{"id":956674,"date":"2019-10-31T15:53:01","date_gmt":"2019-10-31T15:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=956674"},"modified":"2019-10-31T15:53:01","modified_gmt":"2019-10-31T15:53:01","slug":"klimakrise-militaer-nicht-im-visier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/10\/klimakrise-militaer-nicht-im-visier\/","title":{"rendered":"Klimakrise &#8211; Milit\u00e4r nicht im Visier"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Die Zerst\u00f6rung der Umwelt und die Ausbeutung endlicher Ressourcen unseres Planeten gef\u00e4hrden den Frieden. Kriege werden f\u00fcr den Zugang zu diesen Ressourcen und den klimasch\u00e4dlichen Lebensstil der reichen L\u00e4nder gef\u00fchrt. Kriege verbrauchen dabei selbst enorme Mengen von Treibstoffen und Energie und produzieren entsprechend viele klimasch\u00e4dliche Emissionen &#8211; ganz zu schweigen von den massiven Zerst\u00f6rungen und Emissionen durch die Kriegshandlungen und Ihre t\u00f6dlichen Folgen.<\/strong><\/p>\n<p>Pressemitteilung von Friedensnetz Saar, Pax Christi Saar, Fridays for Future Saarland und Kampagne Krieg beginnt hier vom 30.4.2019 [1]<\/p>\n<div>\n<p>Bleibt die Waffengewalt ausgeblendet, wird eine Eind\u00e4mmung der Klimakrise nicht m\u00f6glich sein. Zum einen ist \u00fcberlegene milit\u00e4rische Macht das Fundament und die Voraussetzung der herrschenden Wirtschaftsweise, zum anderen geh\u00f6ren die Streitkr\u00e4fte selbst zu den gr\u00f6\u00dften Emittenten von CO2 und anderen Schadstoffen weltweit. Da\u00df diese Sph\u00e4re f\u00fcr die Bewegung gegen die Klimakrise bislang weitgehend ein blinder Fleck geblieben ist, zeugt von ihrer Beschr\u00e4nkung auf immanente L\u00f6sungsans\u00e4tze, die unter Aufrechterhaltung des Systems zwangsl\u00e4ufig zu kurz greifen und daher zum Scheitern verurteilt sind. So plausibel die Vorstellung anmuten mag, da\u00df jeder erste Schritt einem Stillstand vorzuziehen sei, gilt das nat\u00fcrlich nur, sofern weitere und konsequentere Schritte folgen. Da es sich aber nicht etwa um eine Stagnation, sondern um eskalierende Zerst\u00f6rungsprozesse handelt, deren Krisenfolgen sprunghaft anwachsen, ist Eile geboten. Die heute vorgenommenen politischen Weichenstellungen entscheiden ma\u00dfgeblich \u00fcber den Diskurs und die Ma\u00dfnahmen im Rahmen der kurzen verbliebenen Frist, innerhalb derer ein Erreichen der unabdingbaren Dekarbonisierung zur Eind\u00e4mmung der Klimakrise zumindest nicht auszuschlie\u00dfen ist. Dies setzt jedoch eine z\u00fcgige \u00dcberwindung all jener ideologischen Man\u00f6ver voraus, die auf blo\u00dfe Heilsversprechen wie Marktl\u00f6sungen und einen gr\u00fcnen Kapitalismus setzen.<\/p>\n<p>An sachkundigen Expertisen zu den klimarelevanten Aspekten des Militarismus herrscht kein Mangel, wohl aber an der Bereitschaft, sich mit ihnen zu befassen und daraus angemessene Schl\u00fcsse zu ziehen. Was langj\u00e4hrigen Protagonisten der Antikriegsbewegung in vollem Ausma\u00df gel\u00e4ufig ist und selbst von seiten der Umweltverb\u00e4nde in gewissem Umfang vertreten wird, scheint in der jungen Bewegung gegen die Klimakrise wie Fridays For Future und Extinction Rebellion, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch nicht angekommen zu sein. Sie werden von den sogenannten Leitmedien und der \u00d6ffentlichkeit nicht nur wahrgenommen, sondern bislang sogar wohlwollend hofiert. Das zeugt von der Signalwirkung ihres Engagements, birgt aber zugleich die Gefahr ihrer Einbindung und Einhegung im Zuge eines Akzeptanzmanagements, das ihnen den Zahn einer m\u00f6glichen Radikalisierung ziehen soll.<\/p>\n<div id=\"attachment_959277\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-959277\" class=\"wp-image-959277 \" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_2.jpg\" alt=\"Klimakrise - Milit\u00e4r nicht im Visier\" width=\"768\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_2.jpg 602w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-959277\" class=\"wp-caption-text\"><em>Militarismus braucht Widerspruch (Bild: \u00a9 2019 by Schattenblick)<\/em><\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr jeden Menschen in Deutschland m\u00fcssen durchschnittlich 60 SklavInnen weltweit arbeiten. [2] Dieses Ausbeutungsverh\u00e4ltnis ist die ma\u00dfgebliche Voraussetzung unseres Lebensstandards und zugleich der entscheidende Grund, warum die Konfrontation mit der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung weithin gemieden wird. Es sind nicht nur die Zwangsmittel des staatlichen Gewaltmonopols, die das Aufbegehren repressiv in die Schranken weisen. Um dies zu gew\u00e4hrleisten bedarf es zugleich der tief verankerten Beteiligung einer Mehrheitsgesellschaft, die ihren relativen Wohlstand mit Z\u00e4hnen und Klauen gegen die Heerscharen von Hungerleidern verteidigt, auf deren Unterwerfung und Elend die eigene Vorteilsnahme gr\u00fcndet. Da\u00df die Bundeswehr ein Garant dieses Verh\u00e4ltnisses und somit unverzichtbar sei, mu\u00df den B\u00fcrgerInnen nicht nur per Propaganda eingebleut werden. Es leuchtet ihnen unmittelbar ein, sofern sie nicht eigenst\u00e4ndig mit dieser Existenzweise brechen, die sich aus dem Versprechen auf einen erfolgreichen Konkurrenzkampf speist, also die ungez\u00fcgelte Auspl\u00fcnderung der nat\u00fcrlichen Sourcen und Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft zur unabweislichen Ratio des \u00dcberlebens erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><strong>Krieg ist der gr\u00f6\u00dfte Klimakiller<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der kapitalistischen Logik ist Krieg ein fundamentales Instrument der Herrschaftssicherung und Fortschreibung einer profitgetriebenen \u00d6konomie, dessen sich die Hauptverursacher von Kriegen, Klimakrise und Flucht bedienen, die im globalen Norden sitzen, w\u00e4hrend die Menschen im globalen S\u00fcden den gravierendsten Folgen ausgesetzt sind. So l\u00e4\u00dft sich f\u00fcr fast alle Kriege der letzten Jahre nachweisen, da\u00df der Zugang zu Erd\u00f6l, Erdgas und anderen Rohstoffen sowie den Transportwegen zu den wesentlichen Kriegsgr\u00fcnden z\u00e4hlte. Geht man den offen ausgewiesenen Kriegszielen nicht auf den Leim, sondern arbeitet die verdeckten heraus, geht es nicht zuletzt um \u00d6l- und Gas wie auch Uranvorkommen und andere Rohstoffe wie Coltan, Kobalt und Kupfer. [3] Hinzu kommen geostrategische Zug\u00e4nge wie H\u00e4fen und Pipelines, die wichtig f\u00fcr Abbau, Transport, Vertrieb und Verkauf sind. Zugleich verbrauchen Kriege ungeheuere Mengen an fossilen Treibstoffen, was wiederum den Griff nach deren Lagerst\u00e4tten forciert.<\/p>\n<p>&#8222;Aufgrund knapper werdender Ressourcen muss sich die Welt in Zukunft auf Rohstoffkriege einstellen&#8220;, hei\u00dft es zu einer Studie der Transatlantic Academy zur Ressourcen-Knappheit aus dem Jahr 2012. Prognostiziert werden &#8222;gewaltsame Auseinandersetzungen und regelrechte Kriege um die verbleibenden Nahrungsquellen, landwirtschaftlich nutzbaren B\u00f6den und bewohnbaren Fl\u00e4chen&#8220;.<\/p>\n<p>Von Kriegszust\u00e4nden wie in Libyen, Syrien und dem Jemen ist die Rede: &#8222;Manche Leute werden bleiben und um ihr \u00dcberleben k\u00e4mpfen; andere werden abwandern und so gut wie sicher auf wesentlich gewaltsamere Formen jener Feindseligkeit sto\u00dfen, die Einwanderern und Fl\u00fcchtlingen in ihren Ziell\u00e4ndern heute schon entgegenschl\u00e4gt. Somit w\u00fcrde es unausweichlich zu einer weltweiten Epidemie von B\u00fcrgerkriegen und anderen gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen um Ressourcen kommen.&#8220; [4]<\/p>\n<p>In diesen K\u00e4mpfen strebt auch deutsche Regierungspolitik eine f\u00fchrende Position an. Bereits die verteidigungspolitischen Richtlinien aus dem Jahr 1992 konkretisierten als Ziel der Bundeswehreins\u00e4tze: &#8222;Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu M\u00e4rkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung.&#8220; [5] Es geht also darum, den Zugriff der deutschen Wirtschaft auf Ressourcen und Handelswege zu sichern. Eine aktualisierte Fassung der Richtlinien aus dem Jahr 2011 greift dies auf und f\u00fcgt die Einsch\u00e4tzung hinzu, da\u00df Verknappungen von Energietr\u00e4gern und anderer f\u00fcr Hochtechnologie ben\u00f6tigter Rohstoffe nicht ohne Auswirkungen auf die Staatenwelt bleiben. &#8222;Zugangsbeschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen konfliktausl\u00f6send wirken. St\u00f6rungen der Transportwege und der Rohstoff- und Warenstr\u00f6me, z.B. durch Piraterie und Sabotage des Luftverkehrs, stellen eine Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Sicherheit und Wohlstand dar. Deshalb werden Transport- und Energiesicherheit und damit verbundene Fragen k\u00fcnftig auch f\u00fcr unsere Sicherheit eine wachsende Rolle spielen.&#8220; [6]<\/p>\n<div id=\"attachment_959314\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-959314\" class=\"wp-image-959314 \" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_5.jpg\" alt=\"Klimakrise - Milit\u00e4r nicht im Visier\" width=\"756\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_5.jpg 602w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_5-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><p id=\"caption-attachment-959314\" class=\"wp-caption-text\"><em>Bew\u00e4hrte Raubtiermetapher &#8211; deutscher Imperialismus zeigt Z\u00e4hne und Klauen (Bild: \u00a9 2019 by Schattenblick)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Entsprechende Ambitionen, die eigenen Interessen auf dem Wege einer Militarisierung durchzusetzen, kamen im selben Jahr auch in der Rohstoffinitiative der Europ\u00e4ischen Union zum Ausdruck. Diese fordert den schrankenlosen Zugang zu Rohstoffen und \u00fcbt dabei massiven Druck auf die Exportl\u00e4nder aus. Auf neokoloniale Weise wird Entwicklungshilfe vom Zugang zu Rohstoffen abh\u00e4ngig gemacht und Entwicklungspolitik mithin zum Instrument wirtschaftsliberaler Interessen, wobei auch der Einsatz von milit\u00e4rischen Mitteln zur Deckung des steigenden Ressourcenbedarfs fest eingeplant ist. [7]<\/p>\n<p><strong>Krieg ist gegen die Natur<\/strong><\/p>\n<p>Die traditionsreiche Mahnwache &#8222;Zwei vor Zw\u00f6lf&#8220; um 11.58 Uhr vor dem Tor zum Drohnen- und Tornadostandort Jagel bei Schleswig stand am 19. Oktober 2019 unter dem Thema &#8222;Krieg ist gegen die Natur&#8220;. Dazu eingeladen hatten wie immer AktivistInnen der Deutschen Friedensgesellschaft &#8211; Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und der Initiative www.bundeswehrabschaffen.de. Gekommen waren engagierte Menschen aus Schleswig, Flensburg, Bad Oldesloe und Heide sowie erstmals auch zwei AktivistInnen von Fridays For Future aus Eckernf\u00f6rde, die eine Anreise von eineinhalb Stunden mit dem Fahrrad nicht gescheut hatten. Die Zufahrt zum Haupttor war beiderseits mit Transparenten versehen, wie auch der Eingangsbereich blockiert und entsprechend geschm\u00fcckt wurde. Obgleich zu dieser Zeit der Flugbetrieb ruhte, war das beantragte Drachensteigen wie auch der gar nicht beantragte Einsatz von Luftballons untersagt wurden, weshalb das mitgebrachte Flugger\u00e4t am Zaun ruhen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Um dem milit\u00e4rischen Flugbetrieb dennoch zumindest symbolisch einen antimilitaristischen Flieger entgegenzusetzen, lagen vorgedruckte Papierb\u00f6gen bereit, die oben einen Tornado mit Qualmfahne und unten einen 200-Euro-Schein zeigten. Dazwischen stand zu lesen: &#8222;So fliegt Dein Steuergeld zum Fenster raus und hinten kommt Kohlendioxid heraus: Eine Tornadoflugstunde erzeugt 12.000 kg Kohlendioxid und 43.000 Euro Kosten. Falte dieses Blatt zu einem Papierflieger dann ist der Tornado verschwunden und es segelt nur der Geldschein davon.&#8220;<\/p>\n<p>Wie diese und andere aufschlu\u00dfreichen Zahlen zeigen, zeichnet sich der Flugbetrieb der Luftwaffe schon am Standort durch immense Kosten, einen gewaltigen Treibstoffverbrauch und einen horrenden Aussto\u00df des klimasch\u00e4dlichen CO2 aus. So betr\u00e4gt die Kohlendioxidbelastung je Flugstunde beim Eurofighter 11.000 kg, beim Tornado 12.000 kg und beim Airbus 310M 15.000 kg. Demgegen\u00fcber emittiert ein Diesel-Pkw 8 kg CO2 je Fahrstunde, so da\u00df eine Stunde Tornadoflug 15.000 Fahrstunden mit einem solchen Auto entspricht. Derartige Vergleichsdaten f\u00fchren eindringlich vor Augen, da\u00df der Milit\u00e4rbereich im Kontext des Kampfs gegen die Klimakrise von zentraler Bedeutung und ihn auszusparen geradezu str\u00e4flich ist, unterschl\u00e4gt dies doch einen der weltweit gr\u00f6\u00dften Emittenten klimarelevanter Gase.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Mahnwache stand auch diesmal ein einf\u00fchrender Vortrag zum Thema, den Ralf C\u00fcppers ebenso gehaltvoll wie verst\u00e4ndlich hielt. Ausgehend von Stoffwechselwerten eines Menschen in Bewegung entwickelte er die exzessive Zunahme der Ums\u00e4tze bei fossilistischer Mobilit\u00e4t bis hin zu deren Eskalation beim Kriegsger\u00e4t wie insbesondere dem Flugbetrieb. Dabei sind Extremwerte wie die Kerosin verschlingenden und tonnenweise CO2-ausblasenden Fl\u00fcge der Kampfjets zwar die eindr\u00fccklichsten, doch bei weitem nicht einzig nennenswerten \u00f6kologischen Schadensfolgen. Hinzu kommen gro\u00dfe Mengen an freigesetzten Luftschadstoffen wie Feinstaub, Ultrafeinstaub und Stickoxide. Es geht auch um Flugl\u00e4rm, Kerosinabla\u00df als Notma\u00dfnahme und im Normalbetrieb, Boden- und Grundwasserverschmutzung beispielsweise durch Betriebsunf\u00e4lle, nicht fachgerechte Entsorgung oder Ableitung von L\u00f6schsch\u00e4umen und Diesel und anderen Gefahrenstoffen inklusive Munition. Anzuf\u00fchren sind zudem negative Einwirkungen auf die Landwirtschaft sowie Biotope und Naturschutzgebiete oder die Zerst\u00f6rung derselben. [8]<\/p>\n<div id=\"attachment_959323\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-959323\" class=\"wp-image-959323 \" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_1.jpg\" alt=\"\" width=\"771\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_1.jpg 602w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_1-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px\" \/><p id=\"caption-attachment-959323\" class=\"wp-caption-text\"><em>Ein Himmel ohne Waffen und Freiheit auf der Erde (Bild: \u00a9 2019 by Schattenblick)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Mag diese Auflistung schon f\u00fcr sich genommen erdr\u00fcckend anmuten, so ist sie doch gewisserma\u00dfen nur der Einstieg in eine Problematik, die sich noch sehr viel komplexer darstellt, sobald man den milit\u00e4rischen Flugbetrieb als Element einer umf\u00e4nglichen Verkettung untersucht. So wird bei der Herstellung von Zement, der bei Bauma\u00dfnahmen unverzichtbar ist, in erheblichen Mengen CO2 freigesetzt. Ein Thema f\u00fcr sich ist die Produktion von abgereichertem Uran und die damit verbundenen Umweltbelastungen einschlie\u00dflich der Urangewinnung. Zu nennen sind auch Unf\u00e4lle wie das im September 2018 durch eine Schie\u00df\u00fcbung in Brand geratene Moor im Emsland, wobei gr\u00f6\u00dfere Mengen an CO2 und Feinstaub freigesetzt, als durch alle steuerfinanzierten CO2-Einsparma\u00dfnahmen eines ganzen Jahres vermieden wurden. Nimmt man die Man\u00f6ver hinzu, kommt es zu giftigen R\u00fcckst\u00e4nden von Munition und vielen weiteren Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Die Rede war bislang nur von der Luftwaffe, nicht jedoch von der Marine und dem Heer, auch nicht von der R\u00fcstungsindustrie und vor allem nicht von der Kriegsf\u00fchrung und deren R\u00fcckst\u00e4nden wie abgereichertes Uran, wei\u00dfer Phosphor und Dioxine. Die Emissionen der Bundeswehr steigen mit den zunehmenden Auslandseins\u00e4tzen, der wachsenden Logistik und dem Ausbau der Streitkr\u00e4fte und der Erh\u00f6hung der Milit\u00e4rausgaben. Milit\u00e4rische Aktionen m\u00fcssen st\u00e4ndig einge\u00fcbt und in Man\u00f6vern erprobt werden. In Eins\u00e4tzen der luftgest\u00fctzten Kriegsf\u00fchrung steigen die Flugstunden der Kampfjets exorbitant. Bei Eins\u00e4tzen werden Drohnen und Aufkl\u00e4rungsflugzeuge in die Luft geschickt, die damit verbundenen Bombardierungen setzen zus\u00e4tzliche Treibhausgase, Feinstaub und Gifte frei. K\u00e4me es zu einem begrenzten Atomkrieg etwa zwischen Indien und Pakistan, w\u00fcrde die enorme Feinstaubbelastung in der Atmosph\u00e4re einen sofortigen nuklearen Winter ausl\u00f6sen, der durch ausfallende Ernten zum Verhungern der gesamten Menschheit f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Der gewaltige CO2-Stiefelabdruck des US-Milit\u00e4rs<\/strong><\/p>\n<p>Staatliche Milit\u00e4rapparate geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften Verbrauchern von Energie und anderen Ressourcen und verschlingen j\u00e4hrlich weltweit 1,8 Billionen Dollar. Dabei sind Privat- und S\u00f6ldnerarmeen noch nicht einmal mitgerechnet. Die Streitkr\u00e4fte verursachen gewaltige Mengen an klimasch\u00e4dlichen Emissionen: bei der Produktion, dem Handel, Export und Transport von Waffen, bei Man\u00f6vern und vor allem durch Kriegseins\u00e4tze sowie Besatzungen. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte institutionelle Verbraucher fossiler Brennstoffe ist das US-Milit\u00e4r, dessen gewaltiger CO2-Stiefelabdruck durch eine komplexe Logistik, Kriegsf\u00fchrung und die damit verbundene riesige Infrastruktur mit treibstoffintensiver Fortbewegung in der Luft, auf dem Boden und zur See hervorgerufen wird. Laut einer aktuellen britischen Studie reiht sich das US-Milit\u00e4r bei der Gr\u00f6\u00dfenordnung seiner CO2-Emissionen unter die 50 L\u00e4nder mit dem h\u00f6chsten CO2-Aussto\u00df noch vor Staaten wie Portugal und Peru ein.<\/p>\n<p>Drei Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin der Lancaster und Durham University analysierten den Beitrag dieser riesigen Infrastruktur in Hinblick auf die Klimakrise. Die Studie habe gezeigt, da\u00df das US-Milit\u00e4r zu den st\u00e4rksten Verschmutzern der Geschichte z\u00e4hle, da es mehr fl\u00fcssigen Brennstoff konsumiere und klimasch\u00e4digende Treibhausgase emittiere als die meisten mittelgro\u00dfen L\u00e4nder. Basierend auf Zahlen der Weltbank von 2014 st\u00fcnde die US-Armee allein aufgrund ihres Treibstoffverbrauchs auf Platz 47 der gr\u00f6\u00dften CO2-Emittenten im L\u00e4ndervergleich. Den bedeutendsten Anteil daran haben Treibstoffe f\u00fcr die Jets, die Marine und Landfahrzeuge wie Panzer. Dabei sei die Verschmutzung durch Jets noch st\u00e4rker als auf dem Boden, da in gro\u00dfer H\u00f6he verbrannter Treibstoff andere Arten von chemischen Reaktionen ausl\u00f6se. Laut Studie kaufte das US-Milit\u00e4r 2017 269.230 Barrel \u00d6l pro Tag und emittierte durch das Verbrennen dieser Treibstoffe insgesamt mehr als 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Den gr\u00f6\u00dften Anteil hatte die US Air Force, die im Jahr 2017 Treibstoffe im Wert von knapp f\u00fcnf Milliarden US-Dollar bezogen hat, w\u00e4hrend die Marine mit rund 36 Mio. Dollar folgte.<\/p>\n<p>Beim 1997 beschlossenen Kyoto-Protokoll, das erstmals v\u00f6lkerrechtlich verbindliche Zielwerte f\u00fcr den Aussto\u00df von Treibhausgasen in den Industriel\u00e4ndern festlegte, bestanden die USA darauf, die Emissionen des Milit\u00e4rs nicht melden zu m\u00fcssen. Mit dem 2015 vereinbarten Pariser Klimaschutzabkommen wurde diese L\u00fccke zwar geschlossen. Doch macht US-Pr\u00e4sident Donald Trump seine Ank\u00fcndigung wahr und steigt bis Ende 2020 aus dem internationalen Abkommen aus, w\u00fcrde das US-Milit\u00e4r als CO2-Emittent erneut unter dem Wahrnehmungsradar laufen.<\/p>\n<p>Die Studie basiert vor allem auf Daten, die von der dem Pentagon unterstellten Defense Logistics Agency nach Anfragen auf Basis des Freedom of Information Act geliefert wurden. Die DLA spielt eine wesentliche Rolle bei der Logistik des Milit\u00e4rs und hat weltweit rund 27.000 zivile und milit\u00e4rische Mitarbeiter im Einsatz. Sie stellt eigenen Angaben zufolge j\u00e4hrlich G\u00fcter und Dienstleistungen im Wert von 35 Milliarden Dollar zur Verf\u00fcgung, unterst\u00fctzt \u00fcber 2.300 Waffensysteme und begleitet neun Lieferketten mit \u00fcber f\u00fcnf Millionen Objekten. Dabei geht es auch um die organisatorische Unterst\u00fctzung der Streitkr\u00e4fte beim Transport des notwendigen Materials. [9]<\/p>\n<div id=\"attachment_959332\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-959332\" class=\"wp-image-959332 \" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_3.jpg\" alt=\"\" width=\"785\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_3.jpg 437w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Klimakrise_Milit\u00e4r_nicht_im_Visier_3-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 785px) 100vw, 785px\" \/><p id=\"caption-attachment-959332\" class=\"wp-caption-text\"><em>Flugverbot f\u00fcr Kinderdrachen (Bild: \u00a9 2019 by Schattenblick)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Die AutorInnen der Studie attestieren den US-Milit\u00e4rs, sie h\u00e4tten die Gefahren des Klimawandels verstanden. Sie investierten in alternative Energiequellen, und das US-Verteidigungsministerium habe Anfang des Jahres gewarnt, da\u00df ein Gro\u00dfteil der weltweiten St\u00fctzpunkte von den Folgen des Klimawandels wie \u00dcberschwem-<\/p>\n<p>mungen und D\u00fcrreperioden betroffen sei, die in etwa 20 Jahren eintr\u00e4ten. Wenn deswegen im Bericht von einer &#8222;widerspr\u00fcchlichen Klimapolitik&#8220; des US-Milit\u00e4rs die Rede ist, kommt das jedoch einer groben Irref\u00fchrung gleich. Die milit\u00e4rische F\u00fchrung denkt nicht im Traum daran, den eigenen Anteil an der Klimakrise zur\u00fcckzufahren, die aus ihrer Sicht eine Bedrohung unter anderen ist, der sie im Kontext ihrer globalen Kriegsf\u00fchrung Rechnung tragen will.<\/p>\n<p><strong>Bundeswehr steht mit dem Klimaschutz auf Kriegsfu\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Bundeswehr steht mit dem Klimaschutz auf Kriegsfu\u00df, was mit fadenscheinigen T\u00e4uschungsman\u00f6vern verschleiert werden soll. Die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schreibt im j\u00fcngsten Nachhaltigkeitsbericht der Bundeswehr, es zeige sich, &#8222;dass der Nachhaltigkeit auch im internen Verwaltungshandeln des Bundesministeriums der Verteidigung und der Bundeswehr dauerhaft eine bedeutende Rolle zukommt&#8220;. Diesen blumigen Worten zum Trotz sieht die Realit\u00e4t ganz anders aus. Wie aus der Antwort des mittlerweile von Annegret Kramp-Karrenbauer geleiteten Ressorts auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, hat die Armee in den letzten f\u00fcnf Jahren praktisch keine Fortschritte beim Klimaschutz gemacht. Die CO2-Emissionen der Bundeswehr aus Infrastruktur und Mobilit\u00e4t im Inland liegen mit 1,7 Millionen Tonnen 2018 nur um 0,3 Prozent niedriger als 2014.<\/p>\n<p>Staatssekret\u00e4r Thomas Silberborn behauptet in seiner Antwort dennoch, die &#8222;Bem\u00fchungen der Bundeswehr um Treibhausgasemissionen&#8220; h\u00e4tten zu &#8222;betr\u00e4chtlichen Erfolgen&#8220; gef\u00fchrt. Um das zu belegen, nutzt er als Vergleichsma\u00dfstab das Jahr 2015, in dem die Emissionen deutlich angestiegen waren, und kommt damit f\u00fcr das Jahr 2018 auf einen R\u00fcckgang um 4,5 Prozent. Dieser Rechentrick, den aktuellen Wert nicht mit dem \u00e4ltesten vorliegenden Wert zu vergleichen, emp\u00f6rte die friedenspolitische Sprecherin<\/p>\n<p>der Linken im Bundestag, Kathrin Vogler: &#8222;Die Bundeswehr betreibt mit diesen Zahlen Greenwashing.&#8220; Die vom Verteidigungsministerium genannten Emissionen der Bundeswehr im Inland machen derzeit ungef\u00e4hr 0,2 Prozent der deutschen Gesamtemissionen aus, was sich geradezu unbedeutend ausnimmt. W\u00e4hrend die zuvor erw\u00e4hnte Studie zu den US-Milit\u00e4rs jedoch auch die zahlreichen verbrauchsintensiven Auslandseins\u00e4tze einrechnet, blendet das Ministerium diese aus. Vogler kritisierte denn auch zu Recht die Aufstellung als unvollst\u00e4ndig: &#8222;Die Bundeswehr z\u00e4hlt also weder ihre Kriege mit noch den CO2-Aussto\u00df der Produktion von Panzern und Kampfflugzeugen.&#8220; [10] Da die deutsche Truppe derzeit in 18 Auslandseins\u00e4tzen steht, wird ein gewaltiger Posten an Emissionen kurzerhand unterschlagen. Unter dem Strich bringt der Aufruf zur Mahnwache in Jagel die Problemlage auf den Punkt, wenn er mit der Forderung schlie\u00dft: &#8222;Die Abschaffung der Bundeswehr &#8211; das ist Klimaschutz!&#8220;<\/p>\n<p><em>Erstver\u00f6ffentlichung am 23. Oktober 2019 unter dem Titel <\/em><a href=\"http:\/\/www.schattenblick.de\/infopool\/politik\/report\/prbe0352.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BERICHT\/352: Klimakrise &#8211; Milit\u00e4r nicht im Visier &#8230; (SB)<\/a> <em>bei unserem Medienpartner <a href=\"http:\/\/www.schattenblick.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schattenblick<\/a>.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/em>:<\/p>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.krieg-beginnt-hier.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.krieg-beginnt-hier.de<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/www.jetzt.de\/politik\/interview-mit-einer-professorin-fuer-supply-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.jetzt.de\/politik\/interview-mit-einer-professorin-fuer-supply-management<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/www.ippnw.de\/frieden\/energie-krieg-frieden\/artikel\/de\/deutschland-und-die-rohstoffkriege.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ippnw.de\/frieden\/energie-krieg-frieden\/artikel\/de\/deutschland-und-die-rohstoffkriege.html<\/a>)<br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2015\/dezember\/klima-und-krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2015\/dezember\/klima-und-krieg<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Bundeswehr\/vpr-ngo.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Bundeswehr\/vpr-ngo.html<\/a><br \/>\n[6] Verteidigungspolitische Richtlinien: Nationale Interessen wahren &#8211; Internationale Verantwortung \u00fcbernehmen &#8211; Sicherheit gemeinsam gestalten, Berlin, den 18. Mai 2011, S. 4f.<br \/>\n[7] <a href=\"http:\/\/www.attac-netzwerk.de\/ag-welthandelwto\/rohstoffraub\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.attac-netzwerk.de\/ag-welthandelwto\/rohstoffraub\/<\/a><br \/>\n[8] <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2019\/06\/21\/krieg-ist-der-groesste-klimakiller\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.imi-online.de\/2019\/06\/21\/krieg-ist-der-groesste-klimakiller\/<\/a><br \/>\n[9] <a href=\"http:\/\/www.orf.at\/stories\/3128002\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.orf.at\/stories\/3128002\/<\/a><br \/>\n[10] <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/CO2-Ausstoss-der-Bundeswehr\/!5627003\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.taz.de\/CO2-Ausstoss-der-Bundeswehr\/!5627003\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zerst\u00f6rung der Umwelt und die Ausbeutung endlicher Ressourcen unseres Planeten gef\u00e4hrden den Frieden. 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