An diesem Jahrestag der Invasion Russlands in der Ukraine steht die Arbeitsgruppe der CSP „Frauen und geschlechtsspezifische Realitäten im OSZE-Raum“ in unerschütterlicher Solidarität mit den Frauen in kriegerischen Situationen. Wir würdigen ihre Stärke, ihre Rolle in kollektiver Anstrengung zur Verbesserung der Lebensbedingungen und den Schutz ihrer Liebsten vor Gewalt beizutragen. Dieses Engagement bleibt oft unsichtbar, oder wird nicht ernst genommen. Ihr Mut und ihre Beharrlichkeit stehen für Würde und Hoffnung in Zeiten tiefgreifender Verunsicherung. Das CSP Netzwerk oder andere organisatorische Verbindungen sind entscheidend, um menschliche Verbindungen aufrecht zu erhalten. Das gehört zum entscheidenden Impuls feministischer Friedensarbeit.
Wir stehen in Solidarität mit allen Menschen in der Ukraine für die der Krieg kein fernes Ereignis, sondern gelebte Realität ist – Trennung von geliebten Menschen, zerstörte Häuser, Energieausfälle und die tägliche Suche nach Sicherheit im weitesten Sinne. In der ganzen Ukraine haben sich die Lebensbedingungen dramatisch verändert, doch die Widerstandsfähigkeit ihrer Bevölkerung zeigt sich mit bemerkenswerter Stärke. Das Gefühl der Solidarität in den lokalen Gemeinschaften gibt Kraft. Die Entschlossenheit vieler Frauen, angesichts anhaltender Not Würde, Identität und Hoffnung zu bewahren, ist ein Zeichen von Stärke, die wir nicht gering einschätzen dürfen.
Unsere Solidarität gilt auch den Frauen aus Russland, die wegen ihrer Meinungsfreiheit verfolgt werden und wegen ihrer Antikriegsäußerungen mit Gefängnisstrafen rechnen müssen. Unsere Solidarität gilt allen Frauen in der OSZE Region, die sich für das menschliche Leben, für Redefreiheit und demokratische Freiheiten einsetzen, wo Rechte und Spielräume für ziviles Engagement radikal eingeschränkt werden. Wir stehen hinter Frauen, die oft unter diktatorischen, unterdrückerischen und patriarchalischen Regimen, einem Mangel an Informationen, Propaganda, Fake News ausgesetzt sind und deren Friedensarbeit vor Ort diskreditiert wird. Sie widersetzen sich spaltender Politik, indem sie sich kontinuierlich für kollektives Handeln einsetzen.
Hinter dem Ausmaß dieses Krieges stehen zutiefst persönliche Geschichten: Eltern, die sich bemühen, ihre Kinder zu schützen, ihre Söhne (und Töchter) vor der Zwangsrekrutierung bewahren wollen, Familien, die fern der Heimat ein neues Leben aufbauen, und ältere Generationen, die um plötzlich veränderte Lebensumstände trauern. Krieg ist für diejenigen, die ihn erleben, niemals abstrakt – seine Folgen sind zutiefst menschlich und oft eng mit körperlicher Gewalt und psychischer Misshandlung verbunden. Inmitten dieser Not waren und sind Frauen eine beständige Kraft, die Gemeinschaften zusammenhält – sie kümmern sich um Familien, unterstützen Vertriebene, übernehmen Führungsaufgaben, wenn es am dringendsten nötig ist, sind sowohl lokal als auch international vernetzt und leisten dringend benötigte Hilfe in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.
Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, eine menschliche Dimension in alle Verhandlungsprozesse einzubringen. Während eine Mehrheit der männlichen Politiker hauptsächlich über Geostrategie, Grenzen und Territorien, Ressourcen und Macht spricht, sprechen Frauen über ein Leben ohne Angst und darüber, wie man sich am besten in (Friedens-)Prozesse einbringen kann. Während die für den Wiederaufbau vorgesehenen (internationalen) Mittel fließen hauptsächlich in Großprojekte, werden kleine und dezentrale Infrastrukturprojekte für die Daseinsvorsorge gerade von Frauen oft als nicht relevant genug angesehen.
Wir glauben an den Wert des Gründungsprinzips der OSZE und an das Verständnis von „gemeinsamer Sicherheit“ als einzigen Weg, um weiteren Hass und Feindseligkeiten zu verhindern, die das Wohlergehen künftiger Generationen gefährden und zu anhaltenden Traumata führen. Die OSZE sollte und könnte in allen drei Dimensionen und dimensionsübergreifend wirksame Schutzmechanismen, Transparenz und Rechenschaftspflicht gewährleisten, Räume für den Dialog erweitern und zum Wiederaufbau des sozialen Gefüges beitragen, um so die Grundlage für dauerhaften Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit zu schaffen. Als Arbeitsgruppe sind wir bereit und willens, auf der Grundlage unserer Erfahrungen vor Ort und unserer besonderen Kenntnisse über geschlechtsspezifische Realitäten zusammenzuarbeiten.
Dieser Krieg, ebenso wie andere Konflikte in anderen Teilen der Welt, verlangt von uns allen etwas Wesentliches: Wir dürfen uns nicht an Gewalt gewöhnen, wir dürfen nicht zulassen, dass Mitgefühl mit der Zeit verblasst, und wir dürfen menschliches Leid nicht als unvermeidlich hinnehmen. Frieden ist immer dynamisch und fragil. Deshalb sind wir verpflichtet, wachsam zu sein, den Prozess zu schützen und uns dafür einzusetzen. Letztendlich lohnt es sich für alle.
Unterzeichnet von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe aus Armenien, Georgien, Kosovo, Kirgisztan, Ukraine, Italien, Schweden, Deutschland, Norwegen, Schweiz
Kontakt: www.civicsolidarity.org/work-group/women-and-gender-realities-in-the-OSCE-region/
Koordination: Heidi Meinzolt, meinzolt@wilpf.de
Die Civic Solidarity Platform (CSP) ist eine Koalition von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gruppen aus den Ländern der Region der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie internationalen NGOs, die an gemeinsamen Maßnahmen zur Förderung und Verteidigung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in der OSZE-Region interessiert sind. Ihre Mitgliedsorganisationen sind bereit, ihre Beschwerden zu koordinieren, gemeinsame Positionen zu Schlüsselthemen zu vertreten und sich gegenseitig im Notfall gegenseitig zu unterstützen und zu unterstützen.









