Mit der Parole „Keine Raketen nach Grafenwöhr“ protestiert die DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner) zusammen mit anderen Organisationen bereits seit einiger Zeit gegen die geplante Stationierung von Mittelstreckenwaffen unter US-amerikanischer Kontrolle.

Am 30. Mai 2026 wird nun unter demselben Motto erneut eine Kundgebung in Grafenwöhr stattfinden, zu der die DFG-VK und weitere Friedensorganisationen aufrufen.

Weitere Informationen zur Kundgebung finden sich hier: https://dfg-vk-bayern.de/keine-raketen-nach-grafenwoehr/

Im Oktober letzten Jahres ist bekannt geworden, dass die Bundesregierung 400 Tomahawk- Marschflugkörper für die Bundeswehr beschaffen will. Über die Stationierungsorte ist noch nichts bekannt.

Wie der Nachrichten-Dienst Politico in einem Online-Artikel berichtete, sieht ein internes Dokument der Bundesregierung Anschaffungen für die Bundeswehr im Wert von enormen 377 Milliarden Euro vor. Diese sollen über die kommenden Jahre umgesetzt werden. Ein Posten dieser Liste: 400 Marschflugkörper des Typs Tomahawk Block Vb sowie drei Typhon-Startsysteme.

Bereits im Sommer 2025 war bekannt geworden, dass Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius Interesse an den fahrbaren Typhon-Startrampen des US-Herstellers Lockheed Martin hat. Der Wunsch, eine so große Zahl an Tomahawk-Marschflugkörpern zu beschaffen, wurde hingegen mit dem Bericht über das geheime Dokument nun erstmals öffentlich. Tomahawks haben eine Reichweite von deutlich über 1.600 km. Die unbemannten Marschflugkörper sind sehr manövrierfähig und können extrem niedrig fliegen.

„Dadurch bleiben sie wortwörtlich ‚unter dem Radar’“, erläutert Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und Sprecher der Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig“. „Das birgt ein enormes Eskalationspotenzial, denn Deutschland wäre damit theoretisch in der Lage, überraschend strategische Ziele wie Militärflugplätze, Raketensilos und Flugabwehrsysteme im Westen Russlands anzugreifen.“

Mit dem Kauf von weitreichenden landgestützten Marschflugkörpern steigt Deutschland in ein Wettrüsten ein, das zwischen den USA und Russland bereits im vollen Gange ist: Moskau hatte bereits für 2025 die Stationierung von Oreschnik-Raketen in Belarus angekündigt. Außerdem werden sowohl in den USA als auch in Russland weitere Systeme mit Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometer entwickelt. Diese Waffenkategorie war ehemals durch den 2019 aufgekündigten INF-Vertrag verboten.

„Das Wettrüsten mit destabilisierenden Mittelstreckenwaffen in Europa ist enorm riskant und gefährlich. Der INF-Vertrag untersagte die Stationierung aus guten Gründen. Wir fordern die Bundesregierung auf, keine Mittelstreckenwaffen zu kaufen! Das Ziel muss ein INF-Folgeabkommen sein und keine Schaffung eigener Erstschlagfähigkeiten“, betont Angelika Wilmen, IPPNW-Friedensreferentin und Sprecherin der zivilgesellschaftlichen Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig“, in der sich mehr als 55 Organisationen und Gruppen für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen einsetzen.

Am 30. Mai 2026 wird unter dem Motto „Keine Raketen nach Grafenwöhr“ eine Kundgebung in Grafenwöhr stattfinden, zu der die DFG-VK und weitere Friedensorganisationen aufrufen.

Weitere Informationen zur Kundgebung finden sich hier: https://dfg-vk-bayern.de/keine-raketen-nach-grafenwoehr/