(Noticias ONU, 26.01.2026).- Gesundheitsorganisationen fordern die öffentliche Politik auf, Minderjährige in Lateinamerika und der Karibik besser vor Gewalt zu schützen. Die Morde an Kindern und Jugendlichen stehen in der Regel in Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und Ungleichheit, dennoch warnen die Organisationen davor, Gewalt, die bereits im frühen Kindesalter zu Hause, in der Schule und im digitalen Umfeld auftritt, nicht zu unterschätzen.

Millionen Minderjährige unmittelbar bedroht

Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) betonen, dass Gewalt in Lateinamerika und der Karibik nach wie vor eine ernsthafte Bedrohung für das Leben und das Wohlergehen von Millionen von Minderjährigen darstellt. In ihrer Studie „Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Lateinamerika und der Karibik: Neue Daten und Lösungen“ weisen sie nach, dass zwischen 2015 und 2022 insgesamt 53.318 Kinder und Jugendliche in der Region Opfer von Mord wurden. Zwischen 2021 und 2022 hat sich die Rate der ermordeten jungen Frauen verdoppelt und liegt nun bei fünf Todesfällen pro 100.000 Einwohner*innen. Dagegen sank die Mordrate von jungen Männern im gleichen Zeitraum von 17 auf 10 Todesfälle, aber sie ist weiterhin hoch.

Gewalt liegt im System

Die tödliche Gewalt hängt mit dem organisierten Verbrechen zusammen, mit dem leichten Zugang zu Waffen, den sozialen Ungleichheiten und den schädlichen Geschlechternormen. Gewalt gehört häufig schon in sehr jungen Jahren zum Alltag. Sechs von zehn Kindern unter 14 Jahren werden zu Hause Opfer irgendeiner Form von gewalttätiger Bestrafung, während jede*r vierte Jugendliche Mobbing in der Schule erlebt. Auch Missbrauch im digitalen Bereich nimmt zu.

Stärkung der öffentlichen Politik

Der Regionaldirektor von UNICEF, Roberto Benes, unterstreicht, dass Gewalt viele Bereiche im Leben von Minderjährigen betrifft, vom Zuhause über die Schule bis hin zur Gemeinschaft, und bekräftigt, dass eine nachhaltige öffentliche Politik diese Realität verändern kann. Der Direktor der PAHO, Jarbas Barbosa, betont seinerseits die entscheidende Rolle der Gesundheitsdienste: Sie könnten Gefährdung frühzeitig erkennen und den Betroffenen zeitnah Unterstützung anbieten. Der Bericht schlägt wissenschaftlich fundierte Lösungen vor: Verschärfung der Kinderschutzgesetze, Zugang zu Schusswaffen kontrollieren, Lehrpersonal, Polizei und Gesundheitspersonal schulen, Eltern und Betreuungspersonen unterstützen, in sichere Bildungsumgebungen investieren und Hilfsdienste ausbauen. Die Veröffentlichung wurde im Oktober 2025 bei einer regionalen Ministerkonsultation unter Beteiligung von mehr als 300 Beamten und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und Jugendorganisationen vorgestellt mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Region zu vereinbaren.

Der Originalartikel kann hier besucht werden