Beim jüngsten Gipfel der Afrikanischen Union in Addis Abeba stellte Ghana sicher, dass eine Initiative auf die Tagesordnung gesetzt wurde, nämlich die Generalversammlung der Vereinten Nationen aufzufordern, den transatlantischen Sklavenhandel und die rassifizierte Versklavung von Afrikanern offiziell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuerkennen. Präsident John Dramani Mahama kündigte an, dass die Resolution am 25. März vorgestellt wird, zeitgleich mit dem Internationalen Gedenktag an die Opfer der Sklaverei und des Transatlantischen Sklavenhandels. Dies ist weder eine verfahrenstechnische Geste noch ein weiterer symbolischer Akt des Gedenkens. Es ist eine politische Intervention bezogen auf den Kern der internationalen Sprachregelungen. Und wenn sich die Sprache bei den Vereinten Nationen verändert, verlagert sich auch das Terrain, auf dem Legitimität, Verantwortung und letztlich Wirtschaftsarchitektur ausgehandelt werden.

Der transatlantische Sklavenhandel war kein Unfall der Geschichte. Es war ein von Staaten organisiertes System, getragen vom Rechtsrahmen seiner Zeit, und funktional für die ursprüngliche Wertschöpfung, welche die Konsolidierung imperialer Volkswirtschaften und den frühen industriellen Kapitalismus ermöglichte. Millionen von Menschen wurden in lebendes Kapital, in Ware und Zwangsarbeit umgewandelt. Netzwerke des Handels, des Kreditwesens, der Seeversicherung und des modernen Bankwesens breiteten sich im Zusammenhang mit diesem Kreislauf aus. Der angesammelte Reichtum verschwand nicht mit der Abschaffung der Sklaverei; er wurde in Infrastruktur, in Institutionen, in Finanzkapital und in strukturellen Vorteil umgewandelt.

Die von Ghana geförderte Initiative stellt dem heutigen internationalen System eine unangenehme Frage: wenn die globale Wirtschaftsordnung teilweise auf einem Verbrechen von solchem Ausmaß aufgebaut wurde, kann diese Ordnung sich weiterhin selbst als historisch neutral präsentieren?

Regelgerechte Erinnerung

Sklaverei und der transatlantische Sklavenhandel wurden in der Durban-Erklärung und dem Aktionsprogramm (Durban Declaration and Programme of Action – DDPA) von 2001 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Doch diese Anerkennung war damit in ein politisch programmatisches Instrument eingebettet, und war somit keine eigenständige und spezifische Resolution der Generalversammlung in entsprechend unmissverständlicher und direkter Sprache.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Im Völkerrecht definiert die Sprache Hierarchien. Völkermord wurde gesetzlich definiert, nachdem er begangen worden war. Die Kategorie Verbrechen gegen die Menschlichkeit entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Der transatlantische Sklavenhandel fand statt, bevor es den zeitgenössischen strafrechtlichen Rahmen gab, der es ermöglichte, ihn juristisch präzise zu beschreiben.

Die von Ghana eingebrachte Resolution zielt nicht darauf ab, Handlungen in der Vergangenheit rückwirkend strafrechtlich zu verfolgen, was nach dem Prinzip der Nichtrückwirkung im Strafrecht juristisch auch unmöglich wäre. Sie versucht, diese Vergangenheit formell in die gegenwärtige Sprachregelung zu integrieren. Es ist kein Urteil; es handelt sich um eine historische Umbewertung auf breitester, multilateraler Weltbühne.

Von der historischen Wertschöpfung zu struktureller Schuld

Die durch den Sklavenhandel und die Versklavung entstandene Wertschöpfung war keine Episode. Sie war von struktureller Art. Sie finanzierte industrielle Expansion, konsolidierte die Infrastruktur, stärkte Finanzsysteme und schuf Vorteile, die sich in die folgenden Jahrhunderte fortsetzten. Parallel dazu erlebte der afrikanische Kontinent Zwangsentvölkerung, soziale Zersplitterung und später formelle Kolonialisierung.

Heute verwenden viele afrikanische Länder erhebliche Teile ihrer Budgets, um Auslandsschulden zu bedienen. Eine Einordnung dieser Schulden geschieht fast ausschließlich unter makroökonomischen Gesichtspunkten: der fiskalischen Nachhaltigkeit, der monetären Stabilität, dem Staatsrisiko. Selten wird die historische Entwicklungsgeschichte der strukturellen Ungleichheit, die ihre Einbindung in das internationale Finanzsystem bedingte, in die Gespräche einbezogen.

Von strukturellen Schulden zu sprechen ist keine moralische Rhetorik. Es geht darum, zu erkennen, dass heutige Ungleichmäßigkeiten nicht in einem historischen Vakuum entstanden sind. Die globale Wirtschaftsarchitektur wurde nicht auf Augenhöhe errichtet.

Was eine Resolution verändern könnte

Eine Resolution der Generalversammlung führt weder automatisch zu Verpflichtungen der Entschädigung noch öffnet sie rückwirkende Strafverfahren. Weder eröffnet sie Tribunale noch verhängt sie Entschädigungen. Doch die Macht der Versammlung liegt nicht in seiner direkten Ausübung, sondern in der Festlegung normativer Rahmenbedingungen.

Eine formelle und eindeutige Anerkennung des transatlantischen Sklavenhandels als Verbrechen gegen die Menschlichkeit könnte die Legitimität von juristischen Wiedergutmachungsverfahren, wie sie von der Afrikanischen Union und von karibischen Staaten vorangetrieben werden, stärken. Sie könnte nationale Gerichtsprozesse, in denen die historische Verantwortung umstritten ist, beeinflussen. Sie könnte die Schaffung multilateraler Fonds unterstützen, die strukturelle Entwicklung im Sinne einer historischen Wiedergutmachung zum Ziel haben. Sie könnte sogar der Debatte zu Schuldenerleichterungen eine neue Form geben, indem sie in eine Diskussion eine ethische Dimension einbringt, die bisher als rein technisch dargestellt wurde.

Die Wirkung wäre weder sofort noch automatisch. Sie wäre kumulativ. Im internationalen System geht die Sprache der Norm voraus, und die Norm der Praxis.

Das Finanzsystem und seine Legitimität

Internationale Finanzinstitute arbeiten Leitungsstrukturen entsprechend, die Machtbeziehungen aus dem 20. Jahrhundert widerspiegeln. Wahlverfahren, Zugang zu Krediten und Konditionalitäten sind von dieser Geschichte nicht losgelöst. Die afrikanische Initiative bringt eine andere Variable in diese Landschaft: die historische Legitimität der Wirtschaftsordnung.

Wenn die Generalversammlung die formelle Anerkennung dieses Verbrechens festlegt, könnte sich die Diskussion über Repräsentation, Wahlquoten und finanzielle Bedingungen aus rein technischen Blickwinkeln hin zu einer auf der Basis historischer Gerechtigkeit verschieben. Es bedeutet weder einen automatischen Schuldenerlass noch eine sofortige Umverteilung. Es impliziert eine Transformation des moralischen Rahmens, aus dem heraus Ungleichmäßigkeiten gerechtfertigt werden.

Über Entschädigung hinaus

Diese Debatte auf eine Frage der finanziellen Entschädigung zu reduzieren, macht sie arm. Wiedergutmachende Gerechtigkeit kann in heutiger Zeit auch durch strukturelle Investitionen, Technologietransfer, Bildungsplanreformen, bevorzugte finanzielle Zusammenarbeit und multilaterale Entwicklungsmechanismen zum Ausdruck gebracht werden.

Die von Ghana geförderte Initiative schreibt die Vergangenheit nicht um, sondern stellt sich der Gegenwart. Wenn das Verbrechen formell anerkannt wird, wird die internationale Wirtschaftsordnung mit ihrer eigenen Entwicklungsgeschichte konfrontiert werden. Und in dieser Konfrontation gibt es Raum, um neu zu überdenken, wie Entwicklung, Schulden und globale Legitimität entstehen.

Regelgerechte Erinnerung ist keine Nostalgie. Es ist ein Grundgerüst. Und wenn sich das Grundgerüst verändert, tun dies auch die Möglichkeiten der Zukunft.

 

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Ursula Nollenberger vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!