Anfang Februar schloss die Schule Fleurance in Toulouse für mehrere Tage ihre Türen. Die zwölf Lehrer:innen waren krankgeschrieben. Besser gesagt: „kollektiv erschöpft “. Einige Tage später schloss aus denselben Gründen auch die Schule Borderouge. Im Januar gab es im Departement Haute-Garonne täglich bis zu 170 Klassen ohne Vertretungslehrer[1].
In vielen Schulen werden Klassen geschlossen, Vertretungen sind unmöglich und die Schüler werden auf andere Schulen verteilt. Wir haben es hier nicht mehr mit vereinzelten Ausfällen zu tun. Dies sind Symptome einer anhaltenden Pathologie, vielleicht sogar die ersten Anzeichen eines systemischen Zusammenbruchs.
Die Zunahme der Krankmeldungen verdeutlicht eine kollektive Überlastung. Die Lehrkräfte sind erschöpft von der Fülle an Verwaltungsaufgaben, fortlaufenden Reformen, widersprüchlichen institutionellen Anforderungen sowie sozialen, psychologischen und pädagogischen Schwierigkeiten, die die Schule ohne angemessene Mittel auffangen muss.
Die Grundschule ist zu einem Sammelpunkt für alle sozialen Brüche geworden: soziale Ungleichheiten, frühkindliche psychische Störungen, innerfamiliäre Gewalt, sprachliche Schwierigkeiten, ängstliche Erwartungen der Eltern, vielfältige pädagogische Anweisungen usw. Die Teams verfügen jedoch weder über die Zeit noch über die Stabilität oder die notwendige Unterstützung, um diese Belastung zu bewältigen.
Ein System funktioniert so lange, wie seine Akteure einen Sinn in ihrer Aufgabe sehen. Der Zusammenbruch beginnt, wenn die Kluft zwischen der erklärten Aufgabe und den tatsächlichen Arbeitsbedingungen zu groß wird.
Von den Lehrer:innen wird heutzutage verlangt, dass sie individuell differenzieren, alle Schüler mit besonderen Bedürfnissen einbeziehen, kontinuierlich Bewertungen vornehmen, komplexe Verhaltensweisen meistern, für ein friedliches (!) Schulklima sorgen, mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten, digitale Neuerungen integrieren und messbare Ergebnisse erzielen.
Gleichzeitig wird die Zeit für Absprachen reduziert. Vertretungen sind aufgrund des Personalmangels so gut wie nicht möglich. Die Teams sind oft instabil. Die seit Jahren dezimierten Bildungs- und Beratungsdienste (RASED) haben Mühe, den Bedarf zu decken. Die unverzichtbare Arbeit der AESH (Begleitpersonen für Schüler mit Behinderungen) bleibt strukturell prekär.
Dieses Ungleichgewicht führt zu permanenten Spannungen. Langfristig werden diese Spannungen gesundheitsschädlich.
Einer der schädlichsten Faktoren ist die isolierte Arbeitsweise. Trotz einiger zaghafter „Öffnungen” funktioniert die Grundschule noch weitgehend nach dem Modell der geschlossenen Klasse. Die Lehrkraft steht allein vor 25 oder 30 Schülern, von denen einige einen hohen Förderbedarf haben können.
Wenn die Teams schwächer werden und die Solidarität bröckelt, wenn die Arbeitsausfälle zunehmen und Schuldgefühle aufkommen, wenn keine Vertretungen gewährleistet sind und die Arbeitsüberlastung auf die anwesenden Kolleg:innen übertragen wird, wirkt sich das System selbstverschärfend aus: Je mehr es erschöpft ist, desto mehr erschöpft es. Je mehr es erschöpft, desto mehr erschöpft es sich selbst…
Von einem „Zusammenbruch” zu sprechen, bedeutet nicht, sich dem Katastrophismus hinzugeben, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstands zu stellen: Kann ein System weiter funktionieren, wenn seine Mitarbeiter nicht mehr mithalten können?
Ein Zusammenbruch des Systems muss nicht unbedingt in Form eines spektakulären Bruchs erfolgen. Er kann sich auch in einer allmählichen Erosion äußern, die aufgrund einer Vielzahl von Faktoren bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist: sinkende Attraktivität des Berufs (was sich bei den Auswahlverfahren zeigt), steigende Zahl der Kündigungen, massiver Einsatz von ungeschulten Vertragslehrern, sinkende Unterrichtsqualität, wachsendes Misstrauen seitens der Familien.
Diese Situation verdeutlicht eine implizite politische Weichenstellung: Die Schule soll durch die Berufsethik und die Opferbereitschaft ihrer Lehrkräfte am Leben erhalten werden. Ein öffentlicher Dienst kann jedoch nicht dauerhaft auf Selbstaufopferung beruhen. Wenn ein System täglichen Heroismus erfordert, um normal zu funktionieren, ist es strukturell im Ungleichgewicht. Eine Institution, die diejenigen, die sie am Leben erhalten, nicht mehr schützt, verzehrt sich letztendlich von innen heraus.
Die aktuelle Krise wirft daher eine grundsätzliche Frage auf: Welchen Stellenwert misst unsere Gesellschaft der Grundschule tatsächlich bei?
Resignation wird niemals eine Lösung sein. Die Schule hält noch stand, weil die Teams trotz allem weiterhin Sinn, Verbundenheit und Vertrauen schaffen, oft um den Preis eines hohen psychosozialen Risikos und für eine Vergütung, die weder der Verantwortung noch dem erforderlichen Engagement gerecht wird.
Aber stiller Widerstand kann eine grundlegende Neugestaltung nicht ersetzen.
Heute müsste man, und dies sollte eine nationale Priorität sein, verankert in einem Notfallplan für die Schule:
- die Schülerzahlen tatsächlich reduzieren,
- die multidisziplinären Teams verstärken,
- Zeit für Beratungsgespräche freihalten,
- das Personal stabilisieren,
- wieder echte pädagogische Autonomie schaffen,
- die Verwaltungsvorschriften radikal vereinfachen.
- und die Gehälter deutlich erhöhen!
Ohne diese Maßnahmen werden Krankmeldungen weiterhin das Barometer für ein kollektives Leiden sein, das auf eine Form institutioneller Gewalt hindeutet, die nicht beim Namen genannt wird.
Wer wird darauf hören, bevor es zu spät ist?
Alain Refalo, Lehrer (31)
Autor von „Résister à la déshumanisation de l’école” (Widerstand gegen die Entmenschlichung der Schule), L’Écritoire, 2023.
Übersetzung aus dem Französischen von Christine Richter vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!
[1] Quelle: SNUIPP 31. https://31.snuipp.fr/article/communique-conditions-de-travail-fevrier-2026









