Der 5.2.2026 war der Termin, an dem der New START-Vertrag auslief, ohne dass die USA und Russland ihn erneuerten. Auch die VR China beteiligte sich nicht an einer Neuverhandlung. Der hemmungslosen weiteren nuklearen Aufrüstung steht nun nichts mehr im Weg. Die Welt wird dadurch noch unsicherer. Wie entrückt muss man sein, um dieses Risiko einzugehen?

Von Klaus Moegling

Was beinhaltete der New START-Vertrag?

„New START“ bedeutet „New Strategic Arms Reduction Treaty“, es ist ein Nachfolgevertrag von START I und trat am 5.2.2011 in Kraft. Er wurde zehn Jahre später bis zum 5.2.2026 verlängert. An diesem Tag endete er jetzt ohne eine Neuverhandlung.

Der New START-Vertrag sah vor, dass Russland und die USA

  • maximal 1.550 einsatzbereite strategische Atomsprengköpfe,
  • sowie 800 Startsysteme (mobile Abschussvorrichtungen, U-Boote, strategische Bomber)
  • und 700 einsatzbereite Trägersysteme (z.B. ballistische Raketen) besitzen.
  • Außerdem sah der Vertrag umfangreiche Transparenz- und Kontrollmechanismen vor, sowie Verifikationsmaßnahmen, wie den regelmäßigen Austausch von Daten und die Durchführung von Inspektionen.

Dadurch sollte das Risiko eines nuklearen Konflikts begrenzt und eine Stabilität in den bilateralen Beziehungen zwischen USA und Russland geschaffen werden.

Der New START war ein zentraler Vertrag, der neben den anderen – ebenfalls beendeten Abrüstungs- und Kontrollverträgen – das Risiko eines Dritten Weltkriegs vermindern sollte.

Warum wurde er nicht rechtzeitig neu verhandelt?

Russland hat 2023 im Zuge seines Angriffs auf die Ukraine den New START-Vertrag ausgesetzt und kritisierte die Vertragsverletzung durch die USA. Die US-Regierung hatte ebenfalls Zweifel, ob sich Russland noch an die Begrenzungen des Vertrags gehalten hatte. Ein paar Monate später setzte dann auch die USA die Bestimmungen des New START-Vertrags nicht mehr um, ließ keine Kontrollen mehr zu und stellte keine Transparenz mehr her.

Russland signalisierte sein weiteres Einhalten der numerischen Begrenzungen des Vertrags, ließ aber keine Transparenz und Kontrolle zu. Russland signalisierte im September 2025, dass es bereit wäre, die Vertragsgrenzen um ein weiteres Jahr einzuhalten. US-Präsident Trump zeigte sich widersprüchlich und unternahm bisher keine Initiativen, um den Vertrag neu auszuhandeln („If it expires, it expires“) – so Daryl G. Kimball (2026) auf der Homepage der ‚Arms Controll Association‘:

„Seit ihrem Amtsantritt im Januar letzten Jahres hat seine Regierung weder eine Strategie für die Aushandlung eines neuen Atomwaffenkontrollabkommens mit Russland noch einen Plan vorgelegt, wie sie China in Gespräche über die Verringerung nuklearer Risiken oder Rüstungskontrolle einbeziehen will.“

Welche Gefahren drohen der Welt durch die fehlende Erneuerung des START-Vertrags?

Erstmals seit 1972 gibt es nun keine wirkungsvolle Beschränkung der Nuklearprogramme der beiden Großmächte mehr.

Innerhalb weniger Wochen könnten die einsatzbereiten nuklearen Arsenale der USA und von Russland erheblich vergrößert werden. In relativ kurzer Zeit wäre eine Verdoppelung möglich – so die US-Friedensforscherin Jennifer Knox (2026):

„Die daraus resultierende Aufrüstung, der Mangel an Einblick in die Pläne und Arsenale des jeweils anderen und die Beendigung der formellen bilateralen Konsultationen, die durch das Verifikationssystem des Vertrags hervorgerufen wurden, würden die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland weiter destabilisieren, das Risiko eines nuklearen Konflikts durch Fehleinschätzungen oder Missverständnisse erhöhen und Ressourcen verschwenden, die keines der beiden Länder zu verschenken hat. Eine erneute nukleare Aufrüstungsspirale zwischen den Vereinigten Staaten und Russland könnte auch China und andere Atommächte dazu veranlassen, ihre Arsenale zu vergrößern, was zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage weltweit führen würde.“

Damit steigt das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen deutlich – aufgrund falscher Meldungen oder eines technischen Versagens.

Forderungen an die Großmächte: Vertrag einhalten und neu verhandeln!

Russland und die USA könnten sich freiwillig so lange weiter an den New START-Vertrag halten, bis zwischen ihnen – möglichst unter Einbezug Chinas – ein neuer Vertrag ausverhandelt ist. Des Weiteren ist über die Neuverhandlung eines gemeinsamen Vertrags hinaus die Respektierung des Atomwaffensperr-Vertrags sowie die Unterzeichnung und die Ratifizierung des Atomverbots-Vertrags, der von den Vereinten Nationen bereits beschlossen wurde, zu verlangen. Die Nicht-Beteiligung von USA, Russland und China sowie übrigens auch der anderen Nuklearstaaten an nuklearen Abrüstungsmaßnahmen verstößt gegen den Artikel VI des gültigen Atomwaffensperrvertrags.

So fordert die deutsche Wissenschaftlergruppe des VDW (2026) in einer Stellungnahme umfassendere Verhandlungen zwischen den Großmächten:

„Gemeinsame Beschränkungsmaßnahmen würden ein positiveres Umfeld für Gespräche über weitere strategische Reduzierungen, neue Beschränkungen für Mittelstreckenraketen und taktische Atomwaffen, Begrenzungen strategischer Raketenabwehrsysteme und andere Maßnahmen zur Verringerung nuklearer Risiken schaffen. Dazu gehören vor allem gemeinsame Schritte zur Minderung der Risiken bei der Integration künstlicher Intelligenz in die nukleare Befehls- und Kontrollstruktur.“

Fazit

Wie weit weg von den Menschen müssen die verantwortlichen Politiker in Russland, in den USA und in China sein, dass sie nicht bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen und die Gefahr eines Nuklearkriegs durch neue START-Verhandlungen zu vermindern! Die Zivilbevölkerung und ihre politischen Vertreter müssen endlich aufwachen und zu gemeinsamen Aktionen finden, um die Verantwortlichen in der herrschenden Politik zu einem Umlenken im Interesse der Menschheit zu bewegen. Nuklearwaffen sind zu verbieten. Verhandlungen und Diplomatie machen die Welt wesentlich sicherer als eine ungehemmte nukleare Aufrüstung.

Daher sind auch die Vereinten Nationen gefordert – auch wenn sie derzeit bewusst durch die USA und durch Russland geschwächt und blockiert werden.

Der IPPNW-Aktivist und Friedensforscher Rolf Bader (2026) fasst dementsprechend die Forderungen angesichts der zu erwartenden Modernisierung und Aufstockung der nuklearen Waffenarsenale zusammen:

„In dieser Situation (einer) sich zuspitzenden Situation wären die Vereinten Nationen gefordert. Krisenprävention wäre notwendig, um den drohenden Rüstungswettlauf zu stoppen. Mit Unterstützung einflussreicher Mitgliedsstaaten des Globalen Südens könnte versucht werden, Verhandlungsinitiativen zur Risikominimierung anzustoßen.

Ziel müsste es sein, dass zumindest eine Herabsetzung der höchsten Alarmstufe und ein Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verhandelt wird. Auch wenn die Chancen derzeit gering sind, sollte zumindest alles versucht werden, das drohende atomare Wettrüsten zu verhindern.“


Prof. Dr. Klaus Moegling, Webseite, ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Soziologe und Autor des Buches „Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) möglich“, das hier frei zugänglich lesbar ist.