Dies war eine Schlagzeile in der New York Times am Dienstag: „Mit Drohungen an Grönland bringt Trump Amerika in Position für Eroberung: Nach einem Jahrhundert des Verteidigens anderer Länder gegen ausländische Aggressionen haben sich die Vereinigten Staaten nun als imperiale Macht positioniert, die versucht, das Land einer anderen Nation in Besitz zu nehmen.“ Hier ein Satz aus dem darauffolgenden Artikel: „Niemals im vergangenen Jahrhundert ist Amerika ausgezogen, um anderer Länder Land in Besitz zu nehmen und deren Bürger gegen ihren Willen zu unterwerfen.“

Wenn man Alaska und Hawaii außer Acht lässt, wo die Menschen nie gefragt wurden und die Menschen Jahre zuvor gegen den Willen der meisten gewaltsam übernommen worden waren, stimmt es, dass die ‚einfache‘ Eroberung um die Zeit des Kellogg-Briand-Pakts von 1928, der vor 98 Jahren zum Gesetz wurde, aus der Mode geraten ist. Aber so einfach ein gängiges Wissen zu verbreiten, dass die Vereinigten Staaten angeblich seit 100 Jahren kein Land in Besitz genommen haben, geschieht unter einer Prämisse, als gäbe es keine Militärbasen. Hier eine kleine Auswahl der Fakten unter dem fälschlichen Glauben solcher Lügen:

Während des Zweiten Weltkriegs besetzte die US-Navy die kleine Hawaii-Insel Koho’alawe als Waffentestgelände und ordnete den Bewohnern an, das Land zu verlassen. Die Insel ist verwüstet. 1942 vertrieb die US-Navy die Bewohner der Aleuten. Präsident Harry Truman entschied 1946, dass die 170 einheimischen Bewohner des Bikini-Atolls kein Recht auf ihre Insel hätten. Im Februar und März 1946 ließ er sie zwangsräumen und als Flüchtlinge auf anderen Inseln absetzen, ohne Mittel zur Versorgung oder intakte soziale Struktur. In den darauffolgenden Jahren würden die Vereinigten Staaten 147 Menschen aus dem Enewetak-Atoll und alle Menschen auf der Lib-Insel entfernen. US-Atom- und Wasserstoffbombentests machten verschiedene entvölkerte und noch bewohnte Inseln unbewohnbar, was zu weiteren Vertreibungen führte. Bis in die 1960er Jahre vertrieb das US-Militär Hunderte von Menschen aus dem Kwajalein-Atoll. Auf der Insel Ebeye wurde ein superdicht besiedeltes Ghetto geschaffen. Zahlreiche Inseln wurden nur unfreiwillig entweder ganz oder in Teilen aufgegeben:

Auf Vieques, gelegen vor Puerto Rico, vertrieb die US-Navy zwischen 1941 und 1947 Tausende von Einwohnern, kündigte 1961 Pläne zur Räumung der restlichen 8.000 an, musste sich aber zurückziehen und – im Jahr 2003 – die Bombardierung der Insel einstellen. Auf der nahegelegenen Insel Culebra vertrieb die Navy zwischen 1948 und 1950 Tausende und versuchte bis in die 1970er Jahre, die noch Verbleibenden zu entfernen.

Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs und bis in die 1950er Jahre andauernd vertrieb das US-Militär eine Viertelmillion Okinawaner, also die Hälfte der Bevölkerung, von ihrem Land, zwang die Menschen in Flüchtlingslager und verschiffte Tausende von ihnen nach Bolivien, wo Land und Geld versprochen, aber nicht geliefert wurden.

1953 schlossen die Vereinigten Staaten mit Dänemark eine Vereinbarung, 150 indigene Inughuit aus Thule, Grönland – ja man höre: GRÖNLAND! – zu entfernen, gab ihnen vier Tage Zeit zu gehen, bevor Bulldozer anrückten. Ihnen wird das Recht auf Rückkehr verweigert.

Zwischen 1968 und 1973 verbannten die Vereinigten Staaten und Großbritannien alle 1.500 bis 2.000 Einwohner von Diego Garcia ins Exil. Man versammelte die Menschen, zwang sie auf Boote, tötete währenddessen ihre Hunde in einer Gaskammer, und beschlagnahmte ihr gesamtes Land für die Nutzung durch das US-Militär.

Die südkoreanische Regierung, die 2006 Menschen für die Erweiterung von US-Stützpunkten auf dem Festland zwangsräumte, hat in den letzten Jahren auf Geheiß der US-Navy ein Dorf, seine Küste und über 50 Hektar Ackerland auf der Insel Jeju verwüstet, um den Vereinigten Staaten eine weitere riesige Militärbasis bereitzustellen.

Es stimmt also, dass die US-Regierung vor 75 bis 125 Jahren von der traditionellen Eroberung zu Staatsstreichen, Drohungen, Sanktionen, Blockaden, Wahlmanipulation, und der Errichtung von Militärbasen übergegangen ist. Aber diese Stützpunkte erforderten in Vergangenheit, und tun es immer noch, Land – oft Land gestohlen von den am wenigsten Mächtigen und den am leichtesten Vergessenen.

Die Menschen, denen das Land für den heutigen US-Stützpunkt und weitere über Jahre hinweg genutzte Militärbasen in Grönland entzogen wurde, sind so gründlich aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, dass die New York Times heute über eine mögliche „Übernahme“ Grönlands berichten kann – als handele es sich um den ersten ernsthaften Landraub seit einem Jahrhundert.

Die traurige Wahrheit ist, dass die US-Regierung sich im vergangenen Jahrhundert nicht zurückgehalten hat, Land zu stehlen. Ebenso hat sie sich nicht vollständig dem „Schutz anderer Länder gegen ausländische Aggressionen“ gewidmet. Die Vereinigten Staaten halten an verschiedenen Teilen des Irak für Militärstützpunkte fest, die sie während eines der bekanntesten Angriffskriege des 21. Jahrhunderts geschaffen haben, nämlich der der Vereinigten Staaten gegen den Irak. Wir bezeichnen diesen Krieg als beendet. Doch die Stützpunkte bleiben bestehen – nicht geheim, aber auch nicht in unser Verständnis dessen integriert, wie die Welt funktioniert.

Seit dem Zweiten Weltkrieg, während eines angeblich goldenen Zeitalters des Friedens, hat das US-Militär etwa 20 Millionen Menschen getötet oder dabei geholfen, mindestens 36 Regierungen gestürzt, sich in mindestens 86 ausländische Wahlen eingemischt, versucht, mehr als 50 ausländische Staatschefs zu ermorden, und Bomben auf Menschen in über 30 Ländern abgeworfen. Die Vereinigten Staaten sind verantwortlich für den Tod von 5 Millionen Menschen in Vietnam, Laos und Kambodscha und allein seit 2003 über 1 Million im Irak.

Seit 2001 zerstören die Vereinigten Staaten systematisch eine Region der Welt, bombardieren Afghanistan, Irak, Pakistan, Libyen, Somalia, Jemen und Syrien, ganz zu schweigen von den Philippinen. Die Vereinigten Staaten verfügen über „Spezialeinheiten“, die in zwei Dritteln der Weltländer operieren, und über reguläre Truppen in drei Viertel der Länder.

Allein im vergangenen Jahr hat Trump bedroht oder angegriffen: Grönland, Kanada, Mexiko, Kolumbien, Venezuela, Nigeria, Sudan, Jemen, Syrien, Irak, Iran und China. Um den Krieg in der Ukraine als defensiv darzustellen, muss man so tun, als hätte die US-Regierung nicht verhindert, dass er beendet wird. Den Golfkrieg als defensiv darzustellen, erforderte Lügen über Babys in Brutkästen. Die Darstellung der späteren Kriege in Afghanistan und im Irak erforderte eine Reihe infamer Lügen. Den aktuellen Krieg gegen Venezuela als defensiv zu bezeichnen, erfordert das Darstellen fiktiven Drogenhandels und/oder die Einwanderung von Menschen mit der falschen Hautfarbe als militärischem Angriff.

Dieses Verhalten wird ermöglicht durch ein Imperium von fast 900 US-Militärbasen außerhalb der Vereinigten Staaten. Die US-Regierung bezeichnet Angriffe auf ihre Stützpunkte und Truppen als Aggression, egal was diese ursprünglich taten. Daher sind alle seine Kriege pseudo-defensiv. Der Versuch, Grönland zu einem formellen Teil der Vereinigten Staaten zu machen, ist eine interessante Wendung, kann aber nicht richtig verstanden werden, wenn man die Realität ignoriert, die Menschen in Dutzenden anderer Länder dazu veranlasst, sich selbst als „den einundfünfzigsten Staat“ zu bezeichnen.

Auch können wir keine Probleme lösen indem wir sie begraben. Deshalb organisieren einige von uns die Global Days of Action to #CloseBases vom 21. bis 23. Februar 2026. Siehe https://daytoclosebases.org

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Ursula Nollenberger vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!