Am Samstag, dem 24. Januar 2026, startete die vierte Versammlung des Humanistischen Weltforums unter Beteiligung zahlreicher Aktivist:innen sowie Organisationen und Institutionen aus verschiedenen Kulturkreisen.
Die im Titel formulierte Herausforderung lautete: „Die Krise und globale Unsicherheit überwinden: Die Menschheit in Aktion“.
Die Versammlung begann mit einer Reflexion, die darauf abzielte, die eigene Menschlichkeit und die der anderen zu spüren und zu würdigen. Geleitet wurde sie von Rose Neema Onyango aus Kenia und Michael Cameron aus den Vereinigten Staaten. Aus der Überzeugung ihrer langjährigen Erfahrung als Aktivistin heraus betonte Neema: „In unserer humanistischen Tradition erkennen wir an, dass in jedem Menschen eine ‚Kraft‘ wohnt. Es ist keine übernatürliche Kraft, sondern die Kraft des Lebens, der Absicht und der historischen Ausrichtung. Es ist die Kraft, die es Studierenden ermöglicht, sich gegen ein Regime zu stellen, und Lehrkräften, eine ganze Generation zu inspirieren.“
Michael ergänzte: „Wir kommen nicht in einem Vakuum zusammen. Wir kommen in einer Zeit globaler Unsicherheit zusammen. Wir erkennen die Schatten: die systemische Korruption, die das Lebensblut unserer Gemeinschaften aussaugt; die Gewalt, die Narben in unseren Gesellschaften hinterlässt; und die Verwirrung, die zu sozialer Entmutigung führt.“
Rose fuhr mit ruhiger, aber fester Stimme fort: „Wir erkennen an, dass wir die Architekt:innen der Zukunft sind. Es gibt kein Schicksal, das in den Sternen geschrieben steht und das wir nicht mit unseren eigenen Händen umschreiben können.“
„Mögen wir heute die nötige Klarheit finden, um über die Zeit der Verwirrung hinauszublicken. Mögen wir den Mut finden, von Worten zur Menschheit in Aktion überzugehen. Wir ehren das Beste in jedem von uns: die Widerstandsfähigkeit der Jugend, die Weisheit der Älteren und den kreativen Geist der Künstler:innen“, fügte der junge US-Amerikaner hinzu.
Nach einem kurzen Moment der Besinnung endete die Meditation mit der Einladung an die Anwesenden, die Worte „Ich spüre das Menschliche in mir und sehe dieselbe Menschlichkeit in euch allen. Das ist der gemeinsame Horizont. Das ist Menschlichkeit in Aktion“ auszusprechen.
Anschließend wurde der Tag mit der Präsentation von Berichten über zwei bemerkenswerte Aktivitäten im Rahmen des Humanistischen Weltforums fortgesetzt. Adoch Fortunate aus Uganda berichtete über das Humanistische Seminar Ostafrika, an dem Teilnehmende aus Uganda, Tansania, Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, dem Sudan und Kenia teilnahmen. Das Seminar wurde von Humanist:innen aus Island, Großbritannien, Spanien, Argentinien, Chile und den Vereinigten Staaten unterstützt.
Im Anschluss wurde der Bericht vorgestellt, den Studierende der Universität in Baguio City auf den Philippinen unter der Leitung von Dr. Genevieve B. Kupang über das internationale Forum „Können Generationenbewegungen systemische Korruption beenden?“ erstellt hatten. An diesem Forum nahmen Student:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen aus den Philippinen, Indonesien und Nepal teil.
Um die anschließenden Debatten einzuleiten, präsentierte Antonio Carvallo, Mitglied des Sekretariats des Humanistischen Weltforums, eine Analyse der aktuellen Weltlage und erklärte: „Angesichts einer fortschreitenden evolutionären Entwicklung hin zu einer wachsenden Anpassungsfähigkeit muss die Gesellschaft eine dreifache Antwort finden: in Bezug auf die Umwelt, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehung zu uns selbst. Betrachtet man die globale Situation, so wird deutlich, dass das derzeitige System auf keinen dieser Indikatoren angemessene Antworten liefert.“
„Die vorherrschenden Ideologien stellen Geld und Finanzspekulation über die Menschenrechte, das menschliche Leben und das Leben der Natur. Ideologien, die Völkermord sowie die Enteignung und Auslöschung ganzer Nationen, wie in Palästina, rechtfertigen“, fügte er hinzu.
Nachdem er den Weg zu diesem historischen Moment beschrieben hatte, in dem der Multilateralismus zunehmend die Oberhand gewinnt, erklärte der Humanist: „Nicht alles ist schlecht. Aus der Welt, die untergeht, werden sich Elemente retten lassen; andere müssen in der größten Anpassungsbemühung der Menschheitsgeschichte neu konzipiert, entworfen und entwickelt werden. Wir Humanist:innen sind Optimist:innen. Wir glauben, dass die Welt immer menschlicher wird, je mehr die Menschenrechte aller geachtet werden.“
Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Wir Menschen sind die Transformator:innen der Welt – und natürlich auch unserer selbst. Inmitten des Chaos müssen wir unsere Menschlichkeit bekräftigen. Die Frauen und Männer, die uns vorausgegangen sind, mussten sich stets mit Widrigkeiten auseinandersetzen. Mit unterschiedlicher Intensität, aber sie haben es immer geschafft, sie zu überwinden. Wie Odysseus müssen wir den tödlichen Gesang der Sirenen überleben und unsere Reise in die Zukunft fortsetzen. Das ist der Kurs, den wir nicht vergessen dürfen, und die Botschaft, die wir immer mit der Gewissheit der Erfahrung vermitteln müssen.“
Anschließend teilte sich die Sitzung in Gruppen auf, um humanistische Positionen und Vorschläge zur aktuellen Situation zu erarbeiten.
Die erste Herausforderung wurde gemeistert. Die Teilnehmer:innen waren sich einig: Trotz der aktuellen Schwierigkeiten steht die Zukunft offen.
Am zweiten Tag der Versammlung, der am Sonntag, dem 25. Januar, stattfindet, wird das Ziel darin bestehen, die Schlussfolgerungen durch die Arbeit in 17 spezifischen thematischen Arbeitsgruppen in entschlossenes kollektives Handeln zu überführen.
Dann wird die Bedeutung des Hauptmottos „Menschheit in Aktion“ voll zum Tragen kommen.
Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!









