Von Grönland bis Kolumbien und Venezuela. Kein Zufall. Die Idee hat historische Wurzeln

Von Philipp Zimmermann, amerika21

Die USA arbeiten offenbar weiter an der Umsetzung ihres strategischen Plans, der die Schaffung einer exklusiven US-Einflusszone auf dem amerikanischen Doppelkontinent beinhaltet. Kriegsminister Pete Hegseth führte Anfang März 2026 in einer Rede anlässlich der sogenannten Amerikanischen Konferenz gegen Kartelle (Americas Counter Cartel Conference) vor lateinamerikanischen Staatschefs aus, was das konkret bedeuten könnte.

Der Plan, den Hegseth im Hauptquartier des Südkommandos der US-Streitkräfte in Florida präsentierte, dreht sich darum, ein „Groß-Nordamerika“ zu schaffen, das von Grönland über die Karibik und Mittelamerika bis nach Venezuela und Kolumbien reicht.

Demnach sollen „alle souveränen Staaten und Territorien nördlich des Äquators“ Teil des unmittelbaren Sicherheitsgürtels um die USA werden: „Jeder souveräne Staat und jedes Gebiet nördlich des Äquators, von Grönland bis Ecuador und von Alaska bis Guyana, gehört nicht zum ‚Globalen Süden‘. Das ist unser unmittelbarer Sicherheitsperimeter in dieser großen Nachbarschaft, in der wir alle leben“, umschrieb Hegseth den Anspruch der USA.

Der Kriegsminister verwies darauf, dass dieser Ansatz auf geografischen Gegebenheiten beruhe, und verwies auf den Amazonas und die Anden, die seiner Ansicht nach als „natürliche Barrieren“ wirken. Im gesamten Raum nördlich dieser Linie müssten die USA demnach „ihre Präsenz verstärken“, um ihre Sicherheitsinteressen durchzusetzen. Aber auch südlich davon, das heißt in den Staaten des südlichen Amerikas, wollen die USA „eine größere Rolle bei der Verteidigung des Südatlantiks und des Südpazifiks übernehmen und gemeinsam mit anderen westlichen Nationen kritische Infrastrukturen und Ressourcen sichern“.

Bemerkenswert ist, dass zu „Groß-Nordamerika“ nicht nur das zu Dänemark gehörende Grönland oder der nördliche Nachbar Kanada gehören, sondern auch eine Reihe souveräner Staaten, die Washingtons politische Agenda keineswegs teilen, so das mittelamerikanische Schwergewicht Mexiko, die sozialistische Karibikinsel Kuba sowie die südamerikanischen Länder Kolumbien und Venezuela. Vor diesem Hintergrund erscheinen der völkerrechtswidrige Militärschlag gegen Venezuela am vergangenen 3. Januar, die verschärfte Totalblockade gegen Kuba seit Januar und die wiederholten Drohungen gegen die linksgerichteten Staatschefs von Kolumbien und Mexiko nicht als erratisches Machtgehabe von Präsident Donald Trump, sondern vielmehr als Teil einer wohldurchdachten Strategie.

Darauf deuten auch Passagen aus der aktuellen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA hin, die vergangenen November von Trump in Kraft gesetzt wurde. Im Kapitel „Westliche Hemisphäre“ steht dort zu lesen: „Wir werden expandieren, indem wir neue Partnerschaften pflegen und festigen und gleichzeitig die Attraktivität unseres Landes als bevorzugter Wirtschafts- und Sicherheitspartner in der Hemisphäre stärken.“ Diese „Expansion“ ist nicht in erster Linie als territoriale Annexion zu verstehen, sondern vielmehr als das Abhängig machen formell souveräner Staaten von den USA und die unbedingte Durchsetzung US-amerikanischer Sicherheitsinteressen in diesen Ländern: „Wir wollen, dass andere Nationen uns als ihren bevorzugten Partner betrachten, und wir werden sie (durch verschiedene Mittel) davon abhalten, mit anderen zusammenzuarbeiten.“

Auch die Nationale Sicherheitsstrategie enthält in diesem Sinne jedoch nichts komplett Neues, sondern knüpft an Konzepte an, die in der US-amerikanischen Außenpolitik eine lange Geschichte haben.

Ganz explizit ist der Bezug auf die sogenannte Monroe-Doktrin, einen im Jahr 1823 vom damaligen US-Präsidenten James Monroe entwickelten Grundsatz, der den europäischen Kolonialmächten jegliche weitere Kolonisierung und Einmischung auf dem amerikanischen Doppelkontinent untersagte. Stattdessen sollte dieses Gebiet fortan zum ausschließlichen US-amerikanischen Einflussbereich gehören.

Hintergrund der Doktrin waren die Kämpfe der spanischen und portugiesischen Kolonien in Mittel- und Südamerika um ihre Unabhängigkeit. Die Vereinigten Staaten unterstützten politisch diese Bestrebungen und hatten keinerlei Interesse daran, dass die europäischen Mächte in Amerika wieder an Einfluss gewannen. Gleichzeitig waren die USA bemüht, ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen im Einvernehmen mit den europäischen Staaten zu regeln. Eine Aufteilung der Interessenssphären – westliche Hemisphäre für die USA, östliche Hemisphäre für die Europäer – schien eine geeignete Lösung, um das eigene Expansionsstreben abzusichern und gleichzeitig keinen kompletten Bruch mit den europäischen Kolonialmächten zu riskieren.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Monroe-Doktrin durch Präsident Theodore Roosevelt dahingehend ergänzt, dass die USA sich nicht nur jede europäische Einmischung in Amerika verbaten, sondern sich selbst das Recht herausnahmen, in jeder Region Amerikas einzugreifen, wenn sie dort eine Gefahr für die eigene Sicherheit ausmachten. ….


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https://amerika21.de/analyse/284393/trump-gross-nordamerika-monroe-doktrin

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