Kurdische Politikerin Leyla Zana beginnt Hungerstreik

11.09.2015 - Gesellschaft für bedrohte Völker

Kurdische Politikerin Leyla Zana beginnt Hungerstreik

Die Fürsprecherin der Kurden fordert eine Rückkehr zu den Friedensverhandlungen

Die kurdische Politikerin und Abgeordnete im türkischen Parlament Leyla Zana ist in einen Hungerstreik getreten, um die Regierung und die PKK wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Die 1961 in der Nähe von Diyarbakir in Ostanatolien geborene Zana ist als Fürsprecherin der Kurden in der Türkei bekannt. Bereits im Alter von 14 Jahren wurde sie mit dem politisch aktiven Mehdi Zana verheiratet, der 1980 verhaftet wurde, da er sich als Bürgermeister von Diyarbakir aktiv für die Rechte der Kurden einsetzte. Bei Besuchen im Gefängnis war es Leyla Zana nicht erlaubt, mit ihrem Mann auf Kurdisch zu sprechen, so dass sie für die Gefängnisbesuche die türkische Sprache lernte.

Leyla Zana selbst erlebte ebenfalls Verfolgung und Diskriminierung durch die türkischen Behörden. Sie kandidierte 1991 für die kurdische Partei HEP und wurde ins Nationalparlament der Türkei gewählt. Bei ihrer Amtsvereidigung fügte sie auf Kurdisch hinzu: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass das kurdische und das türkische Volk zusammen in einem demokratischen Rahmen leben können.“

Der Einsatz für die Rechte der Kurden und für Frieden in der Türkei hatte leider seinen Preis. Zana wurde sofort aus dem Amt entlassen und 1994 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Öffentlicher und politischer Druck bewirkten eine vorläufige Freilassung 2004. Seitdem werden immer wieder haltlose Anschuldigungen gegen sie erhoben. Zuletzt wurde Leyla Zana am 4. Dezember 2008 wegen der angeblichen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. Auch in ihrer Heimatstadt Diyarbakir laufen weitere Verfahren gegen sie. Über 70 Jahre Haft werden gefordert. Ihr einziger Schutz momentan ist die Immunität, die sie als Mitglied des türkischen Parlaments genießt.

Zana symbolisiert seit Jahrzehnten den Wunsch, dass das kurdischen und das türkische Volk friedlich miteinander leben könne. Für ihr Engagement wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet und bereits zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Mit ihrem Hungerstreik will sie nun die Friedensverhandlungen zwischen den Kriegsparteien in der Türkei wieder in Gang bringen. Der Waffenstillstand war nach einem Anschlag in der türkischen Stadt Suruç nahe der syrischen Grenze am 20. Juli diesen Jahres aufgehoben worden.

Kategorien: Asien, Europa, Menschenrechte, Vielfalt

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