{"id":934490,"date":"2019-10-04T17:25:08","date_gmt":"2019-10-04T16:25:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=934490"},"modified":"2019-10-05T13:08:00","modified_gmt":"2019-10-05T12:08:00","slug":"wissenschaftlich-fragwuerdig-autorengruppe-empfiehlt-fortsetzung-des-fleischkonsums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/10\/wissenschaftlich-fragwuerdig-autorengruppe-empfiehlt-fortsetzung-des-fleischkonsums\/","title":{"rendered":"Wissenschaftlich fragw\u00fcrdig: Autorengruppe empfiehlt Fortsetzung des Fleischkonsums"},"content":{"rendered":"<h4>Medienberichte \u00fcber eine zweifelhafte Studie &#8211; Zahlreiche Medien berichten dieser Tage \u00fcber eine <a href=\"https:\/\/annals.org\/aim\/fullarticle\/2752328\/[XSLTImagePath]\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a>, die scheinbar zeigt, dass wir aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden doch unseren Fleischkonsum nicht reduzieren m\u00fcssen.<\/h4>\n<p><strong><em>Eine Analyse von Dr. Guido F. Gebauer<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Spiegel Online<\/em> titelt <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/ernaehrung\/ernaehrung-esst-doch-weiter-fleisch-a-1289368.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Esst ruhig weiter Fleisch!&#8220;<\/a>. <em>Die Zeit<\/em> meint <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/gesundheit\/2019-09\/gesunde-ernaehrung-rotes-fleisch-fleischkonsum-gesundheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Forscher sehen keinen Grund, auf rotes Fleisch zu verzichten&#8220;<\/a>. <em>Der Tagesspiegel<\/em> schreibt <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/gesundheitliche-effekte-gering-ist-rotes-fleisch-jetzt-doch-nicht-so-ungesund\/25071292.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Ist rotes Fleisch jetzt doch nicht so ungesund?&#8220;<\/a>. International gibt es \u00e4hnliche Schlagzeilen, von der <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/10\/01\/upshot\/health-risks-meat-experts.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">New York Times<\/a> bis zum <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/food\/2019\/sep\/30\/research-red-meat-poses-no-health-risk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Guardian<\/a>.<\/p>\n<p>Nun habe ich mir den <a href=\"https:\/\/annals.org\/aim\/fullarticle\/2752328\/[XSLTImagePath]\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Originalartikel<\/a> angeschaut und bin verbl\u00fcfft \u00fcber das Ausma\u00df an Subjektivit\u00e4t und Auslassungen in der Studie:<\/p>\n<ul>\n<li>in aller K\u00fcrze zusammengefasst, haben die Autoren ihr Design so angelegt, dass sie m\u00f6gliche positive Auswirkungen von Fleischreduktion massiv untersch\u00e4tzen mussten.<\/li>\n<li>auf dieser Basis hat dann ein uneiniger Panel seine Empfehlungen abgeleitet, wobei nur die Mehrheitsposition berichtet wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was ist geschehen?<\/p>\n<h3>Ausgangslage der Studie<\/h3>\n<h4>Die Studie hat zwei Hauptprobleme und zahlreiche weitere Schw\u00e4chen:<\/h4>\n<ul>\n<li>die Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Fleischverzicht (vegetarisch) oder von Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel (vegan) nicht untersucht. Sie k\u00f6nnen hierzu daher auch keine Aussage machen. Die Wissenschaftler haben sich vielmehr ausschlie\u00dflich auf eine Reduktion des Fleischkonsums um drei Mahlzeiten pro Woche konzentriert. St\u00e4rkere Reduktionen haben sie komplett aus ihren Berechnungen, die die Grundlage f\u00fcr ihre Empfehlung sind, ausgeschlossen. Die Autoren haben sich dazu entschieden, eine sehr umfangreiche Studienlage f\u00fcr ihre Bewertungen zu ignorieren, die zeigt, dass kompletter Fleischverzicht und insbesondere der Verzicht auf alle tierischen Produkte (vegan) die Gesundheit in hohem Ausma\u00df positiv beeinflusst. Entgegen der Berichte in den Medien k\u00f6nnen die Autoren Fleisch gar nicht freisprechen, weil sie Fleischverzicht gar nicht untersucht haben. Diese Sachlage geht in der \u00f6ffentlichen Diskussion unter und f\u00fchrt zu Bewertungs-Verzerrungen. Den Autoren muss der Vorwurf gemacht werden, diese Medienberichterstattung durch eigene Formulierungen mit erzeugt zu haben.<\/li>\n<li>es handelt sich um eine Studie, in der ein Panel aus Experten demokratisch abgestimmt hat, welche Schl\u00fcsse und Empfehlungen gezogen werden sollen. Es geht hier nicht nur oder vorwiegend um Fakten, sondern vor allem um Bewertungen und Meinungen. In der Medienberichterstattung geht zudem unter, dass sich die Mitglieder des Panels tats\u00e4chlich nicht einig war. Die Medien berichten nur die Mehrheitsmeinung, lassen aber die Minderheitsmeinung des gleichen Panels unerw\u00e4hnt. Tats\u00e4chlich hat eine substantielle Minderheit der Experten von \u00fcber 20 % (3 von 14) f\u00fcr eine Empfehlung f\u00fcr Fleischreduktion abgestimmt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Leserinnen und Lesern der zahlreichen Medienartikel bleiben beide Aspekte leider unbekannt. Sie k\u00f6nnen sie nur dann erfahren, wenn sie die Studie der Autoren im Original selbst lesen. Nur tut dies fast niemand.<\/p>\n<p>An dieser Stelle muss aber nicht nur den Medien, sondern auch den Autoren der Studie vorgeworfen werden, diese unvollst\u00e4ndige Rezeption ihrer Studie gef\u00f6rdert zu haben. Sie haben offenbar alles getan, um eine maximale Medienwirkung zu erzielen.<\/p>\n<p>Selbst der Artikel ist unvollst\u00e4ndig. Im Artikel werden beispielsweise die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Uneinigkeit unter den Panel-Mitgliedern nicht genannt. Ausschlie\u00dflich die Mehrheitsempfehlung wird ausf\u00fchrlich dargestellt und begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die Meinungsfindung ist nicht dokumentiert und daher nicht nachvollziehbar. Es wird nicht einmal mitgeteilt, welches Panel-Mitglied zu welcher Meinung gelangt ist. M\u00f6gliche individuelle Interessenkollisionen verschlie\u00dfen sich so f\u00fcr die Leserinnen und Leser.<\/p>\n<p>Dies alles macht die f\u00fcr wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen eher untypische hohe Subjektivit\u00e4t der ganzen Angelegenheit noch einmal deutlich und stellt ein Fragezeichen hinter die gesamte Studie und die Empfehlungen.<\/p>\n<h3>Warum muss auch kompletter Fleischverzicht untersucht werden?<\/h3>\n<h4>Ein Gedankenexperiment:<\/h4>\n<ul>\n<li>nehmen wir an, Menschen reduzieren ihren Zigarettenkonsum um 5 Zigaretten pro Tag. Die dadurch erreichte Reduktion von Krebserkrankungen und anderen negativen Folgen des Rauchens wird h\u00f6chstens moderat ausfallen.<\/li>\n<li>Darf man daraus schlie\u00dfen &#8222;Rauchen sei wissenschaftlich freigesprochen&#8220; und sollte man derartige Schl\u00fcsse als Wissenschaftler verbreiten?<\/li>\n<li>nat\u00fcrlich nicht &#8211; denn die Situation stellt sich anders dar, wenn zus\u00e4tzlich untersucht wird, was eine komplette Beendigung des Rauchens bringt: in diesem Fall zeigt sich ein starker Effekt.<\/li>\n<li>die korrekten Empfehlungen w\u00e4re also nicht, das Rauchen fortzusetzen, sondern mit dem Rauchen ganz aufzuh\u00f6ren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So wie bei der Raucherstudie der Vergleichsma\u00dfstab zum Nichtrauchen vorhanden sein muss, so ben\u00f6tigt auch eine Studie zu Fleischkonsum und Fleischreduktion unbedingt den kompletten Fleischverzicht als Vergleichsma\u00dfstab. Fehlt dieser Ma\u00dfstab, werden alle Schl\u00fcsse verzerrt, und zwar genau wie dem Raucherbeispiel.<\/p>\n<ul>\n<li>nur die Ber\u00fccksichtigung des Vergleichsma\u00dfstabs &#8222;kein Fleischkonsum&#8220; erlaubt eine Aussage dar\u00fcber, wie stark die negativen Folgen des Fleischkonsums oder die positiven Folgen des Fleischverzichts sind<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass die Autoren Fleischverzicht nicht untersuchten, gibt R\u00e4tsel auf. Dies ist sogar umso unverst\u00e4ndlicher, als dass ein Einbezug von komplettem Fleischverzicht den Aufwand der Studie nur geringf\u00fcgig erh\u00f6ht h\u00e4tte.<\/p>\n<h3>Was w\u00e4re gewesen, wenn&#8230;<\/h3>\n<p>H\u00e4tten die Autoren kompletten Fleischverzicht ber\u00fccksichtigt, h\u00e4tten sie nach ihren eigenen Daten sehr viel st\u00e4rkere Effekte f\u00fcr Fleischreduktion festgestellt und berichten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Medien w\u00fcrden nicht berichten, Fleisch sei freigesprochen, sondern sie w\u00fcrden berichten, dass moderater Fleischverzicht nicht gen\u00fcgt, sondern dass erst Fleischverzicht einen stark positiven Einfluss auf die Gesundheit aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>H\u00e4tten die Autoren also die eigentlich aus wissenschaftlichen und ethischen Gr\u00fcnde gebotene vollst\u00e4ndige Auswertung vorgenommen, w\u00e4re die aktuelle Empfehlung der Panelmehrheit obsolet gewesen.<\/p>\n<h3>Ist Fleischverzicht unrealistisch?<\/h3>\n<p>Einziges Argument der Autoren f\u00fcr ihre selektive Betrachtung ist, dass kompletter Fleischverzicht unrealistisch sei. Ganz so unrealistisch ist Fleischverzicht aber nicht. Immerhin gibt es je nach Land und Erhebungsmethoden zwischen 6- 30 % Vegetariern, wobei Indien mit 30 % der Spitzenreiter ist. Die Zahl der Veganer steigt ebenfalls in den westlichen Industriel\u00e4ndern stark an, in Gro\u00dfbritannien hat sie sich <a href=\"https:\/\/www.vegan.eu\/england-mehr-veganer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">seit 10 Jahren verf\u00fcnffacht<\/a>.<\/p>\n<p>Nun berufen sich die Autoren allerdings ebenfalls auf von ihnen ausgewertete Studien zur Bereitschaft zum Fleischverzicht. Mit den eigentlichen Gesundheitseffekten haben diese Studien freilich nichts zu tun. Was aber zeigen diese Studien?<\/p>\n<ul>\n<li>Die Autoren meinen aus den Studien lesen zu k\u00f6nnen, dass die Bereitschaft der Menschen eher gering sei. Dies nehmen sie als Rechtfertigung ihrer eingegrenzten Analyse.<br \/>\nDie Autoren zitieren aber keine einzige Studie, die zeigen w\u00fcrde, dass die Reduktion von Fleisch um drei Mahlzeiten pro Woche die realistischste Reduktion sein w\u00fcrde. Es geht also hierbei nicht um Wissenschaft, sondern um eine Bauchentscheidung. Das eigene Bauchgef\u00fchl der Forscher ist jedoch keine wissenschaftlich legitime Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Ausschluss des kompletten Fleischverzichtes aus den eigenen Kalkulationen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die selektive Analyse der Autoren wird umso absurder in einer Situation, in der alle Welt \u00fcber vegan und Klima diskutiert.<\/p>\n<p>Zudem ber\u00fccksichtigen die Autoren den psychologisch-soziologischen Sachverhalt nicht, dass sich Einstellungen und Handlungsbereitschaften schnell \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber es geht sogar noch weiter:<\/p>\n<ul>\n<li>die Einsch\u00e4tzung der Autoren, dass die Menschen nicht verzichten wollen, ist nach den Darlegungen der Autoren auf eine letztlich nicht pr\u00e4zise beschreibbare und nicht quantifizierbare Art und Weise sogar in die Empfehlungen der Mehrheit eingegangen, den Fleischkonsum ohne Reduktion fortzusetzen. Ebenso k\u00f6nnte man Menschen raten, doch einfach weiter zu rauchen, da sie ja nicht verzichten wollten. Selbst wenn dies im Einzelfall tats\u00e4chlich im Sinne von Resignation durchaus so gesehen werden mag, w\u00e4re eine allgemeine derartige Empfehlung verantwortungslos. Gleiches gilt f\u00fcr die Empfehlung der Panel-Mehrheit, den Fleischkonsum fortzusetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Studie f\u00e4llt durch die nicht sinnvolle Verkn\u00fcpfung einer sehr subjektiv wirkenden Herangehensweise mit objektiven Sachverhalten auf. Dies reduziert die G\u00fcltigkeit der Schlussfolgerungen der Autoren erheblich.<\/p>\n<h3>Laienpsychologische Annahmen<\/h3>\n<p>Die Autoren und Panelmitglieder waren \u00fcbrigens ausnahmslos keine Psychologen. Sie gehen aber von laienpsychologischen Annahmen aus, indem sie glauben, dass eine moderate Reduktion eines Konsumverhaltens grunds\u00e4tzlich leichter und daher realistischer sei als ein kompletter Verzicht. Sie referenzieren hierzu keinerlei Forschungsliteratur, sondern verlassen sich erneut auf nichts weiter als ihr Bauchgef\u00fchl.<\/p>\n<h4>Psychologisch ist diese Annahme unrichtig:<\/h4>\n<ul>\n<li>gerade bei Gewohnheits- und Suchtverhalten kann der komplette Verzicht leichter als die reine Reduktion sein. Denn die Reduktion konfrontiert uns immer wieder mit den ausl\u00f6senden Reizen, die unseren Appetit auf den Konsum wieder wachrufen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies gilt f\u00fcr Alkohol und Rauchen, es gilt aber eben auch f\u00fcr das, was wir essen:<\/p>\n<ul>\n<li>so kann es Menschen durchaus schwerer fallen, nur ein halbes St\u00fcck Kuchen zu essen, als gar kein St\u00fcck Kuchen zu essen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir k\u00f6nnen reduzieren oder einen Konsum komplett einstellen. Es gibt hier sicherlich individuelle Unterschiede, die Annahme der Autoren, dass Reduktion grunds\u00e4tzlich realistischer sei als komplette Beendigung eines Konsums ist aber unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<h3>Empfehlungen erzeugen Stimmungen<\/h3>\n<p>Die Autoren glauben, Menschen w\u00fcrden nicht auf Fleisch verzichten wollen. Sie \u00fcbersehen dabei die Ver\u00e4nderlichkeit von gesellschaftlichen Einstellungen und Verhaltensweisen, die m\u00f6glichen Auswirkungen der aktuellen Klimadiskussion, die zunehmende Verf\u00fcgbarkeit von Fleischalternativen.<\/p>\n<p>Zudem erzeugen die Autoren selbst Stimmungen, die den gesellschaftlichen Fleischverzicht erschweren k\u00f6nnen. Indem sie Verzicht f\u00fcr unrealistisch halten, die Auswirkungen des Verzichts daher selektiv ausblenden und im Ergebnis h\u00f6chst subjektive fleischfreundliche Ergebnissse \u00f6ffentlichkeitswirksam publizieren, begehen die Autoren der Studie nicht nur einen Zirkelschluss, sondern halten die Bev\u00f6lkerung effektiv davon ab, ihren Fleischkonsum zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<h4>Wieso diese hochgradig selektive Betrachtung?<\/h4>\n<h4>Es stellen sich eine Reihe von Fragen:<\/h4>\n<ul>\n<li>warum haben sie sich ausschlie\u00dflich auf eine Reduktion um drei Mahlzeiten in der Woche versteift, obwohl doch absehbar war, dass sie damit nat\u00fcrlich h\u00f6chstens moderate Effekte finden k\u00f6nnen?<\/li>\n<li>warum haben die Autoren nicht einfach das Folgerichtige getan und auch die Auswirkungen von komplettem Fleischverzicht berechnet, die Ergebnisse dargestellt und ihren Empfehlungen zugrunde gelegt?<\/li>\n<li>wollten die Autoren \u00fcberhaupt bestehende positive Effekte von Fleischreduktion finden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>An dieser Stelle muss ich es auch als Psychologie deutlich sagen:<\/p>\n<ul>\n<li>es entsteht der Eindruck, dass die Autoren das unanspruchsvolle Kriterium &#8222;drei Mahlzeiten mit Fleisch weniger&#8220; gerade deshalb w\u00e4hlten, weil bei diesem Kriterium die Effekte gering sind<\/li>\n<li>h\u00e4tten die Autoren zus\u00e4tzlich die Auswirkungen von kompletten Fleischverzicht mit berechnet, h\u00e4tten sie sehr viel st\u00e4rkere Effekte festgestellt. In diesem Fall h\u00e4tten sie nicht zu weiterem Konsum auffordern k\u00f6nnen, sondern h\u00e4tten wohl eine andere Empfehlung geben m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach meiner \u00dcberzeugung haben die Autoren bewusst einen Untersuchungsausschnitt gew\u00e4hlt, der zu einer positiven Empfehlung f\u00fcr Fleisch f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die viel st\u00e4rkeren Effekte von Fleischverzicht und veganem Leben passten nicht zu ihren Empfehlungen und vermutlich ist dies der Grund, warum sie sie sich nicht angeschaut haben.<\/p>\n<ul>\n<li>Es wurde keine Daten gef\u00e4lscht. Der Vorwurf, der den Autoren aber gemacht werden muss, lautet, dass sie Daten selektiv betrachtet haben, offensichtlich um in der gesellschaftlichen Diskussion eine Pro-Fleischposition zu verankern. Wie sonst w\u00e4re die h\u00f6chst selektive Datenbetrachtung zu erkl\u00e4ren?<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Einseitige Bewertung der gefundenen Effekte<\/h3>\n<p>Die Autoren haben nach meinem Eindruck alles im Vorfeld getan, um m\u00f6glichst keine positiven Effekte von Fleischreduktion zu finden.<\/p>\n<p>Die Autoren bleiben dabei aber nicht stehen. Sie diskutieren zudem selbst die von ihnen f\u00fcr ihr eigenes Kriterium &#8222;drei Mahlzeiten weniger&#8220; gefundenen Effekte in nach meiner Einsch\u00e4tzung bemerkenswerter Subjektivit\u00e4t weg:<\/p>\n<p>Die Studie zeigt, dass Fleischkonsum in einer statistischen hochsignifikanten Dosis-Wirkungs-Beziehung mit Tod aufgrund von Krebs, Herzerkrankungen und au\u00dferdem mit der H\u00e4ufigkeit von Diabeteserkrankungen steht.<\/p>\n<p>Diese festgestellte Beziehung nutzten die Wissenschaftler, um die Auswirkungen einer Fleischreduktion um drei Mahlzeiten pro Woche zu berechnen.<\/p>\n<p>Wie dargestellt haben sie aus wissenschaftlich unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden darauf verzichtet, den Effekt von Null Fleisch zu untersuchen.<\/p>\n<p>Trotz dieser Methodik, die es stark erschwert, tats\u00e4chlich bestehende positive Auswirkungen von Fleischverzicht zu finden, zeigen die Ergebnisse, dass auch nach diesen Berechnungen Fleischreduktion statistisch mit verbesserter Gesundheit einhergeht:<\/p>\n<ul>\n<li>nach den Kalkulationen der Autoren zeigt sich in den Daten, dass bei Reduktion des Fleischkonsums um drei Mahlzeiten in der Woche signifikant weniger Menschen an Krebs oder Herzerkrankungen sterben w\u00fcrden und es auch weniger Diabetesf\u00e4lle g\u00e4be.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesen Befund, den sie selbst errechnet haben, erkl\u00e4ren die Autoren dann aber in au\u00dfergew\u00f6hnlichen Wendung f\u00fcr irrelevant.<\/p>\n<p>Die Anzahl derjenigen Menschen sei zu gering, die wegen der Fleischreduktion nicht an Krebs oder Herzerkrankungen sterben oder an Diabetes erkranken w\u00fcrden.<\/p>\n<h4>Hier liegen die Autoren fehl:<\/h4>\n<p>Sie verkennen, dass bei t\u00f6dlichen und \u00fcberhaupt bei schweren Erkrankungen nicht nur Leid \u00fcber die direkt Betroffenen, sondern auch \u00fcber zahlreiche Angeh\u00f6rige und Freunde gebracht wird.<\/p>\n<p>Als 13-J\u00e4hriger mit einer an Krebs erkrankten alleinerziehenden Mutter habe ich daran auch pers\u00f6nlich noch sehr plastische Erinnerungen. Jedes Menschenleben z\u00e4hlt und ebenso die Vermeidung von Leid und Belastung f\u00fcr Angeh\u00f6rige.<\/p>\n<h3>Zu den reinen Zahlen:<\/h3>\n<ul>\n<li>die Autoren f\u00fchren aus, dass bei Reduktion um drei Fleischmahlzeiten pro Woche bez\u00fcglich roten Fleisches im Durchschnitt nach ihren Befunden 17 von 1000 Personen weniger an Krebs oder Herzerkrankungen versterben oder an Diabetes erkranken k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>mit Bezug auf verarbeitetes Fleisch gelangen die Panelmitglieder zum Schluss, dass sogar 24 von 1000 Personen in diesem Sinne profitieren k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>nimmt man an, dass 5\u201310 Personen pro Erkrankungsfall mitbetroffen sind (Partner, Eltern, Kinder, Freunde etc.), w\u00fcrden sich also positive Effekte auf 8,5 % bis 24 % der Bev\u00f6lkerung ergeben k\u00f6nnen. Dies sind keineswegs triviale Effekt.<\/li>\n<li>aber selbst wenn wir die reinen Zahlen der direkt Betroffenen zugrundelegen, ginge es allein in Deutschland um immerhin zwischen 136000 bis 192000 Menschen, die wom\u00f6glich nicht an Krebs oder Herzerkrankungen sterben oder an Diabetes erkranken w\u00fcrden. Hinter diesen Zahlen verbergen sich einzelne Menschen, die nicht unter den Tisch fallen sollten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei weitem gr\u00f6\u00dfer w\u00e4re, wie mehrfach dargestellt, die Anzahl derjenigen, die von Fleischreduktion gesundheitlich profitieren k\u00f6nnte, wenn die Autoren als zus\u00e4tzlichen Vergleichsma\u00dfstab &#8211; wie es wissenschaftlich und ethisch zu fordern gewesen w\u00e4re &#8211; auch Null-Fleischkonsum mit zugrunde gelegt h\u00e4tten.<\/p>\n<h3>Ignorieren weiterer Gesundheitseffekte<\/h3>\n<p>Aber die Autoren machen einen weiteren Fehler, indem sie allgemeine Gesundheitsempfehlungen (<em>&#8222;esst weiter Fleisch wie bisher&#8220;<\/em>) aus einer Untersuchung ableiten, die \u00fcberhaupt nur einen Teilausschnitt relevanter gesundheitlicher Auswirkungen von Fleischreduktion betrachtet hat:<\/p>\n<ul>\n<li>ausschlie\u00dflich Todesf\u00e4lle aufgrund von Krebs- und Herzerkrankungen, sowie Diabetes-F\u00e4lle gehen in die Studie ein.<\/li>\n<li>Sachlage ist aber, dass f\u00fcr zahlreiche weitere Erkrankungen g\u00fcnstige Ergebnisse f\u00fcr Fleischverzicht berichtet werden. Diese wurden von den Autoren gar nicht erst untersucht und deshalb geben sie auch keine Zahlen bekannt. Dies hinderte die Autoren aber nicht daran, zu einer allgemeinen fleischfreundlichen Empfehlung zu gelangen.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Hierbei ist auch Folgendes zu ber\u00fccksichtigen:<\/h4>\n<ul>\n<li>selbst wenn ein Faktor jeweils nur einen kleinen Einfluss auf eine spezifische Erkrankung hat, daf\u00fcr aber viele Erkrankungen positiv beeinflusst, kann sich ein gro\u00dfer Gesamteffekt ergeben. Indem die Autoren andere m\u00f6gliche Auswirkungen zwar durchaus im Artikel kurz benennen, aber aus ihren Empfehlungen ausblenden, handeln die an der Studie beteiligten Autoren tendenzi\u00f6s &#8211; und zwar in \u00e4hnlicher Art und Weise, wie jahrzehntelang Wissenschaftler ebenfalls die Gefahren des Rauchens verharmlosten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Autoren sprechen per Mehrheitsbeschluss eine allgemeine Empfehlung unter dem Gesamtbegriff der &#8222;Gesundheit&#8220; aus, obwohl sie zahlreiche gesundheitliche Faktoren ignorierten. Gerade bei einer Makrostudie wie dieser w\u00e4re ein vollst\u00e4ndiger Ansatz zu erwarten und sogar erforderlich gewesen, wenn allgemeine Empfehlungen abgeleitet werden sollen.<\/p>\n<h3>Kausalwirkung wird angezweifelt<\/h3>\n<p>Mittlerweile hat selbst die WHO Fleisch als karzinogen eingestuft. Aber die Autoren zweifeln sogar eine jede Kausalwirkung von Fleischreduktion auf die Verbesserung der Gesundheit an.<\/p>\n<p>Dies tun sie mit einem \u00fcberaus zweifelhaften Argument:<\/p>\n<ul>\n<li>weil komplette Ern\u00e4hrungs-Schemata (Di\u00e4tformen, z.B. mediterrane Ern\u00e4hrung) einen gr\u00f6\u00dferen Effekt als die Fleischreduktion in den Daten h\u00e4tten, sei es unwahrscheinlich, dass Fleisch der kausale Faktor sei.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es sei hier einmal w\u00f6rtlich aus dem Artikel zitiert:<\/p>\n<ul>\n<li><em>We hypothesized that if red meat and processed meat were indeed causally related to adverse health outcomes, we would find stronger associations in studies that specifically addressed red meat and processed meat intake versus studies addressing dietary patterns.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesen Zweifel stehen bereits den Analysen in den untersuchten Einzelstudien entgegen, die oftmals zahlreiche andere Faktoren bereits kontrollierten.<\/p>\n<p>Vor allem aber vergleichen die Autoren hier \u00c4pfel mit Birnen nach dem Motto: &#8222;<em>weil \u00c4pfel ges\u00fcnder sind als Erbsen, k\u00f6nnen Erbsen nicht gesund sein<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Dabei haben sich die Autoren nicht einmal die M\u00fche gemacht, gegebenenfalls die Effekte von Fleischreduktion und Di\u00e4t-Schema zu separieren. Viele Di\u00e4t-Schemata gehen mit einer deutlichen Fleischreduktion einher und zus\u00e4tzlich werden als gesund geltende Lebensmittel pr\u00e4feriert (z. B. Oliven\u00f6l).<\/p>\n<p>Warum sollte es da erstaunlich sein, dass solche komplexen Muster st\u00e4rkere Effekte erzielen als isolierte Fleischreduktionsstudien?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde das Gegenteil erwarten!<\/p>\n<p>Die entsprechende Vermutung der Autoren wird nicht \u00fcberzeugend begr\u00fcndet. Das Vorgehen der Autoren ist so am Ende komplett zirkul\u00e4r:<\/p>\n<ul>\n<li>Sie formulieren eine Hypothese und verwenden diese dann gleichzeitig als Beweis f\u00fcr etwas anderes , anstatt zun\u00e4chst ihre Hypothese wissenschaftlich zu untermauern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gravierend ist aber auch erneut, was die Autoren hier in ihrer Bewertung auslassen:<\/p>\n<ul>\n<li>in Studien, in denen das vegane Schema untersucht wurde, schneidet dies im Regelfall am besten ab. So weisen Veganer &#8211; und nicht Vegetarier &#8211; nach einer <a href=\"https:\/\/www.vegan.eu\/vegan-krebs-sterblichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gro\u00dfen Studie<\/a> eine reduzierte Krebsh\u00e4ufigkeit auf und leben l\u00e4nger<\/li>\n<li>eine vor Kurzem in den <em>Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America<\/em> <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2016\/03\/16\/1523119113\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ver\u00f6ffentlichten Studie<\/a> gelangt zu der Schlussfolgerung, dass eine vegane Ern\u00e4hrung bis zum Jahr 2050 j\u00e4hrlich 8 Millionen Menschenleben retten k\u00f6nnte.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Zusammensetzung des Panels<\/h3>\n<p>Auch zur Zusammensetzung des Panels und den Zielsetzungen sind einige kritische Anmerkungen notwendig:<\/p>\n<p>Unter den 14 Panelmitgliedern ist keine einzige sich vegetarisch oder vegan ern\u00e4hrende Person. Die Autoren teilen dies in einer Tabelle zu Interessenkollisionen mit. Gerade unter Ern\u00e4hrungswissenschaftler gibt es aber besonders viele sich vegetarisch oder vegan ern\u00e4hrende Personen.<\/p>\n<p>Das Panel war international zusammengesetzt, es ist erstaunlich, dass keine einzige vegetarisch oder vegan lebende Person in den Panel eingeladen wurde. Gerade weil es sich nicht nur um Fakten, sondern hochgradig subjektive Bewertungen handelt, w\u00e4re eine repr\u00e4sentativere Zusammensetzung des Panels \u00fcberzeugender gewesen.<\/p>\n<h4>Letztendlich stellt sich die Situation so dar:<\/h4>\n<ul>\n<li>eine Gruppe von 14 fleischessenden Wissenschaftlern hat einen echten Fleischverzicht von Anfang an f\u00fcr unrealistisch erkl\u00e4rt<\/li>\n<li>alle 14 Fleischesser haben sich daher entschieden, die Auswirkungen von Fleischverzicht aus ihren Kalkulationen, Interpretationen und Empfehlungen zu entfernen<\/li>\n<li>trotzdem stellten diese Wissenschaftler in den reinen Daten fest, dass selbst eine moderate Fleischreduktion statistisch mit signifikant positiven Auswirkungen auf die Gesundheit verbunden ist<\/li>\n<li>im Anschluss hat der Panel per Mehrheitsbeschluss beschlossen, dass dieser positive Effekt irrelevant sei und jeder so weiter Fleisch essen solle, wie er wolle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Seither wird in den Medien berichtet, Fleisch sei freigesprochen. Aber wer hat diesen Freispruch get\u00e4tigt und welches Vertrauen kann in die Freisprechenden gesetzt werden?<\/p>\n<h3>Klimadiskussion f\u00fcr die Autoren ohne Belang<\/h3>\n<p>Die Autoren gestehen ohne Umschweife ein, dass sie sich nicht mit den Auswirkungen von Fleischkonsum auf das Klima und die Umwelt im Allgemeinen befasst haben.<\/p>\n<ul>\n<li><em>J. Poore und T. Nemecek sind zwei Wissenschaftler an der Universit\u00e4t Oxford, die soeben im Wissenschaftsjournal Science die <a href=\"http:\/\/science.sciencemag.org\/content\/360\/6392\/987\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ergebnisse einer Megastudie<\/a> zu den Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt ver\u00f6ffentlicht haben. Es handelt sich um die bisher umfangreichste Studie zu diesem Thema, die zudem in einem Magazin ver\u00f6ffentlicht wurde, welches zusammen mit dem Magazin Nature als das renommierteste Wissenschafts-Magazin in der Welt gilt. Entsprechend streng sind die \u00dcberpr\u00fcfungen bis ein Artikel in diesem Magazin ver\u00f6ffentlicht wird. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die vegane Ern\u00e4hrung die umweltfreundlichste m\u00f6gliche Ern\u00e4hrungsform ist.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Obwohl eine gro\u00dfe Anzahl weiterer Studien die katastrophalen Auswirkungen von Fleisch und Nutztierhaltung auf Klima und Umwelt belegen, geben die Autoren eine weltweit publizierte Empfehlung, den Fleischkonsum einfach fortzusetzen.<\/p>\n<p>In Anbetracht der Klimakrise und der zahlreichen vorliegenden Studien hierzu ist dies f\u00fcr einen Review, der Empfehlungen zum Fleischkonsum gibt, eine nicht vertretbare Auslassung. L\u00e4ngst werden die Auswirkungen auf das Klima beispielsweise in den bei weitem fleischkritischeren <a href=\"https:\/\/www.vegan.eu\/vegan-stellungnahme-academy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Empfehlungen der Academy of Nutrition and Diatetics<\/a>, der weltweit gr\u00f6\u00dften ern\u00e4hrungswissenschaftlichen Vereinigung, ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Der aktuelle Review ist insofern in allen Aspekten ein konservativer R\u00fcckfall, der in Zeiten der Klimakrise wissenschaftlich und ethisch inakzeptabel ist.<\/p>\n<p>Im Ergebnis gibt die Mehrheit der Panelmitglieder eine Empfehlung, deren Umsetzung dazu geeignet w\u00e4re, unser Klima und aller \u00dcberleben, aber auch die aktuelle und k\u00fcnftige Gesundheit der Menschen zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<h3>Res\u00fcmee<\/h3>\n<p>Weltweit werden derzeit in den Medien Empfehlungen aus einem Artikel zitiert, der zu der Empfehlung gelangte, wir br\u00e4uchten unseren Fleischkonsum nicht reduzieren.<\/p>\n<p>Letztlich handelt es sich um eine tendenzi\u00f6se Studie, die die Studienlage selektiv so ausw\u00e4hlte, dass m\u00f6glichst ein h\u00f6chstens geringer positiver Effekt von Fleischkonsum gefunden werden kann.<\/p>\n<p>Die Fokussierung auf eine nur moderate Reduktion des Fleischkonsums im Artikel und der Ausschluss des kompletten Verzichts aus der Betrachtung haben die Befundlage unangemessen ver\u00e4ndert. Aber auch der Ausschluss zahlreicher m\u00f6glicher Erkrankungen aus den Analysen und die Nicht-Betrachtung von Klimaauswirkungen haben die Befunde und Schlussfolgerungen verzerrt.<\/p>\n<p>Trotzdem zeigen die Daten der Autoren positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Fleischreduktion. Ein gespaltener Panel hat dann aber mehrheitlich entschieden, die sichtbar werdenden positiven Effekte wegzudiskutieren und in ihren Empfehlungen unter den Tisch fallen zu lassen. Gr\u00fcnde f\u00fcr die andere Entscheidung der Minderheitsfraktion werden nicht benannt und trotz Uneinigkeit wird eine allgemeine Empfehlung gegeben.<\/p>\n<p>Die Autoren operieren mit zu bemerkenswert subjektiven und sogar pseudopsychologischen Annahmen, die ihnen den Blick auf eine objektive und sachgerechte Analyse offenbar verstellten. So gehen die Autoren davon aus, dass Fleischverzicht unrealistisch sei, was sich aus nicht viel mehr als ihrem eigenen Bauchgef\u00fchl ergibt und psychologischen Erkenntnissen widerspricht, dass manchmal der komplette Verzicht auf etwas einfacher sein kann als die Reduktion des Konsums.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit st\u00e4rkt der Artikel die vegane Position, dass es nicht nur um moderate Fleischreduktion gehen kann, sondern um kompletten Fleischverzicht gehen muss. Nur leider nehmen die Autoren dieses sich gerade aufzwingende Ergebnis ihres Artikels nicht zu Kenntnis. Die Medien wiederum st\u00fctzen sich allein auf die Zusammenfassung der Autoren und folgen damit einer Autorengruppe, deren Absicht es zu sein scheint, eine Pro-Fleisch-Position in der Gesellschaft zu verteidigen.<\/p>\n<p>In der Gesamtbetrachtung sind die Schlussfolgerungen und Empfehlungen der Autoren fehlgeleitet. Es handelt sich hier nicht um Wissenschaft, sondern um Meinungsmache. Diese Meinungsmache zeigt leider Wirkung, weil Medien die nicht tragf\u00e4higen Empfehlungen der Panel-Mehrheit unkritisch als wissenschaftliches Ergebnis rezipieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-934670\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Guido-Gebauer.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><em>Guido F. Gebauer studierte Psychologie an den Universit\u00e4ten Trier, Humboldt Universit\u00e4t zu Berlin und Cambridge (Gro\u00dfbritannien). Promotion an der Universit\u00e4t Cambridge zu den Zusammenh\u00e4ngen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, T\u00e4tigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-j\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Gerichtsgutachter. Gr\u00fcndung der psychologischen Kennenlern-Plattform Gleichklang 2006. Gebauer lebt und arbeitet in Kambodscha. F\u00fcr vegan.eu schreibt er aus \u00dcberzeugung. Kontakt: gebauer@gleichklang.de<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Wir bedanken uns bei <a href=\"https:\/\/www.vegan.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vegan.eu<\/a> f\u00fcr die freundliche Genehmigung zur Publikation.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medienberichte \u00fcber eine zweifelhafte Studie &#8211; Zahlreiche Medien berichten dieser Tage \u00fcber eine Studie, die scheinbar zeigt, dass wir aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden doch unseren Fleischkonsum nicht reduzieren m\u00fcssen. Eine Analyse von Dr. Guido F. 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