Über die „kognitive Dissonanz“

17.05.2020 - Laurence Baranski

Dieser Artikel ist auch auf Französisch, Italienisch verfügbar.

Über die „kognitive Dissonanz“
(Bild von pixabay | CC0)

Der Begriff „kognitive Dissonanz“ klingt etwas unzivilisiert, ist jedoch ein wichtiger Begriff, besonders in dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, des Informationskrieges und der Jagd nach Fake News.

Lassen Sie mich versuchen zu erklären, warum. Ich sage bewusst „versuchen“, da schon das eigentliche Prinzip der „kognitiven Dissonanz“ darin besteht, dass es sehr schwierig ist beim Vorbringen einer neuen Idee gehört, verstanden und ernst genommen zu werden. Aufgrund dieser Dissonanz kann man als verrückt oder als erleuchtet durchgehen, oder als Verschwörer bezeichnet werden und vielleicht sogar Freunde verlieren.

Was ist die „kognitive Dissonanz“?

Es handelt sich um einen sehr ernsthaften Prozess, der in der Wissenschaft, genauer in der „Psychologie“ und der „Sozialpsychologie“ untersucht wird. Letztere erforscht die Wechselwirkung zwischen kollektiven Bewegungen einerseits und unseren Gehirnen und individuellen Psychen andererseits. Zum Beispiel, wie die Bewegungen der Menge erscheinen, in der einen oder anderen Weise; oder wie man diese absichtlich erzeugt, mit anderen Worten: wie man die Menge manipuliert. Was hat nun die „kognitive Dissonanz“ mit der Geschichte von Bewegungen und Menschenmengen zu tun? Sie spielt eine Schlüsselrolle!

Die kognitive Dissonanz ist der Prozess, durch den unsere Gehirne, mein Gehirn, Ihr Gehirn, in der Lage sein werden eine neue Idee zu akzeptieren oder eben nicht.

Wenn eine neue Idee dem nahe kommt, was wir normalerweise denken und glauben, wenn sie unsere Weltsicht und unsere Überzeugungen bestätigt, wenn sie unsere Träume und Hoffnungen für die Zukunft umschmeichelt, dann werden wir sie in der Regel problemlos akzeptieren und integrieren. Diese neue Idee wird ein zusätzlicher Bestandteil, der es uns ermöglicht, individuell und kollektiv etwas anders zu denken, er bringt ein wenig Neuheit oder Hoffnung, ohne jedoch unsere individuellen und kollektiven Überzeugungen grundlegend in Frage zu stellen.

Unsere Gehirne sind so ausgelegt, dass wir weder in der Lage, noch besonders daran angepasst sind, große Ideensprünge zu machen. Wir bevorzugen es, jeden Schritt bei der Überquerung eines Flusses mit Bedacht zu tun, anstelle eines einzigen großen Sprungs, der uns auf die andere Seite bringen würde.

Umgekehrt, wenn eine neue Idee zu weit von dem entfernt ist, was wir normalerweise denken und glauben, werden wir nicht in der Lage sein, sie zu verstehen oder zu akzeptieren. Wahrscheinlich lehnen wir sie sogar ab. Und manchmal weisen wir sie sogar gewaltsam zurück, teilweise sogar sehr gewaltsam. Sie zu akzeptieren wäre zu aufwühlend für uns. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Idee falsch ist und keine sachliche und seriöse Grundlage hat. Sie könnte sehr richtig und wahr, aber so weit von uns und unserer Wahrnehmung entfernt sein, dass wir sie dennoch ablehnen.

Bei seinem Höhlengleichnis, beschrieb der Philosoph Platon diesen Prozess sehr gut, in Bezug auf das, was wir über das Bewusstsein, das Wissen und den Sinn des Lebens akzeptieren können. Die Menschen, so sagte er im Grunde, ziehen es vor, im Schatten einer Höhle zu bleiben, anstatt den Abenteurern und Pionieren zuzuhören, die ihnen ganz erfreut von ihrer neuen Idee berichten wollen. Einer größeren, umfassenderen und befreienden Idee entgegen unserer kognitiven Beschränkungen.

Kognitive Dissonanz, Sozialpsychologie, Massenbewegung, Gehirnfunktion, Platons Philosophie… Na und?

Unter Beschränkungen leben wir gegenwärtig in einer noch nie da gewesenen und turbulenten Zeit. Sie ist turbulent auf einer emotionalen Ebene und wird es zwangsläufig auch auf einer wirtschaftlichen und sozialen Ebene sein. Außerdem ist sie es gleichermaßen auf einer intellektuellen Ebene. Unsere üblichen Bezugspunkte brechen zusammen. Infolge der verhängten Beschränkungen und der sich ständig vervielfachenden Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen entwickeln sich unsere eigenen psychologischen Strukturen in eine Richtung (z.B. eine neue Beziehung zum Leben und ein neues Vergnügen darin sich Zeit zu nehmen) oder eine andere Richtung (Angst und Besorgnis angesichts von Unsicherheit und Mangel).

Die gesellschaftlichen Strukturen selbst geraten ins Wanken. Es erscheinen neue Raster im Kräfteverhältnis. Um all dies zu erklären, gibt es natürlich die klassischen soziologischen und politischen Analysen, mit denen wir vertraut sind. Wir sehen aber gleichermaßen das Entstehen neuer Ausdrucksformen und neuer Ideen, die bisher nur in Insiderkreisen vertraulich diskutiert wurden.

Wir hören auch von einer neuen Weltordnung, von Impfstoffen und injizierten Chips, die in der Lage sind, uns zu verfolgen und vor allem zu kontrollieren. Wir hören von weit verbreiteter Propaganda und einem Nebelschleier, der von einem Virus verursacht wird, das nur dazu dient, einen vorsätzlichen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch zu vertuschen, um die Welt danach besser kontrollieren zu können. Wir hören sogar von dunklen Mächten, die durch ein messianisches Menschheitsprojekt motiviert sind und manchmal sogar von Eugenik.

Wir hören gleichermaßen von den Gefahren von 5G, während uns gleichzeitig eine völlig andere Strömung von der sagenhaften Kraft des 5D erzählt, die mit der Erweiterung unseres Bewusstseins verbunden ist. Auf dieser Seite hören wir von der wirklichen Macht des Geistes, dem Licht und seinen Kräften, der schöpferischen Kraft unserer Träume und Absichten, dem Bewusstsein in seinen verschiedenen Formen, inkarniert und nicht-inkarniert, und den verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit. Wir sind eingeladen, in Schönheit und Farbe zu träumen, um durch unsere schöpferische Kraft neue Welten hervorzubringen, in denen Liebe, Respekt und Wohlwollen unsere idealen Bezugspunkte sein werden, unterstützt von wohlwollenden, aber nicht inkarnierten Wesen, die sich um die Menschheit kümmern.

Sind diese neuen Strömungen, die bisher nur von einigen wenigen leidenschaftlichen Enthüllungsjournalisten oder einigen wenigen Wahrheitssuchenden angesprochen wurden, ungültig oder ein Spiegelbild der tatsächlichen Wahrheiten? Was, wenn es wahr wäre?

Vorsicht bei Fake News! Große Wachsamkeit! Aber woher kommen die Fake News? Sind es gesellschaftliche Dynamiken, die in Richtung einer betäubten Aufrechterhaltung unserer alten Raster des Weltverständnisses gehen, oder sind es Kräfte, die uns einladen, aus Platons Höhle herauszutreten? Und was wäre, wenn sich der Krieg, von dem im Fernsehen berichtet wurde, vor allem im Bereich der Information, Propaganda und Manipulation abspielt?

Wir sind dazu angehalten, einen Schritt zurückzutreten, um die gewaltige Realität, in der wir uns gemeinsam bewegen, auf eine andere Art und Weise zu analysieren. Wir können uns nicht länger damit begnügen, eine Idee abzulehnen, nur weil sie uns zu abwegig erscheint.

Wo stehen wir also, individuell und kollektiv, mit unserem eigenen Verständnis der Situation und unserer eigenen kognitiven Dissonanz? Welche neuen Ideen, seien es politische, wissenschaftliche und anthropologische, sind wir bereit zu akzeptieren? Oder zu verweigern? Welche Realität glauben wir schaffen zu können? Wenn ich zum Beispiel sage, weil meine eigenen Forschungen mich zu dieser Schlussfolgerung geführt haben, dass das Universum sehr bevölkert ist, dass es wirklich Außerirdische gibt und dass gewisse menschliche Führer dies seit langem wissen, sogar bis zu dem Punkt, dass sie gemeinsame Interesse mit ihnen verfolgen, können Sie dann diese Idee so weit akzeptieren, dass Sie ihre Richtigkeit selbst überprüfen?

Sagen Sie, das sind die Worte eines Erleuchteten? Sagen Sie „Verschwörung“? Sagen Sie „kognitive Dissonanz“?

Lassen Sie uns zuhören, bevor wir Stellung beziehen. Informieren wir uns vorerst über jedes der neu aufkommenden Themen. Es liegt an jedem Einzelnen, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu entscheiden, wo er seinen Fuß hinsetzen möchte, um seinen nächsten Schritt zu tun und voranzukommen. Mehr denn je sind die Schlüsselwörter, die uns lenken können: Information, Urteilsfähigkeit und vor allem Frieden.

Die Übersetzung aus dem Französischen wurde von Susanne Grönsfeld vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Europa, Kultur und Medien, Meinungen
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