkerung, die genug gesehen hat wie die Kuomingtang (KMT) [Nationale Volkspartei Chinas] die Dinge angeht – nicht zu erwähnen die dämonisierte Kommunistische Partei – diesbezüglich kein Interesse hat.

Ausserdem stand dies in all den Jahren unter einem subtilen Beschuss der westlichen Propaganda und kompletter Lügen der westlichen Presse. Nun allerdings nicht mehr, da es eine boomende Chinesische Presse gibt, die eine unabhängigen lokale Sichtweise wiedergibt.

Die Bürger wollten einfach nichts politisches mehr hören, nur ein halbwegs anständiges Leben führen. Erwähne nicht das Wort Kommunismus, dann fallen die Menschen um vor Schock und Überraschung! Können sie nicht sehen, was für großartige Dinge die Kommunistische Partei in Festland China vollbracht hat? Sie sehen ebenfalls nicht, wie diese Partei sich von ihrem eigentlichen Kurs abgewandt hat.

Die Menschen in Hong Kong wollen das System ändern und es der westlichen Art von Demokratie anpassen, aber es gibt einen anderen Weg, Demokratie mit Chinesischer Charakteristik. Beide Wege erlauben es, eine repräsentative Regierung zu bilden und beide haben das Potential, sich zu einer partizipatorischen Regierung zu entwickeln und in der Tat ist letzterer eher in der Lage, dies zu erreichen.

Ohne Teilnahme gibt es keine Demokratie. Die Konzerne in Hong Kong mit ihren Monopolen und Kartellen und Regierungsverbindungen und etablierten einflussreichen Familien werden dem Mensch auf der Strasse nicht erlauben, wirklich an der Regierung teilzunehmen – selbst wenn wir die Stimme bekommen, wie von den Studenten gefordert.

Die Anarchie, momentan gescheut von den Studenten in ihrer geordneten Unordnung und während der wirklichen Occupy Hong Kong Tage 2013, strebt einen fundamentaleren Wandel an. Das war der Moment als ich auf Benny Tai Yiu-ting – Initiator von Occupy Central [Central=Zentraldistrikt Hong Kong] – aufmerksam wurde, als er vor dem hoch angesehenen Jackson Road Hong Kong Club sprach, einer Institution, die 400 HK$ [etwa 40 Euro] als Eintritt verlangt. Nicht-Mitglieder 500 HK$! Neben einem netten Lunch kannst Du eine Drink gratis bekommen.

Es mag dennoch wert sein zu bemerken, dass von allen Aktionen weltweit von dieser weit verzweigten Bewegung, Hong Kong am längsten vorhielt, auf dem heißen Stuhl des kapitalistischen HSBC Gebäudes [Hauptquartier der Hong Kong und Shanghai Banken Gesellschaft].

Hong Kong ist schon lange bereit für Demokratie, so wie eine andere Nachbarin, Fish’n Chip Ladenbesitzerin Karen Rouse, nach einem Besuch von Central, um die Szene zu beschauen, sagt:

“Erstaunlich. Absolut erstaunlich. Die Strassen sind gefüllt mit Menschen, gepackt voll. Es gibt kleine Gruppen, die überall auf ihren Fleckchen entlang der Tram und Durchfahrtsstrassen und Fahrspuren campieren. Nirgendwo gibt es ein ärgerliches Wort oder Gefühl brodelnder Gewalt. Einfach Tausende Menschen, die ihren Standpunkt klarmachen – Gebt uns, was ihr uns versprochen habt: Demokratie. Ich liebe Hong Kong.“

„Für diese Lastwagen machten die Protestler Platz, weil, während die Lastwagen sich langsam vorwärts bewegten, Freiwillige Wasserflaschen hinunterwarfen zu denen, die sie in dieser immernoch ziemlich drückenden Hitze brauchten. Kästen mit Wasser wurden dann an strategischen Punkten hinterlassen. Kein Geschubse. Kein ärgerliches Wort. Nur Protestler, die sich gegenseitig halfen, wenn notwendig. Und diese Leute sollen ihre Regierung nicht wählen dürfen, weil es dann „Chaos“ gäbe?“

In der MTR [U-Bahn] lehnte eine Großmutter den Sitz, der ihr von einem Studenten angeboten wurde, ab „Du brauchst ihn mehr als ich…“

Gewaltlosigkeit ist der einzige Weg.

Kategorien: Asien, Gewaltfreiheit, Meinungen, Politik
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