Gespräch mit zwei Aktivist:innen über Lieferketten, deutsche Pestizide in Brasilien und das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur
Von David Keck
Berlin. Die Fruit Logistica, das „führende internationale Branchentreffen der Fruchthandelswelt“ mit über 90.000 Teilnehmer:innen, findet vom 4. bis 6. Februar in Berlin statt. Nach eigener Darstellung „übernimmt die Fruit Logistica Verantwortung für Umwelt und Menschen“ und „fördert nachhaltige Lösungen“.
Dem widerspricht ein breites Bündnis von Organisationen. Am Donnerstag haben rund 40 Menschen vor der Tür der Halle demonstriert. Am Protest haben sich Gruppen aus Deutschland und Spanien beteiligt, darunter die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Initiative Grüne Gewerke der Freien Arbeiter:innen-Union, das Emanzipatorische Landwirtschaftsnetzwerk, die Interbrigadas, die Deutsche Umwelthilfe, die Ecologistas en Acción und die Soc-Sat Gewerkschaft.
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sprachen sie mit den Vorbeikommenden, klärten über die Geschäftspraktiken im Agrarsektor auf und machten auf das Schicksal der Beschäftigten aufmerksam. amerika21 hat mit Moritz und Franca gesprochen, die den Protest mitorganisiert haben.
amerika21: Worum geht es bei eurem Protest?
Franca: Wir versuchen schon seit Längerem, die Beschäftigten entlang der Lieferketten zu organisieren und sie in ihrem Kampf um faire Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Die Fruit Logistica ist eine der größten Messen und quasi Sinnbild der Machtkonzentration der Agrar- und Großkonzerne, die für die ganze Ausbeutung der Beschäftigten verantwortlich sind. Deswegen haben wir diesen Protest organisiert, kritisieren aber im Prinzip das ganze Agrarsystem, das auf Ausbeutung beruht.
amerika21: Welche sozialen und ökologischen Auswirkungen hat der Handel mit Obst und Gemüse im Globalen Süden?
Moritz: Die Umweltfolgen in Südamerika sind enorm, Brasilien ist ganz vorne mit dabei. Es gibt viele deutsche Chemie-Konzerne wie BASF oder Bayer, die Pestizide herstellen, die in der EU verboten sind. Produzieren dürfen sie die aber und exportiert wird vor allem nach Brasilien und Argentinien. In Brasilien führt das dazu, dass es auf dem gesamten Markt fast kein Gemüse und Obst gibt, das nicht mit diesen Pestiziden verseucht ist. Ungefähr 90 Prozent der Gewässer in Brasilien sind durch Pestizide kontaminiert, weil es kaum Regularien gibt und Unmengen davon eingesetzt werden.
amerika21: Seit drei Jahren gilt in der EU das sogenannte Lieferkettengesetz. Es verpflichtet Unternehmen, entlang ihrer Lieferketten Verantwortung zu übernehmen. Welche Rolle spielt dieses Gesetz im Agrarsektor?
Moritz: In Lateinamerika konnten damit klare Erfolge erzielt werden. Das NGO-Bündnis Oxfam hat Beweise für die Ausbeutung und Repression auf zwei Bananenplantagen in Ecuador und Costa Rica gesammelt. Weil diese Plantagen deutsche Supermärkte beliefern, konnten die Verstöße in Deutschland angezeigt werden. Das hat dazu geführt, dass die Beschäftigten gerechte Löhne bekommen und sich gewerkschaftlich organisieren durften.
amerika21: Also hat das Gesetz sinnvolle Veränderungen gebracht?
Franca: Ja, aber die aktuelle Bundesregierung will es wieder abschaffen, weil es viel zu streng sein soll. ….
Den vollständigen Text finden Sie hier:
https://amerika21.de/2026/02/282608/protest-gegen-fruit-logistica









