Im Almanach 2026 von Oya erzählen Menschen in 21 Geschichten, wie sie vorauslieben – an Orten des guten Lebens, auf Wanderschaft, in Widerstands- und Suchbewegungen. Die Einführung dazu ist hier zu finden.

Seit vier Jahrzehnten gestaltet die »Bundesarbeitsgemeinschaft selbstverwalteter Gartenbaubetriebe« (BaseG) jährlich wechselnde Sommerbaustellen selbstorganisiert und tauschlogikfrei.

erzählt von Andreas Enge/brecht, aufgeschrieben von Luisa Kleine

Wer seid ihr und wie viele?

Die Arbeitsgemeinschaft zählt derzeit rund 80 Betriebe. An den Sommerbaustellen beteiligen sich alljährlich bis zu 150 Menschen aus vier Generationen und deren Familien, an den Wintertreffen so bis 70 Menschen.

Seit wann gibt es euch?

1986

Wie seid ihr verfasst?

organisiert als bundesweite Arbeitsgemeinschaft

Wo seid ihr zu finden?

Auf jährlich wechselnden Sommerbaustellen und in selbstverwalteten Betrieben landauf, landab

baseg.org

Am Anfang sind da ein Ort, der zum Gestalten einlädt, ein paar Steinhaufen, mal gibt es einen Bagger, und Menschen, die dort leben und die BaseG – die Bundesarbeitsgemeinschaft selbstverwalteter Gartenbaubetriebe – eingeladen haben. Und dann kommen wir: Bis zu 150 Menschen mit unseren Familien und gestalten eine Woche lang den Platz um: Wie von Zauberhand entstehen in dieser Zeit Teiche, Wege, Mauern, Beete, Plätze, Nischen, Bäche oder Mosaike. Nachdem eine kleine Vorhut aus acht bis zehn Menschen die Sommertreffen gemeinsam mit den Ortshütenden über einen Zeitraum von mindestens anderthalb Jahren vorbereitet hat, werden die Baustellen am ersten Tag vorgestellt – und los geht’s!

Bei meiner ersten BaseG-Baustelle konnte ich es gar nicht fassen und wartete auf den Moment, an dem jemand ein Klemmbrett rausholte und alles strukturierte – aber nein: Wir wuseln wie ein Ameisenhaufen durcheinander. Jemand ruft: Hier braucht es noch Schotter – und wenig später kommt ein Radlader mit Schotter angefahren. Dieses magische Chaos und die Gemeinschaftlichkeit, die dadurch entsteht, faszinieren mich jedes Jahr aufs Neue. Die Orte, an denen wir zu Gast sind – oft sind es Gemeinschaften, die ein gutes Leben für alle auf unterschiedliche Weise vorauslieben – erzählen, dass nach unserem Besuch der Geist des gemeinsamen Tuns eine ganze Weile nachklingt. Und auch mich tragen diese sommerlichen Wochen noch monatelang durch den Alltag, auch wenn alle wieder zu Hause sind und ihrem Tun als selbständigen Gartenbautreibende nachgehen.

Wir sind rund achtzig Gartenbaubetriebe. Alle verbindet die Leidenschaft, kreative, fantasievolle, lebendige und qualitativ hochwertige Gärten zu entwickeln und zu bauen, die möglichst auch einem hohen ökologischen Anspruch gerecht werden. Bei unseren jährlich stattfindenden einwöchigen Sommertreffen unterstützen wir ehrenamtlich gemeinnützige Projekte. Die Projekte stellen uns Kost, Logis und Raum für unser Treffen, und wir kümmern uns mit unserer Arbeitskraft um den Ort, indem wir die Außenanlagen (oder bestimmte Bereiche) neu- und umgestalten.

Wir haben keine Satzung, keine feste Organisationsstruktur. Die Entscheidungen treffen die Menschen, die da sind, und Aufgaben übernehmen die Menschen, die sie übernehmen wollen. Das Ganze gründet auf Eigenverantwortlichkeit und gegenseitigem Vertrauen. Wir haben auch keinen Aufnahmeprozess – alle, die mitmachen wollen, sind herzlich eingeladen vorbeizuschauen. Seit vierzig Jahren kommen wir zu alljährlichen Sommerbaustellen zusammen. Daneben gibt es viertägige Wintertreffen im Februar, bei denen wir uns miteinander austauschen, weiterbilden und darüber abstimmen, an welche Orte wir als nächstes gehen.

Am letzten Tag steigert sich dieses Gefühl von kollektivem Tun noch einmal. Meist ist es mir unerklärlich, wie all die verschiedenen Baustellen dann doch zu einem gelingenden Ende kommen – aber wir schaffen es immer! Wir enden mit einem Rundgang, bei dem alle Baustellen mit selbstgedichteten Liedern oder Spielszenen vorgestellt werden.

Einige Zeit lang machten wir uns Sorgen, ob die BaseG überaltern würde – es gibt im Gartenbau nur noch wenige selbstverwaltete Betriebe, die meisten von uns sind selbstständig. Nun aber kommen auch wieder junge Menschen nach und lassen sich anstecken von dem gemeinschaftlichen Geist, der uns nun schon seit vierzig Jahren trägt. Ich vergleiche die BaseG gerne mit einer Großfamilie, die einmal im Jahr zum Familientreffen einlädt. Unsere Kinder sind in dieser Großfamilie aufgewachsen und manche kommen nun im Erwachsenenalter selbst zu den Treffen, so dass eine wunderbare Mischung der Generationen entsteht: Von Kleinkindern bis Achtzigjährigen sind alle mit dabei! Wir spielen, bauen und essen gemeinsam – es ist für uns alle eine wunderbare Zeit.


Der Almanach 2026 ist hier zu finden: https://lesen.oya-online.de/texte/browse/almanach/