{"id":951292,"date":"2019-10-23T17:09:59","date_gmt":"2019-10-23T16:09:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=951292"},"modified":"2020-06-11T13:39:59","modified_gmt":"2020-06-11T12:39:59","slug":"smart-city-utopie-oder-alptraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/10\/smart-city-utopie-oder-alptraum\/","title":{"rendered":"Smart City: Utopie oder Alptraum?"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Berlin w\u00e4chst die Infrastruktur f\u00fcr den neuen Mobilfunkstandard 5G \u2013 und die Kritik.<\/strong><\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger ist die Rede von der anstehenden \u201eGro\u00dfen Transformation\u201c. Ein \u201eWissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung f\u00fcr Globale Umweltver\u00e4nderungen\u201c (WBGU) befasst sich seit der UN-Konferenz \u00fcber Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 mit Zukunftsfragen. Im Fr\u00fchjahr hat er den Entwurf einer Charta \u201eUnsere gemeinsame digitale Zukunft\u201c vorgelegt, womit er \u201eeine weltweite Diskussion u\u0308ber die Transformation zur Nachhaltigkeit im Digitalen Zeitalter\u201c anregen m\u00f6chte. Die fortschreitende Digitalisierung scheint wie ein Naturereignis, das bestenfalls gestaltet, aber nicht verhindert werden kann.<\/p>\n<p>Die Segnungen der Digitalisierung sollen sich beispielsweise in der Smart City niederschlagen. In der rot-rot-gr\u00fcnen Koalitionsvereinbarung behaupten die in Berlin regierenden Parteien: \u201eEine Smart City, intelligente Stadt, schafft es, Wachstum bei sinkendem Ressourcenverbrauch zu erreichen, Verwaltungsprozesse zu digitalisieren und digitale Teilhabe f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p>Ein \u201eZukunftsort\u201c soll beispielsweise der \u201eFlughafen Tegel als Urban-Tech-Standort\u201c werden. Wenn der Flugbetrieb eingestellt ist, soll dort eines der gr\u00f6\u00dften Smart-City-Projekte in Europa entstehen. In dem Forschungs- und Industriepark sollen dann Technologien f\u00fcr die Stadt der Zukunft entwickelt werden: \u201eder effiziente Einsatz von Energie, nachhaltiges Bauen, umweltschonende Mobilit\u00e4t, Recycling, die vernetzte Steuerung von Systemen, sauberes Wasser und der Einsatz neuer Materialien\u201c. Dann soll dort auch das Schumacher-Quartier mit mehr als 5.000 Wohnungen gebaut werden, wo die smarten urbanen Technologien gleich eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4><strong>Was ist eigentlich eine Smart City?<\/strong><\/h4>\n<p>Eine eindeutige Definition von Smart City gibt es nicht, es lassen sich jedoch einige Kernpunkte benennen. Die Smart City ist eine digitalisierte Stadt, in der idealtypisch alles mit allem vernetzt ist: im \u00f6ffentlichen Raum alles, was sich bewegt, vor allem Fahrzeuge und Menschen, aber auch Infrastrukturen wie Schienen, Schilder oder Laternen \u2013 und irgendwann wohl auch W\u00e4nde und Stra\u00dfenbel\u00e4ge. Ebenso die gesamte Kommunikations- und Geb\u00e4udetechnik, auch in \u00f6ffentlichen Einrichtungen, sowie in den privaten Wohnungen die Unterhaltungs- und Haushaltsger\u00e4te. Saugroboter oder \u201cSprachassistenten\u201c wie Alexa sind erst der Anfang von diesem \u201eInternet der Dinge\u201c. Smart City bedeutet Totalvernetzung.<\/p>\n<p>Durch das permanente Abgreifen von endlosen Datenmengen (Big Data) \u2013 auch als Data-Mining oder Datengrabbing bezeichnet \u2013 k\u00f6nnen mit entsprechenden Algorithmen neue \u201eErkenntnisse\u201c produziert werden, die euphemistisch als \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c bezeichnet werden. Jedoch sind es nach wie vor Ger\u00e4te, die rein technische Schlussfolgerungen ziehen, deren Qualit\u00e4t einzig und allein von der Qualit\u00e4t der abgefangenen Daten und der Algorithmen zu deren Verarbeitung abh\u00e4ngt. Zu kreativen Leistungen sind Maschinen nicht f\u00e4hig und k\u00f6nnen es auch nie werden. Insofern kann der Begriff \u201eintelligent\u201c in diesem Zusammenhang als Kampfbegriff der Digitalindustrie verstanden werden, die der Profiteur dieser umfassenden technischen Aufr\u00fcstung ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_951302\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-951302\" class=\"wp-image-951302\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Optimierung_der_Elternschaft.jpg\" alt=\"Smart City: Utopie oder Alptraum?\" width=\"758\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Optimierung_der_Elternschaft.jpg 640w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Optimierung_der_Elternschaft-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><p id=\"caption-attachment-951302\" class=\"wp-caption-text\"><em>\u201eOptimierung der Elternschaft\u201c, Objekt von Addie Wagenknecht (2012) in der Ausstellung \u201eHUMAN+\u201c im Kunsthaus CCCB in Barcelona, 2015. (Foto: Elisabeth Vo\u00df)<\/em><\/p><\/div>\n<figure id=\"attachment_27757\" class=\"wp-caption alignnone\" aria-describedby=\"caption-attachment-27757\"><figcaption id=\"caption-attachment-27757\" class=\"wp-caption-text\"><\/figcaption><\/figure>\n<p>Um immer mehr Lebensbereiche zu digitalisieren, m\u00fcssen st\u00e4ndig neue Ger\u00e4te angeschafft werden \u2013 ob ein solches Wachstum mit sinkendem Ressourcenverbrauch einhergehen kann, scheint \u00e4u\u00dferst fraglich. Hinzu kommt, dass allein f\u00fcr den Datentransfer umfassende technische Infrastrukturen \u2013 riesige Serveranlagen, Kabel und Sendemasten \u2013 wie auch gro\u00dfe Mengen Energie produziert werden m\u00fcssen. Der Berliner Verein Power Shift hat in seiner 2017 erschienenen Brosch\u00fcre \u201eRessourcenfluch 4.0\u201c untersucht, wie die Digitalisierung weltweit Natur und Lebensgrundlagen vieler Menschen zerst\u00f6rt. Besonders t\u00f6dliche Auswirkungen hat das Sch\u00fcrfen sogenannter Konfliktmineralien. Kriegerische Auseinandersetzungen fordern Millionen Tote, beispielsweise im Kongo.<\/p>\n<p>Dass eine total vernetzte Produktion Beitr\u00e4ge zur L\u00f6sung der Rohstofffrage liefern k\u00f6nnte, ist f\u00fcr Power Shift ein Werbetrick, denn \u201egerade in diesem Bereich drohen Industrie 4.0, die Digitalisierung und die neuen Zukunftstechnologien neue und weitere Probleme aufzuwerfen, statt Antworten zu geben. Sie erzeugen neue Rohstoffbedarfe, die nicht \u00fcber Recycling, Kreislaufwirtschaft oder gar einen heimischen Rohstoffabbau gedeckt werden k\u00f6nnen. Stattdessen liegt der Gro\u00dfteil der Abbaulasten auf den Bev\u00f6lkerungen in den rohstoffreichen L\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Keine Smart City ohne 5G<\/strong><\/h4>\n<p>Wenn eine ganze Stadt als Smart City mit \u00dcberwachungs- und Steuerungstechnologien ausger\u00fcstet wird, m\u00fcssen permanent riesige Datenmengen bewegt werden. Daf\u00fcr wurde der neue Mobilfunkstandard 5G \u2013 die f\u00fcnfte Generation von Mobilfunknetzen \u2013 entwickelt.<\/p>\n<p>5G ist insbesondere f\u00fcr das fl\u00e4chendeckende autonome Fahren erforderlich. Ob es ethisch \u00fcberhaupt vertretbar ist, Autos ohne verantwortliche Fahrzeugf\u00fchrung zuzulassen und damit Algorithmen die \u201eEntscheidung\u201c zu \u00fcberantworten, wie in einer Gefahrensituation zu reagieren sei, ist umstritten, trotzdem wird diese Technologie vorangetrieben. Nach ersten Versuchen auf dem Euref-Campus am Sch\u00f6neberger Gasometer und auf dem Gel\u00e4nde der Charit\u00e9 f\u00e4hrt seit Mitte August ein autonomer Bus der BVG zwischen dem U-Bahnhof Alt-Tegel und dem Tegeler See. Bisher f\u00e4hrt noch eine Person zur Kontrolle mit.<\/p>\n<p>In Berlin wurde soeben ein erster 5G-Versuchskorridor von Sch\u00f6neberg bis Mitte fertiggestellt und in Betrieb genommen. An mehr als 20 Standorten hat die Telekom 70 5G-Antennen aufgestellt. Vodafone hat bislang einen 5G-Standort in Berlin, zwei weitere sollen folgen. Nach Auskunft der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft unterst\u00fctzt Berlin \u201eden 5G-Mobilfunkausbau durch die Beseitigung von Ausbauhindernissen, zum Beispiel durch die Umsetzung von effizienteren, digitalen Verfahren zur Zustimmung und Genehmigung. Ebenso unterst\u00fctzt Berlin die entgeltliche Nutzung \u00f6ffentlicher Geb\u00e4ude sowie die Nutzung von Tr\u00e4gerstrukturen im \u00f6ffentlichen Raum, wie Lichtmaste oder Werbeuhren, als Mobilfunkstandorte mit geringer Sendeleistung.\u201c Wirtschaftssenatorin Ramona Pop verk\u00fcndet stolz: \u201eBerlin stellt sich Zukunftsthemen fr\u00fchzeitig. F\u00fcr urbane Mobilit\u00e4tskonzepte, Smart City, innovative Industrieanlagen oder klimafreundliche Verkehrswende ist der Mobilfunkstandard 5G notwendig. Mit der fr\u00fchzeitigen Verf\u00fcgbarkeit von 5G erh\u00f6hen wir die Attraktivit\u00e4t unseres Wirtschaftsstandortes.\u201c<\/p>\n<p>Gegen den Betrieb der neuen 5G-Sendemasten gibt es jedoch erhebliche Bedenken. Harald Schumann und Elisa Simantke legten am 15. Januar 2019 in einem ausf\u00fchrlichen Bericht im \u201eTagesspiegel\u201c dar, dass sie anfangs glaubten, die Angst vor der Strahlenbelastung sei nur Spinnerei und Verfolgungswahn. Dann lasen sie Gebrauchsanleitungen von Handy-Herstellern, die vor m\u00f6glichen \u00dcberschreitungen von Grenzwerten warnten. Sie fanden heraus, dass \u2013 trotz unterschiedlicher wissenschaftlicher Auffassungen \u2013 nur diejenigen in der EU und bei Bundesministerien politisches Geh\u00f6r finden, die die Strahlung f\u00fcr unsch\u00e4dlich halten.<\/p>\n<p>Eine private Forschungsgesellschaft namens \u201eInternational Commission on Non-Ionizing Radiation Protection\u201c (ICNIRP) dominiert die Meinungsbildung. \u201eAber schon bei dessen Adresse beginnt die Verquickung mit der staatlichen Ebene\u201c, schreiben Schumann und Simantke. \u201eDas Sekretariat des Vereins residiert mietfrei direkt im Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz im M\u00fcnchner Vorort Neuherberg. Und die wissenschaftliche Koordination f\u00fcr ICNIRP erledigt praktischerweise die amtliche Leiterin der Abteilung f\u00fcr elektromagnetische Felder, Gunde Ziegelberger. Ihr Vorg\u00e4nger war bis 2016 sogar Vorsitzender des Clubs. Zugleich f\u00f6rdert die Bundesregierung die Wissenschaftler-NGO mit rund 100.000 Euro pro Jahr.\u201c Enge Verquickungen des Vereins stellten sie auch mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und der EU-Kommission fest, und bem\u00e4ngeln, die EU stecke \u201emehr als 700 Millionen Euro in Projekte zur 5G-Entwicklung, aber nicht eines davon dient der Risikoforschung\u201c.<\/p>\n<h4><strong>Eine Stadt mit Augen, Ohren und Sensoren<\/strong><\/h4>\n<p>Das Konzept Smart City erhielt 2018 den Big Brother Award des Vereins Digitalcourage, ein internationaler Schm\u00e4hpreis, den Medien als \u201eOscar f\u00fcr Datenkraken\u201c bezeichnen. \u201eEine \u201aSmart City\u2018 ist die perfekte Verbindung des totalit\u00e4ren \u00dcberwachungsstaates aus George Orwells \u201a1984\u2018 und den normierten, nur scheinbar freien Konsumenten in Aldous Huxleys \u201aSch\u00f6ne Neue Welt\u2018\u201c, erl\u00e4uterte Rena Tangens in ihrer Laudatio. \u201eDer Begriff \u201aSmart City\u2018 ist eine schillernd bunte Wundert\u00fcte \u2013 er verspricht allen das, was sie h\u00f6ren wollen: Innovation und modernes Stadtmarketing, effiziente Verwaltung und B\u00fcrgerbeteiligung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Sicherheit und Bequemlichkeit, f\u00fcr Autos gr\u00fcne Welle und immer einen freien Parkplatz.\u201c<\/p>\n<p>Als warnendes Beispiel beschrieb sie eine smarte Stra\u00dfenlaterne: \u201eDie leuchtet nicht nur, sondern enth\u00e4lt auch gleich Video\u00fcberwachung, Fu\u00dfg\u00e4nger-Erkennung, Kfz-Kennzeichenleser, Umweltsensoren, ein Mikrofon mit Schuss-Detektor und einen Location Beacon zum Erfassen der Position. Stellen wir uns dies noch kombiniert mit WLAN vor, mit dem die Position von Smartphones ermittelt werden kann, Gesichtserkennung und Bewegungsanalyse, dann ist klar: Wenn diese Technik in unsere Stadt kommt, werden wir keinen Schritt mehr unbeobachtet tun.\u201c<\/p>\n<p>Als weiteres Beispiel f\u00fchrt Tangens die niederl\u00e4ndische Stadt Enschede an, wo diejenigen, die ein Smartphone mit aktiviertem WLAN bei sich tragen, mit der eindeutigen MAC-Adresse getrackt werden. F\u00fcr \u201egutes Verhalten \u2013 zu Fu\u00df gehen, Fahrrad fahren, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel nutzen \u2013\u201c d\u00fcrfen sie zur Belohnung einen Tag kostenlos parken. Die Bewegungsprofile bekommt ein privates Unternehmen.<\/p>\n<p>In Berlin hat die Bundespolizei am Bahnhof S\u00fcdkreuz in Sch\u00f6neberg bis Mitte 2018 ein einj\u00e4hriges Pilotprojekt zur Gesichtserkennung mit 300 Freiwilligen durchgef\u00fchrt. In einem zweiten Versuch wird dort nun getestet, wie zuverl\u00e4ssig Software auff\u00e4lliges Verhalten erkennen kann: Liegt jemand am Boden, l\u00e4uft \u00fcber die Gleise, oder stehen auff\u00e4llig viele Menschen zusammen? Die \u00dcberwachung soll bis zum Jahresende dienstags und mittwochs in markierten Bereichen des Bahnhofs mit Schauspielerinnen und Schauspielern ausprobiert werden.<\/p>\n<h4><strong>Smarte Diktatur der Algorithmen?<\/strong><\/h4>\n<p>Mit der Durchdigitalisierung aller Lebensbereiche wird sich alles ver\u00e4ndern, auch die Demokratie. Dank Digitalisierung sollen politische Entscheidungen und deren Grundlagen transparenter werden und bessere Partizipation erm\u00f6glichen, vor allem in der Kommunalpolitik.<\/p>\n<p>Mit dem Digitalisierungs-Hype tauchen viele neue Begriffe auf, wie die \u201ePost-Voting Society\u201c, die durch die Rundum\u00fcberwachung entstehen soll: \u201eDa wir genau wissen, was Leute tun und m\u00f6chten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltensbezogene Daten k\u00f6nnen Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen.\u201c Dieser Satz stammt nicht etwa aus einem Kabarettprogramm, sondern aus der Brosch\u00fcre \u201eSmart City Agenda\u201c, 2017 herausgegeben vom Bundesinstitut f\u00fcr Bau-, Stadt- und Raumforschung und dem Bundesumweltministerium. Die Vision der \u201ePost-Voting Society\u201c geht auf einen Vortrag im Rahmen der \u201eDialogplattform Digitalisierung\u201c des Umweltministeriums zur\u00fcck. Dass diese Zukunftsmusik kritiklos in einer offiziellen Brosch\u00fcre der Bundesregierung unter der \u00dcberschrift \u201eVisionen eines hypervernetzten Planeten\u201c abgedruckt wird, sollte sehr ernst genommen werden.<\/p>\n<h4><strong>Die Appisierung des Alltags<\/strong><\/h4>\n<p>Wer nutzt heute keine Apps \u2013 diese kleinen digitalen Helferlein, die das Leben erleichtern oder sogar \u201edie Welt ein bisschen besser\u201c machen sollen. Oft stehen sie gratis zur Verf\u00fcgung oder sind schon in Smartphone, Smartwatch oder andere Ger\u00e4te eingebaut. Aber sie sind keineswegs umsonst, bezahlt wird mit den eigenen Daten, der W\u00e4hrung des digitalen Zeitalters. So wird nicht nur f\u00fcr Maschinen und Ger\u00e4te in der industriellen Produktion, sondern auch f\u00fcr Menschen ein \u201eDigitaler Zwilling\u201c angelegt, ein detailreiches Datenprofil, das auf Schritt und Tritt dem lebenden Wesen \u00e4hnlicher wird. Damit wird die vermeintliche \u201eIntelligenz\u201c der Algorithmen verbessert \u2013 durch schlichte Erh\u00f6hung der abgegriffenen Datenmengen, an denen sie sich sch\u00e4rfen k\u00f6nnen. Das erleichtert es der Produktwerbung, auf individuelle W\u00fcnsche immer gezielter einzugehen. Medien k\u00f6nnen Inhalte entsprechend den pers\u00f6nlichen Interessen anbieten \u2013 mit dem Risiko der digitalen Echokammern, in denen sich Fake News und Verschw\u00f6rungstheorien gegenseitig verst\u00e4rken. Angeblich soll es sogar m\u00f6glich sein, kriminelle Handlungen zu erkennen, bevor sie begangen werden. Wer den Digitalen Zwilling kennt, ma\u00dft sich an, schon im Voraus zu wissen, was der lebendige Mensch zuk\u00fcnftig tun wird. In den USA und in China wird solch \u201epr\u00e4ventives Profiling\u201c teilweise bereits in der Polizeiarbeit eingesetzt.<\/p>\n<p>Das vielleicht Ersch\u00fctterndste ist, dass der Einsatz solcher Technologien in der Regel keiner Zwangsma\u00dfnahmen bedarf, sondern dass immer mehr Menschen freiwillig den Konzernen und staatlichen Einrichtungen ihre Daten \u00fcberlassen. Damit sind \u00dcberwachung und Manipulation, bis hin zur Repression, T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<h4><strong>Was fehlt<\/strong><\/h4>\n<p>Auf die vielen Facetten von Digitalisierung und Smart City einzugehen ist hier nicht m\u00f6glich. Im Beitrag fehlen vor allem die massiven milit\u00e4rischen und neokolonialen Interessen hinter dieser digitalen Aufr\u00fcstung, ebenso die Digitalisierung und Privatisierung der Bildung, wie sie von Akteuren wie Bertelsmann-Stiftung und Hasso-Plattner-Institut vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>Es fehlen auch die gravierenden Auswirkungen auf die Arbeitswelt und auf das allt\u00e4gliche Miteinander. Themen wie Datenfreiz\u00fcgigkeit als Grundrecht und Menschenrechte f\u00fcr Cyborgs sind Vorboten der Ver\u00e4nderungen von Welt- und Menschenbildern in diesem kulturellen Wandlungsprozess. Erhebliche Auswirkungen gibt es auf Kommunalpolitik und Stadtentwicklung, besonders im Verkehrsbereich.<\/p>\n<p>In Berlin wird das Smart-City-Konzept bereits im \u201eWohnpark Marienfelde\u201c der \u00f6ffentlichen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag umgesetzt. Europaweit wird \u00fcber \u201eSmart Villages\u201c (intelligente D\u00f6rfer) diskutiert.<\/p>\n<p>\u00dcber einige dieser Themen wird der Rabe Ralf in den n\u00e4chsten Ausgaben berichten.<\/p>\n<p><strong><em>Von Elisabeth Vo\u00df aus DER RABE RALF <a href=\"https:\/\/www.grueneliga-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DER-RABE-RALF-Die-Berliner-Umweltzeitung-Oktober-November-2019-GR%C3%9CNE-LIGA-Berlin.pdf\">Oktober\/November 2019<\/a>, Seite 16\/17 und mit freundlicher Erlaubnis der Autorin \u00fcbernommen.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Literatur:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Peter Hensinger, J\u00fcrgen Merks, Werner Meixner: Smart-City- und 5G-Hype. <\/em><em>Kommunalpolitik zwischen Konzerninteressen, Technologiegl\u00e4ubigkeit und \u00f6kologischer Verantwortung, Pad-Verlag, Bergkamen 2019. <a href=\"http:\/\/www.pad-verlag.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.pad-verlag.de<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Das \u00c7apulcu-Redaktionskollektiv ver\u00f6ffentlichte online mehrere Brosch\u00fcren mit radikaler Digitalisierungs-Kritik sowie das Buch \u201eDele_te!\u201c (Unrast Verlag, M\u00fcnster 2019). <\/em><a href=\"https:\/\/capulcu.blackblogs.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>www.capulcu.blackblogs.org<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin w\u00e4chst die Infrastruktur f\u00fcr den neuen Mobilfunkstandard 5G \u2013 und die Kritik. 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