{"id":91846,"date":"2014-03-07T16:23:10","date_gmt":"2014-03-07T16:23:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=91846"},"modified":"2014-03-07T16:24:58","modified_gmt":"2014-03-07T16:24:58","slug":"aggressiver-humanismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2014\/03\/aggressiver-humanismus\/","title":{"rendered":"Aggressiver Humanismus"},"content":{"rendered":"<h4><\/h4>\n<p><strong><\/p>\n<h4>Von der Unf\u00e4higkeit der Demokratie, gro\u00dfe Menschenrechtler hervorzubringen<\/h4>\n<p><\/strong><br \/>\n<strong><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/d578aa9f9ca23fa0e87b7e25ac6087e6\/tumblr_inline_n16wvfUco01qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Publiziert in:\u00a0Bierdel, Elias \/ Lakitsch, Maximilian (Hrsg.): Wege aus der Krise. Ideen und Konzepte f\u00fcr Morgen [= Dialog. Beitr\u00e4ge zur Friedensforschung 63], Wien\/M\u00fcnster 2013, S. 105-119.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>1. Das Sturmglas der Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Als Diogenes zur Mittagszeit mit einer Laterne \u00fcber den Marktplatz von Athen stolperte und nach <em>Menschen<\/em> suchte (Nietzsche 2000: 141) oder als Christoph Schlingensief ganz Wien \u00fcber die Abschiebung von Ausl\u00e4ndern abstimmen lie\u00df (Lilienthal\/Philipp 2000), waren sie beseelt von dem Gedanken, die Gesellschaft zu retten. Sie betrachteten Aktionskunst als ein Glas, in das sie allerlei Substanzen einf\u00fcllen und das sie ungef\u00e4hrdet sch\u00fctteln konnten. Wenn das Gemisch explodierte, beriefen sie sich auf den straffreien Raum der Kunst. Nicht zuletzt aus der politischen Bedrohungslage durch k\u00fcnstlerisches Handeln sagte man den K\u00fcnstlern eine N\u00e4he zum Verbrechen nach (vgl. Bredekamp 2005: 19f.). Aber Kunst brachte gesellschaftliche Konflikte nicht nur zur Detonation, sie experimentierte auch mit ihrer L\u00f6sung. Denk- und Handlungsverbote werden aufgel\u00f6st, um die h\u00f6chste Form der Kunst ins Werk zu setzen: Politik.<\/p>\n<p>Weil Akte von moralischer Sch\u00f6nheit selten sind, versucht das Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit (ZPS), derartige Handlungen aus den Flussl\u00e4ufen der Geschichte zu bergen. Der hier vorliegende Aufsatz wirft einen Blick auf die geistigen Grundlagen, aus deren <em>Erosion<\/em> das Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit entstanden ist und an deren <em>Wiederherstellung<\/em> es arbeitet.<\/p>\n<p><strong>2. Der Nihilismus Europas im 21. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fristen Gro\u00dftheorien und Ideologien ein Schattendasein. 1989 verabschiedete sich die letzte gro\u00dfe Alternative von der Weltb\u00fchne. Die erste erfolgreiche demokratische Revolution auf deutschem Boden l\u00e4utete ein \u201eEnde der Geschichte\u201c ein. Die Attraktivit\u00e4t von Francis Fukuyamas gleichnamigem Buch (Fukuyama 1992, Sloterdijk 2006: 89ff., 171ff.) war die Pointe des verpassten Endes: Fukuyama unterstellte der westlichen Welt, sie sei ans Ende gelangt, ohne das selbst zu bemerken. Politiker, Intellektuelle und K\u00fcnstler standen in Francis Fukuyamas Erz\u00e4hlung an einer Bushaltestelle, ohne erkannt zu haben, dass es sich um die Endhaltestelle f\u00fcr politische Visionen handelte.<\/p>\n<p>Aber sind die Quellen f\u00fcr Philosophie versiegt und alle fundamentalen politischen Aufgaben gel\u00f6st? Nach dem Ende aller \u201e-ismen\u201c im 20. Jahrhundert, wie Ralf F\u00fccks j\u00fcngst meinte, waren die Menschenrechte \u201edie letzte verbliebene Utopie\u201c (F\u00fccks 2011). Das schlichte wie geniale Anliegen bestand darin, <em>den Wert des Menschen<\/em> politisch zu verankern und zu garantieren. Diese gro\u00dfe Idee wird in den Menschenrechtschartas der Jahre 1776, 1789 und 1948 sp\u00fcrbar. Dennoch muss man zugeben, dass dieser letzte Traum einer besseren Politik gegenw\u00e4rtig keine sonderliche Zugkraft besitzt: die Sorge um den Schutz von Menschen bewegt die deutsche Politik \u2013 wie \u00d6ffentlichkeit\u2013 nicht in dem Ma\u00dfe, wie es etwa die Sorge um den Staatshaushalt, die Steuereinnahmen oder Doktorarbeiten von Regierungsmitgliedern tun. Der Wille zur Realisierung des Traumes ist geschwunden. Wie ist das m\u00f6glich, dass eine der gr\u00f6\u00dften Ideen der Menschheit in Deutschland derart blutleer, leidenschaftslos, langweilig und uninteressant geworden ist?<\/p>\n<p><strong>3. Von der Unf\u00e4higkeit der Demokratie, gro\u00dfe Menschenrechtler hervorzubringen<\/strong><\/p>\n<p>Ich will die Frage noch schmerzhafter fassen. Demokratien sind gemeinhin von ihrer moralischen \u00dcberlegenheit \u00fcberzeugt. Aber in Sachen Menschenrechte l\u00e4sst die deutsche Demokratie erkennen, dass sie unf\u00e4hig ist, <em>gro\u00dfe Menschenrechtler<\/em> hervorzubringen. Selbst ein Unrechtsregime wie die DDR brachte wirksamere \u201eB\u00fcrgerrechtler\u201c hervor, denen es besser gelang, Politik und \u00d6ffentlichkeit unter Druck zu setzen. Das Hauptinstrument der deutschen Menschenrechtsorganisationen ist die Pressemitteilung. Darin wird mit Vorliebe appelliert, protestiert und randaliert. Allerdings rei\u00dfen sich die Medien denn auch nicht um den Inhalt dieser Mitteilungen. Eine Studentenbewegung wie <em>STAND<\/em>, das sich in den USA dem Kampf gegen V\u00f6lkermord verschrieben hat, fehlt ausgerechnet in dem Land, das den schlimmsten V\u00f6lkermord aller Zeiten zu verantworten hat. Der Kampf gegen die \u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit\u201c \u2013 ein juristischer <em>terminus technicus<\/em>, hinter dem sich das edelste Anliegen unserer eigenen Zeit verbirgt \u2013 war in Deutschland bis 2009 bei der Bundesstaatsanwaltschaft nicht einmal organisiert (B\u00f6hm\/Denso 2009).<\/p>\n<p>Hinter vorgehaltener Hand gibt es durchaus Kritik an den ritualisierten Appell- und Handlungsmustern. Aber \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dferte Zweifel an der generellen Sinnhaftigkeit von Menschenrechtsarbeit in Deutschland, wie der von Sarah Reinke, besitzen einigen Seltenheitswert. Reinke geh\u00f6rte zu den f\u00fchrenden Aktivistinnen, die gegen den Genozid in Tschetschenien k\u00e4mpften. Nach Sch\u00e4tzungen brachte die russische Armee in den beiden Tschetschenienkriegen der 1990er Jahre ein Drittel der Bev\u00f6lkerung um. Reinke attestiert \u201eein weitgehendes Versagen der internationalen Menschenrechtsmechanismen in Sachen Tschetschenien\u201c (Reinke 2008: 154). In Deutschland \u2013 einem Land mit immerhin 80 Millionen Einwohnern \u2013 konnten die Menschenrechtler nicht mehr als 50 Menschen dazu bewegen, gegen die Besuche des russischen Staatspr\u00e4sidenten auf die Stra\u00dfe zu gehen. Ein Land verendete qualvoll, w\u00e4hrend der deutsche Bundeskanzler gro\u00dfherzig den Verantwortlichen f\u00fcr das Massensterben vor laufenden Kameras umarmte. Reinke zitiert den russischen Journalisten Andrej Babitzkij, der f\u00fcr seine Berichterstattung aus Tschetschenien verhaftet und ins ber\u00fcchtigte Gef\u00e4ngnis Tschernokosowo gesteckt wurde. Nach dem Krieg erkl\u00e4rte er, \u201eden Glauben an die <em>Macht von Informationen<\/em> verloren zu haben\u201c (Ebd.: 146). Da Menschenrechtsarbeit haupts\u00e4chlich aus der Beschaffung, Aufbereitung und Ver\u00f6ffentlichung von Informationen besteht, ist ein Machtverlust von Informationen gleichbedeutend mit einer Ohnm\u00e4chtigkeit von Menschenrechtsarbeit. Die Informationen waren da. Aber die Informationen vermochten keine Funken des Widerstands zu schlagen. Das war schon beim Holocaust so, als Peter Bergson 1943 ganzseitige Anzeigen in der <em>New York Times<\/em> schaltete, auf denen er \u00fcber die geplante Vernichtung von 5 Millionen Juden informierte (Wyman\/Medoff 2002: 37).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/eb85c268abc81ff3a35d6f7eee1d7bfb\/tumblr_inline_n16y9yMhSM1qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\n<em>Peter Bergson schaltet ganzseitige Werbeanzeigen gegen den Holocaust in der New York Times.<\/em><\/p>\n<p>Nicht nur der Glaube an die Macht des Wissens, auch der Glaube an die Macht der Bilder (Paul 2009: 28; Bredekamp 2010: 224ff.) erlosch f\u00fcr die Genozidbek\u00e4mpfung bereits 1994 w\u00e4hrend des Bosnienkrieges. David Rieff, der Sohn von Susan Sontag, bringt es in seiner Berichterstattung \u00fcber das menschliche Grauen auf den Punkt: \u201eNoch heute glauben viele, wenn die Welt nur vom Holocaust gewusst h\u00e4tte, h\u00e4tte sie auch etwas dagegen unternommen. Zwei Jahre in Bosnien haben mich eines anderen belehrt. H\u00e4tte es Bilder aus Auschwitz in der Weltpresse gegeben, h\u00e4tte die Welt genauso wenig gehandelt.\u201c (Rieff 1995: 56f.) Weder Informationen noch Bilder vermochten die genozidalen Schrecken einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Einerseits ist man geneigt, deutsche Menschenrechtler mit Menschenrechtlern zu vergleichen, die im politischen Kampf gegen diktatorische Regime stehen \u2013 worin die deutschen Organisationen schwach, mutlos und (im Nutzen) \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig abschneiden. Andererseits scheint aber auch die Leidenschaft der deutschen Bev\u00f6lkerung nicht sonderlich gro\u00df zu sein, industrielle T\u00f6tungsmaschinerien zu stoppen und f\u00fcr den Schutz von Zivilbev\u00f6lkerung einzustehen. Inhumanit\u00e4t breitet sich auf dem Globus aus wie ein Krebsgeschw\u00fcr.<\/p>\n<p>Die sichtbarsten deutschen Proteste konzentrierten sich 2010 auf einen Bahnhofsbau und Castortransporte. Anstatt Zivilisten in Kriegsgebieten zu besch\u00fctzen, kann sich der deutsche Au\u00dfenminister nicht ohne sichtlichen Stolz gegen Genozidinterventionen im Weltsicherheitsrat aussprechen. Er muss keinerlei Widerstand von der viel zitierten Zivilgesellschaft f\u00fcrchten. Zweifel an der politischen Durchsetzungskraft des Zivilgesellschaftskonzeptes gab es fr\u00fch (R\u00fcb 1999: 57; Dizdarevic 1995: 23, 153; Rieff 1995: 188). Wie in der H\u00f6hle Platons werden Bilder und Nachrichten gegen die inneren W\u00e4nde projiziert und von den H\u00f6hlenbewohnern tats\u00e4chlich geglaubt (Platon 2004: 515c; Bluhm 2002: 118). Die Rat- und Visionslosigkeit \u00fcber die entscheidenden Aufgaben des 21. Jahrhunderts l\u00e4sst sich allj\u00e4hrlich an den Berichten des Instituts f\u00fcr empirische Medienforschung ablesen (<a href=\"http:\/\/www.ifem.de\/infomonitor\/jahr-2010\/tv-news-2010-gesamtjahr\">IFEM 2011<\/a>). Demnach waren die vier beherrschenden Themen der Fernsehnachrichten 2010: \u201eEurokrise\u201c, \u201eAfghanistan\u201c, die \u201eFu\u00dfball-WM\u201c und \u201eWinterwetter\/Verkehrsprobleme\u201c. Es sei zudem an den Prozess gegen einen Wettermoderator und die Aufregung \u00fcber ein Projekt namens \u201eGoogle Street View\u201c erinnert. Weder ein nord-, noch ein ostafrikanisches Land kam unter die zwanzig wichtigsten L\u00e4nder der deutschen Auslandsberichterstattung. Den Medien mag es behagen oder nicht: Nachrichtenselektion ist die vornehmste Form der nationalen Erziehung (<a href=\"http:\/\/moral-beauty.tumblr.com\/post\/15020290892\/eine-brandschrift-mit-vier-thesen-ueber-den-umgang-der\">Ruch 2010<\/a>). Um Europa herum herrschen: Elend, Not und Schrecken. Aber Medien wie Politik drehen sich in Deutschland permanent um die eigenen Belange. Es graut einem vor dem Urteil k\u00fcnftiger Historiker \u00fcber das Ausma\u00df dieser <em>Selbstbezogenheit <\/em>(Naim 2006: 114, 207; Schiller 2009: 38; Berlin 1981: 181; <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rQ7cXnsCh0E\">Ruch 2011<\/a>).<\/p>\n<p>Die politische Sorge um die Menschenrechte, auf denen immerhin die deutsche Verfassung beruht, wurde als eine Art St\u00f6rfall an den zivilgesellschaftlichen Sektor abdelegiert. Seither versagt Deutschland fortw\u00e4hrend darin, wahrnehmbaren Widerstand gegen exterritoriale Menschenrechtsverletzungen zu erzeugen. Aber wer, wenn nicht das Land der Holocaust-T\u00e4ter, h\u00e4tte eine moralische Pflicht, den Kampf gegen Genozid, Menschenrechtsverletzungen und Unrechtsregime <em>offensiv<\/em> zu f\u00fchren?<\/p>\n<p><strong>4. Eine kleine Sensation<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf um Menschenrechte war zu allen Zeiten nur eines: lebensgef\u00e4hrlich. Die Geschwister Scholl wurden vom NS-Regime hingerichtet, weil sie sechs Flugbl\u00e4tter gegen Hitler verteilten. Mandelstam kostete ein Gedicht gegen Stalin zun\u00e4chst die Freiheit, sp\u00e4ter das Leben. Russische Dissidenten werden heute in Fahrst\u00fchlen exekutiert. Chinesische Oppositionelle vegetieren in Gef\u00e4ngniszellen dahin. Im Kongo verschleppt der Geheimdienst Menschenrechtler, die dann \u201eversehentlich\u201c sterben. Dennoch hat sich historisch gesehen eine Sensation ereignet: in Deutschland ist es schwierig geworden, f\u00fcr sechs Flugbl\u00e4tter, B\u00fccher oder Gedichte verfolgt, verhaftet oder ermordet zu werden. Eine Million Flugbl\u00e4tter bringen eher den Literaturnobelpreis als den Tod ein. Erstmals in der deutschen Geschichte ist es m\u00f6glich, den Kampf um Menschenrechte vor und in aller \u00d6ffentlichkeit zu organisieren. In den westlichen Staaten sind <em>alle<\/em> <em>Repression<\/em> gegen Menschenrechtler weggebrochen. Das wiedervereinigte Deutschland m\u00fcsste und k\u00f6nnte ein Eldorado f\u00fcr Menschenrechtsbewegungen sein. F\u00fcr die verfassungsm\u00e4\u00dfigen Rechte, die diese Aktivit\u00e4ten garantieren, ist viel Blut geflossen. W\u00e4hrend die Freir\u00e4ume geschaffen, die Gesetze verabschiedet, die Druckereien, \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tze und Zeitungen vorhanden sind, fehlt eigentlich nur eines: die Menschenrechtler selbst.<\/p>\n<p>Die letzte gro\u00dfe Menschenrechtsbewegung verabschiedete sich nach dem Fall der Mauer in einen wohlverdienten Ruhestand. Seither zeigen die j\u00fcngeren Jahrg\u00e4nge nicht das geringste Anzeichen, f\u00fcr den Schutz der Menschenrechte einzutreten. Der Verdacht liegt nahe, dass die Lebensgefahr f\u00fcr Menschenrechtler und das Ausma\u00df des politischen Widerstandes miteinander zusammenh\u00e4ngen. Denn mit den Repressionen entwich jeder politische Widerstand. Als ich die Organisatoren einer Protestbewegung gegen das Stuttgarter Bahnhofsprojekt \u00fcberzeugen wollte, zun\u00e4chst und zuerst etwas f\u00fcr Millionen kongolesischer Frauen zu tun, die von Vergewaltigung unmittelbar bedroht sind (vgl. Johnson 2009: 144), glich ihre Reaktion einer Episode, die der Historiker Simon Sebag Montefiore in seiner zweiten Stalin-Biographie wiedergibt. Dort wundert sich der junge Stalin \u00fcber die abgekl\u00e4rten Reaktionen der sibirischen Eisfischer, wenn sie einen ihrer Mitmenschen in Eisst\u00fcrmen, bei \u00dcberschwemmungen oder Angriffen von Tundraw\u00f6lfen verlieren. Dem vor K\u00e4lte schlotternden Stalin erkl\u00e4ren sie: \u201eWarum sollen wir Mitleid mit Menschen haben? Von ihnen k\u00f6nnen wir jederzeit mehr machen, aber ein Pferd \u2013 versuch mal, ein Pferd zu machen!\u201c (Montefiore 2008: 387) \u2013 Die Trag\u00f6die der Menschenrechtsaktivisten, denen es nicht gelingt, die Herzen der deutschen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihre Anliegen massenhaft zu mobilisieren, gleicht der Erkl\u00e4rung des sibirischen Eisfischers.<\/p>\n<blockquote><p><em><strong>&#8222;Denk- und Handlungsverbote werden aufgel\u00f6st, um die h\u00f6chste Form der Kunst ins Werk zu setzen: Politik.&#8220;<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c4hnliches musste ich vom Fundraiser einer renommierten Tierschutzorganisation vernehmen. Nach der Spendenwahrscheinlichkeit f\u00fcr Menschenrechtsarbeit befragt, gab er folgende Einsch\u00e4tzung: \u201eEine ver\u00f6lte antarktische Robbe ist nun einmal niedlicher als eine vergewaltigte Frau im Kongo.\u201c \u2013 Wenige Wochen sp\u00e4ter \u00fcberzog dieselbe Organisation die gesammte Bundesrepublik gro\u00dffl\u00e4chig mit dem Antlitz eines Tigers. Die Eisfischer schienen Recht zu behalten: Menschen gibt es genug. Aber einen Tiger. Versuch mal, einen aussterbenden Tiger zu machen! Selbst Pinguine in der Antarktis, Robben in Alaska oder seltene K\u00e4fer im Schwarzwald besitzen <em>in Deutschland<\/em> eine wirksamere Lobby als alle bedrohten Menschen zusammen. Diese Einsicht macht aus der kleinen Sensation einen historischen Skandal!<\/p>\n<p><strong>5. Die gro\u00dfen Schulen f\u00fcr Menschenrechte<\/strong><\/p>\n<p>Zweierlei Dinge machen den politischen Beobachter stutzig: die Leidenschaftslosigkeit, mit der f\u00fcr die Rechte der Menschen <em>politisch<\/em> gestritten wird und die Unf\u00e4higkeit der deutschen Demokratie, sichtbare Menschenrechtler oder Menschenrechtsbewegungen hervorzubringen. \u2013 Meine These zur Aufkl\u00e4rung dieses Befundes lautet: es fehlen die \u201eSchulen\u201c, die die Bedeutung der Menschenrechte lehren k\u00f6nnten. Die Bedeutsamkeit der Menschenrechte kann in der westlichen Welt kaum noch studiert werden.<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/5fd4381fee74c3ec608d266db587a4c0\/tumblr_inline_n16ymxkUL31qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\nDie brennenden UNIS-T\u00fcrme in Sarajevo \u2013 nicht 2001, sondern 1992. Auftakt zum gr\u00f6\u00dften V\u00f6lkermord auf europ\u00e4ischem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg.<\/em><\/p>\n<p>Um die Brisanz von \u201eMenschenrechtsverletzungen\u201c \u2013 bei denen soviel mehr verletzt wird als nur das Recht \u2013 zu erfahren, muss man schon in Weltgegenden reisen, die von dieser Idee unber\u00fchrt geblieben sind. Die gro\u00dfen Schulen, welche die Leidenschaften f\u00fcr die Menschenrechte zu wecken verm\u00f6gen, tragen die Namen zerfallener Staaten: Somalia, Sudan, Jemen, Kongo, Simbabwe, Kasachstan. Auch die schlimmsten V\u00f6lkermorde des 20. Jahrhunderts sind geeignet, die Dramatik von <em>Menschenverheerungen<\/em> anschaulich zu vermitteln: der armenische Genozid, der Holocaust, Bosnien, Ruanda, Tschetschenien. Die Liste ist nicht vollst\u00e4ndig. Und auch das ostafrikanische Inferno ist pr\u00e4destiniert, von der <em>absoluten Priorit\u00e4t<\/em> des menschlichen Lebens vor allen Bahnhofsbau- oder Datenschutzprojekten zu \u00fcberzeugen. W\u00e4hrend Entwicklungshelfer, Menschenrechtsaktivisten und \u00c4rzte diese Schulen durchlaufen haben (Neudeck 1986), fehlt es an Philosophen, die diese emotionalen Kr\u00e4fte formulieren; von wenigen Ausnahmen abgesehen (L\u00e9vy\/Ferrari 1994, Ziegler 2007: 10). Der Krieg ist gerade f\u00fcr das Streben nach politischer Sch\u00f6nheit ein \u201eharter Lehrmeister\u201c (Thukydides 2000: III, 82; M\u00fcnkler 1987: 32).<\/p>\n<p>Wer die \u201eEnklaven der Gesetzlosigkeit\u201c (Naim 2006: 42) bereist \u2013 und sei es in B\u00fcchern oder Dokumentarfilmen \u2013, lernt ein Gef\u00fchl kennen, das er nicht so leicht vergisst: das Gef\u00fchl der politischen Bedeutsamkeit der Menschenrechte, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen und zu sterben lohnt. Verglichen mit den politischen Aufgaben in Drittweltstaaten hat der Westen die fundamentalen Probleme gel\u00f6st. Nichts Geringeres legte Francis Fukuyama mit seiner aufgeregt diskutierten These vom Ende der Geschichte dar. Die Sorgen um Rentensysteme, Wettermoderatoren oder\u00a0 Hypothekarzinss\u00e4tze wirken grotesk, wenn man sie neben die Sorgen eines Menschen h\u00e4lt, der in einem Fl\u00fcchtlingslager im Westen Darfurs feststeckt.<\/p>\n<p>Zwei Entwicklungen verleiten zudem zu der Hypothese, dass das 21. Jahrhundert in seinen Opferbilanzen weit schlimmer ausfallen wird als das 20. Jahrhundert: [1.] die Proliferation von Massenvernichtungswaffen und [2.] die Bev\u00f6lkerungsexplosion in Asien und Afrika. Den technischen Fortschritt fasste G\u00fcnther Anders mit dem Wort <em>Hasslosigkeit<\/em>: er machte darauf aufmerksam, dass die Gef\u00fchle Hass und Wut f\u00fcr die moderne Kriegsf\u00fchrung unn\u00f6tig geworden waren. Der moderne Soldat dr\u00fcckte auf einen Knopf, mit dem er die Bombe ausklinkte, die atomar 200.000 Menschen vernichtete. Die Wirkung eines Knopfdruckes wurde vom technischen Fortschritt potenziert. Handlung und Effekt stehen in keinerlei Verh\u00e4ltnis mehr (Anders 1979: 204). Zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung: w\u00e4hrend Mitte des 20. Jahrhunderts die Weltbev\u00f6lkerung weniger als zwei Milliarden Menschen z\u00e4hlte, werden es Mitte des 21. Jahrhunderts \u00fcber neun Milliarden sein. Beide Entwicklungen sind nicht gerade geeignet, anzunehmen, dass die Opferkurve des 20. Jahrhunderts eine einmalige statistische Abweichung darstellt, deren Ausrei\u00dfen nach oben \u201ebehoben\u201c w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>6. Aggressiver Humanismus<\/strong><\/p>\n<p>Das Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit hat seine Vision eines besseren Kampfes f\u00fcr die Menschenrechte in einem Begriff gepr\u00e4gt, den es seit vergangenem Jahr aktionsk\u00fcnstlerisch umsetzt: <em>aggressiver Humanismus<\/em>. Darin werden zwei Elemente zusammengedacht, die als unvereinbar galten: der europ\u00e4ische Humanismus und die Aggression. Der abendl\u00e4ndische Humanismus war der Inbegriff der Menschenliebe, G\u00fcte und Freundlichkeit. Er verteidigte den Stellenwert von Bildung, Menschenliebe und <em>benevolentia<\/em> mit entschieden freundlichem Auftreten. \u2013 Zumindest im letzten Punkt kann sich die Menschenrechtsbewegung mit dem alten Humanismus einig wissen: ihre Protagonisten sind von einer \u00fcbertriebenen, beinahe unertr\u00e4glichen Nettigkeit gekennzeichnet. Sie <em>k\u00e4mpfen<\/em> nicht um Menschenrechte. Sie schlummern f\u00fcr sie. Und dies trotz der Tatsache, dass ihre Klientel \u2013 Hunderte von Millionen Menschen \u2013 in Elend sterben. Statt Streiks zu organisieren, Stra\u00dfen zu blockieren, Politiker zu beschimpfen und Nachrichtensender zu besetzen, sind sie Teil jener Strandurlauber, die der amerikanische Philosoph Allan Bloom so unnachahmlich beschrieben hat: \u201eF\u00fcr mich ist es ein Symbol unserer derzeitigen geistigen Situation, wenn ich mich an die Wochenschauaufnahmen von fr\u00f6hlich im Meerwasser planschenden Franzosen erinnere, die ihren bezahlten Jahresurlaub genossen, den L\u00e9on Blums Volksfrontregierung gesetzlich eingef\u00fchrt hatte. Das war 1936, im selben Jahr, in dem man zulie\u00df, da\u00df Hitler das entmilitarisierte Rheinland wieder besetzte. All die gro\u00dfen Dinge, die uns bewegen, laufen letzten Endes auf so etwas wie diesen Urlaub hinaus.\u201c (Bloom 1988: 312)<\/p>\n<p>Der Begriff <em>aggressiver Humanismus<\/em> dr\u00fcckt die Einsicht aus, dass der Kampf um Menschenrechte <em>viel zu h\u00f6flich<\/em> gef\u00fchrt wird, jedoch ein offensives Auftreten legitimiert. Die Folie des aggressiven Humanismus verweist auf eine Gruppe hochambitionierter Menschenrechtler, die politischen Widerstand leisten. Da diese gro\u00dfen Verteidiger der Menschenrechte, wie sie in historischen Gestalten wie Varian Fry, Beate Klarsfeld, Soghomon Tehlirian, Peter Bergson oder Simon Wiesenthal zu besichtigen sind, ausgestorben scheinen, versucht das Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit deren Taten zu bergen und auszustellen \u2013 im \u201eentstraften\u201c Handlungsraum, den die Kunst bieten kann (vgl. Bredekamp 2005: 22).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/69a62a7c91e89e18bbfd4e2697389175\/tumblr_inline_n16ytp5jbH1qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.politicalbeauty.de\/25000\/Aktion.html\">25.000 Euro<\/a> gegen Waffenh\u00e4ndler vom Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit (Kunstprojekt auf der Berlin Biennale): \u201cDie Waffenfirma stand ratlos da. [\u2026] dieses Mal war die \u00dcberraschung zu gro\u00df, die Kampagne zu radikal, der Ansatz zu neu.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>7. Die Privilegien der Unbetroffenen<\/strong><\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tsommer 1940 fl\u00fcchteten zehntausende Menschen in die franz\u00f6sische Hafenstadt Marseille, um den Todesschwadronen der Nationalsozialisten zu entgehen. Die Fl\u00fcchtlinge wollten nur noch das europ\u00e4ische Festland verlassen. Varian Fry leitete eine Organisation, die dieses Heer von Entrechteten aus Frankreich herausschleuste \u2013 illegal, versteht sich. Er und seine Mitstreiter retteten mehr als 1.500 Schriftsteller, Intellektuelle und K\u00fcnstler, darunter Marc Chagall, Marcel Duchamp Alfred D\u00f6blin, Lion Feuchtwanger, Max Oph\u00fcls, Heinrich und Golo Mann, Hannah Arendt, Andr\u00e9 Breton (Meyer\/Neumann 2008: 402ff.; Elfe 1995: 299f.). Varian Fry tarnte seine kriminellen Machenschaften als amerikanische Hilfsorganisation. Er unterhielt engen Kontakt zur Unterwelt \u2013 zu Betr\u00fcgern, Passf\u00e4lschern, Fluchthelfern. Er bestach skrupellos Beamte, bedrohte Polizisten und f\u00e4lschte alle erdenklichen staatlichen Hoheitszeichen. Fry organisierte 1940 den <em>politischen Widerstand<\/em> gegen Hitler, lange bevor er sich in Deutschland \u00fcberhaupt regte (D\u00f6nhoff 1994, Danyel 2001).<\/p>\n<p>An einer Person wie Varian Fry l\u00e4sst sich f\u00fcr die Gegenwart viel lernen. Er k\u00e4mpfte mit dem Recht des St\u00e4rkeren f\u00fcr das Recht der Schw\u00e4cheren. Er nutzte die Privilegien seiner amerikanischen Staatsb\u00fcrgerschaft gezielt aus, um 1.500 Menschen die Flucht aus der kontinentalen Todesfalle zu erm\u00f6glichen. Er war Staatsb\u00fcrger einer angesehenen und \u00fcberlegenen Supermacht. Seine Memoiren <em>Auslieferung auf Verlangen<\/em> k\u00fcnden vom Erstaunen \u00fcber den Respekt, der ihm als amerikanischer Staatsangeh\u00f6riger aufgrund seiner Nationalit\u00e4t entgegengebracht wurde (Fry 1995: 29). Sein Pass, eigentlich nur ein St\u00fcck Papier, erhob ihn \u00fcber alle Mitglieder der europ\u00e4ischen Intelligenz, die doch so viel kl\u00fcger, talentierter und kreativer waren. Die Begabungen waren nichts wert im Angesicht des deutschen Extremismus (Wildt 2003). Was z\u00e4hlte, war ein Amerikaner, der sein Leben riskierte, um durch illegale Aktivit\u00e4ten Tausende Menschen zu retten. Gerade weil Varian Fry ganz eigentlich <em>unbetroffen<\/em> war, drang er viel eher zu Botschaftern durch. Statt sich abseits zu halten, mischte er sich ein, die schrecklichsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts <em>zu sabotieren<\/em>.<\/p>\n<p>Was t\u00e4te Varian Fry heute? Somalia gleicht seit zwei Jahrzehnten einem titanisch sinkenden Schiff, das die Zivilbev\u00f6lkerung zu verlassen versucht. Was der amerikanische Pass f\u00fcr Fry war, w\u00e4re in Somalia ein EU-Pass: er sch\u00fctzte ungemein. Das Ausw\u00e4rtige Amt zahlt j\u00e4hrlich dreistellige Millionenbetr\u00e4ge, um deutsche Staatsb\u00fcrger aus \u201ezerfallenen Staaten\u201c freizukaufen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/661d8bb8d2b3b78f1016046ee15fa987\/tumblr_inline_n16yhacDXX1qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\n<em>Varian Fry organisiert mit den Privilegien seiner US-Staatsb\u00fcrgerschaft den Kampf gegen Hitler und erm\u00f6glicht Tausenden Intellektuellen, K\u00fcnstlern und Wissenschaftlern die Flucht aus dem besetzten Europa.<\/em><\/p>\n<p>Die astronomische Zahl der von Varian Fry begangenen Rechtsbr\u00fcche gegen ein Unrechtsregime w\u00fcrde von jeder deutschen Menschenrechtsorganisationen heute als Bedrohung ihrer Existenz \u2013 statt als deren Legitimierung \u2013 interpretiert. Frys Werk bestand in einer Vielzahl von Rechtsbr\u00fcchen, f\u00fcr die er heute unverz\u00fcglich aus jeder deutschen Menschenrechtsorganisation rausgeschmissen werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Selbst die nach deutschem Strafrecht regelrecht klassischen Deliktformen des Aktivismus Hausfriedensbruch, Bedrohung und Sachbesch\u00e4digung werden prinzipiell abgelehnt. Amnesty International, die nach Mitgliederzahl und Spendenaufkommen gr\u00f6\u00dfte Menschenrechtsorganisation in Deutschland, verk\u00f6rpert dieses Prinzip mit dem ungeschriebenen Gesetz, <em>unter keinen Umst\u00e4nden<\/em> Recht f\u00fcr die Durchsetzung politischer Ziele zu brechen. Das l\u00e4sst sie zwar ungemein integer erscheinen. Den Menschen in Somalia, Libyen oder Tschetschenien jedoch n\u00fctzt es herzlich wenig. Es schadet ihnen sogar, wenn die deutschen Organisationen auf Kosten ihrer politischen Wirksamkeit ein edelm\u00fctiges Image pflegen. Heutige Menschenrechtsorganisationen sind regelrecht gl\u00fccklich, wenn <em>westliche<\/em> Zeitungen ein Foto von ihren Aufm\u00e4rschen ver\u00f6ffentlichen, die selten die magische Grenze von 50 Personen \u00fcberschreiten. Fluchtrouten, Schiffe, Z\u00fcge, Flugzeuge organisieren, P\u00e4sse f\u00e4lschen, Beamte bestechen, Menschenleben retten? \u2013 Unvorstellbar!<\/p>\n<p>Fry schleuste Intellektuelle auf Fischkuttern nach Marokko. Er zahlte Unterst\u00fctzungsgelder f\u00fcr Tausende M\u00e4nner, Frauen und Kinder. Er machte ihnen Mut: \u201e\u201aBis bald in New York!\u2019 [\u2026] der kurze Satz, mit \u00dcberzeugung gesprochen, schien mehr als alles andere ihren Glauben an die Zukunft wieder aufzurichten\u201c (Fry 1995: 28). Wer richtet die Zukunft der Millionen Menschen im zerst\u00f6rten, besetzten und lebensgef\u00e4hrlichen Somalia auf? 2009 wagten nach Angaben des UN-Fl\u00fcchtlingskommissariats 74.000 Menschen die Flucht \u00fcber das offene Meer nach Jemen (<a href=\"http:\/\/www.unhcr.org\/4b2bac179.html\">UNHCR 2009<\/a>).<\/p>\n<p>Einen \u00f6ffentlichkeitswirksamen Versuch, auf die politische Genese eines neuen maritim-europ\u00e4ischen Mauerbaus aufmerksam zu machen, startete Elias Bierdel im Jahre 2004. Das Schiff der Hilfsorganisation <em>Cap Anamur<\/em> rettete 37 afrikanische Fl\u00fcchtlinge aus dem Mittelmeer. Acht Tage dauerten die Vorbereitungen, bis das Schiff medienwirksam einen italienischen Hafen anlief. Die deutschen Medien emp\u00f6rten sich in der Folge \u00fcber die Inszenierung, Selbstdarstellung und den Missbrauch von 37 Fl\u00fcchtlingen (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/cap-anamur-nicht-schon-wieder-anketten-1.917849\">Zekri 2004<\/a>). Statt Bierdels Aktion zum Anlass zu nehmen, die durch nichts legitimierte europ\u00e4ische Abschottungspolitik zu diskutieren, wurde sie als \u201eInszenierung\u201c entlarvt. Weil die <em>Cap Anamur<\/em> sich nicht als politische, sondern als humanit\u00e4re Organisation begriff, musste Bierdel schlie\u00dflich den Chefposten r\u00e4umen. Dabei spielte weder f\u00fcr die Medien, noch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit eine Rolle, dass die Aktion sich nur unmerklich von <em>Greenpeaces<\/em> legend\u00e4rer Kampagne gegen die \u00d6lplattform <em>Brent Spar<\/em> unterschied, die wenige Jahre zuvor als \u00f6koaktivistische Meisterleistung gefeiert worden war (Baringhorst 1998: 189ff.).<\/p>\n<p><strong>8. Eine humanistische Revolution?<\/strong><\/p>\n<p>Ich will noch etwas Blut ins Haifischbecken laufen lassen. Seit 2009 befindet sich ein Vordenker der Menschenrechtsbewegung an der Spitze der weltgr\u00f6\u00dften Umweltschutzorganisation <em>Greenpeace<\/em>. Bei Amtsantritt gab Kumi Naidoo in einem <em>Spiegel<\/em>-Interview sogleich Einblicke in die neuen Leitlinien: \u201eIm Kampf f\u00fcr Menschenrechte waren Menschen seit je bereit, ins Gef\u00e4ngnis zu gehen oder sogar ihr Leben zu riskieren.\u201c (Traufetter 2009: 147)<\/p>\n<p>Naidoo hatte sich selbst im Kampf gegen das Mugabe-Regime in Simbabwe (onlinewirksam) beinahe zu Tode gehungert. Die Parole eines \u201epolitischen Kampfes\u201c, das machte er an anderer Stelle deutlich (Naidoo 2010: 14, 52), war nicht nett, sondern sehr ernst gemeint. Das Scheitern des Schutzes von Menschen nahm er pers\u00f6nlich. Ein Scheitern kam f\u00fcr ihn einer falschen Mittelwahl gleich. Die Idee, sein Leben im Kampf f\u00fcr politische Rechte zu opfern \u2013 gerade wenn es sich um die Rechte Dritter handelte \u2013, ist eine Idee, die aus der glanzvollen Geschichte der Ritter bekannt ist (Keen 1991: 232, 242). Das selbstlose Handeln f\u00fcr Dritte (ohne deutsche Interessen) unterschied einst die hohen von den gew\u00f6hnlichen Seelen (Aristoteles 2002a: 1122 a18f.; 1124 b7; 1168 a32; Aristoteles 2002b: 1390 b15f.; Alexiou 1995: 212).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/f45ff52f7f4c233bc34b58614ca66a5f\/tumblr_inline_n16zfqvMPh1qdqzhm.jpg\" \/><br \/>\n<em>Ein Menschenrechtler als Greenpeace-Chef:\u00a0\u201eIm Kampf f\u00fcr Menschenrechte waren Menschen seit je bereit, ins Gef\u00e4ngnis zu gehen oder sogar ihr Leben zu riskieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mit Kumi Naidoo hat ein aggressiver Humanist das politische Aktivistenparkett betreten, der den Kampf um Menschenrechte als gro\u00dfe Leidenschaft ausficht. Man darf gespannt sein, was ihm in den kommenden Jahrzehnten einfallen wird. Die gro\u00dfe Frage, die er aufwirft, ist die nach der Legitimit\u00e4t der Mittel. Wie weit darf man gehen im Kampf gegen Vergewaltiger, Brandschatzer und Massenm\u00f6rder? Die Frage ist nicht nur, ob wir die Erst\u00fcrmung von Nachrichtenstudios, die Besetzung des Bundeskanzleramts oder Sabotageakte im Namen der sudanesischen Zivilbev\u00f6lkerung erleben werden. Die Frage, richtig gestellt, reicht bis zur Existenz von Bombenlegern nicht f\u00fcr den heiligen Koran, sondern f\u00fcr die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte.<\/p>\n<p>Der Wille, gef\u00e4hrlich zu werden, manifestierte sich in Deutschland am 2. April 1968 mit der Detonation dreier Sprengs\u00e4tze in Kaufh\u00e4usern. Obwohl die Bomben wenig Schaden anrichteten, traf die Tat und der anschlie\u00dfende Strafprozess gegen Gudrun Ensslin und Andreas Baader die desinteressierte \u00d6ffentlichkeit ins Mark. Aufsehen erregend war das Motiv der T\u00e4ter. Die Bombenleger hatten ihre Anschl\u00e4ge nicht aus Zerst\u00f6rungswut oder Geldsorgen gez\u00fcndet, sondern aus Verst\u00f6rung \u00fcber den gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz von Napalm gegen vietnamesische Zivilbev\u00f6lkerung. W\u00e4hrend die \u00d6ffentlichkeit sich von dieser menschenunw\u00fcrdigen Art der Kriegsf\u00fchrung abwendete, wollten Baader und Ensslin das systematische Verbrennen der Zivilbev\u00f6lkerung ins \u00f6ffentliche Interesse einsprengen. Das soziale Totschweigen von Unrecht und versperrte Partizipationsm\u00f6glichkeiten radikalisierten die Attent\u00e4ter schlie\u00dflich zu Terroristen. Die drei Kaufhausbomben dementierten aber zun\u00e4chst nur die \u00dcberzeugung, dass der Krieg in Vietnam Deutschland nichts anginge. Baader und Ensslin betrachteten die Bomben als letztes Mittel, die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr etwas zu interessieren, das sie schlicht nicht interessierte.<\/p>\n<p>Weil Baader und Ensslin mit der Gr\u00fcndung der RAF bewiesen, dass sie die Menschenrechte nicht interessierten, ger\u00e4t der Vergleich in Schieflage. Dennoch beleuchten ihre fr\u00fchen Aktionen eine Bedeutungsschicht von \u201eWiderstand\u201c. Eine andere Schicht verk\u00f6rpert J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin, der seit 27 Jahren alles daran setzt, den Forschungswillen deutscher R\u00fcstungsingenieure zu bremsen, die versuchen, deutsche T\u00f6tungs-\u201eSpitzentechnologie\u201c noch t\u00f6dlicher zu machen (B\u00fchler\/Kohlenberg 2007). Gr\u00e4sslin hat seinen Protesten ein striktes Gewaltverbot auferlegt. Statt deutsche Kaufh\u00e4user in die Luft zu sprengen, kauft er Aktien von R\u00fcstungsunternehmen auf, um auf den Aktion\u00e4rsversammlungen ein Rederecht einger\u00e4umt zu bekommen, durch das er die Verbrechen der R\u00fcstungskonzerne offenlegt. Einfache Gem\u00fcter w\u00fcrden vor den Konzernzentralen demonstrieren. J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin will im Zentrum des B\u00f6sen etwas bewirken, ohne Gewalt auszu\u00fcben. Die Findigkeit und Umtriebigkeit, neuen, \u00fcberraschenden und wirksamen Widerstand zu konzipieren, machte Gr\u00e4sslin zu einem Vorbild f\u00fcr das Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit. Ensslin und Baader reagierten auf das schreiende Unrecht mit offener Gewalt. In historisch ung\u00fcnstigen Momenten verursachen solche Gewaltakte den Aufstieg radikaler Parteien. Dies demonstriert die Geschichte des Reichtagsbrandes und seine politische Vereinnahmung durch die NSDAP. J\u00fcrgen Gr\u00e4sslins gewaltloser Protest zielt dagegen auf die Herzen der \u00d6ffentlichkeit, um dort etwas auszurichten.<\/p>\n<p><strong>9. Was ist politische Sch\u00f6nheit?<\/strong><\/p>\n<p>Einmal angenommen, ein Historiker blickte vom Ende des 21. Jahrhunderts auf unsere Zeit zur\u00fcck: warum haben wir uns nicht mehr f\u00fcr die Rechte unterdr\u00fcckter Menschen eingesetzt? W\u00e4hrend ein kongolesischer Menschenrechtler viel Mut f\u00fcr seine Arbeit ben\u00f6tigt, braucht ein deutscher Aktivist nur das <em>Gef\u00fchl<\/em>, etwas ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Zuk\u00fcnftige Generationen werden nicht verstehen, weshalb wir alle die Mittel besa\u00dfen, Krieg, Hinrichtung, Vergewaltigung und Hunger zu stoppen, sie aber nicht einsetzten. Die Tatsache, dass die deutsche Politik nicht begeistert, hat viel mit einem Faktor zu tun, der sozialwissenschaftlich etwas untersch\u00e4tzt wird: politische Sch\u00f6nheit. Unsere Zeit ist geradezu pr\u00e4destiniert, Menschen von herausragender moralischer Qualit\u00e4t hervorzubringen. Politikerinnen und Politiker, die ihr Handeln daran orientieren, was politisch, historisch und moralisch unheimlich sch\u00f6n ist. Willy Brandt nahm mindestens zwei Nationen im Sturm ein, als er in Warschau auf die Knie fiel. Im Westen des Sudan, in den Darfur-Regionen, fristen heute 2,3 Millionen Menschen ein kl\u00e4gliches Leben in Fl\u00fcchtlingslagern. Sie sind die Schande unseres Anspruches auf Humanit\u00e4t. Diese Fl\u00fcchtlinge ben\u00f6tigen eine politische L\u00f6sung. Ein Akt politischer Sch\u00f6nheit w\u00e4re, wenn der n\u00e4chste Bundeskanzler die L\u00f6sung dieses Problems als sein Verm\u00e4chtnis definiert. Verglichen mit dem Handlungsspielraum eines Varian Fry w\u00e4re es f\u00fcr ihn ein Kinderspiel, sudanesische, afrikanische, franz\u00f6sische und arabische Interessen auf einer Konferenz auszugleichen.<\/p>\n<p>Politik kann Politikverdrossenheit nur aufbrechen, wenn sie den Faktor <em>politische Sch\u00f6nheit<\/em> ernst nimmt und Entscheidungen und Taten daran ausrichtet. Machtzentren trocknen innerlich aus, wenn es nicht \u00fcber politische Poesie nachdenken (M\u00fcnkler 2009: 266). Die menschliche Seele braucht das Gef\u00fchl von Gr\u00f6\u00dfe, Sch\u00f6nheit, Gerechtigkeit und Anstand. Diese epochalen Gef\u00fchle verm\u00f6gen sich bei der Politisierung der Sozialversicherungs-, Renten- und Gesundheitssysteme nicht richtig einzustellen. Das k\u00f6nnte aber der globale Schutz der Menschenrechte leisten. Das Ziel des Tauchgangs zu politischer Sch\u00f6nheit ist ein Land, in dem die Mitglieder des parlamentarischen Ausschusses f\u00fcr Menschenrechte im h\u00f6chsten Ansehen stehen und die Menschenrechtsorganisationen nicht auf Verzweiflungstaten angewiesen sind, um Geh\u00f6r zu finden. Das klingt \u201czu sch\u00f6n, um wahr zu sein\u201d? \u2013 Genau das bildet die Substanz der Suche nach politischer Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"image\" src=\"https:\/\/31.media.tumblr.com\/9abbae326f118dec3b0273d673c81d4b\/tumblr_inline_n16zufFf1F1qdqzhm.jpg\" \/><em>Detail der <a href=\"http:\/\/www.politicalbeauty.de\/srebrenica\/home.html\">S\u00e4ulen der Schande<\/a> des Zentrums f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit f\u00fcr die Opfer des Srebrenica-Genozids und gegen die Vereinten Nationen (\u201cAnstand schuf mich\u201d).<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.politicalbeauty.de\/center\/News.html\">Zentrum f\u00fcr Politsche Sch\u00f6nheit<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Alexiou, Evangelos (1995): Ruhm und Ehre. Studien zu Begriffen, Werten und Motivierungen bei Isokrates, Heidelberg<\/p>\n<p>Anders, G\u00fcnther (1979): Besuch im Hades. Auschwitz und Breslau 1966. Nach \u201aHolocaust\u2019 1979, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Aristoteles (2002a): Die Nikomachische Ethik, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Aristoteles (2002b): Rhetorik. \u00dcbersetzt und erl\u00e4utert von Christof Rapp. Erster Halbband, Berlin<\/p>\n<p>Baringhorst, Sigrid (1998): Politik als Kampagne &#8211; Zur medialen Erzeugung von Solidarit\u00e4t, Opladen<\/p>\n<p>Berlin, Isaiah (1981): Wider das Gel\u00e4ufige. Aufs\u00e4tze zur Ideengeschichte, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Bloom, Allan (1988): Der Niedergang des amerikanischen Geistes. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Erneuerung der westlichen Kultur, Hamburg<\/p>\n<p>Bluhm, Harald (2002): Die Ordnung der Ordnung. Das politische Philosophieren von Leo Strauss, Berlin<\/p>\n<p>B\u00f6hm, Andrea\/Denso Christian: Sieht so ein Kriegsherr aus? In: DIE ZEIT, Nr. 32 vom 30.07.2009, URL: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/32\/Milizenfuehrer-Mannheim.\">http:\/\/www.zeit.de\/2009\/32\/Milizenfuehrer-Mannheim.<\/a> Stand: 18.02.2014.<\/p>\n<p>Bredekamp, Horst (2005): Der K\u00fcnstler als Verbrecher. Ein Element der fr\u00fchmodernen Rechts- und Staatstheorie, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Bredekamp, Horst (2010): Theorie des Bildakts, Berlin<\/p>\n<p>B\u00fchler, Alexander\/Kohlenberg, Kerstin (2007): Planet der Waffen. In: DIE ZEIT, Nr. 19 vom 03.05.2007, URL: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/19\/Kleinwaffen.\">http:\/\/www.zeit.de\/2007\/19\/Kleinwaffen.<\/a> Stand: 18.02.2014.<\/p>\n<p>Danyel, J\u00fcrgen (2001): Der 20. Juli, in: Francois, Etienne\/Schulze, Hagen (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Band II, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Dizdarevic, Zlatko (1995): Der Alltag des Krieges. Ein Tagebuch aus Sarajevo, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>D\u00f6nhoff, Marion Gr\u00e4fin (1994): Um der Ehre Willen. Erinnerungen an die Freunde vom 20. Juli, Berlin<\/p>\n<p>Elfe, Wolfgang D. (1995): in: Fry, Varian: Auslieferung auf Verlangen. Die Rettung deutscher Emigranten in Marseille 1940\/41, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Fry, Varian (1995): Auslieferung auf Verlangen. Die Rettung deutscher Emigranten in Marseille 1940\/41, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>F\u00fccks, Ralf (2011): Unteilbar? Menschenrechtspolitik vor und seit 1989. Vortrag. Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung Berlin: 24. M\u00e4rz 2011, URL: <a href=\"http:\/\/www.stiftung-aufarbeitung.de\/downloads\/audio\/2011\/240311\/01.mp3.\">http:\/\/www.stiftung-aufarbeitung.de\/downloads\/audio\/2011\/240311\/01.mp3.<\/a> Stand: 18.02.2014.<\/p>\n<p>Fukuyama, Francis (1992): Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir?, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Johnson, Dominic (2009): Kongo. Kriege, Korruption und die Kunst des \u00dcberlebens, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Keen, Maurice (1991): Das Rittertum, Hamburg<\/p>\n<p>L\u00e9vy, Bernard Henri\/Ferrari, Alain (1994): Bosna! \u2013 Der Krieg in Bosnien und die Ohnmacht Europas. Dokumentarfilm\/Essay, 117 Min., Frankreich\/Bosnien: Zeitgeist Films.<\/p>\n<p>Lilienthal, Matthias\/Philipp, Claus (2000): Schlingensiefs Ausl\u00e4nder Raus. Bitte liebt \u00d6sterreich, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Meyer, Angelika\/Neumann, Marion (2008): Ohne zu z\u00f6gern. Varian Fry. Berlin \u2013 Marseille \u2013 New York, Berlin<\/p>\n<p>Montefiore, Simon Sebag (2008): Der junge Stalin, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>M\u00fcnkler, Herfried (1987): Im Namen des Staates. Die Begr\u00fcndung der Staatsraison in der Fr\u00fchen Neuzeit, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>M\u00fcnkler, Herfried (2009): Die Deutschen und ihre Mythen, Berlin 2009<\/p>\n<p>Naidoo, Kumi (2010): Boiling Point. Can citizen action save the world? In: development dialogue, Heft 54, Uppsala\/Schweden<\/p>\n<p>Naim, Moises (2006): Das Schwarzbuch des globalisierten Verbrechens. Drogen, Waffen, Menschenhandel, Geldw\u00e4sche, Markenpiraterie, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Neudeck, Rupert (1986): Radikale Humanit\u00e4t. Not\u00e4rzte f\u00fcr die Dritte Welt, Hamburg<\/p>\n<p>Nietzsche, Friedrich (2000): Die fr\u00f6hliche Wissenschaft, Stuttgart<\/p>\n<p>Paul, Gerhard (2009): Das Jahrhundert der Bilder. Die visuelle Geschichte und der Bildkanon des kulturellen Ged\u00e4chtnisses, in: ders. (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder. 1900 bis 1949, G\u00f6ttingen, S. 14-39<\/p>\n<p>Platon (2004): Der Staat. Politeia, Stuttgart<\/p>\n<p>Reinke, Sarah (2008): Versuche gegen das Scheitern. Menschenrechtsarbeit zum Tschetschenienkrieg am Beispiel der Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker, in: Malek, Martin (Hrsg.): Europa im Tschetschenienkrieg. Zwischen politischer Ohnmacht und Gleichg\u00fcltigkeit, Stuttgart, S. 145-162<\/p>\n<p>Rieff, David (1995): Schlachthaus. Bosnien und das Versagen des Westens, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>R\u00fcb, Friedbert W. (1999): Die R\u00fcckkehr der Barbarei. Nationalismus, ethnische Konflikte und Genozid im ehemaligen Jugoslawien, in: Klein, Ansgar (Hrsg.): Masse \u2013 Macht \u2013 Emotionen. Zu einer politischen Soziologie der Emotionen, Opladen<\/p>\n<p>Schiller, Friedrich (2009): \u00dcber die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Sloterdijk, Peter (2006): Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Thukydides (2000): Der Peloponnesische Krieg, Stuttgart<\/p>\n<p>Traufetter, Gerald (2009): Das eigene Leben riskieren. In: Der Spiegel, Nr. 49 vom 29.11.2009, S. 147.<\/p>\n<p>Wildt, Michael (2003): Generation des Unbedingten. Das F\u00fchrungskorps des Reichssicherheitshauptamtes, Hamburg<\/p>\n<p>Wyman, David S.\/Medoff, Rafael (2002): A Race against Death. Peter Bergson, America, and the Holocaust, New York<\/p>\n<p>Ziegler, Jean (2007): Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdr\u00fcckung, M\u00fcnchen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Unf\u00e4higkeit der Demokratie, gro\u00dfe Menschenrechtler hervorzubringen Publiziert in:\u00a0Bierdel, Elias \/ Lakitsch, Maximilian (Hrsg.): Wege aus der Krise. Ideen und Konzepte f\u00fcr Morgen [= Dialog. Beitr\u00e4ge zur Friedensforschung 63], Wien\/M\u00fcnster 2013, S. 105-119. 1. 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