Zu wenige Frauen an der Spitze – die Bilanz 25 Jahre nach der Pekinger Erklärung

06.04.2020 - IDN InDepthNews

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Italienisch verfügbar.

Zu wenige Frauen an der Spitze – die Bilanz 25 Jahre nach der Pekinger Erklärung
Beginn der 64. Sitzung der UNO-Kommission für die Stellung der Frau am 9. März 2020 in New York. (Bild von UN Women / Ryan Brown)

Die Vertretung von Frauen in politischen Entscheidungsprozessen nimmt weiter zu, allerdings mit schleppendem Tempo – drei Viertel der Parlamentssitze werden immer noch von Männern besetzt, so die neuen Daten in der Ausgabe 2020 der IPU-UN Women-Karte von Frauen in der Politik. Die Veröffentlichung der Daten deckt sich mit der Überprüfung der Umsetzung der Aktionsplattform von Peking von 1995, die nach wie vor die weltweit umfassendste Agenda für die Gleichstellung der Geschlechter darstellt.

Die aktuelle IPU-UN-Women-Karte präsentiert globale Rankings für Frauen in Führungspositionen, in der Regierung und im parlamentarischen Bereich zum 1. Januar 2020. Sie zeigt Spitzenwerte hinsichtlich der Anzahl der Länder mit weiblichen Staats- und / oder Regierungschefinnen und des weltweiten Anteils von Ministerinnen, Parlamentssprecherinnen und Parlamentarierinnen. Trotzdem sind auch 25 Jahre nach der Pekinger Erklärung und der Aktionsplattform, die das internationale Ziel einer Geschlechterparität in politischen Entscheidungsprozessen festlegten, Frauen auf allen Machtebenen unterrepräsentiert.

Die UN-Women Geschäftsführerin Phumzile Mlambo-Ngcuka erklärte: „Wir haben eine Welt geschaffen, in der Frauen in nur 25 Prozent des verfügbaren Raums – in Parlamenten und anderen wichtigen Entscheidungsebenen – vertreten sind. Doch wir wissen, dass eine größere Anzahl von Frauen in hochrangigen politischen Entscheidungspositionen zu einer Politik führt, die der gesamten Gesellschaft zugutekommt. Frauen und Mädchen erwarten einen radikalen Wandel, und wir fordern die Führungspersönlichkeiten und Parlamentarier*innen auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass ihre Stimmen gehört und ihre Prioritäten berücksichtigt werden.“

„Es ist unmöglich vorherzusagen, wann Frauen in der Politik gleiche Chancen haben werden, da wir keinen klaren Trend erkennen können“, erklärte IPU-Präsidentin Gabriela Cuevas. „Aber es ist absolut klar, dass die derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichen, einige Länder machen sogar Rückschritte. Wir können es uns nicht leisten, zu warten… Es ist höchste Zeit, die Worte in Taten umzusetzen und entsprechende Verantwortlichkeiten und rechtliche Veränderungen zu fordern. Wir müssen uns mit den 46.000 Parlamentsmitgliedern in der Welt zusammensetzen, um alle diskriminierenden Gesetze zu beseitigen und sicherzustellen, dass Frauen die Chance haben, in der Politik mitzuwirken.“

Frauen als Staats- und Regierungschefinnen

Weniger als ein Zehntel der Länder werden heute von einer Frau regiert. Zwanzig Länder haben heute Frauen als Staats- und Regierungschefinnen – 2019 waren es 19 Länder. Am 1. Januar 2020 sind 6,6 Prozent der gewählten Staatschef*innen Frauen (10 von 152) und 6,2 Prozent der Regierungschef*innen (12 von 193); in zwei dieser Länder (Bolivien und Schweiz) sind Staats- und Regierungschefin dieselbe.

Während der Fortschritt hinsichtlich der Repräsentation von Frauen in Führungspositionen in der Welt nach wie vor gering ist, waren dagegen nur acht weibliche Führungspersönlichkeiten an der Macht, als die IPU und die UN Women 2005 eine der ersten Ausgaben der Karte herausbrachten.

Heute zählt Europa mehr als die Hälfte aller weiblichen Staats- und Regierungschefinnen. Fast alle Regierungen in den skandinavischen Ländern (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen) werden von einer Frau geleitet, mit Ausnahme Schwedens.

Drei weibliche Staats- und Regierungschefinnen sind in Amerika im Amt, das entspricht der Hälfte der Zahl derer, die im Jahr 2015 vertreten waren. Die Region erlebte einen deutlichen Rückgang der Zahl der weiblichen Staats- und Regierungschefinnen von sechs weiblichen Staats- und / oder Regierungschefinnen im Jahr 2015 zu einer Vertreterin in 2017.

Drei Frauen sind als Staats- und Regierungschefinnen in Asien (Bangladesch, Nepal, Singapur), eine in Afrika (Äthiopien) und eine im Pazifik (Neuseeland) tätig.

In keinem Land der arabischen Welt gab es bisher eine Frau als Staats- oder Regierungschefin.

Frauen in der Regierung

Es gibt einen vielversprechenden Trend zu mehr Regierungen mit geschlechtergerechten Kabinettsstrukturen: In 14 Ländern haben Frauen inzwischen einen Anteil von 50 Prozent oder mehr in Ministerien, verglichen mit neun Ländern im Jahr 2019. In weiteren 16 Ländern sind mehr als 40 Prozent der Ministerialposten mit Frauen besetzt.

Europa und Amerika sind die Vorreiter, wenn es darum geht, die Geschlechterparität in den Kabinetten zu garantieren. In zwei Ländern haben Frauen über 60 Prozent der Kabinettssitze inne (Spanien und Finnland). Finnland ist auch das einzige Land, in dem sowohl die Gleichstellung der Geschlechter im Kabinett als auch eine weibliche Regierungsspitze gegeben ist.

Die 14 Länder mit 50 Prozent oder mehr Frauen im Kabinett sind: Spanien mit 66,7 %; Finnland mit 61,1 %; Nicaragua mit 58,8; Kolumbien mit 57,9 %; Österreich mit 57,1 %; Peru mit 55,0 %; Schweden mit 54,5 %; Ruanda mit 53,6 %; Albanien mit 53,3 %; Frankreich mit 52,9 %; Andorra, Kanada, Costa Rica und Guinea-Bissau mit jeweils 50,0 %.

Insgesamt ist der Anteil weiblicher Ministerinnen mit 21,3 Prozent (851 von 4003) so hoch wie nie zuvor und liegt damit um 7,1 Prozentpunkte höher als in 2005, als nur 14,2 Prozent der Minister*innen Frauen waren.

In den 190 Ländern, für die Daten vorliegen, dominieren Männer weiterhin bestimmte Ministerialressorts. So gibt es beispielsweise nur 25 Finanz-/ Haushaltsressorts und 22 Verteidigungsmandate, die von Ministerinnen geleitet werden.

Trotz einiger Verschiebungen in den letzten Jahren sind Ministerinnen immer noch am häufigsten für Familien- und Sozialangelegenheiten zuständig, dicht gefolgt von den Ressorts Umwelt und Energie.

Die top fünf Bereiche, die von Frauen geleitet werden: (1) Familie / Kinder / Jugendliche / Senior*innen / Menschen mit Behinderungen; (2) soziale Angelegenheiten; (3) Umwelt / natürliche Ressourcen / Energie; (4) Beschäftigung / Arbeit / Berufsausbildung; (5) Frauenfragen / Gleichstellung der Geschlechter.

Zum ersten Mal seit 2015 sank die Zahl der Länder, in denen Frauen in den Führungsgremien nicht vertreten sind, in einen einstelligen Bereich, wobei neun Länder ohne Ministerinnen blieben (Brunei, Kiribati, Papua-Neuguinea, St. Vincent und die Grenadinen, Saudi-Arabien, Thailand, Tuvalu, Vanuatu und Vietnam).

Frauen als Parlamentspräsidentinnen

In allen Regionen der Welt sind Frauen mittlerweile als parlamentarische Sprecherinnen tätig. Nur im Pazifik gibt es gegenwärtig keine Frau, die den Vorsitz im Parlament führt.

Der Anteil der weiblichen Parlamentspräsidentinnen insgesamt beträgt 20,5 Prozent im Jahr 2020 (57 von 278 Posten der Vorsitzenden in 192 Ländern). Das ist doppelt so viel wie vor 25 Jahren, als die UNO-Konferenz in Peking ihren zukunftsweisenden Aktionsplan für die Gleichstellung der Geschlechter auf den Weg brachte.

Der Anteil der weiblichen Stellvertreterinnen ging jedoch gegenüber 2019 um 3 Prozentpunkte auf 25,3 Prozent zurück.

Im Jahr 2019 haben sieben Länder zum ersten Mal Frauen zu ihren Parlamentspräsidentinnen ernannt (Andorra, Belarus, Demokratische Republik Kongo, Indonesien, Kasachstan, Malawi und Togo). [IDN-InDepthNews – 10. März 2020]

Vollständige Karte anzeigen: enesfr | IPU Pressemitteilung

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Elena Heim vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gender und Feminismen, International, Menschenrechte
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